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Die Welt · 1897-11-19 · 25 (19.11.1897) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
25 (19.11.1897)
Article
Chicago [Nachricht]
Date
1897-11-19
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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I «9. Ä, MIM Seite 13. praktisch, als unsere Bestrebungen. Wir leugnen ja nicht die Wichtigkeit der die gefamurte Menschheit betreffenden Fragen. Aber dazu gehört auch die Frage der Rückkehr der Juden nach Palästina, denn die Judenfrage ist eine Welffrage." ES sprachen noch Rabbiner Dr. F e l s e n t h a l und Mr. S ud a w s k y , welcher die Zuversicht aussprach, daß der hiesige Zionsverein bald an 4000 Mitglieder zahlen werde. Wie der „Chicago Weekly" miltheilt, ist die zionistische Be- . wegung in dieser Stadt eine geradezu begeisterte. Der zionistische Verein, der auf dem Standpunkte des radicalsten politischen Zionismus steht, zählt nach wenigen Wochen seines Bestandes schon circa 450 Mitglieder. Philadelphia. Samstag den 29 Oktober abends veranstaltete der ziomstffche Verein „Ohawe Zion" in der Kester Israel Synagog eine große Volksversammlung. Der Saal war mit americanischen Flaggen schön drapiert, die mit einer die Aufschrift „Zion" tragender Schärpe umwunden waren; man sah auch die Bilder der hervorragendsten Zionisten bis auf Kalischer, Gordon, Pinsker und Smolensky. Es sprachen Herr Moses Klein in hebräischer, Dr. Sols-Cohen und Rev. Dr. Schaffer aus Baltimore in englischer Sprache. Letzterer verglich die heutigen Verhältnisse mit den alten babylonischen, da sich „Patrioten" fanden, die ihre heimwärts strebenden Brüder des Landverrathes und der Illoyalität ziehen. Rev. Mosliansky war noch spat nachts von der Colonie Woodbine herbeigeeilt, um zu sprechen. Derselbe wusste die zionistischen Bestrebungen mit der Religion ins Einvernehmen zu bringen. „Freunde, sagte er, nie wird der Allmächtige Eure Bitten um Rückkehr nach Zion erfüllen, wenn Ihr nicht nebst Euren Gebeten auch praktische Versuche anstellen werdet." Die Versammlung dauerte bis Mitternacht; sie hatte den Erfolg, dass dem Vereine 300 Mitglieder beigetreten sind. Stimmungsbild aus Russland. Die geistige Erregung, welche der Congress in den jüdischen Massen hervorrief, ist nicht leicht in Worten zu schildern. Der Enthusiasmus, den der Congress in uns allen erweckte, bricht sich mit jedem Tage eine neue Gaffe, dringt in große und in kleine Städte ein, feiert seine Triumphe überall, wo Juden wohnen. Und diese Begeisterung wird durch die entmuthigenden Lebenssorgen nicht geschwächt, sie wächst an Macht und Kraft, immer neue und neue Volksschichten erfassend. Total verändert hat sich das Verhalten der jüdischen Intelligenz zum Zionismus. Sie erkannten in ihm eine ungeahnte Kraft, mit allen Zügen einer wahren Volksbewegung ausgestattet. Der Zionismus hörte auf, ein Köhlerglaube zu sein und erscheint mit erhobenem Haupte Freunde beglückend, dem Feinde zum Trotz. Wenn es auch noch genug Gegner des Nationalgedankens unter uns gibt, so wird doch jetzt niemand wagen, den Zionismus mit leichtsinnigen Spötteleien bekämpfen zu wollen. Nichts mehr von der früheren Demnth des Zionismus, der einst vergebens nach einer verständnisvollen Seele bettelte!' Er wurde zum begeisternden Führer der Massen, zu dem die Augen der ganzen Judenheit mü lichten Hoffnungen hinaufblicken. Der Name Zionist wird mit Achtung genannt, ja, einer zionistischen Versammlung beizuwohnen, wird schon als eine gesellschaftliche Bevorzugung