Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 21 (22.10.1897)
- Article
- Der interviewte Lueger [Nachricht]
- Date
- 1897-10-22
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 31. Seite 9. „magyarische Nation". Schließlich sprach Dr. Lueger die „Hoffnung" aus, daß auch in Ungarn eine Reaction dagegen eintreten werde, wie sie in Wien und in Oesterreich bereits zur That geworden sei. Pie antisemitische Sprudelstadt. Am 26. September l. I. fand in Karlsbad eine Sitzung des Turnrathes für den Obereger-Turngau statt, in welcher Herr Dr. Peter jiu\ aus Falkettau den Antrag stellte: Der Gauturnrath werde beauftragt, die nothwendigen Schritte zur Avisirung das Obereger-Turngaues einzuleiten. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen und demgemäß erging auch an den Karlsbader Turnverein die Aufforderung, entweder sich deutschvolklich zu erklären oder aus dem Gau auszutreten. In der am 8. October abgehaltenen Hauptversammlung stellte der Obmannstellvertreter Herr Otto Loew den Antrag auf Abänderung der Statuten in deutschvolklichem Sinne. Bei der Abstimmung ergab sich, daß von 71 abgegebenen Stimmen 64 für den Antrag und nur 6 dagegen stimmten; ein Stimmzettel blieb leer. Der Turnverein ist somit in das deutschvolklichantisemitische Lager übergegangen. Karlsbad hatte noch bis in die jüngste Zeit herein den Ruf einer „erzliberalen" Stadt. Pie Antisemiten in Pentfchland. Trotzdem diverse deutschnationale Protestrabbiner täglich und stündlich das Urteutonenthum der Juden krampfhaft betheuern, so scheinen doch die Antisemiten noch immer bezüglich dieses Punktes etwas anderer Meinung zu sein. Am jüngsten (dritten) Parteitage der deutsch-socialen antisemitischen Reformpartei in Nordhausen kam diese Meinungsdifferenz zum lautem Ausdrucke. In der Sitzung vom 11. October forderte der Abgeordnete Liebermann von Sonnenberg den Kampf „des deutschen Bolksthums gegen das internationale Judenthum". Das wäre der wahre „Kampf der Bienen gegen die Drohnen". Freisinn und Socialismus seien als Judenparteien gleichmäßig zu bekämpfen. Abg. Zimmermann erklärte, es werde im Reichstag wieder ein Antrag auf Verbot der Einwanderung ausländischer Juden eingebracht werden, um die Ehrlichkeit der antisemitischen Ueberzeugung bei anderen Fractionen zu prüfen". Fsdesfäike. Der Generalconful für Portugal, Gottfried Rüben, ist gestorben. Er war persona grata am dänischen und portugiesischen Hofe und Besitzer mehrerer dänischer und portugiesischer Orden. Von äußerst liebenswürdigem Auftreten und seltenem Humor, hatte er sich die Liebe und Verehrung Aller erworben, die ihn kannten. Er war persönlich mit den ersten Geistesheroen Skandinaviens befreundet und galt für einen ausgezeichneten Linguisten. Er war trotz seiner Toleranz ein echter Jude, der seinem Volke stets Ehre gemacht hat. — Der Besitzer von Pleasantville, das seit mehr als hundert Jahren in den Händen seiner Familie ist, der Mitbegründer der New-Aorker Universität für Pharmaceutik, Mr. David Hays, ist gestorben. Seine Familie gehört zu den ersten und ältesten New-Aorks. Schon sein Großvater hat im Revolutionskriege mitgefochten, sein Bruder war der bekannte Chef der Polizei Jacob Hays, sein Vater führte den Beinamen „Onkel Ben" und „der beste Jude und beste Christ in Westchester." Die zionistische Bewegung. Spenden für zionistische Zwecke sind an Herrn Dr. O. Kokesch, Hof- und Gerichts- Advoeaten in Wien, I, Singerstrasie 25, zu senden. Htokechow. Am 13. fand in unserer Synagoge eine Volksversammlung statt, zu der sich über 2000 Theilnehmer eingefunden hatten. Herr L oth ringer führte den Vorsitz. Herr Taubes hielt die Tendenzrede, die eine tiefen Eindruck auf die Zuhöre^. machte. Es wurde ein Comite eingesetzt, welches die Absetzung von Actien für den Tarnover „Ahavath Zion" zu besorgen hat. In das Comite wurden die Herren A. Gold schlag, als Präses, H. R o s e n b e r g als Schriftführer, D. E l l e n d m a n n als Cassier und die Herren M. Schuster, I. Pießes, N. -L o t h r i n g e r, W. E s k r e i s und E. S p i e g e l als Beisitzer gewählt. Es wurden sofort Actien gezeichnet und der Schekel für den Nationalfond erlegt. Heute gibt es in unserer Stadt keinen einzigen Juden, der nicht Zionist wäre, und ein Zeugnis davon ist der Umstand, daß am folgenden Tage die Kaufleute, die Handwerker und die männliche Jugend zusammenkamen, Comites zur Ausarbeitung von Statuten einsetzten, um verschiedene Zionsvereine zu gründen. Auch die Frauen haben für den 19. d. M. eine Sitzung einberufen, um einen „Benoszionverein" zu gründen. So ist jeder bestrebt, nach Stand und Vermögen die Bewegung zu unterstützen. EL KHorostkow. Am 13. d. M. sprach Herr Domkowsli in der Synagoge über den Zionismus. Er schilderte die Judennoth, das Elend und den materiellen Ruin der Juden Galiziens, dem nur die Auswanderung ins heilige Land steuern könne. Seine Rede, die mit stümischen Beifall ausgenommen wurde, hatte den Erfolg, daß sich ein Verein „Meikirei Zion" constituirte, dem sofort 50 angesehene Bürger beitraten. Kerwannstadt. An das Wiener Comite gelangte folgendes Telegramm: „Hermannstadt, 17. X. Nach Anhörung des Berichtes des Congreßmitgliedes Dr. Ronai constituirte sich heute in Hermannstadt ein ungarischer Zionsverein. Dieser sendet Euer Wohlgeboren und allen edlen Leitern des Zionismus Dank und Glückwünsche. Das Executiv-Comite: Moriz F e l t e r, Präses R ub i n st e i n, Dr. Schwartz, Lövy, Rieger, Isaak Asche r, Altert Weiß, Wilhelm Herschkovits, Siegmund Felter, Johanna F e l t e r, Natalie Lövy, Sali N u bi n st e i n, Fräulein Philippiue Rieger. J., Die Berliner ILgkiche Rundschau berichtet über einen Vertrag, den Pastor W. Faber in Berlin hielt über seine „Reise nach dem Kaukasus." „Obwohl ich den Kaukasus schon zum zehnten Male passirte, war der Eindruck doch durch nichts abgeschwächt. Immer höher führt der Weg hinauf, bis man an das „Kreuz des Ueberganges" kommt, das gleichsam ein Grenzstein ist von Europa und Asien. Einsam steht das Kreuz dort oben, vom Sturmwind umbraust, oft von Lawinen angerührt. Bald stößt man aus die B erg j u d e n, ritterliche, kriegerische, tapfere Völker, die den Tscherkessen außerordentlich ähnlich sind, sich also gar sehr von den Juden des Westens unterscheiden. Dort wohnen noch Juden von den alten zehn Stämmen. Hin und wieder trifft man auch einmal einige deutsche Juden. Auf einem der höchsten Punkte fand ich einen Juden als Gastwirth. Wir halten bald ein ernstes Gespräch, während unter uns ein Gewitter tobte. Es ist seltsam: wie ein verhaltener Bergstrom bricht jetzt überall die S e h ns u ch t der Juden nach Zion durch, auch unter den Juden des Kaukasus. Ueberall hat die zionistische Bewegung ihre Anhänger, überall wird auf Errichtung eines jüdischen Staates gesonnen." Mreskau. Wenn auch die zionistische Bewegung in Deutschland nicht gerade zahlreiche Sympathiekundgebungen zu verzeichnen hat, so hat sie sich doch unleugbar bereits ein großes Verdienst dadurch erworben, daß sie die träge, indifferente Masse energisch aus der dumpfen Lethargie aufrüttelt. So ist auch, in Breslau der erste Schritt zu einer zielbewußten Abwehr- und Selbstvertheidigungsbewegung in erster Linie der eifrigen Agitation der Zionisten zuzuschreiben. In einer Versammlung, welche Ende August behufs Stellungnahme zum Baseler Congresse von Zionisten einberufen war, gelangte unter lebhafter Betheiligung der Juden Breslaus eine Resolution zur Annahme, welche den Congreß begrüßte „als ersten Schritt zur Beseitigung des herrschenden JndifferentismuS unter den Juden und ersten Versuch