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Die Welt · 1897-10-08 · 19 (8.10.1897) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
19 (8.10.1897)
Article
Sophia [Nachricht] / B.
Date
1897-10-08
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 19. Seile 11. einer brüsken Kündigung geführt hätte. Die Sache läßt sich kurz abthun. Die deutschen Juden in Sophia, deren Situation wir au anderer Stelle schilderten, geriethen unter die Verwaltung zweier Comil6s, eines älteren, auch Äaucomilo genannt, und eines solchen neuesten Datums, das die Organisation der Gemeinde — als bulgarische anstrebte. Letzteres sprach nun die Absetzung ihres provisorischen Grande aus^ und telegraphirte an alle jüdischen Gemeinden, damit diese sich dem Schritte anschließen mögen. Heute langten vierundzwanzig Mißtrauensvoten für Rabbi Bakisch an das Ministerium des Aeußeren sowie an die Gemeinde ein. Vorläufig scheint der Chacham aus Rustschuk zur Uebcrnahme dieser Würde delegirt zu sein — und soll das Sophianer Connls synagogal demnächst einen Concurs zur Besetzung des so lange vacanten Postens ausschrciben. Wie oft haben wir daraus hingewiesen, daß in Sophia, respective in Bulgarien nur eine äußerst tüchtige rabbinische und modern gebildete Kraft von Nöthen wäre — allein tHeils Familienverhältnisse, theils die Unannehmlichkeit des Werbens um einen Rabbiner unter den Todescos, welche die heilige Sprache des Djudesim, d. h. spaniolisch, nicht sprechen können u. dgl m. Nun hat das Comilö der Sophianer Sphardim ihren letzten Mohikaner vom Grandrabbinersitze g>stoßen, an ihm liegt es nun Ersatz zu schaffen. Der letzte Talmudist verläßt mit dem Chacham Bakisch den so hervorragenden Posten als religiöses Oberhaupt der Gemeinde. Denn als solches fungirte derselbe seit einer Reihe von Jahren, wer immer den Grandrabb'istuhl innehatte. Vielleicht begibt sich Herr Bakisch als Zionist ins heilige Land, wie sein Vorgänger Almusmer. Die spaniolische Schulsection, Comite Seobuse, hielt eine Sitzung ab zum Zwecke der Reorganisirung des Schulunterrichtes, insbesonders des Hebräischen. Ihrem Berichterstatter ist es nämlich gelungen, die Congreßbeschlüsse einigen Schulrätheu (wohl keine Schulmänner) uahezulegcn. Wir wollten nun, den Congreßbeschlüssen gemäß, den hebräischen Unterricht in die Hand eines tüchtigen europäischen Hebraisten legen, welcher die Aufgabe hätte, die heilige Sprache den fünfzehnhundert Kindern mundgerecht zu machen. Der sechsjährige Unterricht hätte ein Ziel, vollkommene Handhabung der Sprache in Wort und Schrift. Diese Aufgabe sollte Herrn Sachs, Redacteur des „Hamagid", übertragen werden. Allein wegen des Umstandes, daß das Budget bereits vertheilt war, und ein anständiges Gehalt nicht aufzutreiben war, mußte dieser Gegenstand vorläufig vertagt werden. Das Comit6 setzt auf die Wahl eines Hebraisten zum Rabbiner die ganze Reorganisationshoffnung der alliancistisch geleiteten Schule. Gewiß werden wir unsere schwache Kraft einsetzen, um einemszionistischhebräischen Rabbiner zum Siege zu verhelfen, es sei denn, daß sich kein solcher ausfinden lassen wird. Die Baronin Hirsch hat dem spaniol. Comits siynagogal den Betrag von 10.000 Fres. zur Vollendung der neuerbauten Mädchenschule und der Alliance Jsraelite Union 15.000 Fres. gespendet. Dr. B. Amerika. Toronto (Ccmada). Die hiesige jüdische Gemeinde hat am 15. September ein großes Ereignis gefeiert: Die Synagoge der Gemeinde „Holy Blossom" wurde in Gegenwart des Bürgermeisters unb seiner Gemahlin, des Professors Godwin Smith und vieler anderer christlicher Gäste von ihrem Rabbiner Rev. A. Lazarus eingeweiht. Vor 40 Jahren gab es noch keine jüdische Gemeinde in Toronto, erst einem Mitglied der Benjarnin'schen Familie war es Vorbehalten, eine solche aus der kleinen jüdischen Colonie zu bilden. Das im maurischen Stile erbaute Gebäude faßt 800 Personen und hat im Erdgeschosse die 180 Schüler zählende Sabbathschule untergebracht. Die zionistische Bewegung. Spenden für zionistische Zwecke sind an Herrn Dr. O. Kokes ch, Hof- und Gerichts- Advoeaten in Wien, I., Singerstrahe 35, zu senden. Von den verschiedensten Seiten kommen Anfragen, in welcher Weise die bisherigen Resultate