Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 23 (5.11.1897)
- Article
- Wien [Nachricht]
- Date
- 1897-11-05
- Page
- 15 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. SS. Geile 18. Wie«. Samstag den 30. October veranstaltete die Verbindung österr.-schlesischer Hochschüler „Jvria" den Eröffnungscommers ihres XI. Semesters. Den Sommers eröfsnete der Präses weck. B. Hahn mit kernigen treffenden Worten, an welche er eine Ansprache an die neurecipierten Füchse der Verbindung knüpfte. Nach Absingung des Liedes „Der Freiheit Reich" ergriff stuck. inr. Jakob Ehrlich das Wort zur Festrede. In formvollendeter, gehaltvoller und von wahrhafter Begeisterung für „Zion" durchbebter Rede, besprach er die Thätigkeit der „Jvria", sowie ihre hehren Ziele und Bestrebungen. Der stürmische Beifall, der seinen Worten folgte, war wohlverdient. Im Namen der Neuaufgenommenen dankte phil. Max Kleinb erg. Hieraus trug lech. N. Rübenstein (Jvria) das Lied „Trauer" vor. Die Glückwünsche der „Unitas" überbrachte eanck. weck. M. Engländer, die der übrigen Verbindungen eanck. inr. M. Bernhardt, Präses der „Kadimah". Wie«. Samstag, 30. October a. c., hielt der Verein „Fides" eine musikalisch-declamatorische Akademie mit nachfolgendem Tanze ab. Der Verein „Fides", der Geld sammelt, um damit im Winter arme jüdische Schulkmder zu bekleiden, die ja leider bei den allgemeinen Vertheilungen nahezu leer ausgehen, hatte in Anbetracht des wohlthätigen Zweckes der Veranstaltung einen außerordentlich gut besuchten Abend. Der Prachtsaal im Etablissement des Thiergartens war von einem, den besten Gesellschaftskreisen angehörenden Publicum bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Die Leistungen der Damen Spieler, Sangora, Dietze und G o t t l i e b, wie der Herren Prof. E m m e r i ch und Jules verdienten und erhielten das höchste Lob. Nach den Vorträgen hielt der Tanz die Jugend noch bis zum Morgen zusammen. Dem unermüdlichen Ausschüsse, mit den Herren Dr. A. L ö w, Leo Freund, Pollak und F. Halderstam an der Spitze, gebürt Lob und Tank im Namen der Kleinen. W. Brün« Die jüdisch-akademische Verbindung „Deritas" hielt am 28. October 1697 die erste Generalversammlung ab; die in dieser stattgehabte Chargiertenwahl hatte folgendes Resultat: Präses, stuck, meck. Robert Stricker. Vice-Präfes, stuck, ehern. Moritz Kirschner. Schriftführer, stuck, ing. Arthur Stricker. Stryj Die zionistische Bewegung zieht in unserer Stadt weitere Kreise. Die Gleichgiltigkeit ist gewichen, und allen zionistischen Veranstaltungen wird das lebhafteste Interesse cntgegengebracht. Allen voran arbeitet unsere wackere akademische Jugend. Am Simchas Thorafeste hatte sie ihr eigenes Minian und sammelte 50 fl. für den neu gegründeten Verein „Ach des". Dieser besieht nunmehr und verspricht eine äußerst rührige Agitation einzuleiten. Am 23. d. M. fand seine konstituierende Versammlung unter dem Vorsitze des Gemeindeassessors Herrn M. Stern statt. In den Ausschuss wurden gewählt: Dr. N. F r i ch n e r als Präsident. W o l f M i s ch e l als Vice-Präsident, und die Herren S. Patrocb, L. Seemann, I Poluszek, Sch. Stern, E. Goldstern, H. Preis, D. Goldberg als Ausschussmitglieder. Breslau. Fm jüdischen Rede- und Discutierclub „Graetz" führte Rabbiner Dr. Finkel in sachgemäßer und interessanter Auseinandersetzung das Arbeitsprogramm vom Gesichtspunkte der diversen Commissionen, resp. Arbeitsgruppen aus, und wurde sein Entwurf von Seiten der Versammelten mit lebhaftem und nngetheiltem Beifall begrüßt. Hieran knüpfte sich eine rege Discussion, welche die Mitglieder bis nach Mitternacht zusammenhielt. Z erts cfytif ten-Hunbf cfy au* Magyar Zstdo Szömle, die von Dr. Bla u herausgegcbene Monatsschrift, welche jüdische Angelegenheiten behandelt, berichtet