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Die Welt · 1897-11-19 · 25 (19.11.1897) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
25 (19.11.1897)
Article
Memel [Nachricht] / -s-
Date
1897-11-19
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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«Seite LL. Nr. 25. Hörer trat der zionistischen Vereinigung sogleich bei und betheiligte sich freudig an der am Schluffe eingeleiteten Sammlung für den Nationalfond. Herr D. Wolfsohn und Dr. Rülf, der hochgeachtete Rabbiner Memels, der nach Wolfsohn das Wort ergriff, haben dem Zionismus in Memel große Dienste geleistet. —s—. Kopenhagen. Am 7. November hielt Herr Dr. Heinrich Löwe aus Jaffa m der hiesigen „Chowewe-Zion" einen öffentlichen Vortrag über „Jüdische Bauern in Palästina". Unter der zahlreichen Zuhörerschaft befand sich auch der Rector Magnificus unserer Universität, Prof. Scharling. Den Vorsitz führte Herr Oberrabbiner S i m o n s e n. Dr. Löwe schilderte die historische Entwicklung der palästinischen Colonien, ihre ungemein reiche Fruchtbarkeit, die Liebe der Colonisten für den Boden der Väter, die günstige Einwirkung der gesunden Thätigkeit auf den jüdischen Einwanderer. Der Boden der Väter sei die.Heilstätte für Israels Weltenleid. Mit seinem trefflichen, sehr beifällig aufgenommenen Vortrage hat Dr. Heinrich Löwe die Zionsbewegung -in Dänemark um ein gutes Stück gefördert. , Belgrad. Letzten Sonntag sind einige angesehene Glaubensgenosscn aus der sephardischen und deutschen Gemeinde zur freundschaftlichen Verständigung über die Gründung eines zionistischen Vereines in Belgrad zusammengekommen. — Ein dreigliederiges Counts wurde mit der- Abfassung eines Statutenentwurfes betraut, welcher innerhalb fünf Wochen der Versammlung vorzulegen sein wird. Die Statuten werden im Großen und Ganzen denjenigen anderer Brudervereine entsprechen, selbstverständlich unter stricter Anpassung an die Landesgesetze und an die hiesigen Verhältnisse. Nach Genehmigung der Statuten wird eine große öffentliche Besprechung des Zionismus, seiner großn culturellen und Humanitären Aufgabe stattfinden. —wie— Dvndon. Wie man sich erinnert,' hatte die „ Chovevi Zion-Association" von England zum größten Bedauern vieler englischer Zionisten den Beschluss gefasst, sich am Congresse nicht zu betheiligen. Die englischen, in öffentlichen Versammlungen gewählten Delegierten, glaubten jedoch angesichts der Einstimmigkeit des Congresses und seines maßvollen Programmes, dass die „Chovevi Zion" gar keinen Anlass mehr haben, sich von der - Bewegung fernzuhalten und darum sahen sie von der Ernennung eines englischen Mitgliedes für das Executivcomite vorläufig ab. Zwei Monate haben sie gewartet. Während sie durch die sympathischen Worte in „Palestina" erfreut wurden, musste es sie wieder anderseits ärgern, dass sie zur Unthätigkeit verurtheilt waren 31t einer Zeit, da die zionistische Sache in London alle Gemüther entflammte. Nie hat es da eine bessere Gelegenheit für die Agitation gegeben und trotzdem wurde mit Mühe die Ruhe aufrechterhalten. Diese Mühe findet nun ihren Lohn. Vor ungefähr einer Woche wurde es bekannt, dass in der nächsten Versammlung der Leadyuarterstent zu dieser Frage werde Stellung genommen werden. Im letzten Meeting der Hauptleitung der „Ch ov evi Zion-Association" vom 6. November d. I, welche unter dem Vorsitze des Colonel G o l d s m i d stattfand, wurde dem Veteran der englischen Zionisten, dem Vice-Chef der Association Mr. Prag, eine schön ausgestattete Dankadresse überreicht. Dann stellte Mr. S. R. R u b in st e i n seinen Antrag, den Mr. Mayer unterstützte. Im Lause der Discussion zeigte es sich, dass die Majorität für den Antrag sei, und dass -keine wirkliche Opposition sich ihm gegenüberstelle, Colonel Golds m i d sprach mit der ganzen Wärme eines wahren Zionisten und mit der vollen Energie eines Soldaten. Mr. de Haas schloss die Debatte, die nur von höheren Gesichtspunkten