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Die Welt · 1897-11-12 · 24 (12.11.1897) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
24 (12.11.1897)
Article
Wien / L.
Date
1897-11-12
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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m 'T' Wr. 14. MWO Seite IS. l •*? S V ... ' V? .? > Bon der parlamentarischen Commission des Polenclubs wurde dem Abgeordneten E-Bchk^itz ErUluKttiL ertheilt, wegen der ZndeneKess^ in- ChodorHv jM nach drei Monaten! — zu interpMerm.! Kim Interpellation .wegen der Militärtzxceffe in Tartzow. und Przemyslany wurde abgelehnt und lediglich. das PMViunr•: beauftragt beim; Landesvertheidigungs-Ministerium darüber 'Borstellnngen zu erheben. / - .L: WM. (Origl-Corr) Dett jüdischen Anhängern Schönerers ürtd hKii ^Dbprueüom' möchten - 'wir folgende Begebenheit ins Stammbuch schreiben: Während der Rede Dr. 8 u ege r s am Donnerstag, bemerkte mdn plötzlich von der Gallerie aus, ein heftiges Recontre zwischen Dr. Tr ach tenberg und Professor Steinwender. Um was es sich jedoch handelte, konnte man nicht einmal von der Jaurnaliftenloge aus hören und selbst das Sitzungsprotokoll enthält darüber keine Wort. Nun erfahren wir' von einem Abgeordneten, der diesem Wortstreite beiwohnte, darüber folgendes: Während der Rede Luegers, dem auch Dr. Rosen stock und Dr. Trachtenberg zuhörten, kam auf letzteren Professor S t e i n w e n d e r zu und fragte ihn: „Wer sind Sie?" „Ich bin Dr. Trachtenberg" antwortete dieser. „Also wieder a Jud!" Es folgten nun gegenseitige Complimente, wobei Mitglieder der Obstruction den Dr. Trachtenberg mitverhöhnten und zum Rückzug auf die Polenbänke zwangen. Dr. Steinwender ist bekanntlich Obmann der „Gymnasiallehrer" alias „Deutschen Bolkspartei", deren Mitglied Dr. v. Hofmann den Juden Schonzeit zugestanden hat. Jetzt ist also die Schonzeit. L. MM. (Orig.-Corr.) Wie uns mitgetheilt wird, hat der Cultusvdrstand unter dem Drängen der öffentlichen Meinung endlich beschlossen, behufs Reform des Armenwesens eine Enquete für den 8. December d. I. einzuberufen. Zur Theilnahme werden das vor einigen Monatengebildete Comite und die Vertreter der jüdischen Humanitätsanstalten ungeladen werden. Natürlich muss der unvermeidliche „Politische Bolksverein" zu dieser Frage auch „Stellung nehmen" und hat zu diesem Zwecke für Donnerstag, den 11. d. M., eine Plenarversammlung einberufin. Maden. (Corr.) Durch das geeinigte Vorgehen der deutschnationalen Antisemiten und der Juden ist es glücklich gelungen, über die christlich-socialen Antisemiten bei den Gemeinderathswahlen einen glänzenden Sieg davonzutragen. Mrag. Am 6. d. M. war Eger der Schauplatz einer imposanten deutschnationalen Demonstration. Hunderte von Leuten durchzogen zu einem Znge formiert die Straßen und sangen die „Wacht am Rhein" und andere nationale Lieder. Die Demonstration galt der Annahme des Ausgleichsprovisoriums in erster Lesung. Insultiert wurde ein Dominikanermönch und ein Jude. Saaz. (Orig.-Corr.) Hier existierte bis vor kurzem ein deutscher Schulkreuzerverein, der wahrend seines zwölfjährigen Bestandes alljährlich eine große Weihnachtsbescheerung für die hiesigen deutschen Schulkinder veranstaltete. Die Finanzstützen des Schulkreuzervereins waren Juden. Infolge der unausgesetzten heftigen Angriffe, mit denen die an der Spitze des Vereines stehenden „liberalen" Persönlichkeiten von den Deutschnationalen bedacht wurden, hatte der Verein vor kurzem seine Thätigkeit eingestellt Die. Juden .hatten es satt bekommen, sich von den Vätern und sonstigen Sippen der beschenkten Kinder zum Danke beschimpfen zu lassen. Daraufhin hat die politische Behörde den Betein aufgelöst.