Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1897-11-19 · 25 (19.11.1897) · p. 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
25 (19.11.1897)
Article
Die Juden im russischen Centralasien [Nachricht]
Date
1897-11-19
Page
11 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3315710-3315735--02710-3382402
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. LS. Seite 11. Stellung der Juden eine sehr gedrückte. In manche» Städten dürfen sie nur auf Eseln, in anderen überhaupt nicht reiten. Kleider aus Seide oder sonst wertvollem Zeuge zu tragen, ist ihnen nicht gestattet, und nur dunkle Farben sind ihnen erlaubt. Auf dem Kopfe müssen sie die Toppe tragen, eine kleine, runde Mütze, und auf diese dürfen sie noch, wenn nöthig, eine Pelzkappe stülpen. Kein Jude würde es in den unabhängigen Khanaten wagen, einen Turban aufzusetzen oder den Kopf mit einem Stücke leichten Zeuges zu umwickeln, was bei der großen Sommerhitze doch so nöthig wäre. Ein solcher „Uebergriff" könnte ihm das Leben kosten. Selbst in jenen kleineren Theilen — namentlich den gebirgigen — wo die Inden sonst so ziemlich die gleichen Rechte haben wie die anderen Bewohner, sind sie wieder verpflichtet, höhere Abgaben zu zahlen und dürfen nur in bestimmten Städten und Ortschaften wohnen. Ken Woöedonoscorv soll demnächst — wie „Daily Chronicle" berichtet — seinen Posten als Generalprocurator verlassen und durch den Grafen I g n i a t e w ersetzt werden. Jüdische Wrotetarier. Wie der „Vorwärts" meldet, streiken in Krementschuk im Gouvernement Pultawa 60 jüdische Schneider, um eine Verkürzung des Arbeitstages zu erzwingen. Ein Theil von ihnen erreichte die V e r m i n d e r u n g der Arbeitszeit auf 14 Stunden. Die zionistische Bewegung. Spenden für zionistische Zwecke sind an Herrn Dr. O. K o k e s ch, Hof- und Gerichts- Advoeaten in Wien, I., Singerstratze 25, zu senden. Da die vom Congress beschlossene Schekelsammlung nunmehr eröffnet worden ist, erscheint es zweckdienlich, unsere Gesinnungsgenossen über jene Maßnahmen zu orientieren, durch welche das Comite die ordnungsmäßige Durchführung gesichert hat. Die Empfangnahme der eingehenden Schekelgelder besorgt bis zum Momente der Einrichtung der geplanten „Jüdischen Bank", die auch als Depotstelle dienen wird, Herr Dr. O. Kokesch Hof- und Gerichtsadvokat in Wien. Alle die Schekelsammlung betreffenden Vorgänge und Vorkehrungen, und insbesondere die diesbezügliche Cassagebarung und Buchführung der angestellten Beamten, unterliegen der Aufsicht eines aus den Herren Med.-Dr. M. T. Schnirer, sowie Dr. O. K o k e s ch und Dr. A. M i n tz, Hof- und Gerichtsadvokaten in Wien, bestehenden Verwaltungscomites. Letzteres legt auf Grund der von ihm vorgenommenen Controlierungen in jeder Sitzung des Actionscomites über die in den jeweiligen Sitzungsintervallen erzielten Eingänge detailierte Rechnung; außerdem aber veröffentlicht das Verwaltungscomite von drei zu drei Monaten fortlaufende, nach Städten geordnete, die Namen der Spender und die Höhe der Beitragsleistnngen enthaltende Rechnungs-Bulletins und theilt diese Ausweise den zionistischen Functionären in den betreffenden Städten zur Einsichtnahme mit. Die Berichte, welche das Verwaltungscomite dem Wiener Actionscomite erstattet, werden, nachdem sie von diesem sowohl, als auch von den Vertrauensmännern, welche die nicht in Wien wohnhaften Comitemitglieder repräsentieren, genehmigend zur Kenntnis genommen wurden, den Sitzungsprotokollen des Actionscomites einverleibt. Das solchermaßen gesammelte Actenmateriale wird endlich nebst allen '.einschlägigen Büchern und Belegen dem nächsten Congresse vorgelegt, und einer aus dem Plenum des Congresses zu wählenden Commission behufs Ueberprüfung zugewiesen werden. Da die zionistischen Colonisationsvereine unter dem Eindrücke der die bisherige garantienlose Besiedlung Palästinas perhorrescierenden Congressbeschlüsse bekanntlich ihre früheren, auf die Förderung einer solchen „Infiltration" gerichteten Bestrebungen aufgegeben haben; da diese Vereine gegenwärtig nicht mehr unmittelbar praktische Zwecke verfolgen und nur als Culturvereine thätig sind, die lediglich der Propagierung der zionistischen Ideen dienen; da infolgedessen die zur Verwirklichung dieser Ideen erforderliche Geldbeschaffung sich auf die Veranstaltung der Schekelsammlung concentriert, so erscheint die gesammte zionistische Geldgebarung durch die erwähnten, vom Actionscomite getroffenen Maßnahmen geregelt und sichergestellt. Wien. Donnerstag den 4. d. M. hat eine Versammlung stattgefunden, die man als den Ausgangspuntt ernster Arbeit für die zionistische Sache ansehen darf. Ueber hundert Studenten, die den Weckruf vom „Judenstaat" wohl verstanden haben und die — außerhalb der bekannten jüdisch-nationalen Verbindungen