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Die Welt · 1897-11-12 · 24 (12.11.1897) · p. 15

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
24 (12.11.1897)
Article
Jassy
Date
1897-11-12
Page
15 (sequence 2)
Language
German
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Sk. M. MchM. s.ütk IkÄ plündernd überfallen und die ganze Colonisation vernichten. Darauf bemerkte ich, dass wir bis nun solche Anfälle nicht in der Türkei, sondern in den europäischen Rechtsstaaten erlebt haben. Bei Gelegenheit einer ärztlichen Visite, fuhr ich fort, bei einem hier ansäßigen reichen Griechen, kam ich auf den griechischtürkischen Krieg zu sprechen. Da sagte der Grieche: Meine Connationalen haben Unrecht gethan, sich solche gnte Nachbarn wie die Türken zn Feinden zu machen. Ich bin aus Trebizonda und bin unter. Türken ausgewachsen, und kann Dir versichern, dass die Türken friedliche, gute, ehrliche und brave Menschen sind, und ebenso ist ihre Religion gut und menschenfreundlich. Ein hiesiger Jude namens Selig Rechter befand sich vor einiger Zeit in Constantinopel und gerieth eines Freitags, zur Zeit als Seine Majestät der Sultan in die Moschee zum Gottesdienst fuhr, unter die Menge. Diese hielt ihn für einen Armenier und auf die Frage, wer er sei, antwortete er: „Eine Rumäne!" (Er fürchtete sich als Jude auszugeben, als wenn er ein christlicher Rumäne wäre.) Die Umgebung verstand: „Ein Armenier!" und er gerieth in Gefahr. In seiner Verzweiflung, zog er seine Schaufäden hervor und hielt sie den Bedrängern hin. „Ah, Jehuda!" riefen sie und führten ihn freundlich auf einen sicheren Ort, von wo aus er der Procession ungestört zusehen konnte. D. Lippe. Portugal. Lissabon. (Orig.-Corr.) Zum Schutze der Interessen der hiesigen Gemeinde hat sich unlängst ein ,,Comite Israelita de Lisboa“ gebildet. Dasselbe windet seine besondere Aufmerksamkeit der Armenpflege und der Aufsicht über den jüdischen Friedhof zu. Es hat aber Schritte eiugeleitet, um eine große, würdige Synagoge und eine hebräische Schule für Kinder zu errichten. Da jedoch die Zahl der armen, aus Marocco einwandernden Luden immer größer wird, hat sich das Comite an den dortigen Rabbiner wegen Eindämmung der Auswanderung gewendet. Vereinsnachinchten. Akademische Verviirdinrg „Libanonia". Bei der am 16 October l. I. stattgefundenen Neuwahl für den Wintersemester 1897/98 wurden gewählt zum Präses oanä. meä. vet. Siegfried Leeb, Vieepräses .^tnä. meä. Leopold Klein, Schriftführer 8tuä. meä. vet. Arthur Ottenfcld. £euil Schwache Hände. ' Eine Börsengeschichte von Kar< Cokbert. (Fortsetzung.) Als Paula schlafen gegangen war, duldete es Weigert nicht im Zimmer. Leise schlich er hinaus, sagte dem Dienstmädchen, dass er bald zuriickkommen werde, zog hastig den Winterrock an und gieng. Den Donaucanal entlang war alles übe und still. Man härte nichts als das Plätschern des Wassers und von ferne her das Klingeln der Tramwayschellen und manchesmal das Raffeln eines Fiakers. Nur sclten begegnete Weigert einem Menschen, einem betrunkenen Gesellen oder einem scheu vorbeistreichenden Mädchen. Er schritt über die Brücke und plötzlich stand er auf dem Platze cor der Börse, der jetzt finster und verlassen dalag. Sonderbar! Der Anblick des dunklen Gebäudes beruhigte im erregten Mann; freundlichere, hoffnungsvolle Gedanken -men über ihn, eS schien ihm, als ob er zu schwarz gesehen satte, zu rasch verzweifelt wäre. Er dachte ruhiger als seit l.nger Zeit über seine Lage nach. Noch blieben ihm, wenn <x die heutigen Coursverluste abrechnete, über viertausend ' ulden. Damit konnte er, da er zweihundert Omnibnsactien gc kauft hatte, einen weiteren Rückgang von noch zwanzig 'ulden decken. Und war es denn wahrscheinlich, dass ein so furchtbarer Rückgang noch kommen werde, nach allem, was geschehen war? Die Welt geht ja nicht zugrunde! Ruhig, fast heiter kam er nach Hause, legte sich leise zu Bette und schlief sogleich ein. „Papa, Papa!" tönte es aus der Ecke des Zimmers, in iser das Kinderbettchen einen lichteren Flecken in das tiefe Dunkel des Gemaches zeichnete. Wien. Im Verein „Zion" hielt.der bekannte hebräische Schrift-:.; stellet Landau einen Vortrag „über neuhebräische Literatm:". Der,. Referenr verstand es, das zahlreich versammelte Auditorium in