unserer Bewegung weiter verfolgt und ausgearbeitet werden sollen. Es wird schon in nächster Zeit ein größeres praktisches Werk in Angriff genommen werden. Vorläufig möge überall für den Schekel gewirkt werden. * * In „Montreal Daily News" äußert sich ein christlicher Gelehrter über die Reformrabbiner wie folgt: „Wie wunderbar klingt es, daß am Ende des 19. Jahrhunderts, wo wir uns an der Schwelle einer großartigen Zukunft des Volkes Israel befinden, gelehrte Rabbiner auftreten, welche behaupten, Gott habe anders gemeint, als er wirklich gesprochen, daß die Juden keine Hoffnung mehr hätten, in rhr Land zurückznkchrcn, sie wären schon längst kein Volk mehr u. dgl. Gehet in Euch, ihr Herren, und gedenket des Stammes, dem ihr entsprossen, denket an das gerettete Gut, das euch ans dem Schutte der Jahrhunderte geblieben. Denket daran, daß Gott einst alles erfüllen wird, was er Israel versprochen, wenn nicht euretwillen, da ihr es vielleicht nicht verdient, so doch um seiner selbst willen. Was mich betrifft, so wollte ich lieber ein armer jüdischer Hausirer sein und in der Hoffnung auf die Erlösung leben, als ein gelehrter Rabbiner, der den Glauben an das Eintreffen des göttlichen Wortes für Israel eingebüßt hat." * * -r- Mr. I. Zangwill schließt seinen geistreichen und für den Congreß nicht unfreundlichen Aufsatz über die Baseler Tage m „Cosmopolis" mit der Bemerkung, daß eine geschichtliche Ironie darin lag, wenn der Vorsitzende auf die Anfrage des Baseler Rabbiners erst erklären mußte, die jüdische Religion habe vom Zionismus nichts zu befürchten. Mr. Zangwill hat Recht: es liegt Ironie darin. Aber gegen wen kehrt sich diese Ironie, wer ist Schuld an den häßlichen Mißverständnissen, die solche Erklärungen nothwendig machen? Etwa wir? Wann haben wir Zionisten den Glauben unserer Väter angegriffen oder bedroht? Nein, unsere tückischen Gegner, diese satten fetten Protestrabbincr haben ein solchesGewcbevonUnwahrheiten und Verleumdungen um denZionismus herum gemacht, daß sich bald Niemand mehr auskannte. Wenn nnn ein ehrlicher Mann, wie der Rabbiner Cohn von Basel in seiner loyalen Art, zur Beruhigung seines Gewissens, eine solche Anfrage stellte, so konnte sie freimüthig und der Wahrheit entsprechend beantwortet werden, wie es geschah. Höchstens läßt sich daraus erkennen, mit welchen Mitteln vor dem Congreß gegen den Zionismus gekämpft worden war von Leuten, die der Unwille unseres Volkes früher oder später hinwegfegen wird. M.-Weisikircherr, am 27. September 1897. „Der Zionismus ist ein Glück für das Judenthum." Mit diesen Worten leitete Sr. Ehrwürden, Herr Dr. Jakob Rabbinowicz, beim heutigen Gottesdienste seine Festpredigt ein. Begeistert und begeisternd entwickelte er die erhabenen Ideen des Zionismus; indem er an das Nationalbewußtsein unserer jüdischen Bürger appellirte, legte er ihnen warm an's Herz, sich unseren Ideen anzuschließen. Herr Dr. Rabbinowicz wandte sich im Laufe seiner Rede gegen vermeintliche Ausschreitungen der Jugend, welche aber auch nur darin ihren Grund haben, daß die Eltern ihren Söhnen nicht das richtige Verständnis entgegenbringen und so das Ungestüm der begeisterten Jugend reizen. Herr Dr. Rabbinowicz hat durch seine Festpredigt die zionistische Bewegung in unserer Stadt mächtig gefördert. Seine Ausführungen wirkten doppelt, da sie von der Kanzel herabkamen. Ustron (osterr. Schlesien). Am 2. Neujahrstage fand im hiesigen Gotteshause eine von sämmtlichen Bürgern Ustrons und der Nachbarschaft besuchte Versammlung statt, in welcher Herr- Techniker Nach er, Mitglied der Verbindung österr.-schles. Hochschüler „I v r i a", über den Zionismus referirte. Redner schilderte in charakteristischen Zügen die allgemeine politische und wirthschaftliche Nothage der Juden und folgerte daraus den Zionismus. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgte die gesammte Zuhörerschaft den 'Worten des hier allgemein bekannten und beliebten Verfechters der Zionsidee und zollte ihm am Schluffe seiner Ausführungen den vollsten Beifall. Der Vorstand der Cultuszemeinde zu Ustron, Herr Adolf D a t t n e r, Zionist vom Scheitel bis zur Sohle, hat sich um

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