im Octoberheste sehr ausführlich über den Baseler Congress und bringt auch einen Artikel über Zionismus. Der „Basler Anzeiger" reprodueiert die Artikel u s s i s ch k i n s und den Brief des Baron M a n t e u f s e l aus unserem Blatte und gibt dazu folgende Einleitung: „Durch den Basler Zionisten-Congress sind die Gedanken eines guten Theiles der sieben bis acht Millionen Juden fast mit einem Schlage vom Börsenzettel nach Zion gerichtet worden. Vor einigen Jahren machte ich einem israelitischen Bekannten eine große Freude durch Ueberlassung eines Frankfurter Curszettels aus dem Jahre 1794, der in Kupferstich Frankfurts Ansicht zeigte. Einige Wochen nachher versicherte er mich, Rothschild, in dessen Hände der Zettel gelangt sei, hätte sogar Freude an dem Papierwisch gehabt. Welch andersartiges Plaisier hatten am Schlusstage des Congresses einige jüdische Aerzte, denen ich als Tausch gegen ibre Erzählungen aus dem letzten griechisch-türkischen Kriege einige Palästinabilder in Photographie und aus eigener Erinnerung neben einem Glas Jerusalem-Wein vorsetzte." Archive l&raelites« Nachdem die Comödie der Assimilation zu einem Fiasco geführt hat, und die socialpolitische Frühgeburt selig eingeschlafen ist, sehen sich nnsere „jüdischen Führer" nach einem neuen „Schlager" um. Sje haben aufeinmal sogar zwei gefunden: Den „Gemeindebund", denn ein solcher besteht bereits in Preußen, und die „Consortien", denn sie existieren seit einem Jahrhundert in Frankreich. Man braucht aber nicht einmal originell zu sein, um die Judenschaft Oesterreichs zu retten. Herr Landesrabbiner Dr. Placzek oder — wie ihn Herr David v. Gutmann in einer Versammlung einmal nannte — der „Herrgott von Brünn", hat schon vor zwei Jahren das gefährdete Judenthum retten wollen und veröffentlichte den Entwurf emer jüdischen Confistorialverfassung in einem — Kalender. Die Zeitgenossen scheinen für diese RcttnngSaction noch nicht genügend Verständnis und nach einem jüdischen Papst noch kein Bedürfnis gehabt zu haben, denn der Kalender trat außer Gebrauch und mit ihm die „Idee" des Herrn Landesrabbiners, bis sich eine mitleidige Seele ihrer annahm. Bor einigen Monaten fanden wir den „Eniwurf" neuerlich abgedruckt in der „Oesterr. Wochenschrift". Trotzdem beißt niemand an. Der Plan will niemanden interessieren, mit Ausnahme derjenigen, die den Titel „Herr Consistorialrath" nicht übel finden. Recht unangenehm ist es aber, dass selbst aus dem Lande, woher die Ware importiert werden soll, Warnungen zu uns gelangen. Am Ende ist ihre „Idee" nur Pofelware, Hwr Dr. Placzek! Die „Arcliives israelitea“ bringen einen Artikel ihres Chefredakteurs H. Prague, der sich über den neuesten Rettungsplan folgendermaßen äußert: „Wenn unsere österreichischen Glaubensgenossen den Ursprung der Gesetzgebung deS israelitischen Cultus in Frankreich kennen und sich Rechenschaft geben würden über die nichts weniger als wohlthätigen Wirkungen, die diese Organisation auf religiösem Gebiete bewirkt hat, dann würde ihnen die Lust„ dieselbe in ihrem Lande nachzuahmen, vollständig vergehen. Was vermuthlich die Beförderer dieses Planes verführt hat, ist die weise Anordnung diefdr consistoriellen Einrichtung. ihr vollständiges Ebenmaß, ihre gegliederte Außenseite mit dem Central* consistormm an der Spitze, welches die einzelnen Consistoricn in den Provinzen beherrscht, denen die Gemeinden unterstehen. Und weil Napoleon I. der Urheber dieser Einrichtung war, ist man versucht, ein Werk umsomehr zu bewundern, das einem so gewaltigen Gehirn entsprungen ist. Aber betrachtet man die Dinge in der Nähe, so muss man bedauern, dass Napoleon, der ein militärisches Genie ersten Ranges war, daran gedacht hat, sich in Dinge des Glaubens zu mischen, und dass, wie nach dem