Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 28 (10.12.1897)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1897-12-10
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
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•rite 8. Rr. «. dium dcr Medici« betreiben, seit es Juden giebt, die auf Grund ihrer wissenschaftlichen Forschungen, dem Resultate unzähliger am Pult und im Laboratorium durchwachter Nächte, hje und da eine Professur erlangen. Seit es Juden gibt, die als elend bezahlte Aerzte, das Elend und die Krankheit tausender zu curierey suchen, ist die Medicin plötzlich etwas kinderleichtes geworden. Eine gelungene Speculation, die den Juden das Mittel in die Hand gibt, rasch emporzukommeu. Und nun fällt man her über diese Spekulanten in Heilserum, über djese Haussiers in Tuberkeln, über diese gierigen Ausbeuter Ker Baccillen. Es ist wirklich schändlich, wie die Juden ipimer has einträglichste und müheloseste Geschäft aufsuchen. Z * * * Es kann auch gemeint gewesen sein, dass den Juden zu viel Ehre geschieht, wenn man sie mit Officiersrang im Corps der Aerzte aufnimmt. Die Juden sollen als „Fremdlinge" nicht würdig sein, den Waffenrock zu tragen. Monsignore Schcicher strebt also die Erreichung eines rumänischen Niveaus an. Ihm schwebt jenes Land vor, in welchem man den Juden von der ersten Bürgerpflicht ausschließt, und in welchem man ihn todt schlägt, wenn er patriotisch wird. * * * Die rumänischen Juden haben ihre Vaterlandsliebe theuer zu bezahlen. Man plündert ihre Wohnungen, man beraubt ihre Läden, man schändet ihre Gotteshäuser und maffacriert sie. Nicht deshalb etwa, weil sie die Brunnen vergiften, oder weil sie die Leute auswuchern, oder kleine Kinder umbringen, oder sonstwie unangenehm werden, sondern blos deshalb, weil sie Soldaten werden wollen. Die „feigen", die „krummbeinigen" Juden, die sich in die Reihen der Krieger drängen wollen, die sich bereit erklären, mit ihrem Leben dereinst für Rumänien kämpfen zu wollen, die ihren Antheil verlangen an den gemeinsamen Gefahren, die sucht man zu vertilgen. Die Polizei scheint eine gewisse ausgleichende Gerechtigkeit walten zu lassen; sie sieht zu, wie die Juden beraubt und getödtet werden, als suche sie ihnen damit zu beweisen: Ihr habt doch keinen Antheil am Schutz der Gesetze, warum fordert ihr ihn auf der Wahlstatt? * * * Die rumänische Staatsraison wird von den Antisemiten aller Länder zweifellos gebilligt werden. Wenn man den Juden keine Waffen in die Hand gibt, dann kann man sie auch künftighin „feige" schelten. Man erhält dadurch einen guten, alten Brauch aus den Ghettozeiten, und die Juden werden — da sie ja keine Wehr tragen dürfen — ganz von selbst eine mindere Art von Männern, Unfreie, Niedrige. Auch haben die Juden, seit sie beim Militär dienen dürfen und die Universitäten beziehen, ihre Ungeschicklichkeit in körperlichen Ucbungen verloren. Es hat sich gezeigt, dass die Phrase von der jüdischen Muthlosigkeit erlogen war. Wenn es also möglich wäre, ihnen den Säbel wieder zu entwinden, dann wäre dieser Rasse die Möglichkeit genommen, sich nach der Entkräftung eines mehr als tausendjährigen Ghettos wieder zu erfrischen. « * -fl Lange hat man gesagt: Die Juden sind keine Feldarbeiter. Wenn sie aber irgendwo den Pflug ergriffen, dann hieß es, diese Fremdlinge verdrängen uns von unserem ererbten Boden. Man hat ihnen vorgeworfen, dass sie kein: Kriegsdienste leisten, und nun zankt ein Delegierter mit dem Kriegsminister über die jüdischen Militärärzte. Man hat sic vaterlandslos gescholten, landstreichendes Volk, das keine Heimatsliebe kennt, und da sie darum bitten, ihren Patriotismus werkthätig bezeugen zu dürfen, bricht man in ihre Häuser ein. Bon den Misshandelten in Bukarest, durch den Berathungssaal der Delegationen bis weithin zur Teufelsinsel laufen die Spuren, auf denen es mit Blut zu lesen steht, wie der Assimilierungsirrthnm enden muss. Das Syndikat.