stehend — bisher einer Organisation entbehrten, haben fich da zusammengefunden: Es war die constituierende Versammlung der „jüdisch-nationalen Vereinigung". Zunächst sprach Herr 8tuä. teedn. S. Rosenbaum über das, was die neue Vereinigung will und soll. Nachdem die „Programmrede" unter hoch gehendem Beifall beendet war, schritt die Bereinigung an ihre erste, wichtige Leistung. Ein so großer Körper kann nur durch die wohldurchdachte, weitgehende Organisation jene Beweglichkeit erhalten, die er zur Arbeit braucht. Der Organisationscntwurs der Proponenten wurde mit einigen Blenderungen, die in der Debatte angeregt wurden, von der Versammlung angenommen. Schließlich wurde der Ausschuss für das kommende Semester gewählt, an dessen Spitze die Herren J. u. c. Richard Wagner als Präses, 8tuä. jur. L. Lederer und 3tuä. meä. M. H ö n i g e r als Vicepräsides stehen. bil. Olmüh. Am 6. November fand die bereits angekündigte Besprechung über die Resultate des Baseler Congresses statt. Herr Birnstein gab ein kurzes Resums über die Verhandlungen selbst, während die Herren Prof. Dr. Werner und Pollitzer einzelne Fragen, namentlich diejenige über die Lage der Juden in den östlichen Ländern, eingehender besprachen. In der darauf folgenden Discussion gab sich bereits ein besseres Verständnis für die Tendenzen der zionistischen Bewegung kund und die hierauf vorgenommene Einhebung des Schekels hatte ein befriedigendes Resultat. L. DrohVbyr;. Für Sonntag, den 31. October hatte der Verein Zion eine zionistische Volksversammlung einberufen. Ueber 1000 Teilnehmer standen dicht gedrängt im großen Theatersaal und lauschten den vortrefflichen Ausführungen des Herrn L. Taubes aus Kolomea. Der Rede folgte eine Discussion, die sich stellenweise durch das Eingreifen einiger Socialdemokraten sehr stürmisch gestaltete. Die Einwände der Conttaredner waren sehr seicht und so versuchten fie zu spectaculieren. Der Vorsitzende, Herr Zupnik, hatte Mühe die Ordnung aufrecht zu erhalten. Ein Commers, der hierauf in den Vereinslocalitäten stattfand, schloss den Abend. — Es werden die Statuten für einen Frauen- und Mädchenverein „Benoth Zion" ausgearbeitet. Wruchnikr. Pruchnik kennt für gewöhnlich keine Versammlungen. Nur zu Wahlzeiten gibt es welche. Arme Leute, die schwer um's Dasein zu ringen haben, begeistern sich viel eher für billige Mehlpreise als für die schönsten Versammlungen. Welche Summe von inniger Leidenschaft muss wohl in den Juden dieses Städtchens stecken, wenn sie nicht nur eine zionistische Versammlung hatten, sondern sogar einen zionistischen Verein gründeten. In der Versammlung, die am 30. October in der Synagoge vor der gesammten Judenschaft stattfand, sprachen die Herren S. Berner aus Jaroslau und L. Feld mann. Der neue Verein hat sich beim Wiener Actionscomits bereits als zionistische Ortsgruppe angemeldet. Zslrszrrykti. Samstag, den 23. October fand die constituierende Generalversammlung des jüdischnationalen Vereine- „Zion" statt. Dine zahlreiche Menge war aus der Stadt und der Umgebung zusammengeströmt, um sich osficiell zum Zionismus bekennen zu dürfen. Die Versammlung wurde vom Alterspräsidenten, Herrn Mendel H o r n i k, eröffnet. Die Begrüßungsrede hielt Herr Oscar Glaser, die Tendenzrede sprach Herr EliaS Glaser. Herr Aron Leib L a g st e i n rügte in kernigen Worten den JndifferentiSmuS unserer jüdischen Großbürger, die allem Möglichen Interesse entgegenbringen, aber nur nicht dem Jüdischen. Zum Präses wurde Herr L i n d n e r gewählt, zum Vice- Präses Herr Oscar Glaser, zu Secretären die Herrn EliaS Glaser und Bäum er. Der neugegründete Verein berechtigt zu den schönsten Hoffnungen, indem außer der Jugend auch die Chassidim sich der Bewegung angeschloffen haben. Memrl. Im Saale des Victoria-Hotels hielt Herr D. Wolff o h n aus Köln am 10. November einen Vortrag über „Zionismus" in einer vom „Vereine für jüdische Geschichte und Literatur" Unberufenen Versammlung. Die zahlreichen Zuhörer — Herren und Damen — lauschten dem Vortrage mit stets wachsendem Interesse und immer größerer Begeisterung. Herr W o l f s o h n sprach in ausführlicher, herzenswarmer Weise über die Grundlagen des Zionismus, seine Entwicklung, seine mächtige Förderung durch Dr. Her z l's Auftreten und schließlich über den Baseler Congress, die Vorgänge und hervorragenden Momente desselben, das vom Congresse enuncierte Programm und schließlich über die gewaltige Begeisterung, die derselbe bei den Juden aller Welt hervorgerufen habe. Es ist wahrscheinlich nicht allzuoft in so durchaus gründlicher und bis zum letzten Worte intereffanter Weise über Zionismus gesprochen worden, wie von Herrn W o lf s o h n. Der Erfolg war denn auch sofort sichtbar. Eine große Anzahl der Zu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.