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Die Welt · 1897-11-05 · 23 (5.11.1897) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
23 (5.11.1897)
Article
London [Nachricht] / Rosenberg, Adam
Date
1897-11-05
Page
14 (sequence 1)
Language
German
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Seite 14. Är? 23 . Eirglimd. Lvrrd-N, 31. October. Ihr Londoner Original-Correspondent bringt in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes sein Interview mit Herrn Moses Gold st ein und Raffolov i ch aus Palästina und erwähnt dabei (juasi in einem Athernzuge auch Herrn Groß und mich. Da hiedurch die irrige Ansicht bei Ihren geehrten Lesern entstehen könnte, dass Herr Groß und ich irgendwie in persönlichen Beziehungen zu den beiden Erstgenannten stehen, so möchte ich hiemit confiatieren, dass dies nicht der Fall ist. In Jerusalem wurde ich nur ganz zufällig und sehr oberflächlich mit Herrn Gold stein bekannt, aber gerade genug, um zu gedenken, dass er aus Privatgründen nicht gut auf die Jerusalemer Rabbiner und Colelim-Vorsteher Zn sprechen war. Das erklärt wohl einerseits seine etwas irrthümlichen Berichte über meine persönliche Thätigkeit in Palästina, andererseits sein stark befangenes Urtheil über die Chaluka. Seine Behauptung, dass nach Palästina mehr Geld geschickt wird, als nöthig ist, ist entschieden unrichtig und geradezu absurd. Dass aber eine Reform in der Verwaltung und Vertheilung der Chauka dringend norhwendig sei, haben Herr- Gross und ich früher schon deutlich dargelegt und dem Basler Congresse diesbezüglich Anträge gestellt. Was meine Person betrifft, so gieng ich nach dem Hauran, weder um meine Existenz selbst zu gründen, noch focht ich dort gegen die Drusen. Hingegen gründete ich dort eine jüdische Ansiedelnng für die New- Iorker und Montrealer Schovei Zion-Vereine; und der Drusenaufstand, dessen Schauplatz in ziemlicher Entfernung von meinem Orte lag, verursachte keine Störung in meiner Arbeit, sondern befreite mich sogar eine Zeit lang von den Chicanen der mit dem Ansstand beschäftigten türkischen Localbeamten. — Der neue amerikanische Eolel zu Jerusalem, dessen Zustandekommen, wie ich mich erinnere, auch Herr Gold stein sich sehr angelegen sein ließ, ist, nach den letzten mir darüber gemachten Mittheilungeu zu urtheilen, bereits im Keime erstickt. Adam Rosenberg. London. (Orig.-Corr.) Am letzten Sonntag veranstaltete die „Jung-Zion-Gruppe" der Chowewe-Zion-Association ein großes Meeting unter dem Borsitze Mr. Prags. Alle Redner- Wiesen auf den erzieherischen Einstuss des Zionismus und auf seine Bedeutung für das Judenthum hin. Mr. Jsh-Kishor erinnerte die Versammlung an die Fortschritte des Antisemitismus in allen Ländern und feine Vorboten in England. Mr. H aimsohn sagte: „Wir müssen trotz der Angriffe von allen Seiten vorwärts gehen. Die einzige Hoffnung der Juden, ist die Rückkehr in's heilige Land. Bald wird die Zeit kommen, da wir offen unsere Rechte darauf geltend machen werden. — In der „Bnei-Zion-Associatiou" wird nächsten Samstag Dr. Ga st er und in nächster Zeit Mr. Bentw ich über den englischen Zionisten- Congress sprechen. — Hervorragende Personen haben bereits die Gründung einer Gesellschaft für den Import palästinischer Prodncte in die Hände genommen. Das Grundcapital soll 2000 Pf. Sterling betragen und in Antheilscheine ü. 25 Pf. Sterling aufgebracht werden. Der größte Theil ist bereits gezeichnet. Wie dem „Jewish Express" aus Paris telegraphisch b e rich t e t w i rd, hat die Hirsch'sche „I ew i s h -C olonisation Association" beschossen, 2 Millionen Francs für die Kolonisation Palästinas zu verwenden. London. (Orig.-Corr.) ^Sir Saul Samuel, der Generalbevollmächtigte für Neu-Südwales in London, hat um einen Urlaub für die Dauer eines Jahres angesucht, den er auch erhielt. Mr. Chamberlain sagte bei dieser Gelegenheit, dass er nicht umhin könne, schon jetzt Sir Saul Samuel seine Hochachtung auszusprechen für den seltenen Takt und Eifer, welchen er stets bethätigt habe, indem er die freundlichen Beziehungen, die zwischen dem Mutterlande und den Colonien bestehen, förderte, und dass er ihm mit Befriedigung mittheile, dass sowohl' die Colonie als auch die englische Regierung der Fähigkeit und Tüchtigkeit, die er so viele Jahre auf einem so verantwortungsvollen Posten bezeugt habe, in ihrem ganzen Werte anerkenne. Es heißt, dass Sir Saul Samuel, der im 77. Lebensjahre steht, den Dienst nicht mehr antreten wird. Er war mehrmals Finanz- und Handelsminister, dann — und da entfaltete er eine überaus segensreiche Thätigkeit — Gmeralpostmeister. Er ist der einzige Jude, der den Bath-Orden besitzt. Sir Saul Samuel war einige Jahre hindurch ein Mitglied der jüdisch-englischen Allianz (Anglo-Jewisk Association). London. (Orig.