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Die Welt · 1897-10-01 · 18 (1.10.1897) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
18 (1.10.1897)
Date
1897-10-01
Page
1 (sequence 5)
Language
German
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G---1 Redarlivn * Erseho-irt je-sir 1 »-» Preist der Anzeigen: und Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an Die viermal gespaltene Petit¬ Wien die Redaktion oder Administration: Wien, 11., Remzeile 10 tr. II., Reinbrandtstraße 11. brandstraße 11, zu richten. Telephon Nr-. 6805. Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Einzelne Kümmern 15 kr. «-—-i ) Manuscripte nicht zurückgesendet. ( t-m Oe sie rr eich - Ungarn: halbjährig 3 fl. ----- 6 Kr., ganzjährig 6 fl. — 12 Kr.; Für das Ausland: Deutschland ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., h t^jähriq 6 Mk. 85 Ps., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Rußland ganzjährig N., halbjährig 3 R. 80 Kop. Schweiz, F nlreich, Italien, Türkei, Runiänren, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Frcs. halbjährig 8 Frcs. 50. Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Kr. 18. Wie», 1. Oktober 1897. 1. Jahrgang. Dir kleine Sache. Von Spectator Es ist eine merkwürdige Antithese, daß geschichtliche Ereignisse non den Zeitgenossen ost überschätzt, geschichtliche Bewegungen von ihnen meistens unterschätzt werden. Der alte Leopold Ranke, der die Ausgabe des Geschichtsschreibers aarin erblickte, „die Dinge zu erzählen, wie sie waren", hat ivohl häufig die Erfahrung gemacht, daß über Bewegungen, welche von erstaunliche» Folgen begleitet sind, gerade bei oenen, die sie mitgelebt haben, die dürftigste und undeutlichste Auskunft zu holen ist. Das Maß der Dinge ist eben ein verschiedenes, je nachdem man sie in ihrer Jsolirtheit ansieht oder an ihren ursächlichen Zusammenhängen mißt, and ini Sinne der kritischen Geschichtsforschung braucht Thncydides, der den peloponnesischen Krieg als Mithanaelnder erzählt, nicht nothweudig glaubhafter zu sein als rheodor Mommsen, der nach zweitausend Jahren mit genial nachs«hassender historischer Intuition die Gestalt des Julius Eäsar monumental verlebendigte. An Hunderten von Beispielen läßt sich diese Wahrnehniung erhärten; man bedarf dazu nicht erst des Gleichnisses von den Ringen, welche ein ins Wasser geschleudertes?lunchen hervorbringt, oder von der Lawine, zu welcher m Herunterrollen ein Schneeklumpen anwüchst. Als Martin 'nther an der Thür der Wittenberger Schloßkirche seine r besen anheftete, ahnte weder er selbst, der arme Augustinermönch, noch einer seiner Zeitgenossen, welch unermeßliche Bewegung damit entfesselt wurde, und weniger noch wit- -erten die Mitlebenden, als Friedrich der Zweite von Brmßen seinen Jägerndorfer Erbschaftsanspruch erhob, rast von dieser Stunde der Weg geradeaus zur Erneuerung;ts deutschen Reiches führte. Doch diese großen Exempel sind acht darum beweismachend, weil sie von ungeheuren Bewegungen hergenommen sind; sie finden Anwendung auf ede historische, politische oder culturgeschichtliche Bewegung, welcher zeitgenössische Kurzsichtigkeit oder Bekenntnißfurcht ue Berechtigung abspricht. Bekenntnißfurcht — das Wort ist hart, aber wenn i» Zionist es jenen Juden anheftet, die nicht aufdringlich;enug ihre Nationalität verleugnen können, um ihren von Niemandem geforderten Assimilirungseifer zu bekunden, so wird dies wohl die mildeste Form sein, in der diese Raccabäercarricaturen anzusassen sind. Daß der Zionismus üne tiefgreifende Bewegung ist und daß er als solche w'ine Berechtigung hat, leugnet seit dem Baseler Congresse deiner mehr, der zu sehen und zn hören vermag. Und wenn er zunächst genau wie die beginnende lutherische Reformation der Mehrzahl nach blos die Armen und Bedrängten unter den Juden aller Länder ergriffen hat, so ist dies eine Bestätigung jenes wundersam weltkundigen talmudischen Spruches: „Bedenket, daß die Lehre von den Söhnen der Armen ausgeht." Ihn aber mit schlotteriger Ironie als Bagatelle zu belächeln oder mit widersinnigem Schreck als Auslieferung an den Antisemitismus zu beklagen, dessen sollten sich selbst unsere saturirtesten Finanzritter und unsere opportunistischesten Liberalen nicht entblöden. Denn sie spotten ihrer selbst und wissen nicht wie. Die Bagatelle nämlich schickt sich an, eine ganz erhebliche Rolle in der Welt zu spielen; sie geht bereits in den diplomatischen Staatskanzleien um, wo die Witterung des Großen im anscheinend Kleinen heiniischer zu sein pflegt, als hinter dem Pentagramm«, mit dem unsere „Assimilirer" von ihren Comptoirs und Geschäftsstnben den Zionismus abzuwehren suchen. Davon aber, wie der Zionismus bereits zu diplomatischen Ehren zn gelangen im Begriffe ist, wollen wir heute, auf gute Informationen gestützt, ein Bildchen entwerfen. Daß im Vatican die zionistische Bewegung mit anhaltender Aufinerksamkeit beobachtet wird, unterliegt keinem Zweifel. Den Herren Leimdörfer, Vogelstein und Maybaum zu Liebe geschieht dies gewiß nicht; der Horizont, den die curialistische Diplomatie nmspannt, reicht ein wenig weiter und jedenfalls darf man, wenn Leo XIII. einer Sache sein Interesse zuwendet, sagen: Minima non curat praetor. Da aber nicht recht ersichtlich ist, um welcher kirchlichen oder kirchenpolitischen Vortheile der Papst sich veranlaßt fühlen könnte, dem Sultan Zumuthungen zu stellen, die von diesem leicht als unberechtigte Prätensionen gegenüber seiner Souveränität zu deuten wären, so muß man zu der Annahme gelangen, daß der Antrieb von einer Seite kommt, wo man hofft, den Vatican nach dem diplomatischen Gegenseitigkeitsprincip zu eventuellem Borspanndienst in Konstantinopel zn bestimmen. Halten wir uns also an das Oui xrollest. Deutschland bedarf, wenn es am Bosporus etwas erwirken will, des päpstlichen Beistandes nicht und würde desselben auch schwerlich theilhaft werden; es hat überdies nicht den geringsten Anlaß, in einer diplomatischen Campagne gegen den Zionismus die Führung zu nehmen. England, das der zionistischen Bewegung schwerlich entgegenarbeiten würde, nmß bei jedem diplomatischen Schritte, den es im Mdiz-

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