Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 22 (29.10.1897)
- Article
- [Ohne Titel] / M.
- Date
- 1897-10-29
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 22. FltHM.' Seite 11. Ich befolgte seinen Rath und griff aufs Gerathewohl - das Capitel „die Fledermaus" heraus. „Die Fledermaus und das Judenthum" sollte der Titel meines Aufsatzes lauten. Ich gab mir alle erdenkliche Mühe, unr die Dinge in einigen Zusammenhang zu bringen; es gieng nicht, und so musste ich auf die Behandlung dieses Themas verzichten. - Den Zusammenhang, den ich nicht fand, schaffte diese Woche ein galizrscher Schülinsfiectoc in Starftslau. Es ist eine allerliebste Geschichte, die ich den Lesern der „Welt" nicht vorenthalten kann. Es ist eine strenge Qualifications-Prüfung für Volks-- schullehrer, für Erzieher der Jugend. Prüfungs-Gegenstand ist Zoologie. Der Candidat zählt alle möglichen Arten der. Fledermäuse auf; auf eine Art kann er -sich jedoch nicht besinnen. Der mitleidige Schulinspector will ihm helfen. „Wie nennt man d ie Iud en, die un se r e s V o,lkes Blu t au ssa ug en?" Der Candidat weiß nunmehr, um was es sich handelt, und ruft dankerfüllt aus: Vampyre! So geschehen im Jahre 1897 in der Stadt Stanislau, unter der Regierung des jüdischen Bürgermeisters Pr. Nimhin. ..... > Der Wiener Vice-Bürgermeister spricht uns das Verständnis für. arisches Rechlsgefühl ab. Er thut es in .einem großangelegten Anträge, mit vielen Worten. Der Herr Dr. Neumayer möge.mir verzeihen;, er ist aber ein Stümper im Fache des Antisemitismus. Da/sollte er in Galizien lernen; hier giebt es bekanntlich keinen Judenhass, hier werden die Staatsgrundgesetze nicht mit Füßen getreten. Hier werden jedoch die Juden nicht, befördert, und seit zwei Jahren warten jüdische Nechtspractikanten auf die Ernennung und "gehen noch immer aus dem Platz- . regen der Beförderungen im Justizfache trocken hervor. Ja, sogar unbesoldete, Richterstellen Werden den Juden nicht zugetheilt. Seit einigen Jahren' verringert sich die Zahl der jüdischen Ge^ schworenen rapid. In der jetzigen Schwurgerichts-Periode befindet sich ein jüdischer Geschworner auf der Liste der Richter des k. Lemberger Sträfgerichtes. Das geschieht still, ohne jeglichen Lärm. Der Gemeinde-Vorsteher bezeichnet eben jene Männer, „welche ihm wegen ihrer Verständigkeit, Ehrenhaftigkeit, rechtlicher Gesinnung und Charakterfestigkeit für das Amt eines Geschwornen vorzüglich geeignet erscheinen." Vielleicht würden unsere Abgeordneten den „liberalen" Jüstizminister befragen, wieso es kommt, dass schon in der Urliste die Inden zu verschwinden beginnen. Dr. M. Hemberg. (Orig.-Corr.) Kein Protest-Rabbiner! Keiner von denen, die gegen bare Bezahlung die Sache" des Volkes bekämpfen. Ein freiwilliger Söldling des Protestlerischen Mauschelthums. Und er macht es mit viel Geschick und nach bewährtem Muster. Herr . Georg' Ohr in Warschau ist kein Zionist. Das lässt sich ertragen. Herr Georg Ohr bekämpft den Zionismus. Der Gott, der uns aus Egypten geführt und Amälek besiegen half, wird uns auch im Kampfe mit Georg Ohr beistehen. Doch die Kampfesweise des Herrn Ohr ist nicht vornehm; er überfällt uns hinterrücks, denunciert uns in der polnischen Presse, greift uns dort. an, wo wir ans greifbaren Gründen uns nicht vertheidigen können. Das ist schlimm! Das Beste wäre freilich, den Herrn Ohr beim Ohr zu fassen, wie es weiland Moses mit einem Abtrünnigen gethan, und ihn an die' Pfosten des Hauses Israel festzunageln, allen Volksverräthern ein warnendes Exempel. Da ich nicht Moses bin, so muss ich mich bescheiden und die lobefamen^Thaten dieses sauberen Herrn dem jüdischen Publicum vorführen. , -„Wo es keine Menschen gieöt, sei Du ein Mensch" — mit diesem Monolog beginnt Herr Ohr seine Thätigkeit. Ein großes