Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 25 (19.11.1897)
- Article
- [Ohne Titel] / Bernhardt, Max
- Date
- 1897-11-19
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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.Sette 8.' und „Hedone" wurden gleich allen anderen Juden durch den berüchtigten „SatiDfactionSunfahigkeitsbeschluss" für ehrlos erklärt), ihr nichtsdestoweniger Gefolgschaft leisteten, Juden, die einem Schönerer huldigten, einem Wolf mit entblößtem Haupte Treue schwuren, Subjecte, die, wie sie sagten „als berufene Wächter deutscher Sitte" die gesammte jüdischnationale Studentenschaft für ehrlos erklärten und, obwohl selbst Juden, uns in ihrer Schamlosigkeit mit den ekelhaftesten antisemitischen Insulten überhäuften, jüdische Schönerianer, die Schmach und Schande auf unser Volk geladen, die sind gezüchtigt und gebrandmarkt worden. Das ist geschehen, sonst nichts. — Gelang es auch zehnfacher Uebermacht, verstärkt Nr.>85. durch jüdische Renegaten und den Polizeisäbel, uns endlich zu vergewaltigen, das jüdische Volk möge die Versicherung entgegennehmen : auch fürderhin wollen wir treu des jüdischen Volkes Ehre wahren, die unsre eigene ist, und treulich erfüllen unsere Pflicht als des jüdischen Volkes Söhne! Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung im Aufträge der jüdisch-nationalen Studentenschaft jur. Richard Wagner. Zur. Max Bernhardt. Dr. Msses Gaster Dr. MoseS Gaster, den wir mit Stolz zu den Zierden unserer Bewegung rechnen, ist der Obcrrabbiner der' ältesten englischen Gemeinde, jener spanisch-portugiesischen Glaubensgenossen, welche zur Zeit Cromwells den Weg nach Großbritannien fanden und dem englischen Handel neue Impulse gaben. Er ist Rumäne von Geburt; sein Vater war früher holländischer Consul; durch die Mutter ist er mit Anton Rubinstcin verwandt. Dr.Gaster hatte eine Zeit lang eine Professur für romanische Philologie in Bukarest inne; denn er ist der besteKenner der rumänischen Literatur und genießt als solcher einen europäischen Ruf. Seine bei Brockhaus in Leipzig erschienene „Rumänische Chrestomathie", sowie die in Gräbers „Grundriss der romanischen Philologie" gedruckte Skizze der rumänischen Literatur sind von grundlegender Bedeutung. Das wussten die Rumänen zu würdigen, vor allem der König. Aber Sturdza war es unbequem, dass Dr. Gaster sich seiuerbedrücktm Stammesgenossen offen und nachdrücklich annahm; er verleumdete ihn beim König als Revolutionär. Dr. Gaster wurde ausgewiesen (1885). Drei Jahre später war es der erste Act des neuen Ministeriums, ihn zur Rückkehr einzuladen; aber Dr. Gaster, der inzwischen in England eine neue Heimat gefunden hatte, lehnte die Einladung' ab; seitdem hat er jedoch dreimal Rumänien besucht und ist vom König auf jede Weise ausgezeichnet worden. 1891 hat er den Verdienstorden erster Classe erhalten. Vor zwei Jahren richtete die rumänische Regierung an ihn das Ersuchen, einen Bericht über englische Erziehung zu verfassen. Gaster kam dem Ersuchen nach; derBericht wurde als Grünbuch gedruckt und der Reform des rumänischen Schulwesens zugrunde gelegt. Den größten Beweis seines Vertrauens gab ihm Rumänien durch den Auftrag, das rumänische neue Testament nach dem ältesten Manuskript (dasselbe befindet sich im britischen Museum) herauszugeben. Dr. Gaster hat in England den ersten Versuch gemacht, jüdische Theologen in streng wissenschaftlichem Geiste für ihren Beruf zu erziehen. Das Montefiore-Seminar in Ramsgate war unter der Leitung Gasters eine Musteranstalt und versprach herrliche Resultate. Unglücklicherweise ist in England ein wissenschaftlich geschulter Rabbiner etwas Neues, was die der Geschäftswelt angehörigen Gemeindevorstände mit Misstrauen erfüllt, und das Montefiore - College wurde wieder gesperrt. Dr. Gaster ist die Seele der Zionisten-Bewegung in England. Er tritt den Gegnern des zionistischen Gedankens nicht nur in Versammlungen und am grünen Tische, sondern auch in der Presse entgegen. Seine Artikel in der „Times", der „Asiatic Quarterly Review" haben unserer Sache viele Freunde gewonnen; von den Tagesblättern „The Sun" und „Pall Mall Gazette" wurde er über die Ziele und Wege des Zionismus interpelliert. Dr. Gaster steht in der Vollkraft geistigen Schaffens; er hat kaum die Vierzig überschritten. Möge es ihm vergönnt sein, die Früchte seiner Thätigkeit zu sehen! L. K. Christen über die Iudenfrage Hermann Bahr. Einer unserer Redacteure hatte eine längere Unterredung mit dem bekannten Wiener Schriftsteller Hermann Bahr, der sich in folgender Weise über den Zionismus äußerte: »Ich gestehe, dass ich lange Zeit ein gewisses Misstrauen gegen den Zionismus hatte. Er wurde mir als ein jüdischer Chauvinismus geschildert, der also doch meinem Wunsche, aus unseren Nationalitäten nach und nach einen höheren Typus: den europäischen Menschen entstehen zu sehen, nicht gefallen konnte. Zufällig habe ich jedoch Gelegenheit gehabt, später die Gedanken der Zionisten in der Nähe zu betrachten, und ich kann nicht leugnen, dass sie da mit großer Macht auf mich gewirkt,