Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 24 (12.11.1897)
- Article
- [Ohne Titel] / S. J-G.
- Date
- 1897-11-12
- Page
- 9 (sequence 1)
- Language
- German
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Är. 34. MWW? «eite 9. THbüne. " Geehrter Herr Redactenr! ' In Dolina (Galizien) KeMt5.„AMftcher -Bezirtt-tzehrkrhW-- verein". Der Verein fasst dW^MrWchr^sv^-Mf^dLsS'er es sich angelegen sein lässt, den Judenzu Maden, Sv hat er zwei Buch», Papier - und Schreibwarenhandlungen, <eine in Dolina und eine in Bolechöw, eröffnet. DaS ließe sich ertragend Aas'aber entschieden verurcheilt werden muss. daS ist das Borgeheil' det verschiedenen Schulleitungen, welche, riur solche Schulrequisilen, Bücher und Theke:;, zulassen, welche ryit dem Stempel des genannten christlichen Lehrervereines versehen sind. Ja selbst die jüdischen Kinder werden gezwungen, solche Bücher und .Theten zu viel theuereren Preisen zu kaufen, auch wenn ihre Väter selbst solche Papier- und Buchhandlun gen besitzen, Was wird nun diesen armen Juden übrig bleiben, um sich auf ehrliche Weise ihr Brot zu verdienen? Hochachtungsvoll 8. J— GL weltchroirik. Ileöerrejke der zehn Stämme. Gelegentlich der Nachrichten über den Aufstand an der indisch-afghanischen Grenze ist auch die Frage aufgeworfen worden, wie die dortigen Juden sich zum Aufstande verhalten. Die Frage erledigt sich von selbst, wenn man erfährt, dass dort gar keine Juden sind. Nur in Peschawer an der Karawanstraße gibt es einige wenige Juden. Von dort auS muss man mehrere Tagreisen machen, bis man wieder Juden trifft. In Dardistan, Jagistän und Kafiristan sind überhaupt keine Juden zu finden. Uebrigens wurden gerade diese Gebiete von einem ungarischen Juden, Dr. G. W. Lettner, im Jahre 1866 zum ersten Male gründlicher erforscht. Während aber nordöstlich von Peschawer und bis an die Ausläufer des Hindukusch keine Juden wohnen, sind sie, wenn auch verstreut, in Afghanistan zu finden. Sie wohnen fast nur in den Städten ^besonders zahlreich in Kabuls von denen sie behaupten, dass mehrere von ihnen schon den alten Juden bekannt gewesen seien, so Kabul, Balch und Herat. Nach dem Glauben der afghanischen Juden seien diese Städte*) von den Ueberresten der zehn Stämme bevölkert worden, nachdem diese von Tiglath Pilesar und Salmenafsar in die Gefangenschaft geführt worden waren. Auf diese lange Anwesenheit der Juden in Afghanistan werden denn auch viele jüdische Bräuche der moslemitischen Afghanen zurückgeführt, wie zum Beispiel die dort ungemein streng beobachtete Leviratsehe u. A. Die Juden sind von Peschawer bis zum Amu Darja und bis in die Ebenen des Harud und Hilmend Kaufleute, Viehzüchter, Handwerkerund Arbeiter. Reiche gibt es unter ihnen sehr wenige, aber auch nicht allzuviel Arme. Kitt Kenkmak KnvakKams. Der im ersten Buch Moses gerühmte „Meister in allerlei Erz- und Eisenwerk" hat es sich sicherlich nicht träumen lassen, dass man ihm mehrere Jahrtausende nach seinem Tode ein Denkmal setzen werde. Das Denkmal soll demnächst in der Industriestadt Pittsburg in Pennsylvanien errichtet werden. Die dortigen Stahl- und Eisenfabrikanten haben im Verein mit der westpennsylvanischen Jngenieurgesellschaft und dem Pittsburger Eisengießerverein am 11. October d. I. beschlossen, Tubalkain zu ihrem Patron zu erheben und ihm am Zusammenfluss des Alleghany und Monongahela zum Ohio eine Bildsäule zu errichten. Der Unterbau des weithin sichtbaren Denkmals soll ganz aus Stahl und Eisen bestehen und ist auf 200.000 Dollar veranschlagt. Er wird die in Brouce ausgeführte Koloffalsigur Tubalkains tragen, die mit einem gewaltigen Schmiedehammer auf einem urthümlichen Ambos ein Stück Eisen bearbeitet. Iie Aufftellkng des Keine-Ienkwats, des Loreleybrunnens von Herter, wurde nun auch von der Stadt . Brooklyn endgiltig^abgelehnt. In Kltppmßeiw, (Deutschland) hat die jüdische Gemeinde sich gezwungen gesehen, eine Belohnung von 50 M. für denjenigen Anmerkung: Die Städte sollen identisch sein