geleitet war. Dann wurde einstimmig folgender für die gesammte zionistische Bewegung bedeutungsvoller Beschluss gefasst: Die Versammlung derLeadgnarterZtentspricht den Beschlüssen des Baseler Congresse's ihre herzlich e Anerkennung aus und erklärt sich bereit, an den Arbeiten der mit dem Sitze in Wien her gestellten zionistischen Or g anisation 1 h e i l z u nehmen. Die Nachricht davon verbreitete sich bald durch ganz London; sie war auch die Antwort Englands an alle Nichtzionisten. Wien und London haben sich die Hände gereicht; ein mächtiger Vorstoss für unsere Bewegung.. Den Eindruck dieser Resolution in Berlin, Paris, Odessa und New-Iork, wird die Agitation die darauf folgen wird, noch verstärken. Wir haben hinter uns eine That, die der Sache würdig war. J. de H. Todx. Sonnabend, den 31. Oktober hielten die hiesigen Zionisten eine Versammlung im Bethause des Herrn Storch ab. In der überaus zahlreichen Versammlung waren alle Stände vertreten. Den Abend er- ' öffnete Herr I. U g e r, mit einer Rede über die geschichtliche Entwicklung des Zionismus. Nach ihm sprachen die Herren L. Epp stein und I. Krinkin. Das bedeutendste Ereignis des Abends aber war die Schlussrede des Herrn Litman Rosen 1 hal aus Bialystock, der in sehr beredten Worten seine Eindrücke vom Baseler Congresse schilderte. Beifall folgte auch seinen Ausführungen. Die Versammlung übersandte Herrn Dr. Theodor H e r z l ein Danktelegramm. Wie der „Peterburgski Listok" meldet, soll Dr. Max N^or bau demnächst eine Reise nach Russland antreten, um das Leben der russischen Juden kennen zu lernen. Der „Woschod" dementiert diese Nachricht. J. Uger. Odrffa. Das allgemeine Interesse für die Ergebnisse des Baseler Congresses ist bei uns in stetem Zunehmen begriffen. Die Vorlrags- und Discussionsabende, die an verschiedenen Orten abgehalten werden, üben eine unbeschreibliche Anziehungskraft auf alle Schichten der Bevölkerung aus, obwohl diese Versammlungen nur unter schwierigen Umständen stattfinden können. Sehr bemerkbar ist die Wirkung des Congreffes auf die jüdischnationale Erziehung und das Studium der jüdischen Geschichte und der hebräischen Literatur, die infolge der zionistischen Bewegung immer weitere Kreise ergreifen. Besonders ist dies in intelligenten Kreisen der Fall, auf welche die zionistische Agitation mit Recht das größte Gewicht legt. Wo immer über den Zionistencongress referiert wird, fehlt es nicht an zahlreichen Zuhörern aus der Mitte der jüdischen Intelligenz. Wir sahen dies in den drei Versammlungen, die bei uns stattgefunden haben, besonders in der dritten, in welcher Herr Dr. Cohen-Bern st ein aus K i s ch i n e w ein Referat erstattete. Aus nicht weniger als 30 Nachbarstädten kamen Leute zusammen, die allen Claffen uud Parteien der jüdischen Bevölkerung angehören, und alle waren in gleich hohem Grade begeistert. Unter den Anwesenden befand sich auch der Rabbiner von I s m a i l in Bessarabien, der nach Schluss des Referates mittheilte, dass einige Mitglieder seiner Gemeinde bereit seien, beträchtliche Summen für den Nationalfond zu spenden. Viele Anwesende brachten in die Versammlung Kundgebungen, mit zahlreichen Unterschriften ihrer Gemeindemitglieder versehen. Wenn die große'Masse in der Hoffnung auf baldiges Erreichen, des vom Congreffe gesteckten Zieles vielleicht etwas übertreibt, so ist es doch ein Beweis mehr dafür, dass diese Masse die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, und dass sie stets bereit ist, uns zu folgen. . . Ueberhaupt legen die Zionisten in Kisch in ew die größte Rührigkeit an den Tag und der Baseler Congress konnte schwerlich eine bessere Wahl treffen, als die Dr. Cohen-Bern st ein's, der sein Mandat in befriedigendster Weise ausübt. Dort erschien auch der von Rabbiner Mohilewer an den Congress gerichtete Brief in jüdischdeutscher Uebersetzuug und wurde in einer großen Anzahl von Exemplaren verbreitet. Die Buchhandlung Schermann in Odessa hat eine russische