Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 18 (1.10.1897)
- Article
- Ungarische Stimmungen
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 18. Seite 7. den Magyaren sehr wohl thun. Die liberalen Blätter drücken über derartige antisemitelnde Lebensäußerungen, die in in allen möglichen Verschleierungen vorüberziehen, resignirt beide Augen zu. Sie sind froh, daß der Schleier da ist Wehe wenn er fiele! Denn auch mit diesein Schleier entschwände ein holder Wahn. Dr. R. frti WM über den London, 31. September 1897. Heute Vormittags besuchte ich Seine Eniinenz Cardinal Vau ghan, Erzbischof von Westminster, um seine Ansichten über den Zionismus zu hören. Der römisch-katholische Primas von Großbritannien ist eine der einstußreichsten Persönlichkeiten Englands, wenn auch fein stetig steigender Einfluß nicht derart ist, daß er dem Alltagspolitiker sofort in die Augen fällt. In ihm aber verkörpert sich der Katholizismus in England, diese niemals erschlaffende Kraft, die geschickt lavirend, diplomatisch und socialpolitisch sich zähe erhält und auf alle Gesellschaftsklassen fast unsichtbar ihre ungeheure Al acht ansübt. Denn ungeheuer mächtig ist und Reibt sie selbst in England schon allein durch eie unbeugsame Concenlration aller Hingebung und Willenskraft so vieler ihr untergebener Diener auf ein und dasselbe Ziel. An dem Erzbischof von Westminster hat die katholische Kirche einen Vertreter, der durch seine männlich schöne, imposante Erscheinung, seine würdevolle, cinfacheLeutseligkeit, sein bestechend liebenswürdiges Wesen der englischen Hochkirche last noch gefährlicher;ft, als durch seine streitbare Verfechtung der „Rechte der allein selig »lachenden Kirche". „Wie denken Sie, Mylord Cardinal, über den Zionismus?" war meine erste Frage. Seine Einiiienz de dauerte, daß seine anstrengende Pflicht, besonders in letzter Zeit, ihm nicht erlaubt hätte, wie er sonst gewünscht, sich eingehend mit dieser Frage zu beschäftigen. Vom Baseler Congreß habe er wohl gelesen, sowie auch, daß eine große Meinungsverschiedenheit Carfcirtctl X)au0Bart Erzbischof vou Westminster ionismus. Ich suchte mm Sr. Eminenz auseiuanderzusetzen, daß bereits diverse israelitische landwirthschaftliche Colonien in Palästina sich in schönsteni Blüthezustande befänden. „Wie stellt sich die Familie Rothschild und die Juden Englands zu der Sache?" frng der Cardinal weiter. Ich sagte ihm, daß, soweit ich unterrichtet sei, die Familie Rothschild bereits große Spenden für die Colonien in Palästina gebracht; daß aber dies es nicht von allererster Wichtigkeit sei, und daß inan auch ohne die Juden Englands fertig werden könne, da der Zionismus eine göttliche Idee sei, welche ganz selbstständig und frei über die Köpfe von einzelnen Personen, mögen pSri: '' . "'‘.V4:. 8ÜF •n H k - Z .fit 4 . $ jgg j- ■vt. jubelt selbst unter dnr darüber herrsche, ob die Ziele des Zionismus auch praktisch erreichbar seien. „Ja wohl, Eminenz. Aber ist Ihnen je ein Fall in der Geschichte bekannt, daß eine wie immer geartete neue Idee ohne Opposition ans Tageslicht getreten wäre?" „Allerdings," meinte lächelnd der Cardinal. „Ja, werden sich die Juden aber der Landwirthschaft widmen, und ist Palästina ein geeigneter Boden, der ein entsprechendes Resultat verspricht, im Falle sie dieses thun? Ist das Land nicht zu ann?" diese noch so mächtig lind noch so reich sein, fortschreite. Der Zionisnms fliehe seine Allurten in der vornehmsten Welt. die es aus Gotte-? Erdboden gäbe: im Reiche der Geister, dort, wo der Mensch seine Persönlichkeit für feine lieber zengung einsetze, der höchste Einsatz, den es unter Menschen gäbe. . „Gut, da sollst allerdings was bmiUL werden," meinte der Cardinal. „Was meine Empfindung anbelangt," fuhr er fort, „so habe ich von jeher das größte Interesse für die Israeliten empfunden. Sie waren ja auch einst brn« auserwahlte Volk! Ich bennuircvc die.straft, in: weicher sie sich inmitten io vieler mchöstnder 'cheraaitinpe e chatten. ch.a bewmsxre ibrea strich ihre häu-alichen Tueenden, and rar Allei . .Zw oellllom Goben, -:n'; rann im istieu nur da ■ Gel ngen einer Plane - wünsche!!, der ihnen sä bedeiltende Bwaheile ver spricht." „Wie deuten fit: Euere Eniinenz," frag ich weiter, „de» Standpunkt Seiner Heiligkeit i» dieser Sache?" s „Der Papst ist immer dafür, daß die Israeliten mit Toleranz, das heißt gut — „well treated" — behandelt werden. Er ist gegen jede Art von VersoU giutg." Ich bemerkte hier, daß der Islam vielen Christen hierin mir einem leuchtenden Beispiel voranginge, was er auch sofort zu gab. Indem ich mich verabschiedete, drückte der Cardinal den Wunsch aus, daß ich ihn über die zionistische Propaganda 8,u courant" halten möchte. W.