mitChaborund Chalach des Buches der Könige. Balch ist das alte Battra. auszusetzen, welcher den Thäter des Unfuges entdeckt, der am Mischen'Friedhöfe vetüVt wurde.' Es wurden daselbst nämlich 'chMirholl'^ und beschädigt. Bisher hat man Horn Thäter keine Spur.; Aer Ekartke in Aerkm. Die städtische Schuldeputation Berlinshat. den Directoren der höheren Mädchenschulen, den stören der Gememdefchulen und den Borstehern der Privatschülen Berlins folgendes Schreiben zugehen kaffen: „Der Herr Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten hat angeordnet, dass sich die Leiter der Schulen von jedem die Schulen besuchenden Kinde jüdischer Religion innerhalb des schulpflichtigen Alters eine bescheinigte Nachweisung darüber erbringen lassen,. dass und von wem dasselbe Religionsunterricht in seinem Glauben erhalte. Im Anschluss an diese Anordnung veranlassen wir Sie im Aufträge des königlichen Provincial- Schulcollegiums, ein Verzeichnis derjenigen jüdischen Kinder, welche die von Ihnen geleiteten Anstalten besuchen und keinen jüdischen Religionsunterricht erhalten, hierunter aufzustellm und binnen sechs Tagen an uns einzureichen.* Wie die obige Verordnung zeigt, scheint es in den Diöcesen der Protestrabbiner mit dem Seelenheil der schutzbefohlenen Herde nicht besonders gut bestellt zu sein. Aber man kann den armen, geplagten Seelenhirten da absolut keinen Vorwurf machen. Was hat so einbedauernswerter, mit Arbeit überhäufter Protestrabbiner nicht alles zu thun? Er muss Proteste gegen den Zionismus verfassen, er muss sich stundenlang zum Arbeitstisch setzen und im Schweiße seines Angesichtes Predigten gegen den Zionismus aus dem Gehirn Herauspressen, er muss antizionistische Artikel für antizionistische Zeitungen schreiben rc. rc. — nun, da ist es doch leicht begreiflich, dass so ein beklagenswertes Opfer des Protestberufes keine Zeit für die Seelsorge der gläubigen Herde, die ja doch schließlich mehr oder weniger Nebensache ist, erübrigt. — ' Alles verstehen heißt alles verzeihen. §ie jüdische Hirktussserrer in Aerkm. Die Thätigkeit des Wiener Cultusvorstandes besteht gegenwärtig hauptsächlich in der Bestimmung der Cultussteuer, gegen die zum größten Theil , Recurse erhoben werden. Der ganzen Steuerbemeffung liegt ja auch keine feste Norm zugrunde; sie ist daher von vielfachen zufälligen, oft täuschenden Umständen abhängig. Anders in Berlin. Dort wird die Cultussteuer als percentueller Zuschlag zur staatlichen Einkommensteuer bemessen und dadurch in gerechter, an alle Schichten in einer ihren Verhältnissen angepassten Form vertheilt. Für das laufende Jahr wurde dieser Zuschlag mit einem halben Percent festgesetzt. Sollte es aber in der Seitenstetlengasse unbekannt fein, dass auch in Oesterreich eine Steuerreform nach deutschem Muster eingeführt wurde? Die Iaht der jüdischen Vereine in Berlin beträgt zur Zeit 93. Es sind meistens Wohlthätigkeitsvereine. Daneben gibt es 15 religiöse und fünf jüdisch-studentische Vereinigungen Die bedeutendsten B'nei Berithlogen sind die Montefiore- und die Auerbachloge. Der älteste der Berliner Vereine ist die „Gesellschaft der Freunde", der auf ein mehr als hundertjähriges Bestehen zurückblickt. Drei Bereinigungen haben die Förderung des Handwerkes unter der jüdischen Bevölkerung zum Zwecke. Der zionistischen Richtung huldigen die Vereine „Esra" und „Jung- Jsrael", während der „Palästinaverein" lediglich der Unterstützung der Colonien im heiligen Lande dient. Die Bekämpfung des Antisemitismus hat der mehr als 1000 Mitglieder zählende „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" aus seine Fahne geschrieben. Dann gibt es 16 israelitische Fraüenvereine, darunter auch eine Vereinigung jüdischer Krankenpflegerinnen. Ferner existiert ein jüdischer Kinderhort, ein Lehrlingsheim, ein Mädchenheim, eine jüdische Lesehalle, ein jüdischer Verein für Arbeitsnachweis. Jüdinnen ausgeschlossen. Das zarte Geschlecht inBaiern will an gediegener, antisemitischer Gesinnung nicht hinter den