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Die Welt · 1897-10-22 · 21 (22.10.1897) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
21 (22.10.1897)
Article
Paris
Date
1897-10-22
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 31. Seite IS. geworden, und wir befinden uns also dem Zionismus des Dr. Herzl gegenüber . . . Man braucht Geld, viel Geld. Der Congreß von Basel hat die Aufbringung eines gemeinsamen Fonds von 250 Mill. Frcs. beschlossen, bevor irgend eine Action eingeleitet werde. Das Geld konnte man ohne allzugroße Mühe bei den jüdischen Milliardären Europas und Amerikas auftreiben; denn das jüdische Volk ist unleugbar das reichste Volk der Erde trotz seiner Zerstreuung, und sein Vermögen gerade ist nicht confiscirbar und vor jeder Revolution und sonstigen Eventualität geschützt, dank den Wechseln, die der „Böse" erfunden hat. . . " Nun, daß das Vermögen der Juden unconfiscirbar und vor jeder Revolution oder anderweitigen Eventualität geschützt ist — das wäre allerdings noch zu beweisen. Es ist jetzt die Lage der algerischen Juden, welche die meisten derjenigen unserer Brüder beschäftigt, die sich überhaupt noch für jüdische Angelegenheiten interessiren. Die Weigerung Lozss, das Generalgouvernement von Algier zu übernehmen, hat zu den verschiedensten Commentaren Veranlassung gegeben. Man sagt unter anderem, Loze sei während seines Aufenthaltes in Wien Antisemit geworden. Er wolle deshalb nicht nach Algier gehen, wo er ja gerade den Antisemitismus unterdrücken müßte. Deshalb habe die französische Regierungder man den festen Willen zuschreibt, gegen den Antisemitismus in Algerien aufzutrcten, den Polizeipräfeclen von Paris, Herrn Lepine, gewählt, umsomehr, da ihn seine bisherige TlMigkert als Präfect als einen Mann von großer Energie und außergewöhnlicher Gewandtheit gezeigt hat. Als Polizeipräfect hatte Herr Lepine einen Juden zum Generalsecretür — Herrn Schrameck. Als Herr Lepine zum Generalgouverneur von von Algier ernannt worden war, wollte er seinen Generalsecretür mit sich nehmen. Mit Rücksicht jedoch auf die überreizte Stimmung der antijüdischen Partei in Algier mußte er auf den Wunsch verzichten, Herrn Schram eck weiterhin nm sich zu haben. Die Ernennung des Herrn Lepine zum Generalgouverneur Algiers ist von der antisemitischen Presse mit einer maßvollen Feindseligkeit ausgenommen worden. Das osficielle Blatt des Antisemitismus gibt Herrn Lepine ganz bescheiden den Rath, die Politik Cambons weiter zu verfolgen. Im Gegensatz dazu ist die speciell jüdische Presse in Folge der Ersetzung Cambons durch Lepine voller Freude, die etwas Maßlosesan sich hat. Die wahre Bedeutung dieses Beamtenwechsels habe ich meinerseits bereits an anderer Stelle auseinandergesetzt. Wie groß auch die administrativen Fähigkeiten und so gut auch die Absichten des Herrn Lepine fein mögen, so ist es doch sehr zweifelhaft, ob sein Kommen eine politische Lage ändern kann,, die durch das Zusammentreffen sehr mächtiger Anschauungen geschaffen wurde. Das eben wollen aber die französischen Juden nicht verstehen, trotzdem die Thatsachen und Ereignisse offenkundig sind und von einer Evidenz, welche geradezu in die Augen sticht. Soeben hat unsere Justiz zwölf Verurtheilungen über antisemitische Manifestanten ausgesprochen. Wird sie das hindern, morgen von Neuem zu beginnen? Für den, der die Geschichte der Volksbewegungen in Frankreich kennt, ist gerade das Gegentheil voraussichtlich. Einer von den algerischen Generalräthen hat verlangt, den Präfecten Granet wegen der Gewaltmaßregeln zu interpelliren, welche gegen die antisemitischen Manifestanten reichlich begangen worden seien. Der Präfect hat sich hinter dem Aufträge versteckt, den er angeblich vom Minister des Innern erhalten habe, und hierauf deu Bersawmlungssaal verlassen. Nichtsdestoweniger beschloß der Generalrath, daß die Interpellation stattzufinden habe. — Erheiternd in diesen ernsten Zeiten wirkt eine