an-. ziehender und gründlicher Weise-mit', dem Thema vertraut'zu? inqchen. An der Debatte betheiligten sich Professor. Leon Kellner, Dr. K ahn, Dr. O. K o k e s ch n. a. Wien. In dem am 3. d. M. stattgehabten Plenum' erstattete der Congressdel.egierte ber „Unitas" eanä. meä. Alois Munk^ fern'r Referat „über den Baseler Congress". > r:r Wien Am letzten Vortrags-Machmittag des-jüdischen. Mädchenvereines „H a d a s s a" hielt Herr I. B e r k o w i tz.. einen, geistreichen Vortrag „über die ersten Anfänge der Assimilation im Fndentchüm", dem daS zahlreich erschienene Publicum mit großem Vergnügen lauschte. — Der nächste Vortrag findet Sonntag -den 14. d. W. statt' und wird Herr Dr. S. R. Landau über das neue Theaterstück „Mcdka . Schwarzenkopf" von Zapolska sprechen. Gäste sind herzlich willkommen. . Anfang präcise 4 Uhr. Vortragslocal: Sitzungssaal der Cultnsgemeinde, I., Seitenstättengasse. " Zeitschriften-Rundschair. Die „Jüdische Chponik" des Herrn Dr. Ä d o l.f K u r r e i n bringt an erster Stelle einen Artikel des.Herrn Dr. Simon St^ern, in welchem er gegen die Zionisten polemisiert, insbesondere gegen - Dr. Max Nordau. Wir wollen gegen die. Polemiknichts Vorbringen, ’ da sie ja nichts sagt, was nicht schon längst, widerlegt wäre. Auch die Ironie des Herrn Dr. Stern geht uns offen gestanden nicht sehr nahe. .. Was er aber mit dem schönen Bilde sagen .will, dass der ZionismusL zwischen den zwei Hörnern des Dilemmas steckt, hat'er nicht recht-, erklärt. Wenn er seine ganze Hoffnung auf den endlichen Sieg des- Freisinns setzt, so wollen wir ihm diese Hoffnung nicht-rauben. Hoffentlich wird der Zionismus auch, ohne den Herrn Dr. .Stern, sein Ziel erreichen, so leid es uns thut, ohne ihn kämpfen zu müssen. Jm wohlthätigen Gegensatz dazu ist der'von Jessie Kur re in geschriebene Artikel „Eine christliche Stimme über den Rabbinercongress in Montreal." Auch die Artikel von D r. K ur r e i n sind lesenswert^. W>' : Ein karaitisches Blatt Dem Oberrabbiner der: Karait.en in Russland wurde von der Negierung die Bewilligung zur Herausgabe; eines hebräischen Blattes erthellt. Das rumänische Wochenblatt „Pamanteanul", das von M. B o t o s en e anu redigiert wird, bringt eine Ueberschung von Dr.Herzt's C o n g r e s s v o n B a s e l und eine Besprechung des neuen Armee-Reformprojects. Dem Blatte liegt auch wegen eben dieses Projectes ein Manifest an die Juden Rumäniens bei. leton. Der Angerufene fuhr aus dem Schlafe empor und lauschte, doch alles blieb still; man hörte nichts als die regele mäßigen Athemzüge des Kindes, das offenbar nur aus dem Schlafe gesprochen hatte. „Schläfst Du, Paula?" fragte der Vater ganz leise. Keine Antwort. Da lehnte auch er sich wieder in die Kiffen zurück, um weiter zu schlafen, denn die Dunkelheit im Zimmer zeigte ihm, dass es noch viel zu früh >ci, um aufzustehen. Auch war es so behaglich wärm im Bette, während es draußen furchtbar kalt sein musste. Aber plötzlich fuhr er empor, denn mit einemmale waren ihm : alle Schrecken des gestrigen Tages und jene, die der beginnende. bringen mochte, eingefallen, die Baisse an der Börse, Omnibusactien 64, das Drängen um weitere Deckung, die Gefahr vollkommenen Ruins. Es wurde ihm kalt; er deckte sich bis. zum Kinn hinauf zu, und allmählich kam ihm mit. der größeren Wärme die Betäubung des Halbschlafs. Phantastische. Ereignisse vollzogen sich, die ein Steigen der Course - zur Folge hatten; der Finanzminister kam selbst zur Börse und erklärte, dass er den ganzen Ueberschuss des Budgets zum Kaufe von Wertpapieren verwenden werde, worauf alle Papiere ins Ungemesscne stiegen. Aber plötzlich rief eine Donnerstimme: „Alles soll steigen, nur Leopold Weigerts Papiere nicht!" Dir erwachte er völlig; nach dem Halbdunkel im Zimmer .zu urtheilen, mochte es 7 Uhr sein, es duldete ihn nicht mehr im Bette. Er wusste, dass draußen, auf dem Stiegenflur, halb unter die Wohnüngsthür geschoben, das Morgenblatt liege, das Morgenblatt mit den neuesten Nachrichten, welche Rettung oder unwiderruflichen Untergang bedeuteten. Vorsichtig, ohne auch nur Schuhe anzuziehen, damit ja kein Laut das Kind wecke, schlich er hinaus. Das Dienstmädchen war schon aufgestandrn; im bloßen Rocke, ein wollenes Tuch um

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