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Die Welt · 1897-12-03 · 27 (3.12.1897) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
27 (3.12.1897)
Article
Craiova [Nachricht] / Silva
Date
1897-12-03
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Sette 14. Nr L7 doch die Herren niemanden weiß machen wollen. Die verschiedenen Vereine ausgedienter jüdischer Soldaten haben natürlich lebhaft protestiert. Wahrscheinlich haben sie es beim Militär so gut gehabt, und hat ihnen die Ableistung ihrer Dienstzeit so viele Rechte verschafft, dass sie dieselben nicht missen wollen. Es wäre an der Zeit, diesem unsinnigen Gebaren entgegenzutreten und alle Kräfte zu ersprießlicherer Thätigkeit zu vereinen, als es diese nutz- und zwecklosen papierenen Demonstrationen sind. 8L1va. England. Manchester. (Orig.-Corr.) Am vorigen Sonntag fand hier eine Plenarversammlung der „Anqlo-Jewish Association" statt, in welcher auf die Leistungen des Vereines im Oriente durch die Gründung von Schulen hingewiesen und die Aussicht auf die Gründung einer Schule in Teheran in Persien ausgesprochen wurde. Herr Josef Masel, als Delegierter auf dem Baseler Congresse, ergriff sodann das Wort und zeigte in einer gelungenen Rede, wie wenig man hoffen dürfe, durch Gründung einer Schule in Persien die Lage der orientalischen Juden, die in der Letzten Zeit das Furchtbarste erleiden mussten, zu verbessern. Wer da glaubt, dass durch die Hebung des Bildungsniveaus im Oriente den Juden geholfen werden könne, blicke nur nach dem gebildeten Europa, oder nach Algier, das unter dem modernen Frankreich steht, und er wird die Ueberzeugung gewinnen, dass es nicht der Mangel an Bildung ist, der uns so schwer bedrückt. Transvaal. Johannesburg. (Orig.-Corr.) Dieser Tage langte an das Comire, das der Regierung im Namen der Juden Transvaals wegen Verweigerung der Gleichberechtigung eine Petition überreicht hatte, die Antwort ein. In derselben wich der Staatssecretär Dr. Leyds jeder directen Beantwortung aus, und bemerkte nur gegenüber dem Gesetz über die Verhaftung von Juden ohne Haftbefehl, dass der Staatsanwalt das Gesetz in weitgehendster Weise interpretieren werde. Die Juden haben nunmehr den Beschluss gefasst, bei der bevorstehenden Präsidentenwahl ihre Stimmen (300—400) für denjenigen Candidaten, der ihnen Gleichberechtigung versprechen werde, in die Wagschale zu werfen. Leuil Ihnen allen rn's Geslchk. ) Von Bertha vo« Suttner. Kaum war ich ein paar Stunden in Wien, so ist mir eine Abart der Qual — eine bodenlos unsinnige, dabei moralisch grausam schmerzende Menschenquälerei — in den Weg getreten. Hier heißt es also Schach bieten. Aber wie? Durch eine Flugschrift? Durch einen öffentlichen Bortrag? Nein, Las verschwindet. Dort, wo die Vertreter des Volkes zu den Gesetzgebern selber als Gesetzgeber, sprechen, wo sie vom ganzen Volke gehört, wo ihre Rede in den Blättern aller Parteirichtungcn wiedergegeben werden muss, von jener Stelle will ich gegen die bewusste Erscheinung auftreten, die mein Gefühl doppelt verletzt. Es thut mir weh, dass es Leute gibt, die davon getroffen werden und darunter leiden müssen; es verletzt mich aber auch, dass es Leute gibt, die sich zu dieser Leidenszufügung bereit finden. Wenn man foltern sieht, empfindet man — fast heftiger, als das Mitleid mit dem Gefolterten — die Entrüstung gegen den Folterer. Nun, um Daumschrauben und Eingießen siedenden Oels handelt es sich gerade nicht bei dem Gegenstände, den ich hier berühren will — wobei ich mich selber dem ganzen Hasse der Peiniger aussetze — aber dennoch um eine abscheuliche Quälerei: Um Beschimpfung, Unterdrückung, moralische Misshandlung einer ganzen Bevölkerungsfraction durch eine andere. Daneben sind die Zusehenden, die Geschehenlasser. Auch gegen die regt sich mein heftig bitteres Gefühl. Und das muss ich einmal sagen, ihnen allen in's Gesicht. So candidiere ich denn in den Neichsrath. Als Großgrundbesitzer in der österreichischen Monarchie kann ich ja hier ein Mandat erhallen. Was an diese Kandidatur wieder für Zeit, Kraft, Geld zu wenden wäre, ich brauche es nicht zu berechnen — es ist ja nur alles Phantasie. Also denke ich mir die Wahlagitation, die Aussprachen in den Wahlversamm- *) Fragment aus dem noch unter der Presse befindlichen neuesten Buche der Baronin v. Suttner: „Schach der Qua!." Vereinsnachvichten. Wien. Die neugegründete „Jüdisch-nationale Bereinigung" veranstaltete Samstag den 27. v. M. im dichtbesetzten Mfsourcesaal ihre