betrachtet. Groß war die Wirkung, die der Congress auf die Rabbiner ausübte. Für die meisten von ihnen gewann der Congress die Bedeutung eines großen historischen Ereignisses; in den Synagogen wurde der Zionismus als die heilige Volkssache proclamiert; in der Bewegung erblickten manche Merkmale messianischer Zeiten; und wieder andere beschäftigten sich, gleich dem englischen Reverend Hechler, mit dem kabalistischen Zeitnachweis der herannahenden Geulah (Erlösung). Das orthodoxe Judenthum wird von seinen Rabbinern zur brüderlichen Einigung mit der freidenkerischen Intelligenz aufgefordert; Chassidim, Misnagdim, Freidenker, Orthodoxe, sollen von allem Seknererrhurn befreit, einmüthig dem nationalen Ziele zustreben. In der großen Synagoge zu G . .. sagte der Rabbiner: „Wir alle müssen uns der Volkssache anschließen, die Rabbiner werden mit Wort und Gebet der Sache dienen; wir alle mit unserem Stimmrecht und Gelbe." In hinreißenden Worten wird vor dem Volke ein Bild normaler und gesunder Zustände in dem Lande unserer Väter entrollt; das Volk erscheint dort auf den Pstug gestützt, von blühenden Aeckern und Weinbergen umgeben, mit dem glücklichen Bewusstsein einer produktiven Nation, die das europäische Ghetto aus eigener Kraft überwunden hat. Besonders wird von den Rabbinern die Hoffnung getheilt, dass die Hingebung zur Thora und das religiöse Gefühl erst auf dem Boden ihrer Entstehung zur Geltung kommen wird. Und die großen Bolksmassen werden aufmerksam und bewegt, sobald der Zionismus zur Sprache kommt. Es bedurfte der künstlichen Reizmittel nicht, dem Volke Interesse für den nationalen Gedanken abzugewinnen. Das Volk als Ganzes war immer national; es genügte, nur das glimmende Gefühl anzufachen, und in den Maffen entbrannte ein Feuer der nationalen Begeisterung. Und das hat der Congress vollbracht. Der Zionismus bildet das Hauptthema des Tagesgespräches. In der Familie, in der Synagoge, auf der Straße, im Elsenbahnwagen, überall wird über Zionismus gesprochen. Alle Einzelheiten des Cougressverlaufes werden mit dem größten Interesse discutiert. Die Delegierten sind die Helden des Tages. Ihre Berichte werden mit einer Spannung gehört, die kaum vergleichbar ist. Die längsten Berichte können aber die Sehnsucht der Zuhörer, den Congress möglichst genau zu durchleben, nicht befriedigen. Der Delegierte muss das Gesagte wiederholen, und noch immer hat er ein andächtig lauschendes Auditorium vor sich. Und er braucht keine schönen Worte zu machen, um Interesse für seinen Bericht zu erwecken.; Sogar die knappen Berichte der russischen Presse wurden mit einem förmlichen Heißhunger verschlungen. Auch das russische Publicum blieb nicht kalti Es verfolgte die Congressberichte mit Neugierde und Staunen. Erst nach denv'Congresse erfuhr es von dem Vorhandensein einer neuhäbräischen Literatur, und es sieht manches in einem ganz anderen Lichte wie früher. In allen Städten werden Vorträge über die Conzressbeschlüsse gehalten und Diskussionsversammlungen über die nen -zu schaffende Organisation veranstaltelt. Besonders in lithauischen Städten fanden in Synagogen und öffentlichen Gemeindehäusern Volksversammlungen statt, bei denen über 2090 Personen anwesend waren, und wo auch Rabbiner und Congressdelegierte das Wort führten. Auch die polnischen Städte schließen sich der Bewegung an. Die Presse mit ihren freundlichen oder feindlichen Artikeln über den Zionismus rüttelte sogar die „polnischen Patrioten mosaischen Glaubens" ans. In Warschau allein wurden 500 stenographische Congressberichte