- Die hiesige Frauenortsgruppe des antisemitischen Bundes dev'Deutschen, Hat nun die von den Juden weggelegte RollederMenfcheuliebe aüfgelefen^ Die antisemitischen Saazeririirerl ahmen da das Beispiel der Wiener christlichsocialen Damenwelt nach — und mit dem gleichen, mageren Erfolge. Das Werk der Nächstenltede will in ihren Händen nicht recht gedeihen. Schmerzlich vermisst man das Judengeld und zarte Frauenstimmen flehen zupl^ Gemeinderath um Erbarmen, um Subvention. Der galante Saazer Gemeinderath, der in seiner Majorität antisemitisch ist, hat sich denn auch erweichen lassen und hat in seiner am 3. Rotz eutber abgehaltenen Sitzung die 'Lücken die in der Menschenliebe durch, das Fehlen des Judengeldes, entstanden ist, durch eine Spende'von 400 fl. wieder ausgefüllt. Deutschland. (Drig^Sox-r.) Anfer Frankfurt könnte man füglich als-Hauptquartier der Assimilation bezeichnen. Die Gegner des Zionismus bestehen hier aus reichen er^o einflussreichen Persönlichkeiten, und kommt man diesen Herren mit unseren Ideen, so beginnen sie einen ergötzlichen Eiertanz zwischen ihrem Judenthum und ihrem Deutschthum. Dabei sei es gesagt, dass gerade die größten Gegner entweder amerikanische Bürger sind oder direct aus Ungarn u. s. w. hierhergekommen sind. Die hiesigen Zionisten entfalten seit dem Basler Congress eine rührige Thätigkeit; es ist aber wirklich schade, die Kreise unserer Gegner zu stören. Man brauchte sie eigentlich gar nicht zu bekämpfen, ihre eigene Thätigkeit macht sie in den Augen eines jeden vernünftig Denkenden einfach lächerlich. Es besteht hier in der bescheidensten Verschwiegenheit, ein „freisinniger jüdischer Verein" oder wie daS Ding sich sonst nennt. Man hört gar nicht viel von ihm, aber was man von ihm hört, ist durchaus geeignet, das Judenthmn so viel wie möglich zu schädigen. So wollte dieser Verein vor einigen Jahren den Sonntagsunterricht der jüdischen Kinder einfach auf den Sabbath verlegen. In einer gegen diesen Vorschlag einberufenen Versammlung wurde den Herren auch von zionistischer Seite entgegengehalten, dass es durchaus unwahr sei zu sagen, dass das jüdische Kind mit den Schulbüchern auf dem Arme, bei den Andersgläubigen Aergernis erregen könne, setzten doch die Christen ihren Stolz darein, recht viele Sonntagsschulen zu gründen, und würden doch gerade an diesem freien Tage die Fortbildungs¬ und Zeichenschulen u. s. w. am stärksten besucht. Wir hatten das Glück, diesen bedientenhaften Vorschlag so zurückzuweisen, dass den Herren auf lange Zeit die Lust für solche Charakterlosigkeit vergangen war. Dieser Tage nun haben die Herren sich wieder einmal daran gemacht, in aller Stille zusammen zu kommen, um gegen den Zionismus Stellung zu nehmen. Es mögen 30—40 Herren erschienen sein. Zwei der Redner, der Emberufer und ein Rechtsanwalt, gaben sich im Schweiße ihres Angesichtes redliche Mühe, uns Zionisten unter den größten Anstrengungen zu beweisen, dass sie Deutsche seien, und wollten durchaus keine Stammes- und Volksgenossen sein. Ein nichtdeutscher Jude stehe ihnen gerade so nahe als Mensch, wie ein Serbe oder ein Rumäne. Einem anderen Rechtsanwälte machte es großes Kopfzerbrechen, dass am hiesigen Platze ein Herr Birk enstein schon Ende der achtziger Jahre eine zionistische Bereinigung gebildet hatte. Den ersten beiden Rednern trat aus ihrer Mitte ganz unerwartet als Widersacher Herr Dr. Rubin stein auf. Durchdrungen von der Wahrheit und dem Geiste unserer Sache fertigte er die Gegner spielend ab. Ein anderer Zuhörer'meldete sich des anderen Tages der hiesigen zionistischen Ortsgruppe als Mitglied an. 7 Ein anderes Bild: V Wenn man unsere Gegner hört, und ihnen glaubt, so hat man hier als Jude gar nichts zu klagen. Schon Wilh. Hauff sagt aber, in Frankfurt sei der Judenhass immer modern gewesen. Auch wir sind mit allen Segnungen des Antisemitismus beglückt. ,-Judenreme Hotels" geben schon jahrelang nachgeahmte Eisenbahnfahrkarten mit unfläthigen Bemerkungen als Empfehlungskarten ab.

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