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Die Welt · 1897-10-08 · 19 (8.10.1897) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
19 (8.10.1897)
Article
Ustron (österr. Schlesien)
Date
1897-10-08
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12, Nr. 19. das Zustandekommen dieser Versammlung, die dem Zionismus viele neue Anhänger gebracht hat, sehr verdient gemacht, wofür ihm an dieser Stelle der Dank ausgesprochen sei. Marcus S t e i n h a u e r, Cultusvorstand-Stellvertreter. Stryj. Die hiesige jüdische Jugend, der das Verdienst zufällt, den zionistischen Gedanken hierorts zur vollsten Geltung gebracht zu haben, veranstaltete am 30. v. M. eine Volksversammlung, die unter lebhafter Betheiligung aller jüdischen Kreise in der hauptstädtischen Synagoge stattfand. Herr Gemeindeassessor Moses Stern sprach in den . einleitenden Worten über den Zweck der Versammlung, die am Vorabend des Congresses tage. Der nachfolgende Redner, Herr Taubes aus Kolomea hatte es nun nicht schwer, seine Zuhörer von der Zweckmäßigkeit, ja Nothwendigkeit des Zionismus zu überzeugen. Als er geschlossen hatte, ertönte lauter Beifall durch den Tempel, und einstimmig wurde eine Resolution angenommen, in der dem in Basel tagenden Congreß der tiefste Dank und die herzlichste Gratulation zu seiner Arbeit ausgesprochen wurde. Schließlich sei noch das kleine Factum erwähnt, daß von der Jugend allein Actien des Ahawath Zion in Tarnow im Betrage von 300 fl. gezeichnet wurden. Frumosa. Der Zionismus macht bei uns bedeutende Fortschritte. Er kam zu. uns als Friedensstifter. Ein inniges Freundschaftsverhältnis besteht jetzt zwischen den einzelnen Mitgliedern der Gemeinde und zwischen den einzelnen benachbarten Gemeinden. Das hat der gemeinsame Jnteressenkreis bewirkt, in dem wir uns jetzt bewegen. Eine Idee erfüllt uns und das gleiche Gut, das wir in uns tragen, nähert die Getrennten. Noch ein zweites Wunder hat der Zionismus bewirkt. Er hat dem Gotteshause neue Anziehungskraft verliehen. Viele, viele, die an den früheren Feiertagen sich gähnend von dem Gebetbuche abgewendet, folgen jetzt mit ernstem Interesse dem Verlaufe des Gottesdienstes. E.in Wort war es, das ihnen heimisch und heilig aus dm Gebeten entgegentönte und seine Weihe den andern Worten, Sprüchen und Wünschen miltheilte — das Wort „Zion." Es war ein neuer Klang in dem Worte, wie wir ihn früher nie vernahmen. Heute erschloß es uns eine neue Welt von Gefühlen und Hoffnungen, die wir früher nie geahnt. Das Wort „Zion" war es, das uns ans Gotteshaus fesselte, der Zionismus hat uns zu unserem Glauben zurückgeführt. Bei der Verlesung der Thora spendete jeder Zionist seine freiwilligen Gaben zu Gunsten des Zionsvereines und der Vorbeter sagte seine Segenssprüche für das Gedeihen der heiligen Sache. Mehrere Juden, die in der Umgebung wohnen und bei den Feiertagen unser Gotteshaus aufsuchten, traten unter dem Eindrücke dieser Kundgebungen unserem Vereine bei. Auch in dem benachbarten W a m a hat sich ein Comite zur Gründung eines neuen Zionsvereines gebildet, um dessen Zustandekommen sich die Herren Gold ringer, Dr. jur. 2BoIf Dovid, W. Druckmann, I. Druckmann und I. Salz» berg sehr verdient gemacht haben. Karl R e i n h o l d. KiwHolung. Bis in unser kleines Gebirgsstädtchen tönte es von Basel herüber. Eine Stadt von Leuten, die in harter Arbeit nicht viel Zeit und Sinn für Idealismus und Schwärmerei haben — und doch eine so tiefgehende Wirkung. Die wenigen Nummern der „Welt", die über den Congreß berichteten, wurden mit förmlichem Heißhunger verschlungen, und bis in die letzten Tage war der Cougreß das ausschließliche Gesprächsthema, Am 18. September fand im Tempel eine von fast allen Juden unserer Stadt besuchte Versammlung statt, in der der Wiener Advocat Dr. Kahn über den Zionismus sprach und unter dem Beifalle der Anwesenden die Gründung einer Ortsgruppe anregte. In die nachfolgende Debatte griffen die Herren Rauchw.erger, Dr. Gelber und 8tuä. jur. Klein thatkräftigst ein. Die Bereinsgründung wurde auch