bestellt. Die Bewegung dringt in die vereinsamsten Winkel der lithauischen Bevölkerung, in die vergesjensten Städtchen des „jüdischen Rayons". Das Volk ist wie elektrisiert und wartet nur auf einen Ruf, bereit Habe und Gut für die nationale Wiedergeburt herzngeben. Das wird sich im vollen Maße nun bei den Schekelsammlungen zeigen. In Kr., mit einer Einwohnerzahl von 609 Juden, überreichte der Rabbiner 509 Schekel für den Nationalfond. In B. wurden am Tempeleingang in wenigen Stunden 200 Schekel gesammelt. Auch für den National'sond fließen namhafte Spenden ein. Und doch gibt sich das Volk keinen gefährlichen Täuschungen über die Macht und die Verwirklichung des nationalen Gedankens hin. Es weiß, dass der Congress nur der erste Schritt ist, dem noch eine schwierige und lange Arbeit folgen muss, es-begreift die Bedeutung der Schekelsammlungen und wünscht auf den nächstfolgenden Congreffen seine Vertreter zu haben. Es ist bereit, alle Opfer mulhig und geduldig zu ertragen, die das nationale Unternehmen, erheischt; ein Unternehmen, das sich die große Aufgabe stellt, von der europäischen Welt sich die Anerkennung zu erzwingen, die Judenheit als ein.einheitliches, zum nationalen Leben berechtigtes Volk zu betrachten. Heidelberg. L. Jaffe. Lorvespondenzen. Oesterreich-Itrrgarrr. Wien. (Orig.-Corr.) Die officiöse „Politische Korrespondenz" lässt sich aus Petersburg melden: „Die russische Regierung scheint in nächster Zeit verschiedene gegen die Juden gerichtete Verbote gänzlich aufheben oder wenigstens erheblich abändern zu wollen. So soll das feit 40 Jahren bestehende Verbot, welches allen Juden den Aufenthalt in Sibirien untersagt, gemildert werden.. Der Senat hat nämlich den Vorschlag gemacht, jenen Israeliten, welche eine Universität oder eine höhere Specialschule absolviert haben, die Ansiedlung in Sibirien zu gestatten. Dieser Vorschlag wird gegenwärtig in competenten Regierungskreisen studiert. Sicherem Vernehmen nach wird es ferner den ausländischen jüdischen Handlnngsreisenden gestattet werden, sich an allen Orten Russlands aufzuhalten, falls sie den Ankauf von Hopsen und landwirtlichen Producten betreiben, da das bisher geltende Verbot den russischen Hopfenhandel in hohem Grade geschädigt hat. Endlich wäre noch zu erwähnen, dass die Regierung den Beschluss gefasst at, den für die Ausnahme von Juden in zahnärztlichen und chirurgischen Instituten bestimmten Percentsatz zu erhöhen. Auch werden Israeliten von nun an in größerer Anzahl als Lehrlinge in Apotheken ausgenommen werden können." — So viel wir aber wissen, gibt es außer „Absolventen höherer Unterrichtsanstalten, ausländischen jüdischen Reisenden und Apothekerlehrlingen", denen eine Begünstigung erstzukommen „soll", in Russland noch manche andere Juden. Was geschieht mit diesen? Darauf weiß die „Politische Correspondenz" keine Antwort. Wien. (Orig.-Corr.) Es gibt in Wien keine größeren Ruhestörer und Provocateure als die zionistischen Studenten. Ihr ganzes Auftreten ist schon Provocation. Was soll man dazu sagen, wenn in jüdischen Versammlungen Studenten aufftehen und betonen, dass sie Juden, aber ganze Juden wären? Das ist doch abgeschmackt! Geradezu empörend war aber ein Aufruf der „Kadimah", der am schwarzen Brette der Universität und Technik prangte. Das überstieg doch schon jedes Maß, wenn es dort hieß: „Die „Kadimah" ersieht im Indent Hunt keinen a b st e r b e n d e n Organismus, dev seinen Untergang finden s oll in feiger, kriecheris cher ' i I H

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