Bukarester Correspondenz der „Archiv es Jsraelites". Der Correspondent zieht aufs heftigste gegen die rumänische Negierung los, weil diese angeordnet hat, daß in den. Geburtsscheinen der neugeborenen Judenkinder, ebenso wie in den Universitätsdiplomen der jüdischen jungen Leute der Vermerk angeführt werden müsse: „Von jüdischer Nationalität." Was für ein furchtbares. Unglück sieht der Mann darin! Anderseits wieder kann man lesen, mit welch unbeschreiblicher Freirde er es verkündigt, daß ein Verein von rumänischen Studenten sich für die Zulassung jüdischer Mitglieder ausgesprochen hat! In seinem Hochgefühl geht der gute Mann so weit, in diesem Beschluß eine Ehre für die ganze.rumänische Nation zu entdecken. Er ist wirklich anspruchslos, der Gute. Schließlich wäre noch der Versuch einiger jüdischer Jünglinge Algeriens zu erwähnen, sich zu einer Vereinigung zum Zwecke der Verbrüderung und Solidarität zu verbinden. Man spricht unter den französischen Juden so selten von solch wichtigen Dingen^ daß es uns als Pflicht erscheint, solche Leute zu begrüßen, auch wenn sie nur zufällig davon reden. A. Ludvipol. England. London. (Orig.-Corr.) Wiederum hat Dr. Adler die Gelegenheit vom Zaune gebrochen, um sein Müthchen an den. Zionisten zu kühlen, und wenn man zwischen den Zeilen lieft, sieht man, wie sehr er nach einer Blöße sucht. Er war diesmal..so gütig, Gründe für seine Ansichten zu geben, und nächstens wird er die Entdeckung machen, daß die Chowewe Zion den modus vivendi, den sie nach der Aussage des Dr. Hirsch (im neuesten Hefte von „Palästina") suchen, gefunden haben. Zwei merkwürdige Umstände weisen darauf hin, daß der Zionismus die brennendste Tagesfrage ist. Erstens haben die Herren von der Bradforder Reformgemeinde ihren Beitritt zum Zionismus angekündigt, zweitens kommen aus Amerika, Indien und den, Colonien Nachrichten, welche zeigen, wie tief die zionistische Idee die Juden, in .den entferntesten Ländern bewegt. Mr. Arnold White, gegen den Max Nordau soeben einen Strauß ausgefochten hat, erhebt den Ruf nach einer Conferenz der Mächte zur Regelung der Jndenfrage, und der Daily Chronicle, der nur deshalb, für den Zionismus ist, weil er die Mohammedaner haßt, hat seine Feindseligkeit gegen die Juden dadurch an den Tag gelegt, daß er die böswilligen Punkte im Artikel Arnold White's übertreibt, der zwar ein Agent des Baron Hirsch war, aber darum doch nicht aufhörte ein Antisemit zu sein. Dieser.unerwartete Angriff, der in antisemitischen Ländern unbeachtet vorübergegangen wäre,., hat hier in manchen Kreisen jenes Gefühl der, Angst und des Unbehagens hervorgerufen, das bezeichnend ist suv die französischen, deutschen und österreichischen Juden. Die Quarterly Review, dann die Tagesblätter — was steht uns noch bevor? — Diesen Succoth sind sehr viele Esrogim aus Palästina verkauft worden. — Herr Groß, der sich jetzt in London aufhält, hat bis. jetzt keinen besonderen. Erfolg mit seinen Bemühungen um die Verbesserung der Lage der Juden in Palästina aufzuweisen. —- Mr. Moses Goldstern, der seit vielen Jahren in Palästina lebte, hält sich.zu -einem kurzem Besuche in London auf. Er war im vorigen Jahre Führer der „Makkabäer" im heiligen Lande und ist jetzt, damit beschäftigt, eine Palästinatour für 10 Reisende zu arrangircu. Die „North American Review" bringt einen Artikel aus der Feder des Dr. Pererra Mendes, der deu Zionismus als Zeinen der großen Factoren der Gegenwart bezeichnet. J. de A Serbien. Welgrad. (Orig.-Corr.) Innerhalb der hiesigen sephaxdischen Gemeinde kommen seit einiger Zeit Divergenzen -und Streitig- Eeiten zum Vorschein, welche zu einer tiefen Spaltung äuszüäpten drohen. Seit Menschengedenkcn wählen die Belgrader Juden mit Stimmenmehrheit eine Repräsentanz von wohlhabenden und angesehenen Glaubensgenossen, welche unter dem Namen.„Skup" (Rath) das Gemeindevermögen verwalteten und über Tempel,

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