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Die Welt · 1897-10-29 · 22 (29.10.1897) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
22 (29.10.1897)
Article
Johannes Heinrich Dunant
Date
1897-10-29
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Seite 7. Nr. 82. Henry Dnnant brachte stets den Unglücklichen und Enterbten dieser Welt seine wärmste Theilnahme entgegen, Dnnant müsste auch Philozionist werden. Dnnant ist ein Mann der That, er konnte sich mit der platonischen Liebe für Zion allein nicht begnügen. Im Jahre 1864 sehen wir ihn schon für den Zionismus eintreten. Der berühmte Kardinal Mermillod, ehemaliger Bischof von Hebron und spaterer Liebling des Vatikans und des Pariser Faubourg St. Germain, an den sich Dnnant wandte, antwortete ihm mit folgenden Worten: „Der Kardinal Mermillod", schreibt mir Dnnant, „sagte mir folgende Worte, für welch« ich einstehe und die urbi et orbi verkündet werden können: „„Ich glaube an die Rückkehr der Juden nach Palästina. Es ist dies einer der Punkte, an den zu glauben oder nicht zu glauben, die Kirche alle Freiheit lässt." Dunant wandte sich auch an Napoleon. „Ich sah ihn mehreremale. und diese Frage interessierte ihn", schreibt er. weiter, „aber man musses sagen, zur damaligen Zeit war der Eifer der Israeliten sehrschwach, zuschwach." Dunant glaubt, dass, wenn Napoleon nicht gefallen wäre, „so wäre es zu etwas gekommen". Dunant tritt auch mit Juden in Verbindung. Seit 1863 gehört er als zahlendes Mitglied der Alliance israelite an, in dem Glauben, dass die Alliance für den Zionismus wirken werde. Er sprach 'den orthodoxen Rothschild in Frankfurt am Main, aber „ohne Erfolg". Er. unterhandelt mit den Baroninnen Adolphe, James.Rothschild und auch mit Albert Cohen, aber alles zwecklos. Ein katholischer Geistlicher, äe I» Modeleine, ermöglicht ihm ein Rendezvous mit dem bekannten jüdischen BanquicrMiräs, dem Vater der Fürstin de Poliguac. „Aber Mr. Mirds wurde darüber unwillig, weil er für seine Person eine analoge Idee verfolge. Er wollte meine Intentionen nicht, verstehen, denn ich verlangte. nichts und Hätte ihm die ganze Ehre überlassen." Dunant gab seinen Platt trotzdem nicht auf. Er interessierte die Pariser Presse dafür: „Ich verausgabte unsinnige Summen an die Journale, welche mich in meiner Naivetät in Paris schrecklich gebrandschatzt haben." Er spricht mit Moses Montefiore und Cremieux: „Montefiore verstand mich wohl, und ich hatte große Hoffnung; aber er war zu alt. Mr. Cremieux, Staatsminister in Paris im Jahre 1848, welcher der Präsident der Alliance israelite universelle war, ist sehr zuvorkommend gewesen. In einer Jahressitzung dieser Alliance im Saale Hertz ließ er mich zu seiner Rechten niedcrsetzen und machte mich der Versammlung auf die wohlwollendste Weise bekannt." Im Jahre 1866 sehen wir ihn in Berlin wirken.. „Im Jahre 1866 in Berlin, ans der Höhe des Ruhmes, nach dem preußisch österreichischen Krieg vom Hofe und den vornehmsten Familien empfangen, wirkte ich für die zionistische Sache bei den Banquiers Bleichröder, Jacques rc. — aber es war fruchtlos." _ Dunant geht nach London, tritt der Anglo-Jewish- Association bei, wendet sich aber hauptsächlich an Nichtjuden. Er begründet die „International Palestine Society“ und legt dem Brüsseler Cvngress im August 1874 ein Memorandum vor, betitelt: „The question of the diplomatic neutrali* sation of Palestine“ (die Frage der diplomatischen Neutralisation Palästinas vor dem Brüsseler Cvngress), Memorandum der „International Palestine Society“ übermittelt den civilisierten Mächten (veröffentlicht bei Army\& Navy, Library London 20 Exeter Street Shand 1874). Im Jahre 1876 rief er eine „Syrianand Palestine- Colonisation Society“ ins Leben, an deren Spitze.Nichtjuden stehen. Zweck der Gesellschaft, die eine „rein philanthropische, aber nicht kaufmännische war, ist die Colonisation Syriens und Palästinas und der benachbarten Gegenden durch anständige Personen, insbesondere Juden". Eine Deputation des Palästiua-Comites, das beim Botschafter der hohen Pforte vorsprach, erhielt von demselben die Versicherung, dass die türkische Regierung Fremde, die das unbewohnte Land ansiedcln wollen, sehr gern aufnehme. Die Stellung der türkischen Regierung sei eine sehr liberale. Der Vorthcil für die Türkei daraus in finanzieller Beziehung ist offenkundig." Die von Dunant gegründeten Vereine, giengen ein. Das Bemühen Dunant's, seine Rücksprache mit den Großjuden, mit den „Rabbinern in Paris und London" führten zu keinem Zweck, denn die Zeit des Zionismus war noch nicht da. Henry Dunant erlebte die Zeit des Zionismus, und er freut sich, dass sie eingctretcn ist. In einem Briefe, den ich leider nach dem Cvngress erhalten habe, schreibt er mir: „Glauben Sie mir, cs gibt Protestanten, die ebensolche Zionisten sind, wie die eifrigsten orthodoxen Zionisten des Congresses von Basel, und die es sind durch die Idee als solche, durch einideales Fühlen, ohne politisches, religiöses, sociales oder persönliches Interesse. Ich bin glücklich, meine Hilfe und die ganze moralische Unterstützung, die ich geben kann, dem Zionistencongress zu leihen, der meine lebhaftesten und herzlichsten Sympathien besitzt. Ich kann es laut' sagen, es sind lange Jahre her, denn es sind jetzt fünfzig, dass ich auf den Zionistencongress warte. O! Wie bin ich mit meinem ganzen Herzen bei den Männern, die sich in Basel vereinigen." Fünfzig Jahre wartete Dunant auf einen Zionistencongress — und der Cvngress kam. Dunant, der jetzt als Greis in Heiden (in der Schweiz) lebt, sah die erste jüdische Nationalversammlung in s e i ne m Vaterlandc, auf schweizerischem Boden tagen. Mag es ihm noch gegönnt sein, die erste jüdische Nationalversammlung im Vaterlande der Juden, die jüdische Constituante in Jerusalem zu erleben. I)r. v. E. Der politische Volksverein. Wien, 28. Octoler. Erste Plenarversammlung des politischen Volksvereines. Als Glanznummer steht auf dem Programm des Abends die Stellungnahme gegenüber dem Antrag Neumayer. Unter dem Zeichen der „Abwehr" haben sich die Vereinsmitglieder hier zusammcngefunden. Die Beschimpfung der jüdischen Richter hat sie alle tief verletzt, der große, .schneidende Schmerz der ewigen Judenfrage ist ihnen urplötzlich wieder zum Bewusstsein gekommen und sie suchen ein Linderungsmittel für ihren großen Schmerz, sie raffen sich auf, um auf praktische, wirksame Weise die Misere der Judenfrage zu bekämpfen. Im großen Saal des Restaurants Khuner wird die Schlacht geschlagen werden. Zagend bleibt man an der Schwelle stehen, aber sowie man den ersten scheuen Blick über die Versamm-

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