Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 19 (8.10.1897)
- Article
- Paris
- Date
- 1897-10-08
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3315710-3315729-3381271--02032-3381359- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 19. Seile 13, der nicht blos Staatsmann, sondern auch Historiker, Philosoph, ja Sociolog sein möchte — um die Unhaltbarkeit des jüdischen Nationalismus zu beweisen? Er stützt sich darauf, daß das jüdische Königreich vor neunzehnhundert Jahren von TituS zerstört wurde und verkündet dann wie ein Prophet, daß das Zerstörte nicht mehr aufgebaut werden könne. ... Er fügt nicht einmal hinzu: So hat Gott gesprochen. Das alles wäre sehramüsant, wenn es nicht so anwidernd wäre. Das sind aber die Pariser Tagesschriftsteller M. L ep eile ti er und Berg erat nicht. Diese echten Franzosen sind vielmehr ganz amüsant. Der erste nannte die Zionisten hebräische Revolutionäre. Er findet, daß sich die Juden in die Gesellschaft der europäischen Völker ganz gut hineinfinden würden, und er macht den modernen Juden nur die Anhänglichkeit an die rituellen Satzungen zum Vorwurf. Der witzige und geistreiche Bergerat ist noch interessanter. Sein Artikel „Der Auszug nach Jerusalem" erschien im „Journal", in demselben Blatte, das den Grand-Rabbiner von Frankreich, Mr. Zadoc-Kohn, interviewen ließ. Die langathmigen Mittheilungen des geistigen Führers der französischen Juden sind nichts anderes als ein Expose über die Theorie und Geschichte des Zionismus. Aber es ist wichtig, den Unterschied zwischen der ablehnenden Erklärung Mr. Reinachs und den sympathischen Auslassungen Mr. Zadoc-Kahns zu betonen. Es geschah wohl an die Adresse Reinachs, als Zadoc- Kahn erklärte, daß die Sympathie der französischen Juden den Zionisten sicher sei. Ein Project lächerlich machen oder gar verurtheilen zu wollen, wenn es tausenden von Glaubensgenossen Hoffnung, ja Trost schafft, dazu haben die französischen Juden durchaus nicht das Recht. . . . Erwähnen wir noch einen sehr sentimental gehaltenen Artikel im „R a d i c a l". Der Verfasser sieht im Zionismus ein^n originellen poetischen Gedanken mit historisch-philosophischem Anstrich. Aber er meint auch, von seinem Standpunkte als Franzose, daß der Auszug der Juden ein schwerer Schlag für Frankreich wäre. A. Ludvipol. Sophia Don Pesah Jvio ersucht uns zu constatieren, daß der in dem Referate des Herrn Dr. Ehrenpreis enthaltene Vorschlag bezüglich Errichtung einer Hochschule in Palästina von ihm herrühre. Cairo. In der letzten Nummer veröffentlichen Sie eine Notiz über einen neuen zionistischen Verein „Bar Kochba". Vielleicht dürfte es Sie interessiren, etwas Näheres über diesen vorgeschobenen Posten zu erfahren. Die Vereinigung „Bar Kochba" wurde im letzten Herbst im Hause der deutsch-israelitischen Gemcindeschule von Markus Baruch begründet, dem sich die Söhne einiger angesehener jüdischen Familien anschlossen, u. a. M. Nadel, Sohn des Vorstehers der jüd. Gemeinde, Aron Segel bäum, Beamter im Ministerium, Casimir, der Sohn des Präsidenten der B^rei Berith, Ciprinti u. der Agracom Dayau. Besonders durch den Eifer der Herren Jaques Harmelin und Josef Leibowitz wurde es möglich, die Vereinigung im März d. I formell zu constituiren. Zum Vorsitzenden wurde Ben-R oub i, der frühere Redacteur des „Reveil d'Jsrael" erwählt. Die Bereinigung zählt heute gegen 50 Mitglieder, die sich in gleicher Weise aus aus aschkenasischen und spagnolischen Juden zusammensetzen. Ehrenpräsident ist der A d v o ca t Hughes Lusena- Bey; Schriftführer die Herren Leibowitz & Segelbaum, Schatzmeister Jaques Harmelin. Das Programm der Bereinigung ist: 1. Förderung der Colonisatiou Palästinas und Propaganda dafür in weiten Kreisen. 