Gründungsfeier. Nach der warmen Begrüßung der erschienenen Gäste, insbesondere der Vertreter des Actiottscomiiss, der Vereine „Morr ah", „K ad im ah", „Jvria", „Libanonia", dex „Veritas" aus Brünn n. s. w. durch den Präsidenten M. Richard Wagner,, ergriff der bekannte Schriftsteller Herr Mathias Ächer zum' Vortrag „Wissenschaft und Zionismus" das Wort. Aufgabe seiner üesdurchdachten, sehr anregenden Ausführungen war es, die' Nöthwendigkeit wissenschaftlicher Vertiefung für die zionistische Jugend, forme die Wichtigkeit des Nachdenkens über die dem Judenthuin zugrunde liegenden Probleme für jeden Zionisten überhaupt nachzuweisen. Einige Fragen warf er auch auf, wie das Verhältnis des Zionismus zmjl Socialismus, deren Gegensatz der Redner so auffasst, wie wenn sichein Schuster und ein Tischler um eine Kundschaft raufen würden, od^r er zeigte die Nothwendigkeit der Untersuchung des politischen Charakters der Juden u. f. f. Der Vortrag, der demnächst im Druck erscheinen wird, wurde mit lebhaftem, wiederholtem Beifall ausgenommen. Gespräch noch für. Feiwel im Namen der „Veritas"; das Schlusswort hatte 8tuä. Lederer. i Wien. Der Verein jüdischer Mädchen „Hadassah" veranstaltet anu Samstag den 4. d. M. einen gemüthlichen Abend mit nachfolgendem Tanzkränzchen in Hatscheks Restaurant, H., Praterstraße. Podhajee. Am 24. v. M. fand die über Anregung der Herren I. jGrünberg, S. Marienberg, M. Kupfer und Schorr erfolgte Constituierung des Vereines „Zion" in Podhajce statt. Der Vetein, der bereits 150 Mitglieder aus allen Schichten der Bevölkerung zählt, wählte zum Präsidenten Herrn Benj. Kittner, in den Ausschuss die Herren S. Lifschütz, S. Aschkenazy, Marienb e ig, Kornbaum, Grünberg und Schorr. Der Verein steht auf: dem Boden des Baseler Programms. 5 Zbaraz. Bei der Sonntag den 21. v. M. stattgefundenen Neuwahl für das Wintersemester 1697/98 des Vereines „klassjoniw- HaLeebirem" wurden gewählt: Herr L. Willner, ein Enkel des hiesigen Rabbiners und hochangesehener Bürger von Zbaraz, zum Ehrenpräsidenten; zum Präsidenten Herr Jakob Pordes, zu Viceprästdentcn die Herren D. Chuwen und N. Somerfleck, zum Casster M. L. Lewinter und zu Secretären die Herren I. Imber M. Aschkenasy und I. Werber. — Der Präsident Herr Pordes dankte den Versammelten mit herzlichen Worten für seine Wahl. Es wurde in der Versammlung beschlossen, eine Commission einzusetzen, um für den Nationalfonds zu sammeln und jeden Samstag Zionisten-Vorlesungen zu veranstalten. l et o ir. Lungen, die erfolgte Wahl und die Wahlbestätigung als vorüber, und will nun die Debatte hersetzen, an die ich meine Jungfernrede! geknüpft hätte. Die folgenden Aussprüche der mit Namen angeführten Abgeordneten sind nicht Phantasie. *) ) Ich habe meinen Platz eingenommen, zur Linken natürlich — und harre der Dinge, die da kommen werden. -Der Präsident eröffnet die Sitzung. Wohlan — nun soll von diesen Mannen allen irgend ein neues Gesetz, eine neue Einrichtung geschaffen werden, welche unendlich weit verzweigte Folgen nachsich ziehen mag, von welchen die Einrichtenden nicht die blässeste Ahnung haben. Die Stimmenmehrheit wird entscheiden. Gibt; es wirklich mehr Gescheite in diesem Raume, als Dumme, mehr Gelehrte, als Unwissende? Es sieht nicht danach aus. Außer fünf oder sechs bedeutenden Köpfen gibt es da eine Masse von nichtssagenden Gesichtern mit mitunter rohen Zügen — Leute, deneü man auf den ersten Blick ansieht, dass sie zum mindesten — keine Gentlemen sind. ^Ach, überhaupt, wo viele Menschen beisammen sind, welche Ueberfülle von Hässlichkeit! Wie wenig ist da von jenem Schliff zu sehen, der als ein Widerschein der verfeinerten Seele in Bewegungen, Organ, Kleidung, Blick und Wortwahl auch das äußere Gebaren und die äußere Erscheinung verfeinert. Zu den Pflichten der ethisiertcn Menschheit wird sich allmählich auch die Schönheitspflicht gesellen müssen. Aie Verhandlungen beginnen. Gegenstand: Die Besetzung einer Jrrenarztstelle. Ab und zu zeichne ich in mein Notizbuch ein. .Abgeordneter Greg orig sagt: „Es wurde ein Jude in die Landesirrenanstalt als Arzt ausgenommen. Es muss der Bevölkerung Sicherheit geboten werden. Diese Sicherheit ist nicht geboten, wenn man dort Juden anstellt. Wir wissen, dass der Jude sin der Regel jür 'alles zugänglich ist. Es werden Leute eingesperrt, die nicht verrückt sind, und da ist es gefährlich, wenn *) Siehe Protokoll des uiederösterreichischen Landtages — Februar 1895.

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