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Die Welt · 1897-11-26 · 26 (26.11.1897) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
26 (26.11.1897)
Article
Warschau
Date
1897-11-26
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. HS. Seite 18. hervorrief, war eine unbeschreibliche. Im Laufe der nächsten Woche soll eine zweite Zionisteu-Bersammlung stattfinden, von der man sich ebenso großen Erfolg verspricht. , —- Tßie div polnischen Blätter berichten, wurde das Ansuchen der jüdischen BtanntwerüHändler um die Erlaubnis, von Neujahr ab geistige Getränke 'weiter verkaufen zu dürfen, abgelehnt. Es sind demnach wieder einige tausend Familien von Noth und Hunger bedroht. — Der Verkauf von Wein und Cognac aus den jüdischen Colonien durch die hiesige Gesellschaft „Karmel" gewinnt immer mehr am Ausdehnung und verspricht für die jüdischen Colonisten eine segensreiche Quelle für den Consum ihrer Producte zu werden. Vor Kurzem wurde: auch in Odessa eine Filiale des „Karmel" eröffnet, deren Wein bek Juden und Christen gleich große Anerkennung findet. B. Eisenstadt.? Nrtv-Hork. (Bereinigung der zionistischen Ber-' eine von Rew - Uork.) In dem am 15. October unter dem Vorsitze des Professors Gottheil abgehaltenen Meeting des Vereines.' „Ohole Shem“ wurde der Beschluss gefasst, eine Vereinigung sämmt-l licher zionistischen Vereine des Landes herzustellen. In Ausführung dieses Beschlusses kam auch am 27. October eine Delegirrcnversammlung zustande, bei der 15 zionistische Vereine aus verschiedenen Städten repräsentirt waren. Diese Vereine zählen 1310 Mitglieder und sie erklärten^ alle ihren Beitritt zum Verbände. Es wurde lediglich eine fünfgliedrig^. Commission zur Ausarbeitung der Statuten für bic LandesorganisatiolL eingesetzt, deren deackguartera-tsnt in Ncw-Dork seinen Sitz haben wird^ In demselben Meeting wurde auch bekanntgegeben. dass sich ein zio-' nistischer Verein als ^kal68tiu6 kroäueb Importing Company“ mit' einem Capital von 5000 Antheilscheinen ä 5 Dollars in New-Dork etabliert habe. Nrdv-Horkr. Begeisterung in allen Ecken und Enden. Es is^ doch wunderbar, welche Wandlung sich hier seit dem Baseler Congress vollzogen hat! Leute, die jeder jüdischen Sache gegenüber zugeknöpft' waren, beginnen sich für unsere Bewegung zu erwärmen und den Zionismus als ernsten Factor zu betrachten. Und in dem Lager de< Feinde herrscht Stille, eine Stille, die durchaus keinen bevorstehenden neuen Kampfausbruch, sondern eher eine Gesinunngsänderung bedeutet „Ahawe Zion", eine Vereinigung junger Leute, hatte letzten. Mittwoch einen großen Abend. Am Sonntag hatte die Brooklyner „C h o w e w e Zion" in der Keap-Str. Synagoge eine Massenversammlung, bei welcher die Herrew Michael Singer, I. Roß, L. Stampfer aus Palästina und. I. Simon begeisterte Ansprachen hielten und die Schaffung eines Nationalfondes befürworteten. Gestern Mittwoch hielt der Verein „New-Iorker Zio n s^ freunde" unter dem Vorsitze von Rabbiner Dr. Philipp Klei ti. eine Executiv-Versammlung ab, deren Hauptgegenstand die Art einer weiteren Agitation und die Beschaffung der zur Agitation nöthigen Hilfsmittel war. Es wurde zur Ausarbeitung eines Programmes eüj Comils entsendet, welches binnen kurzem zu berichten hat. Für nächste^ Sonntag wurde die Abhaltung einer großen Massenversammlung in der Norfolk-Str. Synagoge