Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1897-12-03 · 27 (3.12.1897) · p. 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
27 (3.12.1897)
Article
Wien [Nachricht] / -w-
Date
1897-12-03
Page
13 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315710-3315737--03029-3382798
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Rr. »7. «WM e»kti IS eine ganz andere Abwehr ermöglichen, als die lässige, furchtsame Vertheidigung der Juden und die dadurch problematische Action ihrer arischen Freunde. In demselben Sinne und mit Hinweis aus die zionistische Jugend sprach Herr Dr. Münz. Kaum war aber dieser Hinweis in die bereits zum Weggehen sich anschickende Versammlung gefallen, da erhob sich sofort Herr Waldste.n, um den Zionismus schlankweg als Narretei zu bezeichnen. Ein Theil der Versammlung brach sofort in PrMestrufe gegen diese „originelle" Behauptung aus und zollte den kurzen Ausführungen des Herrn Dr. Werner lebhaften Beifall, als er Herrn Wald st ein scharf zurückwies, Herr Wald st ein bekannte, dass er nicht informiert sei, und damit schloß die Versammlung. An derselben nahm außer dem Abgeordneten Kareis, Baron 8 eitenberg e r, Abgeordneter Kronawetter, Kammerrath Amfter, Balduin Groller sammt seiner Frau, Herr S. Heit und auch noch eine Abordnung des „Allgemeinen österreichischen Frauenvereins", mit den Damen Fickert und Lang an der Spitze, theil. Die Damen wollen den Verein zur Abwehr des Antisemitismus für eine große Propaganda gewinnen, welche Aufklärung in das Volk trageri soll. Veäsremo. — — / Prag. (Orig.-Corr.) Die deutsche Fortschrittspartei hat an den Commers der Prager „Germania", die mit „nationales Entschiedenheit" als antisermtrscher, „judenreiner" Trutzvereiy neben der fortschrittlichen Lese- und Nedehalle gegründet wurd^ folgendes Telegramm gerichtet: „Den Jüngern der ältesten, deutschen alma mater senden die Mitglieder der deutschen Fortschrittspartei treudeutschen Gruß. Nationale Entschiedenheit und Einigkeit muss zum Siege führen. Heil der deutsch-akademischest Jugend! Dr. Groß." Krakau. (Orig.-Corr.) Auf der schwarzen Tafel der „Alma mater Jagiellonica" prangt zum erstenmal der Aufruf der zionistischen 'Studentenschaft. Es ist die beste Antwort auf die antisemitischen Angriffe in den Studenten-Versammlungen (in der letzten Nummer soll es unter den Correspondenzen statt Lemberg heißen: Krakau) und es war dazu die höchste Zeit. Noch bevor die Statuten des zionistischen Studentenvereines „Przedsrit" herabgelangt sind, haben sich die Sprecher der zionistischen Studentenschaft zur. Lutwak und meä. Ramer an den Nectox Pater Knapinski mit dem Ersuchen um Erlaubnis zur Assichierung eines Aufrufes gewendet, die ihnen willig ertheilt wurdx. Der Aufruf ist schwungvoll geschrieben und von echt jugendlicher Begeisterung dictiert. Er beginnt: „Wer vom Rechte, seine Ehre zu verteidigen, nicht Gebrauch macht, vrrliert dasselbe. Aber wir ergreifen das Wort nicht blos, um uns zu verteidigen, sondern auch um etwas Positives zst leisten, um unsere Existenz zu manifestieren, um zu zeigen, wie die jüdisch-nationale Jugend denkt und empfindet.. Wir sind Juden und fühlen uns als solche, dieses heilige Gefühl, das uns zu großen Thaten und Opfern begeistert, schöpfen wir aus unserer Geschichte. Aus dieser Quelle schöpfen wir auch die Ueberzeugung, dass keine künstliche Bewegung im Stande sein wird, unserem zweitausendjährigen Märtyrium eine Ende zu machen. Nur aus Liebe zu unserem Volke, aus Widerwillen gegen die niedrige Assimilation. . . verlangen wir eine Wiedergeburt unseres Volkes auf seinem eigenen Boden." „Unser Ideal ist die Wiedergeburt des Judenthums." „Werden uns die Polen unsere Ideale zum Vorwurf machen? Habt Ihr denn uns nicht deshalb Eure Geschichte gelehrt, damit wir wissen, wie man für Freiheit kämpft?" Dieses mannhafte Auftreten unserer Studentenschaft hat jn den weitesten jüdischen Kreisen den besten Eindruck gemacht, usid die warmen Sympathien für dieselbe dürften gewiss anlässlich der von ihr in Aussicht genommenen Maccabäerfeier zum Ausdrucke gelangen. Deutschland. Baden. (Orig.-Corr.) Einen interessanten Erlass hat der israelitische Oberrath an die israelitischen Hauptlehrer und an die älleren Religionslehrer gerichtet. Jn dem Erlass ist unter anderem gesagt: „Es lässt sich nicht verkennen, dass sich der Religionsunterricht noch nicht in das rechte Verhältnis zu Ken realen Mächten des Lebens zu setzen verstanden hat. Während der weltliche Unterricht auf dem Boden der modernen Wissenschaft ruht und mit den feststehenden Verhältnissen derselben nicht leicht in Widerstreit geräth, sind diese für den Religionsunterricht nicht vorhanden. Entweder wird der Unterrichtsstoff ohne jegliche Rücksicht auf die moderne Weltanschauung und ohne den Versuch eines Ausgleiches mit derselben behandelt, oder man geht solchen Bestandtheilen . des Unterrichtsstoffes, die