-Corr.) „Die jüdische Frage." In dieser Debatte giebt es keine Unterbrechung. Unser Freund Father Ignatius hat im „Daily Chronicle" die Lösung dieser Frage angegeben, die zionistische. Zwei Bemerkungen dieses christlichen Freundes wollen wir hier wiedergeben. Er sagt: „Es ist die höchste Zeit, dass die Welt zur Anerkennung dieser zwei Wahrheiten gelange: 1. Dass sie den Juden außerordentlichen Dank schulde; 2. dass die Fehler, die den Juden zugeschrieben werden, nur das Resultat der unmenschlichen Behandlung zu sein scheinen,, die der jüdischen Raffe, der Märtyrerrasse, seitens einer grausamen Welt zutheil wurde." Im nächsten Heft der „Contemporary Rewiew" veröffentlicht Mr. Arnold White einen Artikel über Europa und die Juden. Es ist eigentlich ein Artikel über den Zionismus und eine europäische Staatenconferenz. Mr. White hat iu jüdischen Dingen eine sehr zweideutige Rolle gespielt. Bekannt als Antisemit und Freund des junkerhaften M. Lowther im Unterhaus, hat er die ganze Anti - Alien - Campagne angeregt, dann gieng er aber nach Russland, Publicierte eine Broschüre und wurde ein Agent des Baron Hirsch. Gleichzeitig wurde er der Frennd von Mr. Nathan S. Joseph, des Srcretärs des Russo-Jewish-Committee. Jetzt gilt Mr. White auch als Agent Russlands. Man glaubt daher, dass für ihn die Idee der Con- .ferenz nur ein Deckmantel ist, um antisemitische Bestrebungen nach England einzuschmuggeln. Abgesehen davon, finden wir ^aber viele Punkte, in denen wir mit dem Verfasser übereinstimmen können. Man würde ihm gern glauben, wenn er sagt: '„Die russische Regierung begrüßt mit Freuden jedes Licht, das auf dieses traurige Räthsel von welcher Seite immer geworfen wird, und es würde alle ernsten Bemühungen, die Inden in ihr Land zu bringen, gern fördern." Vererirsnachrrchten. Wien. Der Einzelverein „Wien" des Verbandes „Zion" eröffnete am 26. October seine diesjährige Thätigkeit. Der Brauch, jeden. Dienstag in Form von Vorträgen mit anschließender Discussion die' Mitglieder über die jüngsten Ereignisse in der zionistischen Bewegung: zu informieren, hat sich ais ein überaus wohlthätiger erwiesen, denn an den Dienstagabenden sind im letzten Jahre dem Vereine viele neue Mitglieder erstanden. So konnte der Vorsitzende, Dr. Kokesch, mit berechtigtem Stolze auf die vorjährige Vereinsthatigkeit Hinweisen. Den Neigen der Vorträge eröffnete Herr R. A. Brau des mit einem geistreichen Essay über den Wilnaer Gaon und die Entwickelung des Nabbinisrnus. Der Chassidismus sei nichts anderes als der Protest gegen die rabbinische Erstarrung gewesen. Der Gaon gab dem Nabbinismus seinen alten Glanz wieder. Er lehrte unentgeltlich, nahm trotz aller Bitten kein Amt an. Sein Auftreten gegen den Chassidismus bewahrte diesen vor Ausschreitungen und sicherte in Lithauen dem Nabbimsmus einen Stand, dem wir heute die erleuchtesten Rabbiner und Schriftsteller verdanken. Der Vortrag wurde mit allgemeinem Beifall ausgenommen. Es entwickelte sich hierauf eine Debatte über die Judenexcesse in. Galizien, in der die Herren Hausner und Dr. Kahn sprachen. Die Zusammenkünfte der Mitglieder finden jeden Dienstag 7 Uhr abends, im Bereinslocale, II., Rembrandtstraße 11, statt. Den am Dienstag, 2. November abgehaltenen Bereinsabend eröffnete der Schriftsteller Brandes mit einem Referat über hebräische Sprache und Literatur. Referent bel.uchtete die Vortheile, die sich den Zionisten durch die liebevolle. Beschäftigung mit dem Schriftthum des jüdischen Volkes erschließen, und trat für die Bildung eines Clubs zur Pslege der hebräischen Sprache und Literatur ein. An der. Debatte, die sich an das gediegene Referat knüpfte, betheiligten sich unter anderen die Herren Dr. Kahn, L ö b l, A m st e r und Dr. Rosenbaunu

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