Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 26 (26.11.1897)
- Article
- Verein "Zion" in Czernowitz [Nachricht]
- Date
- 1897-11-26
- Page
- 15 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. fl6. Seite 15. Ueber seinen Antrag wurde die Anregung zur Gründung eines Landesverbandes aller zionistischen Ortsgruppen in der Bukowina beschlossen. Die Generalversammlung nahm auch osficiell den Bericht des Delegierten über die Baseler Beschlüsse zur Kenntnis und erklärte durch Annahme einer Resolution, dass sie das Programm des Zionisten-Congresses zu dem ihrigen mache. Ueber Antrag des Bereinsmitgliedes Dr. Schifter wurde Dr. Theodor H e r z t mit begeisterter Zustimmung zum Ehrenmitglied des Vereines ernannt. Hierauf wurden in den Ausschuss gewählt die Herren: E. H. M e l z e r, Präsident; Dr. M. Ebner, Vicepräsident; Dr. M. Schifter und S. H o r o w i tz, Schriftführer; ferner die Herren: U n g e r m ü n z, Schorr, Hauer, Metsch, S. Jukinger, S. Trichter, S. W a g s ch a l, I. Walzer. Nach der Wahl fand in der Weinhalle des Gesinnungsgenossen S. Geller ein geselliger Abend der Bereinsmitglieder statt, der einen geradezu großartigen Verlauf nahm. Die Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt, als Dr. Ebner einige Reminiscenzen an den Congress zum besten gab. Es sprachen überdies mit begeisterten Worten die Herren Dr. Menzel und Dr. Schifter. Eine Sammlung für den Nationalsonds ergab ein ansehnliches Resultat. — Die hiesigen Zionisten hoffen, bei den im Jänner 1898 stattfindenden Neuwahlen in den Cultusrath einige Zionisten durchzubringen. Breslau. Der aus zionstischer Initiative hervorgegangene „Indische Rede- und Dtseutterelub Graetz findet in den jüdischen Kreisen unserer Stadt großen Anhang und können wir die erfreuliche Thalsache verzeichnen, dass die Zahl der Mitglieder in verhältnismäßig so kurzer Zeit die stattliche Ziffer von circa 70 erreicht hat. Vergangenen Samstag den 20. d. M. fand die Wahl des Vorstandes statt, aus welcher Hervorgiengen: Als I. Vorsitzender Fabriksbesitzer A. Hirschfeld, als II. Vorsitzender Rechtsanwalt Sachs, als I. Schriftführer vr. weä. K w i l e c k i, als II. Schriftführer Hugo W ü r ck h e i m, als Cassier Kaufmann Julius Sachs. Der Verein der „New-Nvrker Zionisteufreuude" hat in seinen Vorstand folgende Herren gewählt: Rabbiner Dr. Philipp Klein, Präsident; Henry Reinhardt, Schätzmeister; Dr. Michael Singer, Schriftführer; Executive: Rabbiner Dr. Louis Alexander, Moses Aszud. L. Friedmann, Prof. Richard Gottheit, Julius G o t t l i e b, Rabbiner Jaches, M. L e b o v i t s, Anton Moskow i t s, Leopold R e u st a d t und M. S a r a s o h n. Im Vereine der „Brooklyuer Chowewe Zion" wurden ins Präsidium berufen: Dr. M. Singer als Präsident, I. Manil o f f als Vicepräsident und I. Starrels als Secretär. In Clevelaud haben sich zwei zionistische Vereine gegründet: „Chowewe Ziou" und „Buei Zion". Zeitschrifteu-Rundschau. In der December-Nummer des „CosMopvtts" wird ein Artikel von I. Zangwil über Heine aus Anlass des Centenariums seiner Geburt erscheinen. — Vorige Woche fand in der Ressource Wien, Reichsrathsstraße eine von socialistischen Studenten einberufene Versammlung statt, auf deren Tagesordnung „Der Nationalismus und Socialismus" stand. Im Laufe der Debatte kam es zu einem heftigen Zusammenstöße zwischen Zionisten und Socialisten, die eine derartige Form