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Die Welt · 1897-10-15 · 20 (15.10.1897) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
20 (15.10.1897)
Article
Berlin [Nachricht]
Date
1897-10-15
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite- Nr. 20. ber eine vom „Centralderein für die Interessen der jüdischen Gemeinden" unberufene . Versammlung aus. Zwischen den Anhängern und den Gegnern der geplanten Reform kam es zu erregten, zum Theil persönlich zugespitzten Debatten. Die Sonutagsfreunde führten zu Gunsten ihres Projcctcs hauptsächlich Opportunitätsgrnnde ine Feld und betonten, daß es ihnen keineswegs um Aufhebung der Sabbathsfeier zu thun sei. Redakteur Klausner griff die Urheber des Planes scharf an. Der Sabbath sei ein Grundpfeiler des Judenthums. Wer an dem Sabbath rüttelt, zerstöre das Judenthum und leite es allmählich in den Schooß der Reformgemeinden. Wie wenig werdende Kraft dem jüdischen Sonntagsgottesdienft inne wohne, beweise der Umstand, daß die Berliner Reformgemeinde, welche seit mehr als 50 Jahren bereits den Sonntagsgottesdienft besitzt, in dieser Zeit kaum 200 Mitglieder gewonnen habe, während die Gemeinde in Berlin um das 25 fache gewachsen sei. Professor Lewin warnte gleichfalls vor der Einführung sonntäglicher Gottesdienste. Nichts sei thörichter und zweckloser als solche jüdische Mimikry, nnd wenn man von den alten jüdischen Bräuchen noch so viel über Bord werfe, so bleibe man für die anderen doch immer „der Jude". (Stürmischer Beifall.) Der sei des Namens Jude nicht wert, der freieHand dazu biete, den Sabbath zu entthronen. Mit allen gegen 7 Stimmen fand folgende Resolution Annahme: „Die Versammlung jüdischer Gemeindewähler erhebt entschieden Einspruch gegen die Einführung sonntäglicher Gottesdienste als gegen Verstöße wider die Glaubenssatzung und Ueberlieferung. Sie verurtheilt die dahin zielende Agitation als den Versuch einer Verleitung zum Abfall vom Glauben der Väter und beauftragt den Vorstand des „Centralvereines für die Interessen her jüdischen Gemeinde" die geeigneten Schritte dagegen zu unternehmen und der Gemeindeverwaltung von diesem Beschlüsse Kenntms zu geben." Ktziktt. Die nationol-jüdische Vereinigung arbeitet wacker daran, die deutschen Juden für den Zionismus zu gewinnen. Außer durch Versammlungen geschieht dies durch Brochuren, Flugschriften und einen jüdischen Bolkskalender. Zu dem Sukkothfeste hat die Vereinigung wieder eine Correspondenz — Nr. V — in Tausenden von Exemplaren verbreitet. Es wird darin eine kurze Ueb.ersicht alles Wissenswerthen geboten, das seit dem Baseler Congreß in der zionistischen Bewegung geschehen ist, einige besonders wichtige Zeitungsstimmen citirt und über die in Kürze erscheinenden zionistischen Brochuren berichtet. Nach einer Aufforderung zum Anschlüsse au die national-jüdische Vereinigung in Köln, wird noch mitgetheilt, daß in Frankfurt am Main am 31. October a.. c. der dritte Delegirtentag deutscher Zionisten abgehalten wird. „Zur Theilnahme ist jeder Zionist berechtigt, der auf dem Boden des Baseler Programmes steht und einen auf 3 Mark festgesetzten Mindestbeitrag an die Casse der nationaljüdischen Vereinigung entrichtet hat. Gleichzeitig mit dieser Correspondenz wird ein Aufruf verschickt, in welchem Dr. Rül s- Meznel und Dr. B od e nh e im er-Kölu, die Repräsentanten der deutschen Zionisten, in Kürze über den Congreß berichten, das daselbst beschlossene Programm in seinem genauen Wortlaute mittheilen nnd zur Organisation der deutschen Juden und zum Anschluß an die jüdisch-nationale Vereinigung in Köln auffordern. „Die Zionssrage ist jetzt mit der Judenfrage i d e u t i s chhier Euer Banner und hier Euere Ehre", rufen die zwei bekannten Verfechter des Zionismus den Juden Deutschlands zu. Es ist zu erwarten, daß dieser Appell dieser beiden Männer nicht ungehört verhallen wird. W. Dresden,. 9. October 1897. (Orig.