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Die Welt · 1897-10-15 · 20 (15.10.1897) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
20 (15.10.1897)
Date
1897-10-15
Page
1 (sequence 3)
Language
German
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f--1 Aed«rkwn und Administration: Wie«, II., Rembrandistraße 1l. Telephon Nr. 8805. > Erscheint jeden Freitag. * Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Nedaction oder Administration: Wien, II., Rembrandstraße 11, zu richten. Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und ) Manuskripte nicht zurnckgesendet. j >-.... " G Preise der Anreisen: Die viermal gespaltene Petit- .zeile 10 kr. Einzelne Ümmnert 15 kr. 1 4k Oesterreich-Ungarn: halbjährig 3 fl. — 6 Kr., ganzjährig 6 fl — 12 Kr.; Für das Ausland: Deutschland ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf.. England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg, Rußland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 N. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig ' 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts. Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Wr. 20. Wien, 15. Orkvbrr 1897. 1. Jahrgang. Mansche!. Bon Benjamin ©eff. Mauschel ist Antizionist. Wir kennen ihn schon lange, und es hat uns auch immer der Ekel gehobcu, wenn wir ihn ansahen, wenn uns das Leben in seine Nähe odergar in Berührung mit ihm brachte. Aber zu dem Ekel, den wir vor ihm empfanden, gesellte sich bisher iuuncr Mitleid; wir suchten nach milden, historischen Erklärungen dafür, daß er ein so verkrümmter, verdrückter und schäbiger Geselle sei. Und dann: er ist doch unser Volksgenosse — wenn auch nicht die mindeste Veranlassung vorlicgt, uns etwas auf seine Genossenschaft einzubilden. Wir sagten uns, daß wir ihir ertragen müßten, ja daß es unsere hohe Aufgabe sei, ihn zu veredeln, daß wir alle an dieser Aufgabe wachsen würden, und mit einer Art von romantischer Zärtlichkeit oder Schwäche nahmen wir uns seiner an, weil er ein Lump war. Wen» Mauschel eine Gemeinheit beging, trachteten wir sie zu vertuschen. Wenn Mauschel recht niedrig war, erinnerten wir die Welt an die Großen unseres Volkes. Wenn Mauschel uns alle compromittirte, schämten. wir uns oder schäumten insgeheim — jedoch wir schwiegen. Da hat Mauschel endlich etwas gcthan. was Lob verdient, was uns zur Ehre gereicht, und wodurch er uns für Manches entschädigt, das wir seinetwegen erdulden mußten. Er hat sich von uns losgesagt. Mauschel, das ist ein schöner Zug! Aber wir sprechen von Mauschel, ohne ihn noch gebührend vorgestellt zu haben. Wer ist denn dieser Mauschel? Ein Typus, meine lieben Freunde, eine Gestalt, die in den Zeiten immer wicderkehrt, der fürchterliche Begleiter des Inden, und vom Juden so unzertrennlich, daß mau Beide miteinander stets verwechselt hat. Der Jude ist ein Mensch, wie andere, nicht besser, nicht schlechter, höchstens verschüchtert und verbittert durch die Verfolgungen, und von einer großen Standhaftigkeit im Leiden. Mauschel hingegen ist die Verzerrung des menschlichen Charakters, etwas unsagbar Niedriges und Widerwärtiges. Wo der Jude Schmerz oder Stolz empfindet, hat Mauschel nur elende Angst oder höhnisches Grinen im Gesicht. In den harten Zeiten richtet sich der Jude auf, Mauschel dagegen verkrümmt sich nur noch schmählicher. Werden die Zeiten besser, so ist es für den Juden eine Mahnung zur Milde, zur Duldung anderer, zum Wirken für die allgemeine Wohlfahrt; Mauschel aber wird frech und hochmüthig. Der Jude trägt in seinem vielgequältcn Herzen eine unauslöschliche Sehnsucht nach der Erreichung höherer Stufen der Cnltnr; Mauschel betreibt hinter dem Fortschritt wie hinter der Reaktion nur seine eigenen schmutzige» Geschäfte. Der Jude erträgt die Armuth mit Würde und Gottvertrauen, im Rcichthum öffnet sich sein Herz weit für die Mühseligen und Beladenen, und er besteuert freiwillig sein Wohlergehen durch große Gaben. Mauschel ist in der Armuth ein erbärmlicher Schnorrer, im Rcichthum ein noch erbärmlicherer Protz. Der Jude liebt die Kunst und gelehrte Hebungen; diese waren oft und lange sein ganzer Trost in der Abgeschlossenheit, die ihm eine feindselige Gesellschaft aufzwang. Von Mauschel werden selbst Kunst und Wissenschaft um des gemeinen Vortheils willen betrieben. So konnte man in unserem Volke zu allen Zeiten sogar Kausleute und Handwerker von tiefer, schamhaft verschwiegener Bildung sehen — in solchen Gestalten trat der Jude auf. Einmal hieß er Baruch Spinoza, schliff Brillen und betrachtete die Welt sub specie aeterni. Und so konnte und kann man hinwieder .Rabbiner, Schriftsteller, Advocaten, Acrzte scheu, die nur verschmitzte Gcwiuusucher sind — in solchen Gestalten tritt Mauschel auf. Der Jude ist fähig, der Negierung seines Landes aus Ucbcrzengung starr und ehrlich Widerstand zu leisten, oder sich offen als ihr Anhänger zu bekennen. Mauschel verkriecht sich hinter den staatsfeindlichsten Oppositionen und hetzt diese heimlich, wenn ihm die herrschende Autorität nicht bchagt, oder er flüchtet sich unter den Polizeischutz und thut Angeberdienste, wenn ihm vor dem Umsturz bange wird. Darum har der Jude den Mansche! immer verachtet — und dieser schilt ihn wieder einen Narren. Und diese Beiden, die durch eine tiefste Feindschaft ihres Wesens allezeit geschieden waren, wurden stets miteinander verwechselt. Ist das nicht ein schauerliches Mißverständniß? Als wäre in irgend einem dunklen Augenblick unserer Geschichte eine niedrigere Volksmasse in unsere unglückliche Nation hincingcrathen und wäre mit ihr vermischt worden, so uehmeu sich diese unvereinbaren, unerklärlichen Gegensätze aus. Da wir nun, seit die Völker sich besinnen, immer die Schwächsten der Schwachen waren, hat man als den Vertreter unseres Volkscharakters nicht den Inden, sondern Mansche! genommen. Starke Völker werden nach ihren besten Söhnen beurthcilt, schwache nach ihren schlechtesten. Die Deutschen sind ein Volk von Dichtern unb Denkern, weil sie Goethe, Schiller, Kaut hcrvoi gebracht haben. Die Franzosen sind die Tapferen und Geistreichen, weil sie Bayard und Duguesclin, Montaigne, Voltaire und Rousseau aufstchen ließen. Wir sind!win Volk von Schacherern und Gaunern, weil Manschet ^wuchert und Börscnstrciche macht. Mauschel hat immer die Vorwände geliefert, unter denen man uns anficl. Mauschel ist der Fluch des Inden. Jnstinctiv hat das der Jude immer gefühlt, und cs mag oft vorgekommen sein, daß gute Juden vom Volk und vom Glauben der Väter sich entfernten, weil

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