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Die Welt · 1897-11-12 · 24 (12.11.1897) · p. 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
24 (12.11.1897)
Article
Die Affaire Dreyfus
Date
1897-11-12
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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,, -jAlleüz-die, mtdecktefl UnregetzyäHigkeitett, sW flicht eiWA ausschlaggebend- Nach der Verurthejlupg.hatte Kreyfus gesprochen und sM- .Protest fl»urd.e..bekanflt. i Die Regierung sah, dass sie es mit elftem widkrspevftigxn Leichnam, zu thuu hatte. J'"' ^. Dech Gesetze. Motge -Mt^ er machWücaledvflM transportiert ftflrheft,H pon wo platt dekämtÜch >srKr leichtnäch Austrälien hin flüchteft kann. Sofort ließ man eia specielles Gesetz votieren, wonach Drehfüch. nach Cayenne versetzt werden solle, wo ihm eine von Felsenriffen umgebene und von Haifischen bewachte Insel zugewiesen wurde.. Die aus Menschen bestehende Bewachung lostet dem Staat MOOOFrancs jährlich. Warum ein eigenes Gesetz? Warum eine besonders wüste Insel? Wollte mau alle aus der gleichen Quelle stammenden Ausreden und Widersprüche der Regierung zusammenstellen und vergleichen, so brauchte man die ganze Nummer dieses Blattes. Es würde dann jedem Menschen einleuchten, dass wir vor einer Verschwörung stehen, wo das Publicum aus die gröbste Weise hinter das Licht geführt worden ist. Man muss bedenken, dass es überhaupt politische Sitte in Frankreich — wie vielleicht anderswo auch — ist, seine Gegner durch solche Scandalaffairen zu entehren. Vor zwanzig Jahren suchten die Republikaner die Clericalen durch die Sittenaffaire de Germiny und vor 15 Jahren die Clericalen die Republikaner durch eine ähnliche Geschichte gegen Rouvier, den nachmaligen Minister, zu entehren. Nun weiß man ganz bestimmt, dass beide Herren absolut unschuldig waren. In Algerien kenne ich die Affaire Sapor, welche gegen die Juden so schmählich ausgebeutet wurde, so genau wie Sypor selbst, der doch d.ci Jahre unschuldig sitzen musste. Der damalige Staatsanwalt, der ihn verhaften und verurtheilen ließ, sagte mir vor- und nachher: „Sapor ist ein ehrlicher Measch, ich habe ihn ohne Grund verhaftet, aber ich muss daran glauben, denn Cambon hat den Sturz seines Beschützers Manguin nöthig." Man soll sich also wenig wundern, wenn DreyfuS noch einmal als Märtyrer zurückkommt. Allein, wie das Ende dieser Tragödie auch sein möge: Jeder Jude, jeder vernünftige, jeder ehrliche Mensch muss stets denken und erklären: Sobald die Justiz, das Gesetz und die Moral auf eine so cynische Weise verletzt werden, ist der Berurtheilte als unschuldig zu betrachten. Arnold White über den Zionismus. Der Artikel Whites im letzten Heft des „Contemporary Review" über „Europa und die Juden" hat in England viel Aufsehen erregt. In diesem formvollendeten Aufsatze werden einerseits die jüdischen Banquiers Frankreichs und Englands wegen ihrer Theilnahme an der russischen Anleihe stark angegriffen, andererseits die europäischen Staaten und besonders England zur Lösung der Judenfrage mittels eines europäischen Staatencongresses aufgefordert. White hat sich bemüht, in dieser Frage objectiv zu sein; er betrachtete die Judenfrage vom Standpunkte der Juden selbst, aber auch von dem der russischen Staatslenker. Im Nachstehenden veröffentlichen wir die bemerkenswerten Stellen dieses Artikels: „Der Zionismus hat der jüdischen Frage eine neue Wendung gegeben; er hat eine Thatsache beleuchtet, welche die meisten r ei ch e n Juden und. ihre Freunde, unter den regierenden Claflen Europas - stbersehen wollten. D er Zionismus h at di e Thatsache bewiesen, -dass die überwiegende Majorität des jüdischen Volkes leibst, schrecklich leidet. - Trotz - des Hohns der Kritiker muss es der Wunsch eines jeden englischen Christen sein und eines Christen mit geschichtlichem Verständnis, sein Land im Vordergrund der iüternationaleu Bewegung für die Lösung der Judenfrage zu sehend \; .;T 