Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 25 (19.11.1897)
- Date
- 1897-11-19
- Page
- 1 (sequence 5)
- Language
- German
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DK Nrdarkion ' Erscheint jeden Freitag. * Preist der Anzeigen: und Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an Die viermal gespaltene Petit¬ Wie«, IX., Türkenstraße 9. die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstraße 3, zu richten. zeile 10 kr. Telephon Nr. 6805. Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und ) Manuscripte nicht zurückgesendet. ( Eiiizelae A«m«rrll 15 kr. >--—4 Oesterreich-Ungarn: halbjährig 3 fl. 6 Kr., ganzjährig 6 fl. --- 12 Kr.; für das Ausland: Deutschland ♦ ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg, Rußland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R.' 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts. Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Nr. 26. Wien» 19. November 1697. 1. Jahrgang. Da Ende dieses Monats eine größere Anzahl von Abonnements abläuft,, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Die Administration. Die jüdische Colonialbank. Der Baseler Congress fasste unter anderen wichtigen Beschlüssen auch einen, dessen Ausführung den ganzen Eifer und die volle Wachsamkeit der Leitung erfordert. Bis zum Zusammentritt des nächsten Congrcsses ist eine jüdische Bank für die finanziellen Aufgaben der Bewegung ins Leben zu rufen. Es lagen bereits den Vorbereitern des Congresses verschiedene finanzielle Entwürfe vor, die das Präsidium jedoch nicht in öffentlicher Sitzung verhandeln lassen wollte, weil diese Sache nicht improvisiert werden durfte. Die Autorität des Congresses für die Judenheit wird nur zu Gunsten eines genugsam nach allen Richtungen hin geprüften und verbürgbaren Projektes eingesetzt werden können. In der That war es besser, den ersten Congress nicht in Erörterungen dieser Art eintreten zu lassen. Die Aufgabe des ersten Zionisten- Congresses war es, den Volkswillen erkennbar zu machen. Das ist geschehen, in einem Umfange geschehen, der die Zweifler zu Schanden machte. Jetzt beginnen sie, aus einem anderen Loche zu blasen. „Ganz hübsch", heißt es mit mehr gnädigem Lächeln; „aber die Zionisten sind doch Träumer, Ideologen, überstudierte Leut.'. Die Sache ist doch mit Reden und Erklärungen nicht zu machen. Das müsste mit anderen Mitteln angefasst werden, wenn es überhaupt möglich sein soll/' Geduld, wir gehen weiter. Es muss natürlich in einer umso besonneneren und rationelleren Weise geschehen, je mehr wir der Phantasterei beschuldigt werden. Es muss zugleich auch die feine Linie eingehalten werden, auf der weder die Bewegung noch ihre Führer durch, die materielle Ausgestaltung cvmpromittiert werden können. Nachdem es soeben gelungen ist, die Lächerlichkeit zu überwindet, mit welcher der Zionismus in seinen Anfängen von Mahlwollenden ausgestattet werden sollte, handelt es sich darum, die nationale Arbeit nicht verdächtig werden zu lassen. Geht man vernünftig, entschlossen und vor allem offen vor, so wird auch diese Schwierigkeit wie andere zu überkommen sein. Die Bewegung braucht ein finanzielles Instrument von genügender Tauglichkeit und Reinheit. Die nationale Bewegung muss von der Gnade der Wohlthäter emancipierl und von den milden Stiftungen, wie groß. diese, auch seien, unabhängig werden. Dabei ist das Princip, dass die politische Gebahrung mit der geschäftlichen nie und nimmer etwas zu thun hat, ohne Bruch festzuhalten. Solchen Zwecken soll die vom Congress gewünschte jüdische Colonialbank dienen. Diese Zeilen sollen nun die Discussion über den Gegenstand eröffnen. *) Eine jüdische Colonialbank! Zunächst wird sich wohl das Gelächter und Geschrei gegen das Beiwort erheben. Die einen werden sagen, es könne eine confessionelle Bank nicht geben; das Capital sei weder christlich noch jüdisch, sondern confessionslos. Die andern werden hingegen auf die Präcedenzfälle der konfessionellen Bankgründungen Hinweisen, die jämmerlich scheiterten. Man kennt aus der Geschichte der finanziellen Scandale manches Abenteuer, wo unter einem christlichen Schlagworte Gründungen der bedenklichsten Art unternommen wurden und ein Ende mit Schrecken fanden. Aber diese Beispiele sind vielleicht nicht beweiskräftig. Es handelt sich da in der Regel um antisemitische Versuche, die gerade in der Geschäftswelt von vorneherein die heftigste und begreiflichste Feindschaft antrafen. Wer weiß, ob nicht eine oder die andere dieser Unternehmungen einen gesunden Kern in sich barg und nur durch die Coalition der Bedrohten niedergeftreckt wurde? Jedenfalls hätte ein Institut, das nicht nur nicht antisemitisch wäre, sondern geradezu der Lösung der Judenfrage in günstigem Sinne dienen sollte, die Feindseligkeit der jüdischen Geschäftswelt nicht über das Maß des gewöhnlichen Concurrenzneides hinaus zu fürchten. Bei solchen Erwägungen brauchen wir uns indessen nicht lange auszuhalten, weil, wenn wir von einer jüdischen Bank sprechen, überhaupt nichts Confessionelles, sondern etwas Nationales gemeint ist. Dass aber ein Institut zur Bedienung größerer Bedürfnisse auf nationaler Grundlage Mchaffen werden und bestehen kann, ist doch niemandem unbHannt. Freilich scheint wieder hier die Frage vorweggenommen, ob denn die Juden eine Nation seien. Den Lesern dieser Zeitung ist die Frage und deren Beantwortung schon geläufig. Heute stehen wir darin auch schon auf dem festen Boden des Baseler Congresses. Bestände die Nation nur aus den Hunderttausenden, deren Vertreter in Basel versammelt waren, so dürfte man doch schon ohne Selbsttäuschung oder Ueberschwang von der jüdischen Nation sprechen. Und übrigens wird, gleichwie der Congress die ideale Probe auf die Existenz des jüdischen Volkes bedeutete, das Zustandekommen der Colonialbank eine der materiellen Proben darauf vorstcllen. *) Wir werden Anregungen und Bemerkungen aus dem Publikum, soweit sie practische und.neue Gesichtspunkte enthalten, in den nächsten Nummern unseres Blattes bereitwillig Raum geben. Die Redaction: