Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 23 (5.11.1897)
- Article
- Krakau [Nachricht]
- Date
- 1897-11-05
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. LS Seite U. Hccker langsam aus dem Saale schlich. Es sprach noch Herr Dr. Kornhäuser, einer der eifrigsten Zionisten, der auf die nationale Haltung der christlichen Socialdemokrateu und den eigentümlichen nationalen Nihilismus der jüdischen „Genossen" hinwies. Unter lebhaften Hochrufen auf den Zionismus schloss die gelungene Versammlung, in der sich die Herren Socialisten eine unleugbare Schlappe geholt haben. Aastawna. Hier hat sich am 23. October eine zionistische Ortsgruppe constituiert. Dem vorbereitenden Comitö gehören die Herren S. Jägerdors, N. Rossler, S. Silbermann, D. Sternberg, M. Silderb us ch und N. Rosenbla tt an. IAaraz. Unsere Stadt zählt über tausend jüdische Familien, die meistmtheils aus Krämern, Schänkern, Getreidehändlern rc. bestehen und in arger Fehde miteinander lagen. Der Grund mag wohl ursprünglich Concurrenzneid gewesen sein, nach und nach verwischte sich aber dieses Bild, und es kam zu einer reinlichen Scheidung zwischen den einzelnen Classen. Aber auch unsere Jugend theilte sich in verschiedene Lager, und Talmudjünger, Studenten und Handwerksgesellen lebten von einander abgesondert. Das rst nun anders geworden. Der Zionismus hat unseren Juden die Augen geöffnet. In dem zionistischen Vereine, der vor kurzem gegründet, leben alle friedlich miteinander und ihr Beispiel wirkt auch auf die Stadt. Diese Woche fand wieder in der Synagoge eine Versammlung statt, die einen überaus würdigen Verlauf nahm. S. Schein. Ar-dy. Endlich hat der Zionismus auch in unserer Stadt siegreichen Einzug gehalten; ja er hat sogar Juden, die sich sür's Judenthum bis nun nicht einmal interessiert haben, für sich gewonnen. Das Hauptverdienst hierin müssen wir unseren wackeren Studenten anrechnen, die keine Gelegenheit unbenützt ließen, unsere Einwohner mit der neuen Bewegung bekannt zu machen. Aehnlich wie in Wien haben sie sich auch hier am Simchasthorafeste zusammengefunden, um während des Aufrufes zur Thora für den Nationalfond zu spenden. Wir haben bereis eine beträchtliche Summe zu verzeichnen, die wir dieser Tage dem Bestimmungsorte zuführen werden. Zu bemerken ist, dass selbst einige Nichtzionisten — deren gibt es hier nur wenige — unseren Freunden folgten, um ihr Schärflein „zur Linderung des Elends unserer Stammesgenossen" beizütragen. Nächste Woche findet eine große Volksversammlung statt, um im Sinne des Baseler Programmes eine Ortsgruppe zu gründen. An dieser Stelle möge unser aufrichtigste Dank dem Hr. Lettin für seine thatkräftige Unterstützung ausgesprochen werden. 8. 0. N-ryskav. Samstag den 23. October fand hier im Bethause des Vereines „Biker Cholim" eine große Volksversammlung behufs Anhörung des Vortrages des Dr. S. R. Landau über den Congress in Basel statt. Die Versammlung, die vom hiesigen Bice-Bürgermeister geleitet wurde, war von 400—500 Personen besucht, da der Saal leider nicht mehr fassen konnte. Unter den Anwesenden sah man zumeist jüdische Bergarbeiter die ja das Hauptcontingent der hiesigen Bevölkerung bilden und die fast ausnahmslos begeisterte Zionisten sind. Nicht im Stande, sich auf andere Weise über die Fortschritte der zionistischen Bewegung zu informieren, benützten sie mit Freuden die Gelegenheit. Wir können sagen, dass sich nirgends in Galizien die jüdischen Arbeiter so durchgehends zum politischen Zionismus bekennen, wie hier, wo sie unter den schwersten Bedingungen ihren Kampf ums Dasein auszufechten haben. Der Vortragende fand hier daher ein sehr dankbares Publicum und schon am Freitag ging in allen Schächten und Hütten von Mund zu Mund die Nachricht vom Samstags-Vortrag. Dr. Landau berichtete iu ausführlicher Weise über die Bedeutung und Arbeiten des Congresses und insbesondere über das Programm und die Organisation. Er benützte auch die Gelegenheit, um den versammelten Arbeitern die Wichtigkeit des Zionismus für ihre Zukunft, sowie dessen Stellung zur Arbeiterfrage auseinanderzusetzen. Auch erörterte er eingehend die Bedeutung.der Schekelsammlung, sowie die Einzelheiten der zur gründenden Agrarbank. Die schlichten, braven Leute, hörten dem Vortrag