35$ h i t.e > erwähnt hiev , die Emweudungen Zangwills, Dr.. Adlers u. a. gegen den Zionismus und setzt fort: „Alles zugegeben, - die Thatsache bleibt^ doch. die Juden im Osten leiden, - sie leiden schrecklich, an Geist und an Körper, und aus die-fMLeiden--'-entsteht die. rächende Nemesis für die Völker. Unter Viesen BspMssdtzurrgen fragt eS sich, was kann das englische Volk praktisch thun? Betrachten wir die Thatfachen." White erwähnt die Resolution des Guildhall-Meetings, die von Alexander III. zurückgewiesen wurde, das Organ „Darkest Uussia", das bereits eingegangen ist, die Thätigkeit des Baron Hirsch, um dann nach einer ausführlichen Besprechung der Lage der Juden in Russland wieder auf England zurückzukomrpen. „Nach der antirussischen Agitation, der westlichen Juden im Jahre 1891/92 war doch zu erwarten, dass die jüdischen Banquiers Frankreichs und Englands die Geldverlegenheit Russlands ausnützen werden, um vom Minister gewisse Concessionen in Bezug auf die Behandlung der Juden zu erlangen. Nichts Aehnliches geschah. Als Russland eine Anleihe von 16 Millionen Pf. St. aufnehmen wollte, halten die Juden es in ihren Händen Aber die Thatsache bleibt, dass aus Anlass der Anleihe gar keine öffentlich bekannten Bedingungen zum Zwecke einer Milderung der Lage der in Höhlen eingepferchten Judenmassen festgesetzt wnrden. Die jüdische Presse blieb einfach stumm. Keine jüdische Stimme erhob sich — soviel ich weiß — um im Namen der Barmherzigkeit die Millionäre von der Anleihe zurückzuhalten Wären solche Stimmen laut geworden, die Darleiher wüssten schon ihre Ohren zu verschließen. . .";; „Warum die Agitatoren des Guildhall-Meetings, die Agitatoren der „Darkest Russia" und die reichen Juden nicht im Namen der öffentlichen Meinung die russischen Finanzen boykottiert, haben, ist mir nach all dem unverständlich., Die Thatsache bleibt" Russland erhielt die Anleih e, und d ie D arleiher bekamen ihren Profit." Die Lage der Juden in Russland wird nach White mit jedem Tage ärger. Sein jüngster Aufenthalt in diesem Lande hat ihn davon überzeugt.. Aber die Haltung der russischen Regierung sei nicht auf „Barbarei, sondern auf den Selbsterhaltungstrieb" zurückzuführen. Man müsse sich nur. in ihre Lage versetzen. „Und — meint White boshaft — die reichen Juden des Westens sanctionierten stillschweigend diese Maßregeln, wenn sie eine Anleihe von 16 Millionen garantieren, ohne für ihre armen Brüder auch nur das Mindeste zu verlangen." „Die jüdische Frage in Russland und in Rumänien geht jede Nation in Europa an, und ihre Lösung darf nicht auf die lange Bank geschoben werden. Man darf annehmen, dass die russische Regierung jedes neue Licht, das attf dieses Räthsel fällt, dankbar aufnimmt. Aber man wird von den reichen Juden nichts erwarten; sie sind bequem, allzu sehr beschäftigt, um selbst das große Problem zu lösen, und seitdem sie sich die beste Gelegenheit, die ihnen die russische Geldnoth darbot, entschlüpfen ließen, ist nicht anzunehmen, dass sie sich freiwillig associieren, um sich mit der Frage in einer noch schwereren Form zu befassen, wenn die öffentliche Meinung mit ihnen ohnedies nicht streng ist." „Nur eines bleibt. Eine internationale Conferenz, einberufen, um Russland und seiner jüdischen Bevölkerung zu helfen, würde zum Mittelpunkte der öffentlichen Meinung Europas und Amerikas werden und die Unmöglichkeit, eine solche Situation fortdauern zu lassen, offenbaren ... An England wäre es, die Großmächte' zur Beschickung dieser Conferenz einzuladen,- die Bahn wäre dann st^ei für eine Verständigung mit Russland in der Frage, die ihre Interessen und ihre Reputation mehr berührt als der Stille Ocean und die türkischen Reformen." Käme aber eine internationale Verständigung nicht zustande, „dann — meint Mr, White, und mit diesen Worten schließt er — scheint mir früher oder später eine internatiynale Revolution unausweichlich." L.

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