zu Zweifeln Anlass geben, von vornherein aus dem Wege. Nach der Entlassung aus der Schule und beim Eintritt in das wirkliche Leben fehlt es dann an jeder Widerstandskraft in den den bisherigen Religionsvorstellungen vielfach entgegenstehenden, ja feindlichen Anschauungen, welche auf den jungen Menschen von allen Seiten eindringen. Die Beseitigung dieses Uebelstandes ist eine Aufgabe des Religionsunterrichtes, welche noch der Lösung harrt. Da die unausweichliche Auseinandersetzung mit Wissenschaft und Lehen—wobei die Religion keineswegs den Kürzeren ziehen wird — wohl nicht der subjectiven Ansicht der einzelnen Lehrer überlassen werden kann, und da von den vorhandenen Lehrbüchern keines recht befriedigt, wird die Schaffung eines brauchbaren Leitfadens für den Religionsunterricht in erster Reihe in Aussicht zu nehmen sein." Köln. (Orig.-Corr.) Wenn man den Herren Salonjuden in Westdeutschland von der einzigen Lösung der Judenfrage, dem Zionismus spricht, dann antworten sie gewöhnlich, sie leben im schönsten Frieden und für sie existiere gar keine Judenfrage. Es ist daher interessant, von Zeit zu Zeit diesen „Frieden", die mächtigste Stütze der Assimilation, zu beleuchten. Wir hatten hier, wie in ganz Preußen, in den letzten Tagen die Wahlen zum Stadtrath, und da zeigte sich das Bild des corrumpierten politischen Lebens. Der Mandatschachcr und die Parteihetze trieben ihre schönsten Blüten, und die ganze Scala der Schimpfereien konnte man täglich in der Localpresse lesen. Die alte Erfahrung, dass die kleinen politischen Kämpfe am gehässigsten und schmutzigsten ausgefochten werden, bestätigte sich wieder. Nun, das gierige uns Juden weiter nichts an, wenn wir nicht wie überall den allgemeinen Sündenbock abgeben müssten. Hier in Köln stehen sich zwei Parteien im Kampfe gegenüber: die Lrbcralen und das Centrum. Die Juden, die hier fast durchwegs zum Mittelstand gehören und mit ihren 200 Stimmen in der zweiten Classe den Ausschlag geben, sind während der Communalwahlen die begehrtesten Bürger, und beide Parteien werben um ihre Gunst. Den Reigen eröffnete diesmal der Stadtanzeiger der „Kölnischen Zeitung" und er troff vor Liebe und Toleranz. Die verehrten israelitischen Mitbürger dürfen um Gotteswillen nicht ihren aufrichtigen liberalen Freunden untreu werden. Die geschätzten Brüder mosaischen Glaubens können ja nicht für das Centrum wählen, denn die Centrumspresse namentlich «auf dem Lande sei stets antisemitisch angehaucht, und die „Germania", das ultramontane Centralorgan, predige immer Hass gegen die Juden. Das ungefähr bildet den Tenor der liberalen Lockartikel. Was hier behauptet wird, mag schon wahr sein. Die „Kölnische Zeitung" vergisst bloß dabei, dass es auch in der liberalen Presse an antisemitischen Auslassungen nicht mangelt. Ware ihr Gedächtnis nicht zu schwach, daun müsste sie wissen, -dasssie selbst gar häufig „aus Patriotismus und aus Objektivität" auf die unangenehmen, undeutschen jüdischen Eigentümlichkeiten schimpft, dass z. B. ihr Wiener Korrespondent es nie an antisemitischen Ausfällen fehlen lässt. Der Lvcalanzeiger der „Kölnischen Bolkszeitung" erwiderte darauf: „Die katholische, Bürgerschaf t Kö l n's wird m i t Spa n n u n g das V e r halten der i s r aelitischen Wä h ler verso l H e n. - Nun wollen wir abwarten, ob der Dank unserer israelitischen Mitbürger darin besteht, dass sie als solche eine feindselige Stellung gegen die tat hol. Bevölkerung einzunehmen gewillt sind." Also die Juden, sollen sich macht nehmen, wenn si: nicht centrumsfreundlich wählen, dann weiß die katholische Bevölkerung, was sie zu. thun habe. Die Controle ist ja leicht, da die Wahl keine geheime ist. Eine solche unverschämte Drohung darf man sich nur gegen Juden gestatten. Der Kölner Jude ist wahrlich in einer glücklichen Lage: Er ist ein Feind der katholischen Bevölkerung, wenn er liberal wählt, er ist ein Reaktionär und ein schlechter Patriot, wenn er ultramontan wählt. Soll er also gar nicht wählen? Da ist er ein schlechter Bürger, der seine politischen Rechte nicht wahrnimmt und daher keine verdient. Der Jude mag machen was er will, er macht es nicht recht. Es ist also die alte Logik der Brutalität: Und der König absolut, wenn er unfern Willen thut. Die Juden genießen die Liebe der politischen Parteien solange sie ihre Sklaven Pud. So also schaut es mit dem vielgepriesenen Philosemitrsmus am Rheine aus! Ja, es gibt eben keinen Judenhass, keine Judennot und keine Judenfrage, die ganze Sache ist eine Erfindung der Zionisten. kV 8. Rumänien. Craiova. (Orig.-Corr.) Das neue Armeereformproject bringt unsere Assimilationsjuden ganz aus dem Häuschen. Es liegt gewiss damit wieder ein unverkennbar gehässiger Schritt der Regierung vor. Dass aber die Juden durch das Nichtdienen beim Militär in Rumänien noch Rechte verlieren könnten, das werden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.