mit stürmischem Jubel beschlossen und meldeten sich sofort 250 Herren zum Eintritt. Hoffentlich wird dieser neue Verein im Vereine mit den anderen in der Bukowina bestehenden Zionsvereincn unsere Sache ein gut Stück weiterbringen. Frankfurt. Bei der Vorconferenz des Zionistencongresses wurde Frankfurt am Main zum Orte des nächsten (zweiten) Delegirtentages der „National-jüdischen Vereinigung Deutschlands" bestimmt. Der Delegirtentag tritt Ende October hier zusammen. Die Frankfurter zionistische Ortsguppe wird im Anschlüsse hieran einen großen Vortragsabend veranstalten. Dwinsk (Rußland). Am 25. September referirte Herr Albert Sachs, der als Delegirter des hiesigen „Chowewe Zion" nach Basel gegangen war, über den Congreß. Herr Sachs gab in Kürze die Vorträge der einzelnen Referenten wieder und besprach die in Basel gefaßten Beschlüsse. Seine Rede fand den Beifall der zahlreichen Zuhörerschaft, in der sich auch viele Antizionisten befanden. Herr Sachs schloß mit der Anspielung auf den biblischen Vers (Moses 5. 20. 8): „der Mann, der furchtsam und verzagt, bleibe imGolus, „damit er nicht feige mache das Herz seiner Brüder wie sein „Herz; der aber muthig und stark, trete für die heilige „Sache ein." Viele der Anwesenden, die aus bloßer Neugierde zur Versammlung sich eingefunden, traten unter dem Eindruck des Congreßberichtes sofort dem „ChowHve Zion" bei, dessen Aufschwung in ethischer wie materieller Beziehung die hiesigen Zionisten mit Genugthuung constatiren können. Unsere Stadt, die bei 40.000 Juden zählt, hat ein sehr großes jüdisches Proletariat, dessen Abnahme nur der natürliche Abfluß nach Palästina bewirken könnte. Paris. Der Eindruck der unvergeßlichen Tage von Basel hat sich noch lange nicht verwischt. Das Echo der Worte Nordaus tönt noch mächtig in unseren Ohren. Die erste zionistische Manifestation ließ die Welt des neunzehten Jahrhunderts allen Schmerz Israels vernehmen. Der Congreß hat seine Absichten für die Zukunft des jüdischen Volkes öffentlich proclamirt. Die ganze Welt horchte, und siehe! sie war überrascht. Diese Stimmung überwiegt in der französischen Presse. Allein der Umstand, daß die wichtigsten französischen Blätter noch immer der zionistischen Idee ihre Aufmerksamkeit zuwenden, beweist, daß der Congreß ein rühmliches Blatt in unserer Geschichte bilden wird. Die meisten Pariser Blätter verhalten sich keineswegs gegnerisch. Sie fragen nur, wieso denn der Plan seine Verwirklichung finden werde. Ich will hier auszugsweise die Artikel, die in einigen Blättern letzter Woche erschienen sind, wiedergeben. Den ersten feindseligen Artikel aus der Feder eines Juden im „Figaro" habe ich schon einmal erwähnt. Diese Haltung kommt auch in einem zweiten Artikel zum Ausdrucke. Im ersten Artikel war die Anschauung des Grand-Rabbinat für Paris, Dreifus, wiedergegeben, der ganz bedeutungslose, unhaltbare Dinge zusammengesprochen hat. Das schien nicht zu genügen und man wendete sich an — Reinach. .. Josef, jawohl an Reinach, den Deputirten. Das Bekenntniß des Grand Rabbiners von Paris konnte noch ein gewisses Interesse haben. Aber was hat denn dieser Abgeordnete, der sich einen Franzosen in Frankreich nennt, in jüdischen Dingen dreinzureden? Und wirklich, schon die erste Phrase ist bodenlos« Er betrachte — sagte er — den Zionismus als eine vom Antisemitismus den naiven und unüberlegten Juden gelegte Falle. Der muthige Abgeordnete hat eine Heidenangst vor Stoecker und Drumont, die den Patriotismus der Juden verdächtigen. Darum nennt er die Vaterlandsidee die höchste, edelste und fruchtbarste. Er hat recht. Aber diese Definition läßt sich gerade ganz gut anwenden auf die zionistische Idee. Der Zionismus, sagt Herr Reinach der Delegirte, hat keinen Sinn, denn er stützt sich auf die Idee der jüdischen Nationalität, die durch nichts gerechtfertigt, ja vielmehr durch Alles widerlegt werde. Und wissen Sie, zu welchem historischen, philosophischen und sociologischen Beweise Reinach greift, er der

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