mit großem Interesse zu und lohnten die Ausführungen des Redners mit ihrem einmüthigen Beifall. Wie groß die Begeisterung unserer Stadteinwohner für den Zionismus ist, geht am besten daraus hervor, dass während der Feiertage überall Spenden für zionistische Zwecke aufgebracht wurden. Tltchow. Auch unser kleines Städtchen, das nur über eine kleine und keineswegs reiche Judeugemeinde verfügt, hat nun seinen Zionsverein. Am 26. October constiuierte sich eine Ortsgruppe des Ahawath Zion. Der bekannte Bolksredner, Hr. Taubes, war hieher geeilt, um zu sagen, was das Wesen und der Inhalt des Zionismus sei. Nach feiner Rede wurde für den Nationalfond der Scheckel erlegt. Die Spenden werden der Centrale in Wien übermittelt. Kerwannstadt. Der am 17. October gegründete Zionsverein entfaltet eine rege Thätigkeit. Am 18. October wurde im Tempel bereits für den Nationalfond gespendet, und für die Führer der Bewegung ein Gebet gesprochen. Bei dem lebhaften Interesse, das man trotz aller Gegnerschaft dem Zionismus entgegenbringt, ist zu erhoffen, dass sich auch in Ungarn in kürzester Zeit neue zionistische Ortsgruppen constituieren werden. An Herrn Dr. M. Ehrenpreis in Diakovar sind sämmtliche Anträge und Wünsche zu adressieren, welche zum Wirkungskreis der vom Cpngress eingesetzten Commission für die hebräische Sprache gehören. Breslau. Aus Anlass des bevorstehenden Delegiertentages in Frankfurt a. M. fand am 27. October im Hotel „Weißer Storch" eine Besprechung hiesiger Zionisten statt. Dieselben erklärten sich mit dem Programm der „National-jüdischen Vereinigung" in Köln auf Grund des Programms der Berliner Zionisten einverstanden und gaben diesem Beschlüsse durch Absendung einer entsprechenden, von sämmtlichen Anwesenden Unterzeichneten Erklärung an die National-jüdische Bereinigung Ausdruck. Zürich. Nunmehr liegen auch die Statuten des vierten der Zionistenvereine, die wenige Tage nach dem Congress entstanden sind, vor. „Hessiana" benennt sich die neue Verbindung jüdischer Studenten zu Ehren des ersten theoretischen Zionisten der Neuzeit, Moses Hess. Selbstverständlich steht der Verein auf dem Boden des Baseler ZionistenprogrammeS (§ 2) und bildet im Sinne des Organisationsstatutes eine zionistische Ortsgruppe der academischen Bürger Zürichs. Den Vorsitz" in der constituierenden Versammlung führten Dr. David Färb st ein und eanä. gur. A rt h ur M a mel ok. Lodz (Russland.) Der Zionismus hat hier alle Schichten der jüdischen Bevölkerung in Gährung gebracht. Die Bewegung hat die in dem ganzen Reiche zerstreute und versprengte Judenheit tief ergriffen. Der Zionisten-Congress hat das nationale Bewusstsein geweckt und frisches Leben eingehaucht und das gegeben, dessen sich die Juden als völlig unfähig glaubten — die Solidarität. Die hervorragenden und führenden Geister unserer Nation haben die Zionsfahne erhoben. Allerorts entstehen gegenwärtig Kreise und Vereine, die sich die Verbreitung und Propaganda der zionistischen Idee in Wort und Schrift als Ziel gesteckt. Jung und alt, gebildet und unwissend, erklären sich bereit für die gemeinschaftliche Sache einzutreten und die Idee zu befördern. Auch in unserer Stadt, die zu den reichsten in Russisch-Polen zählt und eine nicht kleine Zahl von Juden in ihrem Weichbilde beherbergt, Hai die intelligente Jugend einen Zions-Kreis ins Leben gerufen. Die Mitglieder rekrutieren sich aus allen Classen der Gesellschaft. Wie verlautet, soll sich der Zadik von Giera über den Zionismus sehr günstig geäußert haben, und dadurch werden wir vielleicht die Chassidim, die bekanntlich in unserem Lande eine bedeutende Macht ausmachen, für unsere Sache gewinnen. SkaralronlkanliNVtV (Russland.) Seit unser allgemein beliebter Rabbiner, Herr Josef Seff, vom Baseler Congress zurückgekehrt ist, vergeht hier keine Woche ohne eine Versammlung der „Freunde Zions", die eine überaus rege Agitation entfalten. Den Kernpunkt der ganzen Propaganda bilden aber unstreitig die Samstagpredigten des Rabbiners Seff, der mit seinen von tiefer Liebe für das jüdische Volk zeugenden Worten unendlichen Eindruck auf seine Zuhörer ausübt. Viele, die schon längst dem Jüdenthum den Rücken gekehrt, haben sich wieder heimgeholfen zu ihrem,Volke, der Zionismus ist eben die Rückkehr zum