-Corr.) Der Wahlkampf hat sonderbare Phänomene ans Tageslicht gezogen. In der Hitze des Gefechtes entblößt der oder jener gewiffe Charakterseiten, die für den Beobachter, besonders wenn er ein Jude ist, höchst interessant sind. Ein sehr lehrreicher Anblick ist es zum Beispiel, wenn man in verschiedenen Wahlkreisen die Socialdemokraten mit den Antisemiten liebäugeln sieht, wenn man beobachtet, wie sich unter dem Einflüsse des Mandalshungers nach und nach ein zartes Verhältniß zwischen den beiden Parteien entwickelt. Ohne zu erröthen folgen die „Rothen" den Spuren der Judenfeinde, und man hört die zwanzig Silberlinge klingen. Die rothe Zukunft, nach der so mancher Jude sehnsüchtig seufzt, nimmt sich für die Juden angesichts dieser Liebessceneu nicht sehr schön aus. Wegen eines Mandates stürzen sich die zwei diametral entgegengesetzten Parteien in die Arme und auf dem Rücken des Juden wechseln sie die Ringe. Die Cons. Corr. schreibt über diese Angelegenheit: In Sachsen scheint sich jetzt nach Schluß der Wahlmänuer- Wahlen ein antisemitisch-sociäldemokratischer Schacher anzubahnen, durch den ermöglicht werden soll, daß die Antisemiten für die Socialdemokraten nnd umgekehrt noch retten, was zu retten ist — nämlich je ein Mandat. Im zehnten ländlichen Wahlkreise haben es die Antisemiten in der Hand, den Genossen ein Mandat zu überliefern. Dafür wollen sich die socialdemokratischen Wahlmänner in Chemnitz' dadurch dankbar erweisen, daß sie für den Antisemiten stimmen. In der socialdemokratischen Presse wird dieser Schacher offen empfohlen. Es wird den antisemitischen Wahlmännern im zehnten ländlichen Wahlkreise nahe gelegt, sich wenigstens der Stimmen zu enthalten, da schon dadurch der Sieg des Genossen gesichert wäre. Amerika. Wew-'N-rkr. (Orig.-Corr.) Der Ahasver unter den Denkmälern, das Heinedenkmal, hat sich schließlich in Amerika nach einen! Rnheplätzchen umgesehen. Heine hat für die Ehre und das Glück des deutschen Volkes gelitten und gestritten, er hat an dem deutschen Volke mit echter, wahrer Liebe sein ganzes Leben lang gehangen, er hat die deutsche Literatur mit Schätzen bereichert, um die jede Nation die Deutschen beneidet, und trotz alledem, trotzdem Heine in „Assimilation" sein Bestmögliches geleistet hat, sieht die Nation der Deutschen in Heine doch nur den Juden, und das Denkmal des Juden Heine darf nirgends in Deutschland die deutsche Erde entweihen. — Auch in Amerika will es mit der Denkmalfrage nicht so ganz glatt von statten gehen. In Brooklyn soll der Heinebrunnen aufgestellt werden. Es ist der Plan des Denkmalcomites, das Herter'sche Werk der Stadt Brooklyn anzubieten damit es in dem Prospectpark seinen Platz finde. Major Wurster und Parkcommissär Dettmer wollen aber das Geschenk nicht rückhaltlos acceptieren, sondern erst abwarten, ob es Gnade in den Augen der Brooklyner Meister vom Fach finden werde. Es sollen Experten mit der Prüfung des künstlerischen Werthes des Loreleybrunnens betraut werden. Der Parkcommissär erklärte, daß er sich in der Denkmalangelegenheit von beut Urtheil der Künstler des „Institute" und der Brooklyner Art. Association" werde leiten lassen, da er selbst kein großes Kunstverständnis besitze. pereinsnucbricfften. Wien. Am 7. l. M. trat die jüdisch akademische Verbindung „Uuitas" in ihrem neuem Heime, IX., Hahngasse 33, zum erstenmale nach den Ferien zu einem Plenum zusammen. Nachdem dem abtretenden Präses für sein umsichtiges Wirken gedankt worden war, schritt man zu den Neuwahlen, welche folgendes Resultat ergaben: Präses, eanä. in eä. Martin Engländer. Vice-Präses, 8tuä. iur. Dezsö F e h e r. Schriftführer, Alois Fischen. Verbindung österr.-schles. Hochfchüler „Jvria". Bei den: Samstag den 8. October stattgehabten Wahlconvente wurden für das Wintersemester 1897/98 gewählt: Präses, esuä, meä. Berthold H a hu. Vice-Präses, cand. med. Arnold Kolb. Schriftführer, 8t.ack. gur. Emil Krasny. Zeits cbrüften-Nundschari. Im Budapester „Montagblatt" schreibt Ma; Viola gegen den dortigen Protestrabbiner, den die Lorbeeren der Anderen nicht schlafen ließen:

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