beschlossen, und wird sich dieselbe zweifellos zis einem zionistischen Ereignisse gestalten.? Clrdrland. (Ohio) Hier sind zionistische Vereine mit großer Mitgliederzahl mS Leben gerufen worden. Die Versammlungen haben besonders auf Betreiben der Herren L a u f m a n, Racker und Rabbiner Gitelsohn, am 30. October stattgefundeu und haben sich die Herren Rabbiner Dr. Warner und Gitelsohn, ferner Herr S. Racker^ als vorzügliche zionistische Redner bewährt. Eorresxonderyen. Oesterreich-Ungarn. Wien. (Orig.-Corr.) Der in zionistischen Kreisen bekannt^ und hochgeschätzte Exporteur, Herr Josef Teich, ist nach kurzem, schwerem Leiden am 19. November verschieden. An dem am Sonntag, 21. November stattgefundenen Leichenbegängnisse betheiligteu sich die Vertreter der hervorragendsten Bürgerkreise der Leopoldrstadt und viele unserer Gesinnungsgenossen. < Witn. (Orig.-Corr.) Um das Zustandekommen eines jitbti schen „Gemeindebundes" trotz des erfolgten Verbotes dennoch zu ermöglichen, begab sich am letzten Sonntag eine Deputation, bestehend aus einigen Mitglieder des hiesigen Cultusf Vorstandes und mehreren Abgeordneten, darunter Kareitz, S t r a u ch e r und T i t t i n g e r, zum Grafen B a d e n i. Die Deputation trug dem Ministerpräsidenten ihre Bitte vor, die beanständeten Punkte abändern und die Statuten neuerlich über^ reichen zu dürfen. Graf Badeni empfing die Deputation sehr freundlich und versprach ihre Bitte zu berücksichtigen. ’ Wien, 22. September. (Orig.-Corr.) Der Abgeordnete füp Czernowitz, Dr. Straucher, war in dieser Parlamenlssessioy der erste Jude, der als solcher auftrat. Seine „thatsüchliche Berichtigung" am letzten Freitug war eine Rede; sie war die Rede eines unabhängigen, durch keinen Clnbzwang gebundenen Mannes-: Tatsächlich ist auch Dr. Straucher der erste jüdische Abge^- ordnete im österreichischen Parlament, der sich in keine Clubdisciplin Hineinpressen ließ, sondern „wild" blieb. Nur dadurch hat er sich das Recht gewahrt, im Parlamente, nicht, wie es bisher die diversen polnischen und deutschen Abgeordneten machten, als confessioneller, sondern als nationaler Jude aufzutreten. Doctor Straucher erklärte, dass er als „Angehöriger des jüdischen B olksstammes" spreche. Und da war der Ton seiner Rede ein ganz anderer, als man ihn bisher in diesem Hause von einem Juden gehört hatte. Das war keine jämmerliche Abwehrlitanei, keine persönliche Polemik mir Individuen, denen nur Verachtung gebürt, sondern das waren trotzige mannhafte Worte, das war zum erstenmal im Parlamente eine sachliche Discussion über die Judenfrage. Darin steckt die Bedeutung dieser Rede. Was Dr. Straucher den Antisemiten sagte, dass sie nur die armen Juden verfolgen und sich mit den Börsenjuden bei gewissen Gelegenheiten sehr gut vertragen, dass die jüdischen Propinationspächter nur die Jncassanten und Subpächter adeliger Herren sind, dass die Inden in Galizien darben und hungern und wirtschaftlich erdrosselt werden, und dass man für die Sünden einiger Börsejuden nicht die große Masse jüdischer Proletarier verantwortlich machen könne, das ist so deutlich in diesem Hause von einem jüdischen Abgeordneten noch nie gesagt worden. Freilich wird dadurch nur der ganze Jammer der Judenfrage entrollt, ohne dass von der parlamentarischen Tribüne auf deren einzige Lösung verwiesen worden wäre — auf den Zionismus. Aber wenn das der Demokrat Straucher übersieht, so muss auch die Zeit kommen, dass es ein anderer thut. Eine der wichtigsten Aufgaben des Zionismus besteht darin, im ganzen öffentlichen Leben an Stelle der wüsten Hetze und des hohlen beiderseitigen Geschimpfes eine sachliche Discussion über die Judenfrage zu setzen. Das ist seinen Wortführern in der europäischen Presse zumeist gelungen; dass es aber auch in den Parlamenten geschehe, dafür wollen wir sorgen. *L. Wien. (Orig.