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Die Welt · 1897-10-22 · 21 (22.10.1897) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
21 (22.10.1897)
Article
Breslau / B. Sch.
Date
1897-10-22
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seile 10. jtaCrtW: Nr. 21. zur Besserung der Lage unserer unglücklichen Brüder". Im Anschluß hieran wurde von einem anwesenden Mitgliedes „Centrnlvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" dieGründung eines „jüdischen Rede- und Discntierclubs" angeregt und auch einstimmig beschlossen. Hoffentlich wird diese Neugründung zum Heile der jüdischen Sache in Kürze Nachahmung in ganz Deutschland finden. Gegenüber diesem praktischen Erfolge des „utopistischen" Zionismus können wir uns einen Hinweis auf die Thätigkeit oder Urithätigkeit der berufenen Hüter und Vorkämpfer der Colonisation in Palästina, der sogenannten praktischen Zionisten, nicht versagen, um durch ein kleines Beispiel zu illustrieren, wie sich diese Leute der Sache, die sie vertreten — sollten, in Wirklichkeit annehmen. Da ist zum Beispiel die Angelegenheit der palästinensischen Ethrogiin. Trotzdem Rabbiner Dr. Rosen th al auf Veranlassung eines Zionisten dieselben warm empfohlen hatte, und die Nachfrage vorhanden war, hat die „Import-Gesellschaft" nicht dafür gesorgt und erst unmittelbar vor Sukkoth in einigen unter strengstem Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinenden orthodoxen jüdischen Zeitungen die Ethrogim von Ekron angezeigt. Nicht besser geht es mit dem Verschleiß der palästinensischen Weine zu. Hier ist ein vollständiger Stillstand im Verkaufe des Weines eingetreten, da die maßgebenden Faktoren einfach gar nichts dazuthnn. Im Gegensätze zu dieser Thatcnlosigkeit der „Praktischen", steht die „Thätigkeit" einiger Protest-Rabbiner, die an den Festtagen ganz schwungvoll ihr Geschäft — wollt' sagen ihr Amt — betrieben, indem sie gegen den Zionismus hetzten. Diese Helden, die nur im Käppchen und Bäffchen ihren Muth entdecken, thun ihr Möglichstes, um uns Zionisten die Austragung unserer Rechnung mit ihnen zu erleichtern. Wir werden sie nicht mehr lange warten lassen. B. Sch. Jaris. Der Verein „Olle Regel" hat Samstag den 9. October abends seine Versammlung abgehalten, die alle zwei Monate stattzusinden hat. Sie war sehr gut besucht. Drei Redner ergriffen nacheinander das Wort, um den Fortschritt der zionistischen Bewegung zu erörtern. Als erster Redner sprach Herr S ch m e rk i n zu den Versammelten, unter welchen auch das schöne Geschlecht sehr zahlreich vertreten war, in einer anderthalbstündigen Rede „über den Ursprung der Civilisation und des Zionismus". Herr S vifer improvisierte eine kurze Rede, in * welcher er mit Wärme und Ueberzeugung von Zion und der Rückkehr der Juden in ihr angestammtes Land sprach. Zum Schluffe sprach noch Herr Rapoport sehr ausführlich über das Verdienst des jüdischen Volkes, als des Schöpfers und Verbreiters des Monotheismus. Am 12. d. M. fand die Zusammenkunft der „Dorsche'i Zion" statt. Die Gegner des Zionismus in den westeuropäischen Ländern reden sich und ihren Anhängern ein, daß der zionistische Gedanke ausschließlich auf die antisemitischen Verfolgungen der letzten Jahre zurückzuführen sei und infolgedessen nur in jenen Ländern Wurzel fasse, wo man die Gleichberechtigung nichtkenne. Diese Behauptung wird neuerdings durch sehr erfreuliche Kundgebungen aus Italien aufs glänzendste widerlegt. Aus Rom, Turin, Livorno, Venedig, Torre Anun-- ci ata sind dieser Tage Briefe eingetroffen, welche den begeisterten Anschluß an die Bewegung constatiren. Unter den Männetn, welche einer spontanen Eingebung folgten und dem Wiener Actionscomite ihre Bereitwilligkeit erklärten, ihren Theil zur Förderung des großen Zieles beizutragcn, befinden sich der Großrabbiner von Livorno, ein Neffe Lombrosos (Turin), und der Stationsvorstand von Torre-Annnciata. — Die letzte Nummer des „Corriere Jsraelitico" ist fast ganz der zionistischen Bewegung gewidmet, der Congreß, den Emilio Pincherle im