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Die Welt · 1897-11-12 · 24 (12.11.1897) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
24 (12.11.1897)
Article
Jüdinnen ausgeschlossen [Nachricht]
Date
1897-11-12
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 24. Seite 10. AHE ' Wiener Damen zurücköleiben/ In Nürnberg tagte am 13. October die Eonferenz des „Jnternatiönalen Vereines der Freundinnen junger Mädchen in Baiern". Es waren ungefähr 60 Mitglieder anwesend. An der Discussion betheiligten sich besonders lebhaft drei- Münchener Damen. Man einigte sich dahin, daß zwischen -den christlichen- Confessionen und Nationalitäten kein Unterschied gerrmcht werden dürfe, Jüdinnen jedoch seien von der Mitgliedschaft auszuschließen. Auf dieser Grundlage sei für die Bildung ' von'Vereinen zu agitiren. Namentlich die Fabriksarbeiterinnen müsse man zu gewinnen suchen. Man beschloß auch das Tragen eines Erkennungszeichens: Ein medaillonartiger grüner Kranz im weitzdn Felde. - Es wurde auch die Nothwendigkeit der Einrichtung -eines Hospizes betont, und der Verein gedenkt zu diesem Zwecke < in München eist in der Nähe des Vereinshauses günstig gelegenes Gebäude anzukaufen. Ob Wohl die wackere Münchener Judenschaft gegen die Tendenzen des Vereines Protest erheben wird?! Krau Ahk«ardt, die KKocakatetieShaverm. Für jüdische Blätter, die dem Antisemitismus dadurch ein Leid anzuthun glauben, wenn sie die Antisemiten in recht schwarzen Farben darstellend bringt das „Berl. Tgbl." folgende Notiz: „Eine auf- 1 reflcnbc Seme spielte sich gestern nachmittags kurz nach 2 Uhr in der 'Lebensmittelausstellung in der Älexandrinerstraße ab. Während im Hofe des Etablissements Massenspeisuugen statt- ' fanden, und die allgemeine Aufmerksamkeit auf diesen Vorgang gerichtet war, ließ im Zimmer 93 des dritten Stockwerkes eine Dame, die in Begleitung eines jungen Mädchens sich befand, ein ziemlich umfangreiches Paket Chocolate unter ihrem Mantel verschwinden. Die Verkäuferin bemerkte sofort das Fehlen des Pakets auf ihrem Tisch, da aber von den Damen einige gleichgiltige Fragen an sie gerichtet wurden, getraute sie sich nicht, diese direct der Entwendung zu bezichtigen, sondern theilte ihre Wahrnehmung einem benachbarten Aussteller mit, der mit der Verkäuferin gemeinsam den beiden Damen nachgieng und sofort den anwesenden Criminalbeainten veranlasste, sich ihnen anzuschließen. Als sie die beiden Damen, die sich entfernt hatten, 'erreichten, und diese zur Nennung ihres Namens und Herausgabe des Pakets aufgefordert wurden, erklärte die ältere, sie sei 'die Gattin des Neichstagsabgeordneten Ahlwardt, und das sie begleitende Mädchen sei ihre Tochter. Das Paket habe sie mitgenommen, weil sie der Meinung gewesen sei, es sei gestattet, 'Proben der Ausstellungsgegenstände mitzunehmen." Hin feiner Unterschied. In einem Artikel der „Freisinnigen Zeitung" war der Agitator der „Freisinnigen Vereinigung", Dr. Bruno Wagner in Plön-Oldenburg als Geschäftsantisemit bezeichnet worden. Dieser Tage erschien nun in der „Freisinnigen Zeitung" eine Berichtigung, worin anseinandergesetzt wird, dass .Dr. Bruno Wagner auf die Bezeichnung „Gefühlsantisemit" Anspruch habe. Hin „instcierter" ßkuö. Auf den Antisemitismus, wie er in Preußen zu Hause ist, werfen die Verhältnisse '.n den Berliner Clubs, die uns von einem Berliner Blatte geschildert .werden, einige bemerkenswerte Streiflichter. Von einem Berliner „vornehmen" Club erzählt das Blatt: „Zu den Mitgliedern des, vornehmen Clubs gehört ein bekannter Ritergutsbcsitzer und .Sporlsman. Dieser Herr hat auf seiner Besitzung eine Tafel .anbringen lassen„Hunden und Juden ist der Eintritt bei Strafe verboten." Als dies bekannt wurde, trat ein bekanntes jüngeres Mitglied unserer Hochfinanz ans dem Club aus. Einer der .bekanntesten Berliner Bankdirectoren, welcher gleichfalls Mitglied des Clubs ist, richtete nun an den Vorstand ein Schreiben, worin er den Antrag stellt, dass von Seiten des Directoriums gegen den Rittergutsbesitzer eingeschritten werden möge. Der Vorstand antwortete, dass ein solcher Schritt nicht innerhalb seiner Macht- .hefugttis liege, .