-Corr.) lieber Einladung der österr. israel. Union wird Abgeordneter Dr. Straucher in diesem Vereine am 4. December d. I. sprechen. Das Thema lautet: „Die Stellungnahme der Juden zur heutigen politischen Lage." Wien. (Orig.-Corr.) Die „Arbeiter-Zeitung" hat auch zum Fall Dreyfus Stellung genommen. Wie? Gewiss im Interesse der Gerechtigkeit, und im Namen derselben, laut den Ruf erhebend, in den selbst die chauvinistische Pariser Presse jetzt einstimmt, dass der Prozess Dreyfus revidiert werde, nachdem seine Schuld eine zweifelhafte ist! Selbst das clericale „Vaterland" erklärte vor mehreren Tagen in einem Leitartikel, die Revision des Prozesses sei eine Pflicht der französischen Justiz, und erst die „freisinnige" Arbeiter-Zeitung! Nun wird aber dieses Blatt von jüdischen „Genossen" redigiert und Dreyfus ist Jude. Wie leicht könnte da der Verdacht des „Philosemitismus", des „Judenschutzes" entstehen? Die „Arbeiter-Zeitung" wird alsonervös. Sie leidet nicht „dieDepeschen, Berichte, Erörterungen". Wozu das Geschrei? — Es handelt sich ja nur uvr einen Juden! Und sie sägt es auch (Morgenblatt vom 19. November): „Wäre da doch der Umstand bestimmend, dass Dreyfus ein Jude ist? Fast sollte man's glauben. Es gibt eben keine besseren Förderer und Freunde des Antisemitismus, als jene eifernden Philosemiten und Semiten, die, wo auch nur eine Möglichkeit vorliegt, dass irgendwo in der Welt einem Juden ein Unrecht geschehen sein könnte, gleich die ganze Menschheit alarmieren und zum Mitleid herbeirufen, auch dort, wo in der Sache selbst mit dem Geschrei nichts geholfen werden kann". Die jüdischen Redacteure der „Arbeiter-Zeitung" haben aber eines vergessen: Die besten Förderer des Antisemitismus waren stets jene Semiten, die statt offen und mulhig für die Ehre ihres Volkes einzutreten, sich feige verkriechen, und um die Aufmerksamkeit der Antisemiten von sich abzulenken, ihr eigenes Volk schmähen lind verunglimpfen. Doch diese Gattung ist bereits auf den Aussterbeetat gesetzt. Nur ihre letzten Epigonen suchen noch eine Zuflucht unter den Fittigen Schönerers und der Socialdemokratie. L. Lemberg. (Orig.-Corr.) Am 14. November fand eine Gmeralversamnilunq des akademischen Ilnterstützungsvereines „Tow. Wsajenulej Pomocy" statt. Hiebei kam es zu scandalösen Scenen zwischen den Socialisten und der Stanczykenpartei. Das Ende vom Lied waren aber antisemitische Beschimpfungen gröbster Art. Die Herren entblödetcn sich nicht „Hoch Lueger" und „jüdische Polizeiagenten" zu rufen. Nach der Versammlung fassten die Stanczyken noch außerdem den Beschluss, einem jüdischen Collegen die Hand nicht zu reichen. Unsere armen Polen „mosaischer Confession" werden nun auf den so ehrenden Händedruck eines arischen Collegen verzichten müssen. Der Wiener Antisemitismus be-

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