Broschüre über den Baseler Congresse mit den Bildern Herzl' s und N ordau ' s heraus gegeben. Auch in Jekaterinoslaw und Charkow werden demnächst Broschüren über den Congress erscheinen. Außer der „B i r s z e w i j a - W i e d o m o st i" brachte auch die „Odesskaja- Gazetta" Aufsätze über den Congress. . N. S. Nrtv>HorK. Am 5. October hatten die „New-Uorker Zions freunde" eine interessante Versammlung unter dem Vorsitze des Dr. M. Singer. Als Hauptredner fungierte der von Feinden und Freunden geachtete Rabbiner Dr. Philipp Klein, der in seiner trefflichen Rede nochmals auf die sattsam bekannte Streitschrift Dr. Güdemanns zurückkam und als orthodoxer Rabbiner das National- Judenthum gegen Angriffe der Reformer in Schutz nahm. Herr Dr. Klein ist Zionist älteren Datums. Er hat vor vielen Jahren in Odessa und später in Liebau mit den russischen Zionisten in führender Stellung zusammengewirkt und ist sein Hervortreten in Amerika eine Gewähr dafür, dass der Zionismus die orthodoxen Kreffe erfassen wird und schon erfasst hat. Als nächster Redner fungierte der aus Palästina zur Zeit hier weilende Herr Stampfen. Redner entwarf ein übersichtliches Bild von dem Leben und Treiben in Palästina, er schilderte den Ackerbau, die Industrie, wie auch das Culturleben und erntete für seine fesselnden Ausführungen wohlverdienten Beifall. Zum Schluffe meldeten sich 41 neue Mitglieder, die auch ihre Beitrüge sofort entrichteten. Es wurde sodann ein Comits erwählt — Rabbiner Dr. Philipp Klein, Vorsitzender, Henry Reinhardt, Schätzmeister und Dr. Michael Singer, Secretär —, welches Comitö unter Zuziehung weiterer Mitglieder einen Entwurf behufs Centralisierung der Vereine auszuarbeiten hat. Dieser Entwurf soll sämmtlichen Vereinen des Landes behufs Durchberathung unterbreitet werden und dann erst wird zur Bildung eines Organisations-Comitd's ein Congress der amerikanischen Zionisten einberufen werden, an welchem Congress die Einheitlichkeit im Wirken hergestellt werden soll. Für den nächsten Weltcongress wird schon jetzt die lebhafteste Agitation entfaltet und kann ich Ihnen schon heute auf das Bestimmteste mittheilen, dass New-Dork allein mindestens 10 Delegierte entsenden wird. Schon gehen wir auch daran, den Nationalfond zu bilden, zu dessen Schaffung ich hier mehr Begeisterung finde, als ich ursprünglich vermuthen konnte. Alles in Allem ist das Bild des Zionismus hier ein überaus erfreuliches. Chicago. Am 12. October, dem ersten Tage des Hüttenfestes, fand hier in der großen Halle bei der Jeffersonstraße eine großes, von mehr als 1000 Personen besuchtes Massenmeeting statt. Der hiesige „The Chicago Chronicle" bringt darüber einen sehr ausführlichen Bericht, in dem es nach einer für die zionistische Bewegung sehr schmeichelhaften Einleitung heißt: „Mehr als ein Dutzend hervorragender Männer sprachen durch vier Stunden hebräisch und englisch in dem von der hiesigen Gruppe der ,Zion Confederation* einberufenen Massenmeeting." Der erste Redner, Mr. Harris H o r w i ch sagte: „Der größte aller Zionisten lebte vor 4000 Jahren in Mesopotamien. Er hieß Abraham. Sein Entschluß, nach Palästina zu gehen, beruht auf nichts Anderem, als auf der Anschauung, dass die Juden dadurch zu einer Nation werden. Unsere Ahnen ertrugen dann die Zerstreung dieser Nation. Sie hätten lieber den Tod vorziehen sollen. Aber wenn sie es nicht vorgezogen haben, lieber zu sterben, als in der Verbannung zu leben, so ist unsere heiligste Pflicht, dieses Werk aufzunehmen, Zion wieder aufzubauen und das heilige Land wieder zu bevölkern." Mr. Z o l o t k o f f, Herausgeber des „Jewish Daily Courier" (Der jüdische Tagesbote) ergriff vas Wort: „Die Verwirklichung der zionistischen Idee ist eine Ehrenpflicht für den jüdischen Stamm. Unsere Socialisten meinen, wir sollten nicht so beschränkt sein, an die Erlösung unseres Volkes zu schreiten. Aber der SocialiSmuS ist ja noch weniger

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