annahm, dass der Regierungs- Vertreter der Versammlung auflöste. Das Organ der Jungtschechen, die „Raroduy Listy" bringen nun darüber ein Feuilleton, dem wir in wörtlicher Ueberjetzung folgende Stellen entnehmen: „Wenn ich Jnde wäre, würde ich auch Zionist sein. WaS gibr's schöneres, als der Sohn eines Volkes mit solcher Vergangenheit zu sein, wie sie jene hatten, die an den Ufern des Jordan wohnten, und deren Mittelpunkt das heilige Jerusalem war. Ein Volk, mit dem Gott selbst sprach, in das er den Samen senkte, aus welchem später das weltb herrschende Christenthum entspross, ein Volk, welches trotz seiner kleinen Zahl soviel Helden und Weise, Dichter und Denker besaß, dass es in jener Zeit für die ganze übrige Welt ausgereicht hätte. Warum sollten die Söhne dieses Volkes sich an die Schleppe anderer Nattonen heften und sich aus Mitleid eine Unterkunft erbetteln? Warum sollten sie sich denen aufdrängen, die sie Haffen? Bravo, junger Zionist, kühner Jude! Du wurdest zwar, von den Socialdemokraten überschrien und übertobt, und wenn die Polizei nicht eingeschritten wäre, hätten sie Dich aus der Welt geschafft; aber trotzdem bist Du mir sympathischer als jener, welcher, weil er selbst kein Nationalgefühl hat, es auch bei den anderen aus¬ Feuil Schwache Hände. Eine Börsengeschichte von Karl Colbert. (Schluss.) Die Börse verlief wider Erwarten ruhig; aber sie war wie ein Schwerkranker, der nach einem heftigen Anfalle in halber Bewusstlosigkeit dahinbriitet. Nur zuweilen verrieth eine stürkere Bewegung, der rasche Courssturz eines Papieres, rotten will. Soll ich Dich für wahnsinnig halten, weil Du eine Nationalität aufcrweckcn willst, welche schon lange todt ist und welche schon darum auf der Welt nichts zuthun vermöge, weil ihr zwei Hauptbedingungen zum Leben fehlen — Sprache und Staat? Dass sie aber nicht todt ist, sondern vielleicht mehr als lebendig ist, lehrt uns die Etfahrung überall, wohin wir kommen. Und warum sollte nicht zu neuer Blüte gelangen die schlummernde, heilige. Gegend um den See Genezareth und warum sollte nicht wiederum die Ceder am Libanon ergrünen?" — Ueber den berühmten Obersten B e r e k I o s e l o v i c z, der sich in den polnischen Freiheitskämpfen unter Kosciuszko besonders auszeichnete, bis er bei Kock in rätselhafter Weise verschwunden ist. veröffentlicht Hofrath Wawel-Louis in der hervorragenden polnischen Monatsschrift „Przeglad PolSki", unter dem Titel: „Zgin^l jak Berek pod Kockiem“ (Ec fiel wie Berek bei Kock), einen sehr interessanten Artikel. Hofrath Wawel-Louis hat nämlich auf Grund von Urkunden des Wiener k. k. Kriegsarchivs neue Einzelheiten des wahren Heldentodes Joselovicz' ermittelt, die er uns erzählt. „Von diesem Berek, dem Prototyp eines polnischen Juden, wie er bei uns leider nicht oft vorkommt, konnte man in Krakau von Morgen bis spät in die Nacht hören. Der Klang seines Namens tönt sogar bis in den achten Stadtbezirk, wo eine Gasse seinen Namen trägt." Ueber den Tod Berek's herrschten bisher die wunderbarsten Sagen, denen Hofrath Wawel-Louis die geschichtliche Wahrheit entgegensetzen will. „Bei näherer Betrachtung fiel es mir ein, dass wenn Berek Oberstlieutenant der Cavallerie war und am 5. Mai 1809 nicht in einer Schlacht, sondern in einem Vorgefecht mit österreichischen Husaren fiel, so muss er auch von einem Husaren getödtet worden sein. Die Tödtung eines Stabsoffizieres