* Bon Emil« Zola. Man kennt diese Annahme. Sie ist von einer Niedrigkeit und Dummheit, die derer würdig ist, die sie erfunden haben. Der Capitain Dreyfus ist von einem Kriegsgerichte wegen Hochverrathes verurtheilt worden. Seit damals wurde er »der Berräther"; er war nicht mehr ein menschliches Wesen, sondern ein Abstractum, welches die Idee des zugrunde gerichteten Vaterlandes, das dem siegreichen Feinde ausgeliefert wurde, verkörperte. Er repräsentiert nicht nur den gegenwärtigen und zukünftigen Verrath, sondern auch den der Vergangenheit; denn ihn macht man auch verantwortlich für die frühere Niederlage, in dem unausrottbaren Glauben, dass wir nur durch Verrath geschlagen werden konnten. Daher rührt seine schwarze Seele, sein abscheuliches Wesen, die Schande der Armee, der Bandit, der seine Brüder verkauft hat. Und da er ein Jude ist, so müssen natürlich die Juden, die reich und mächtig und überdies ohne Vaterland sind, ihre Millionen heimlich arbeiten lassen, um ihn aus der Affaire zu ziehen, indem sie die Gewissenhaften erkaufen und Frankreich durch ein verruchtes Complot umgarnen, um den Schuldigen zu rehabilitieren und einen Unschuldigen an seine Stelle zu setzen. Die Familie des Verurtheilten, natürlich auch eine jüdische, beschäftigt sich ebenfalls mit der Angelegenheit. Und das ist wirklich eine Angelegenheit. Handelt es sich doch darum, um Gold die Gerechtigkeit zu entehren, ihr die Lüge aufzubürden, ein ganzes Volk durch die unverschämtesten Machenschaften zu beschmutzen. Und das alles um einen Juden vor Ehrlosigkeit zu bewahren, und einen Christen an seine Stelle zu bringen. Deshalb muss sich also ein Syndicat gründen, d. h. dass sich Banquiers vereinigen, die Geld Zusammenlegen und die Leichtgläubigkeit der Bevölkerung ausbeuten. Irgendwo existiert eine Cassa, die den ganzen aufgerührten Schmutz bezahlt. Was mir besonders auffällt, ist, dass, wenn ein Schalter existiert, an dem man Geld bekommt, es nicht einige bekannte Spitzbuben in dem Sydicat gibt. Man kennt sie doch genau; wie kommt es, dass dieser oder jener, der eine oder der andere nicht dabei sind? Ja, das Merkwürdige ist sogar, dass alle Leute, welche die Juden, wie man sagt, gekauft haben sollen, gerade den Ruf einer unerschütterlichen Rechtschaffenheit besitzen. Vielleicht setzen die Juden einige Coquetterie darein, nur seltene Waare zu besitzen, indem sie dafür einen hohen Preis zahlen. Ich zweifle also sehr an diesem Schalter, obzwar ich ganz bereit bin, die Juden zu entschuldigen, wenn sie, bis zum äußersten getrieben, sich mit ihren Millionen vertheidigen würden. Beim Massacre bedient man sich dessen, was man hat. Und ich kann ruhig von ihnen sprechen, da ich sie weder liebe noch hasse. Ich habe unter den Juden keinen Freund, der meinem Herzen nahe steht. Für mich sind sie Menschen, und das genügt. Aber für die Familie des Capitain Dreyfus ist es was anderes, und derjenige, der sie nicht begreifen wollte, der sich nicht verneigt vor ihr, der hätte ein trauriges Herz. Verstehen Sie! All' ihr Gold, all' ihr Blut hat die Familie das Recht und die Pflicht hinzugeben, wenn sie eines ihrer Kinder unschuldig glaubt. Da ist die geheiligte Schwelle, die niemand das Recht hat zu beschmutzen. In dieses Haus, welches weint, wo es eine Frau, Brüder, Verwandte in Trauer gibt, kann man nur mit dem Hute in der Hand eintreten, und nur Gassenjungen allein erlauben sich da, laut zu sprechen und unverschämt zu sein. Der Bruder des Verräthers! Man schleudert alle Beleidigungen gegen diesen Bruder! Unter welchem moralischen Zustande, unter welchem Gotte leben wir denn, dass eine solche Sache möglich ist, dass der Fehler eines Mitgliedes der ganzen Familie vorgeworfen werde? Nichts ist niedriger, nichts ist unwürdiger unserer Cultur und unserer Generosität. Die Zeitungen, welche den Bruder des Capitain Dreyfus beleidigen, weil er seine Pflicht thut, sind eine Schande für die französische Presse. Und wer hätte denn zu reden, wenn nicht er? Er ist in seiner Rolle. Als seine Stimme sich erhob, um Gerechtigkeit zu verlangen, da halten die anderen überhaupt nicht zu intervenieren; und sie haben sich zurückgestellt. Er selbst hatte die Eigenschaft, um diese furchtbare Frage eines möglichen Justizirrthums aufzuwerfen, die Frage nach der Wahrheit, die zum Durchbruche gelangen soll. Man kann so viele Beleidigungen, als man will, aufhäufen, man wird das Bewusstsein nicht verdunkeln, dass die Vertheidigung des Abwesenden in den Händen derjenigen liegt, die seines Blutes sind, die die Hoffnung und den Glauben bewahrt haben. Der stärkste moralische Beweis zu Gunsten der Unschuld des Verurtheilten ist noch die unerschütterliche Ueberzeugung * Aus dem „Figaro-.