„ba, der Ort der. Thal sich außerhalb , Berlins befinde." Gleichzeitig wurde dem. Antragsteller bedeutet, dass er im Falle seines Austrittes jedenfalls noch den Jahresbeitrag pro 1898 zu erlegen habe. Wie wir hören, wird daraufhin der größte Theil der Mitglieder seinen Austritt anmelden." Hine „jndenreirre" Arbeiterpartei in Arrdapest. In der Hauptstadt Ungarns hat sich eine „christliche" Arbeiterpartei gebildet; vor kurzem hat sie ihren Prospect veröffentlicht. Die Partei erhebt die Forderung auf Erziehung im christlichen Sinne, unentgeltlichen Volksschulunterricht, die Bildung christlicher Consumvereine, Ausdehnung des Wahlrechtes auf alle Bürger, die lesen und schreiben können. Pie israelitische Landes-Lehrerbildungsanstalt in Budapest feierte am 31. October a. e. ihr 40jähriges Jubiläum. Bon der Strafcontribution, welche die Juden nach dem ereignisreichen Jahre 1848 wegen ihrer Theilnahme an den Ereignissen dieses Jahres zu zahlen hatten, wurde die Lehrerbildungsanstalt gegründet. Die Gründung war von Kvssnth und anderen hervorragenden Ungarn lebhaft befürwortet worden. Interessant sind die diesbezüglichen Aeußeru»gen Ludwig K o s s u t h s und Bajzas. Kossnth schrieb damals: „Unter all' den vielen „Sp ra ch g en o ss e n", die in unserem Lande wohnen, dürften die Juden diejenigen sein, die gegen unsere Nationalität am wenigsten Antipathie hegen." Und B ajza unterstützte die Gründung, weil „die Magyarisierung der Juden nicht nur eine jüdische, sondern eine nationale Angelegenheit sei." Die Anstalt hat bis jetzt 2927 Schüler gehabt und 793 Lehrerdiplome ausgestellt. Sie verfügt über sehr wenig Stipendien und milde Stiftungen, weshalb auch sehr viele der Schüler mit der bittersten Roth kämpfen. Der jetzige Director Josef Bänoczi hat anlässlich des Jubiläums der Anstalt ihre Geschichte geschrieben, ein vortreffliches Buch, dem diese Daten entnommen sind. Antisemitismus in Amerika. Ein Jude, namens Goldberg, wurde verhaftet. Ein amerikanisches Blatt in New-Dork constatiert dazu: „Goldberg ist ein Jude, Cohen, der Detectiv, der ihn arretierte, ist ein Jude, Richter Beekmann von der Supreme-Court, vor den er geführt wurde, ist ein Jude. Sein Advocat Goldsbmith, der ihn vertheidigt, ist ein Jude, sämmtliche Zeugen sind Juden, so werden auch sicher in der Jury Juden sein . . . Glaubt man nun, dass dieser Schurke überführt werden wird, oder dass der Richter ernstlich bemüht sein wird, ihn zu verurtheilen? Pie AationarSibkiothek in Jerusalem. Aus Bialystock wird uns mitgetheilt, dass der um die Gründung der Nationalbibliothek „Midrasch Abrabanel" in Jerusalem verdienstvolle Dr. I. Chasanowitz, vor Kurzem abermals mehrere Kisten Bücher, 25 Pud schwer, gewählten Inhaltes und im Werte von 1000 Rubel, .mittelst der „Russischen Transportgesellschaft" nach Jerusalem abgeschickt hat. Herr Dr. Chasanowitz verspricht bei dieser, im Verhältnis zu dem von ihm bereits geschenkten Büchern (7000 Werke) geringen Spende nicht stehen zu bleiben und diesem seinem Ideale auch künftighin alle Kräfte widmen zu wollen. Möge es ihm vergönnt sein, zahlreiche Nacheiferer und Mitarbeiter zu finden! Hin Megräönis mit «Hindernissen. Das Judenquartier von Tunis war vor Kurzem vier Stunden lang der Schauplatz erregter Bolksscenen. Der Rabbiner Habib harte vor seinem Tode den Wunsch geäußert, man möge ihn nach tunesischem Ritus begraben, d. h. die Leiche möge von Freiwilligen auf den alten Friedhof getragen werden, wobei die Träger einander recht oft ablösen, damit möglichst viele zu der Ehre gelangen. Tausende begleiteten dem Zug bis zu dem Platz am Karthagischen Thor, wo die Straße fahrbar wird. Dort wartete schon der städtische Leichenwagen, dessen Führer sich des Sarges bemächtigen wollten. Die Juden protestierten, aber zahlreiche Polizisten schritten ein, wobei sie von den Waffen Gebrauch machen mussten. Biele von ihnen wurden durch Steinwürfe verwundet.

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