2. Moralische Hebung der Juden im Orient. In diesem Frühling, als der Club der Makkabäer auf seinem Zuge nach Palästina sich auch in Egypten aufhielt, sandte die Vereinigung eine Begrüßungsdeputation an den denselben- Mr. Herbert B ent dich gratulierte ihnen zur Gründung des Vereines und versprach ihnen materielle und was noch am meisten Noth thut — moralische Unterstützung von Seiten der Zionisten Englands. Als die Expedition Tags darauf nach .Jaffa abreiste, sandte der Vorsitzende des Vereines noch eine schriftliche Sympathiekundgebung nach. Außerdem wurde allen zionistischen Vereinen Mittheilung über die Gründung des neuen Vereines gemacht. Hoffentlich wird das auf dem Baseler Congreß constituirte Executiv-Comite, indem es mit den Einzelvereinen Fühlung behält, dadurch Anregung und Ermunterung zur gedeihlichen Entwicklung und Forderung geben. J. M.—B. Netv-Uork. Es ist erfreulich, daß immer mehr Blätter, die nicht etwa von der Laune eines Reform-Rabbiners abhängig sind, sondern von freien Männern für das Volk geschrieben werden, mit vollem Dampf ins zionistische Fahrwasser einlenken. Hieher können wir auch die jüdisch-deutsche Wochenschrift „Der VolkKadvoeat" in New-Iork rechnen. Seit dem Congreß hat das Blatt in semen Spalten eine besondere Rubrik eröffnet, „Die Debatten wegen Zion". Hier kann jederman für den Zionismus eine Lanze brechen, und nur sehen auch in jeder Nummer, wie unsere braven Volksgenossen daherkommen und in ihrer schlichten, schmucklosen Sprache ihre feste unverbrüchliche Anhänglichkeit an das Judenthrm und Zion betonen. Sie weisen zumeist darauf hin, daß die Juden nie aufgehört haben, eine Nation zu sein, daß die Sehnsucht nach Zion nie in ihrem Herzen erloschen ist; sie räsonnircn nicht, sie sprechen nur, wie sie fühlen und woran sie glauben. Darum sprechen sie auch die Wahrheit. Daß in diesen Volksftiimuen die Reform-Rabbinner, „die in ihren Salons sitzen und sich von den Kahalmännern füttern lassen, ohne sich um die Leiden bes Volkes zu kümmern", wie Mr. Lev in aus Nochester sagt, ihren gehörigen Theil bekommen, ist selbstverständlich. Zur Nachahmung. Bei der Hochzeitsfeier des Frl. Bertha Holpern, der Tochter unseres Gesinnungsgenossen, Herrn M. L. H alpern, mit Herrn Raphael Waldberg wurde unter den Hochzeitsgästen eine Sammlung für den Nationalfond eingeleitet, die ein namhaftes Erträgniß ergab. Die deutsch geschriebene Wochenschrift „Toleranz" von Michael Singer in New-Aork erscheint seit 16. September unter dem Titel „Der Zionist". Vereinsircrchiüchten. Literarischer Geselligkeits-Verein „Moria" Wien. Sonntag den LO. d. M. findet nach Ablauf der Ferien, der erste Vortrag im Wintersemester 1897/98 statt, zu dem Gäste (Damen) herzlichst willkommen sind. Vereinslocal: I., Scholtenring 23. Beginn 3 Uhr Nachmittags. Bielitz-Biala. Die hiesige jüdische akademische Ferialvtt'bindung „Emunah" hat ihre diesjährige Ferialthütigkcit vorige Woche mir einem Schlußcornmers, vcrbund-en mit einem Discusfionsabend, beschlossen. Der Präses der Verbindung, Herr 8tnä meä. Max H o e n i g e r, hielt die Tendenzrede, die mit dem lebhaftesten Interesse ausgenommen wurde. Hieraus folgte ein Reserat über den Zionistencongreß, gehalten vom 8tnä. teeirn. Herrn Brück aus der „Emunah". Nun wird die Discussion eröffnet, und siche da, es tritt das ein, was unserer zionistischen Ueberzeugung nach über kurz oder lang überall eintreten muß. Es findet sich kein principieller Gegner des Zionismus. Es sprachen die beiden Rabbiner Herr Dr. Glaser aus Biala und Herr Dr. Steiner ans Bielitz, beide ganz im Smne des Zionismus. Da ergreift das Wort Herr Dr. S t e ck e l aus der Biclitzer Buei Brith Loge, die praktisch genommen unsere Gegnercn ist, und statt der heftigsten Gegenrede vernehmen wir sein warmes Bekenntniß zum Zionismus, ein Erfolg, über den wir weniger erstaunt, als stolz sein müssen. Gesprochen hat weiters noch der Vertreter der jüdisch akademischen Ferialverbindnng „M a s s a d a" in Mähr.-Weißkirchen Herr stud. techn. Bahr. So bildete denn dieser Abend einen glücklichen Abschluß der erstjährigen Ferialthätigkeit der jüdisch akademischen Ferialverbinduug Emunah. RzeSzotzv.Hier wird Ende Octobcr die vom Vereine „C h o w e w e Zion" in Rzeszow gegründete hebräische Schule „T h eu d a 1 I s r a e l" eröffnet. Die Gründer dieser Schule sind die Herren: A. Apfelbaum, N. Glücksmann, K. Kurzman. Mögen ihre Arbeiten von Erfolg begleitet sein!