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Die Welt · 1897-10-22 · 21 (22.10.1897) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
21 (22.10.1897)
Article
Baron M. Manteuffel
Date
1897-10-22
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 21. Seite 7. jährige Reise nach Palästina, sowie der Congreß gehören zu den denkwürdigsten Momenten meines Lebens, und ich habe jetzt mehr als je Vertrauen zu dem unausbleiblichen Triumphe des Zionismus unter dem jüdischen Volke. Meine Reise nach Palästina hat mir bewiesen, daß der Jude dieses Land noch liebt, wie nur ein Bräutigam die Braut lieben kann. Er vereinigt sich mit seinem Boden zu cinemLeben, welches berufen ist,ein neues hochentwicklungsfähiges Geschöpf hervorzubringen. Der palästinische Boden kann nur durch die Liebe seines Volkes wieder zu einer höheren Ertragsfühigkeit gebracht werden, und dieses Volk kann nur durch diesen Boden zu einer wahren Cultur geführt werden. Diese Wechselwirkung allein ist fähig, der Welt eine neue Form des wirthschaftlichen und politischen Lebens zu schenken. Der Congreß hat nun bewiesen, daß das Wollen und Sehnen darnach nicht nur in der Brust Einzelner lebt, sondern von der ganzen Volksseele empfunden wird, daß sich etwas Mächtiges zu regen beginnt. Wir stehen somit voller Erwartung den kommenden Dingen gegenüber. Der Congreß fing gut an und endigte ebenso, was umsomehr zu bewundern ist, wenn man bedenkt, daß das Material ein riesiges und die disponible Zeit eine gänzlich unzurcicheudc war. Der Congreß ist tadellos und ungemein würdig verlaufen. Ihr M. Manteuffel. Dp. Rüben Bievep. Wenn von den ersten Zionisten gesprochen wird, den Begründern der modernen zionistischen Bewegung, darf eines Mannes nicht vergessen werden, der mit dem vollen Einsätze seiner Persönlichkeit sich dem Zionsidcale hingegcbcn, Dr.Rubeu Vierers. Dr. R.Bicrer, der jetzt als praktischer Arzt in Sophia thätig ist — war nicht nur einer der Ersten, die für die Besiedelung Palästinas durch exilirte Juden thätig waren, er scheute sich auch nicht, schon vor mehr als zehn Jahren einer jüdischen Hochschule in Jerusalem das Wort zn reden und die Vorarbeiten durch Gründung hebräischerSchulvcrcinczu fördern.Was ihm ein besonderes Relief verlieh, war seine unendliche Begeisterung und sein starrer Radicalismus, wie inan diese sonst bei Männern seines Alters nicht zu finden gewohnt ist. Dieser glühenden Liebe für sein Volk entsprang aber viel Gutes und Nützliches. Er gehört mit unter die Gründer der ersten jüdischnationalen Studentenverbindung, der „Kadimah", und schuf mit seinen jungen Freunden aus der „Kadimah" den ersten Colonisationsverein in Oesterreich, Admath Jeschurun. Mit welcher Aufopferung und Unermüdlichkeit Dr. Vierer in 'Galizien wirkte, wo er die zionistische Bewegung im Vereine Mikra Kodesch propagirte und als erster und bedeutendster Pionier des Zionismus auftrat, ist allzu brkannt, um ausführlicher' erwähnt werden zu müssen. Trotz dieser ausgcbreiteten Thätig - feit hat er es doch immer verstanden, in engster Fühlung mit der akademischen Jugend zu verbleiben. Stets stand er ihr mit Rath und Thal zur Seite, und die Jugend verehrte ihn, so wie er sie liebte. Dr. Rüben Vierer und auch sein Sohn und treuer Mitarbeiter, Dr. Josef Vierer, sind Ehrenburschcn der akademischen Verbindung „Kadimah^.Noch Eines muß erwähnt werden, um die Thätigkeit Dr. Ruhen Vierers voll zu würdigen — seine Arbeit in den dem Congrcsse vorangehenden Jahren. Trotz der vielen Anfeindungen, die er wegen seiner pronyucierten Parteistcllungzu erdulden hatte, wirkt? er voll Energie uud Selbstlosigkeit, selbst mit Gefährdung seiner bürgerlichen -Position,' für den Zionismus. Dr. R. Vierer war stets der beste Freund der Armen und Bedrückten, und wird es sicherlich stets bleiben. Der Zionismus in England. Herbert B e n t w i ch ist der Wortführer jener Londoner Zionisten, welche unter dem Namen „Choveve Zion" feit Jahr und Tag eine rege, wirkungsreiche Thätigkeit entfalten. Sie haben nicht weniger als 35 Vereine, „Zelte", einen davon an der Cambridger Universität, ihre Versammlungen werden von den hervorragendsten Juden Großbritanniens und einigen hervorragenden Christen besucht, sie baben dem zionistischen Gedanken in England die- Wege gebahnt. Und eben diese thätigen, energischen „Choveve Zion" haben die Betheilignng am Baseler Kongresse abgelehnt, sowie sie im letzten halben Jahre überhaupt dem festländischen Zionismus, wie er sich seit dem Eingreifen Herzls gestaltet hat, etwas kühl gegeuubergeslauden sind. Der

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