war doch gewiss eine seltene Waffenthat, und da damals die Soldaten für Waffenthaten silberne und goldene Tapferkeitsmedaillen erhielten, so muss auch jener Husar, der Berek niederschlug, eine solche bekommen haben." Der Verfaffer gieng nun der Sache nach und es gelang ihm aus dem Kriegsarchiv festzustellen, dass Berek vom Husarn Stefan Toth erschlagen wurde, der hiefür die silberne Tapferkeitsmedatlle erhielt. Berek hatte nämlich nach einer heftigen Cavallerie-Ataque die Stadt Kock genommen. Hier ordnete er am Ring seine Schaaren, als er von einer Husaren-Escadron überfallen, zurückweichen musste und in die offene Reitschule gelangte. Die Husaren umzingelten sie. Es entstand ein heftiges Gemetzel, und als sich Oberst Berek nicht freiwillig ergeben wollte, wurde er vom Husaren Toth niedergestreckt. Mit dieser Feststellung wollte Hofrath Louis-Wawel „aus dem Wörterbuche der nationalen Sprichwörter eines beseitigen". — Im letzten Heft derselben Monatschrift veröffentlicht Dr. S. R. Landau einen größeren Artikel über „Zionismus. Nach dem Congress von Basel." Die l.tzte Nummer des New-Uorker „Zionist" bringt die Fortsetzung von Dr. H er zl's Broschüre „D e r Z i o nist e n - C o n gr e ss" neben mehreren interessanten Artikeln, von denen Michael S i n g e r's Artikel „Der ewige Jude" besonders anspricht. Sehr bemerkenswerth sind auch die Berichte über die abgehaltenen Zionistenmeetings und den gewaltigen Fortschritt der zionistischen Bewegung in Amerika. In jeder Nummer hat der „Zionist" von neuentstandenen Zionsvereinen und neugewonnenen bedeutenden Männern zu berichten. Auf dem nächsten Zionistencongresse wird denn auch die Zahl der Vertreter der amerikanischen Zionisten eine ganz bedeutende sein. In Chicago erscheint ein neues zionistisches Organ „Hnpisgoh". Herausgeber ist unser wackerer Gesinnungsgenosse W. Schur. Das Blatt erfüllt, wie dies bei seiner vorzüglichen Schristleitung nicht anders zu erwarten ist, seinen Zweck als zionistisches Agitationsmittel nach jeder Hinsicht. Ein deutsches Tagblatt in San Antonio „Freie Presse für Texas" bespricht in seinen „Sonntagsbetrachlungen" vom 30. Oktober dieses Jahres den Zionismus. Es geschieht dies in diesem Blatte nicht zum erstenmal. Was aber diesmal auffällt, ist, dass der Vefasser nach einer ausführlichen und detaillirten Darlegung der zionistischen Idee und Bewegung zu folgendem Resultat gelangt. „Wir verhielten uns damals dieser neuen Bewegung gegenüber ziemlich skeptisch und sprachen die Ansicht aus, dass es derselben wohl ähnlich ergehen werde wie anderen Staatengründungsplänen — wie beispielsweise dem verkrachten Hertzka'schen Kilimandscharo-Neuland-Projekte — d. h. dass es entweder in die Brüche gehen oder schon ganz vom Anfang an aus Mangel an Interesse und Betheiligung im Sande verlaufen werde. In Bezug aus diese letztere Vermuthung scheinen wir uns aber allerdings geirrt zu haben." leton. dass das Fieber in dem anscheinend apathischen Körper tobe. "Weigert schlich wie betäubt umher; wo sich eine Gruppe bildete, trat er hinzu, in der jedesmal getäuschtül Hoffnung, .Neues, Tröstliches zu erfahren. Aus all den flüchtig aufgefangenen Bemerkungen wurde ihm nur eines klar: niemand glaubte, dass die Baisse schon zu Ende sei, jeder erwartete noch eine furchtbare Krise und rüstete sich, ihr zu begegnen. Wer Geld hatte, hielt es bereit; wer verkaufen konnte, verkaufte.