Leitartikel bespricht, wird „ein denkwürdiges Datum nnd ein Markstein in der Geschichte unseres Volkes" genannt. Amsterdam. Das holländische Phlegma, soll der Begeisterung hinderlich sein. Wenn da die Juden keine Zionisten sind, soll das Niemanden Wunder nehmen. Es ist das der Ausdruck der geistigen und physischen Acclimatisation. Nun, das und Aehnliches, was über Holland gesprochen wird, ist nicht ganz so richtig. Zumal die Zionisten haben gar keinen Grund, mit ihren Brüdern in Holland unzufrieden zu sein. Werden diese erst die Wahrheit nnd Nützlichkeit des Zionismus begreifen, werden sie auch ganze Zionisten werden, von einer Apathie oder gar einer feindlichen Stellung der Amsterdamer Juden gegen die Renaissance des Judenthums soll man nicht sprechen. Man könnte sie leicht in eine Stellung hmeindrängen, die sie nicht gewollt, ja gar nicht gedacht haben. Am ersten Tage des Versöhnungsfestes hielt der Oberrabbiner Dr. Diener in Amsterdam eine begeisterte Predigt für den Zionismus. Wir wollen ihre Wirkung abwarten. Bukarest. Im Signitzasaale fand am 17. October eine sehr zahlreich besuchte öffentliche Volksversammlung der Chowewe Zion statt. Als Präsident fungirte Herr Dr. Lupescu. ßrajoma. (Rumänien). Das hiesige zionistische Comite berief für den 10. October eine große Volksversammlung mit der Tagesordnung „Der Baseler Congreß" ein. Das Interesse, bas hierorts dem Zionismus entgegengebracht wird, gab sich auch durch den massenhaften Besuch der Versammlung kund. Die Synagoge Beth-El, die die conservativen Juden Crajowas ohne irgend welches Zögern sofort dem Comite zur Verfügung gestellt hatten, war überfüllt und die Versammlung selbst bot ein interessantes Bild. Kinder und Greise, Männer und Frauen, Orthodoxe und Reformierte saßen ruhig und friedlich beisammen und lauschten den Vortragenden. Die Sitzung eröffnete Dr. Jacobs o h n, der Präsident der Chowewe Zion, mit einer begeisterten Aufforderung den Zionismus zuerst würdigen und dann unterstützen zu lernen. Das Referat erstattete Herr Jaques Silb ermann, der officielle Delcgirte Crajowas auf dem Congreß. Er beschränkte sich nur darauf, in kurzer, aber sachlicher Form den Congreß, seine Bedeutung, seine Resultate und seine Zukunft zu besprechen. Die Spannung, mit der die Versammelten anfangs den einzelnen Reden lauschten, wich bald einer stürmischen Begeisterung, die alle mit sich riß und in eine Ovation für die Führer der Bewegung ausklang. Iamboki. Wenn ich die Geschichte der zionistischen Bewegung in unserer Stadt mir ins Gedächtnis rufe, erkenne ich meine eigene Ohnmacht. Als ich das erste Mal von Zion sprach, beachtete man mich gar nicht, als ich öfter sprach, zuckle man die Achseln. Da erhielt ich die Probennmmer der „Welt". Bald strömten die Leute in meine Wohnung. Der Raum war zu klein. Bald saß man auf Tischen, improvisirtm Stühlen, auf den Fensterbrettern, auf dem Boden hockten die Frauen und die Kinder kauerten sich zusammen. Ich mußte lesen und ins Spaniolische übersetzen, bis ich zu Ende gelesen, man ließ mich nicht rasten Die Wirkung war eine verblüffende, der Ausbruch der Gefühle geradezu elementar. Die Jungen jauchzten laut auf, die Alten weinten, Männer umarmten einander, die Kinder weinten, weil ihnen alles so neu war. „Also Gott hat sich unser erbarmt, er hat unsere Leiden gesehen und er wird uns von diesem Golns erlösen". Und sie begannen wieder zu weinen und zu lachen, sie tanzten wie Wahnsinnige herum, um im nächsten Augenblicke wieder Gott anzurufen. Ich mußte versprechen, alles Gelesene zu wiederholen. Diese Scenen der Begeisterung haben sich seither oft wiederholt, nur ist der Grundton ein bischen herabgestimmt, man jauchzt weniger, man weint mehr. Denn es geht uns schlecht, so schlecht, daß uns selbst die Hoffnung auf eine Befreiung verloren gegangen ist. Wir werden verhöhnt und mißhandelt und dürfen nicht klagen. Wir werden geschlagen und verfolgt, und der ärgste Zigeuner darf sein Müthchen ungestraft an uns kühlen

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