und .edles Wort! Die That ist aber niedrig und verächtlich. Ergreift einen Artikel aus der hebräischen Zeitschrift „Hazefira" heraus.. Ein.Herr Lewinsy freut sich dort über das Erwachen des jüdischen nationalen Bewusstseins; er erzähl^ wie die Import-Gesellschaft „Karmel" prosperiert, wie die literarischen Unternehmungen „Achiasaf" und andere sich gut entwickeln, und. sein von Freude geschwelltes Hetz macht' sich Luft in dem Rufe: „Warschau wird (noch unser Jerusalem!" Jeder, der den Aufsatz gelesen, weiß, dass es Nur symbolisch und in .Bezug auf den geistigen Aufschwung gemeint ist. Anders Herr Ohr! Er übersetzt die ihm zusagenden Stellen, lanciert sie in die polnische Presse, und allerorten ertönt der Angstruf: die Juden wollen die alte Königsstadt erobern, die Polen expatriieren! Herr Georg Ohr hat bas Capitol gerettet und ist nun ein gefeierter Mann der polnischen Presse. Er rempelt nun den Redacteur des „Jsräclita" wegen seiner zionsfreundlichen Stellung an. Darob' eine große Freude in der polnisch-antisemitischen t Presse. Es wächst der Mensch mit seinen höheren Zwecken! Herr Georg Ohr, der gestern noch eine ganz unbekannte Perfon war, wird über Nacht zu einem berühmten Schriftsteller gestempelt. Er erlangt Zutritt zu den vornehmsten, polnischen Revuen und er erlässt in denselben eine Proclamation an seine Glaubensgenossen. „Erwachet" ruft der famose Herr; „wir haben keine Menschen, keine Kämpfer unter unserer fortschrittlichen assimilierten jüdischen Intelligenz. Sie arbeitet wohl für das Wohl des Landes, nimmt regen Antheil an allen Landesaugelegenheiten, an allen Thaten, welche auf die Entwickelung und Stabilisierung des Wohlstandes und des geistigen Lebens der Allgemeinheit hinarbeiten. Es giebt aber unter diesen Leuten keine Menschen, welche ihren Pflichten gegenüber ihren Brüdern dem Glauben und der Abstammung nach eingedenk wären, welche hinarbeiten wollten, um die in Finsternis versunkenen jüdischen Volksmassen zu heben, zu Bürgern' zu machen. .... " Das stimmt! Nur müsste'man „das Wohl des Landes" in Wertheimer'sche Cassen, „das geistige Leben" in Studium des Courszettels übersetzen. Wozu ertönt der Ruf des Herrn Ohr? Zu welchem Beginnen sollen sich die Herren, die dem jüdischen Volk längst fremd geworden sind, zufammenfinden? Den Zionismus sollen sie bekämpfen. Schlimmes hat der Zionismus angerichtet. „In jüngster Zeit hat jener unselige, berüchtigte Welt- Congress der Zionisten stattgefunden und die Vertreter dieser I tt 1 e rn a t i o n a l e (sic!) Herz! und Nordäu wollen alle jüdischen Parteien vereinigen, ja sie verbrüdern sich — man höre und staune, sogar mit den-fanatischen Cchassidim." * Die wiederentstehende Einheit im Judenthum ist dem Herrn Ohr ein Dorn im Auge, und um diese Einheit zu zertrümmern, lässt er seinen Schlachtruf erschallen, um die Getreuen der Felonie zu sammeln. Ob die schlummernde Intelligenz erwachen wird und Herrn Ohr in seinem volksverrätherischen Beginnen unterstützen wird, bleibt fraglich. Eines aber möchten wir Herrn Georg Ohr sagen: Das jüdische Volk schläft nicht mehr, es ist erwacht, nnd das Prokrustesbett des Golus kracht in allen Fugen. Das Volk geht daran, sich eine neue Wohnung zu bauen. Geräumig muss die Wohnung sein, und Licht,, viel Licht muss in derselben sein. In diesem neuen Hause ist kein Platz mehr für Nachtfalter, sür allerlei Ungeziefer, denn fein.säuberlich muss unseres Volkes Haushalt sein. . Mauschel möge daher sich eiligst umschauen und Unterkunft wo anders suchen. Dr. M. Deutschlatt-. ZKerkin.. (Orig.-Corr.) Bei uns beginnt es sich mächtig zu regen.. Bis unmittelbar vor dem Congress haben bekanntlich von .Berlin .aus die heftigsten Angriffe gegen den Zionismus statt-, gefunden, und selbst unsere quasi Gesinnungsgenossen aus dem