Concordat, durch das er die katholische Geistlichkeit zu bezwingen versuchte, er auch das Judenthum' seinen Gesetzen unterwerfen wollte. Denn man darf nicht vergessen, dass der Hauptgedanke, der in Frankreich die Organisation des israelitischen Cultns bewirkt hat, der war, aus diesen Consistorien, welche man schuf, nicht wie man allgemein zu glauben schien, Stätten von dem Judenthum förderlichen Handlungen, Eentren religiösen Lebens, sondern einfach Agentenstellen zu errichten, um die Israeliten auf die Treue, zu ihrem Herrn, welcher damals Napoleon I. war, zu prüfen und sie in dem Gehorsam, den sie der Negierung schuldeten, zu erhalten und ihnen Achtung vor derselben einzuschärsen. Kurzum, das Judenthum in Frankreich, eiugehüllt in Wickel und Bauden, mit denen cs Napoleon I. umgeben hat, ch in seiner Entwicklung^ in seinem Wachsthum anfgchalten worden. Der geistige Schlaf, in den unsere Gemeinden zu verfallen scheinen, hängt „entschieden von diesem Mangel an Anregung ab." Am Ende meinte gar Herr Prague, dass man bei uns die Gemeinden aus dem geistigen Schlaf erwecken will? Es wäre nur gerecht, wenn ihm der Consistoriengründer seinen Vorwurf zurückgeben würde, dass er wiederum die Verhältnisse in Oesterreich nicht zu kennen scheint. „Jl Corriere Jsraelitieo" die von. A. di S. Curie! vorzüglich redigierte Monatsschrift, bringt in Nr. 6 vom 31. October a. e. einen höchst bemerkenswerten Artikel aus der Feder des Rabbiners Guiseppe Sonino „Sul Sionismo“ (über den Zionismus) an leitender Stelle. Es ist eine Frende. wenn man sieht, in welch durchaus sachlicher, würdiger und gediegener Weise in dieser Monatsschrift die zionistische Frage bk handelt wird. Die Redaction zeigt sich außerordentlich gut unterrichtet und informiert ihre Leser in ausführlicher Wcise über alle Vorgänge im zionistischen Lager. „Jl Corviere Jsraelitico" wird hoffentlich eine Stütze und ein maßgebender Faclor für alle unsere italienisch sprechenden Bruder werden und bleiben. Wir können nicht besser diese Besprechung schließen, als wenn wir den letzten Satz des Artikels des Rabbiners Sonino hier folgen lassen: „E salute a te, o sionismo, se, come ti proponi, ti adopererai di farei ritomare al Giudaismo, ehq solo con essoeperesso, ei rendereino degiii „ckel ritoruo in Terra Santa!14 „Sei gegrüßt, o Zionismus, mögest du erreichen, wonach du strebst, uns zum Judenthume zurückzuführcn, dass wir uns mit ihm und durch dieses würdig machen der Rückkehr ins heilige Land." W. „Der Zionist" (früher Toleranz, die von unserem wackeren Gesinnungsgenossen Michael S r n g e r in New-?)ork herumgegebene Wochenschrift, bringt auch in Nr. 14 einige sehr interessante Artikel und Berichte über den Fortschritt der ziontstischeu Bewegung in Amerika. Die Reproduktion der Congress-Nede Dr. Max Nord aus findet in dieser Nummer ihren Abschluss, der Nomau Michael Singers „Judennoth" seine Fortsetzung. BemerkeuSwerth ist auch die Mittheilung, dass einer unserer Gesinnungsgenosseu, Emil Neufeld im 16. Districte als Aldermann nominiert worden ist, und dass seine Wahl in der Wahlschlacht vom 2. November a. e. als gesichert angesehen wird. — Es wäre unserem gesiunungsgenössischen Organe zu wünschen, dass cs durch große Verbreitung in Amerika alle die schönen Ziele erreiche, die es so wacker anstrebt. — w\ Ein neues Reis im arischen Blätterwald wird am 1. December 1897 in Wien das Licht der Welt erblicken. Die Monatsschrift „Das Bvlik" bietet nebst anderen unschützbaren Vorzügen seinen Lesern einen rein arischen Mitarbeiterkreis und wird bestrebt sein, der Heillosen Verladung, die auf allen Gebieten des Denkens .und Fuhlens eingerissen ist, in wirksamer Weise Schach zu bieten. An der Wiege des „Volk" steht bereits das „Deutsche Volksblatt" und macht „Tam! Tam!"'