Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 26 (26.11.1897)
- Date
- 1897-11-26
- Page
- 1 (sequence 5)
- Language
- German
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lUtiflMlCA «-—-— -1 Nedackron und Administration: Wie«, IX., Türkenstraße 9. Telephon Nr. 8805. ' Erscheint jeden Freitag. < Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Men, IX., Türkenstraße 9, zu richten. Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und t Mannicrivte niefit rnrülkaeiendet. i i Preise der Anreisen: * * Die viermal gespaltene Petitzeile 10 kr. G«;kl«r Ullmwerir 13 kt. 1 «l/VHilUI VV iyvv 7|UVUUMV|V»lVVVi Oesterreich-Ungarn: halbjährig 3 fl. — 6 Kr., ganzjährig 6 fl. 12 Är.; für das Aus lend: Deutschland . „ _ , . ganzjährig 18 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf.. England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg, Rußland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich. Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts. Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. . 26. Wien» 26. November 1897. 1. Jahrgang. Da Ende dieses Monats eine größere Anzahl von Abonnements abläuft, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Die Administration. Sorralrrformen für Nru-Zion. Vorgesch lagen von Michael FlÜrscheiM. I. Die Bodenbesitzreform. Einem jeden Inden, der es treu mit seinem Volke meint, muss das Herz hoher schlagen bei dem Gedanken, dass den Millionen seiner Brüder, die sich in ihren Adoptivvaterländern nicht heimisch fühlen können, ein eigenes Heim geboten werden soll, dir alte Stammesheimat im gelobten Lande. Ich kann jene Männer unseres Stammes nicht verstehen, welche dieser Bewegung feindselig gegenüberstehen, weil sie selbst sich behaglich fühlen, wo sie sind, und, weit entfernt, je wegziehen zu wollen, die Bande, welche sie mit den Ländern, in denen sie und ihre Eltern geboren und erzogen worden, noch fester knüpfen möchten. Wer will sie denn daran hindern? Aber warum nicht den Millionen eine rettende Hand bieten, denen im fernen Osten keine Hoffnungstaube das Zeichen bringt, dass die wilden Fluthcn der antisemitischen Strömung noch in absehbarer Zeit genügend sinken könnten, um sie dauernd Boden in der Adoptivheimat, die nichts von ihnen wissen will, fassen zu lassen? Ich selbst denke ja auch nicht im Traume daran, je nach Neu-Zion zu ziehen. Ich glaube den Wirkungskreis, den mir Gott angewiesen, längst gefunden zu haben, und mein Herz umfasst mit gleicher Liebe alle die, welche sich Mensch nennen, einerlei welcher Racc, Nation oder Religion sie auch angehören mögen. Den irrenden Mitbrüdcrn, welche mich hassen, weil ich anderen Stammes bin, verzeihe ich gern, weil ich die Verhältnisse kenne, denen jener Hass in erster Linie zu verdanken ist, und mit umso größerem Eifer widme ich seit vielen Jahren mein Leben der Reform dieser Verhältnisse, der Socialreform. Aber auch für Neu-Zion ist diese Reform von unendlicher Wichtigkeit, umsomehr, als sie allein imstande sein wird, jenes schwerste Hindernis des israelitischen Zukunftsstaates aus dem Wege zu räumen, das ihm, mehr als irgendein anderes, Verderben droht. Ich meine den so scharf ausgeprägten Individualismus des jüdischen Charakters. Die Institutionen des Judenstaates müssen den Auswüchsen dieses Individualismus die Spitze abbrechen, wenn er nicht wieder zur Klippe werden soll, an der schon einmal der Judenstaat zerschellt ist; denn ein einiges Judenthum wäre nie Rom zum Opfer gefallen, hätte wenigstens so gut wie andere Völker eine gewisse nationale Selbständigkeit unter zeitweiliger römischer Oberherrschaft sich erhalten. Die Parteizerklüftungen, der fanatische Hass, der den Sadduzäer dem Pharisäer unsympathischer erscheinen ließ als sogar den Römling, diese Auswüchse des Individualismus, der sich nicht mehr als Theil eines Ganzen zu fühlen und diesem in gewisser Beziehung unterzuordnen vermag, waren cs, welchen der Untergang Judäas zu verdanken ist, und diese sind es, welche das Emporkommen eines neuen Judäas unmöglich machen würden, wenn nicht bei Zeiten vorgesorgt wird, dass diesem Individualismus heilsame Grenzen gezogen werden. Es ist dies möglich, ohne aus dieser Scylla in die Charybdis des Socialismus zu fallen, für den sich niemand weniger eignen dürste als der Jude. Völlig freies Gehen- und Gescheheulassen in Bezug ans die Auswahl des Arbeitsgebietes und die Bethätigung der Arbeit, muss des neuen Staates Parole lauten, doch nur insoweit diese Freiheit kein Hindernis der freien Entwicklung des Nebenmenschen ist. Sie darf sich auf nichts erstrecken, was dieser Freiheit im Wege steht. In erster Linie nicht auf: Die Aneignungs weise des Grundes und Bodens. „Mein ist das Land," sagt der Herr, und „Ihr sollt das Land nicht verkaufen für immer!" Hohe Weisheit spricht aus diesen Geboten; denn der Grund und Boden unterscheidet sich in einem wichtigen Punkte von allen anderen Bcsitzthümern der Menschen. Während die Producte der Menschenarbcit beliebig vermehrbar sind, ist es der Boden nicht. Während es daher niemand Schaden bringen, die Freiheit keines Nebenmcnschen beschränken kann, wenn ich diesen Stuhl, dieses Paar Stiefel, diesen Teppich, den meine Arbeit hergestellt oder gegen gerechtes Entgelt eingetauscht hat, als mein ausschließliches Eigenthum behandle, weil die anderen mit ihrer Arbeit sich unter normalen Verhältnissen gerade so gute Stühle, Stiefel, Teppiche in beliebiger Anzahl erzeugen oder verschaffen können — ist es total verschieden, wenn das Bodencigcnthum in Frage kommt. Alle Menschenarbeit kann diesen Erdball um kein Gramm schwerer machen, kann seinem Maße und seiner Ausdehnung nichts zusctzcn. Der bestimmte Morgen Erde, den ich mit Beschlag belege, kann von niemandem sonst besessen werden, und niemand kann sich einen völlig gleichwertigen ^Ersatz verschaffen, oder wenigstens hält sich diese Ersatzmöglichkeit in engen Grenzen. Wenn eine Million Deutscher z. B. im Durchschnitt 50 Hektar deutsches Land eignen, so bleibt für alle übrigen Deutschen Mii einziger Hektar übrig, und wenn sie nicht ihr Vaterland verlassen ivollen, müssen sie