Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 17 (24.9.1897)
- Article
- New-York [Nachricht]
- Date
- 1897-09-24
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3315710-3315727--01789-3381001- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 14. Nr. 17. orthodoxen Juden tu Amerika, Herr Rabbiner Dr. Philipp Klein, als Hauptredner fungirte. Den Vorsitz führte Herr Michael Singer, der in seiner Eröffnungsansprache betonte, daß er, obschon der Zionismus in seiner heutigen Gestalt mit der Religion eigentlich nichts zu thun hat, die Bewegung, schon um die religiösen Gegner derselben zu entwaffnen, aus zwei Gesichtspunkten, aus, religiösnationalem und aus politisch-socialem beurtheilt zu sehen wünscht. Aus diesem Grunde habe er Herrn Dr. Klein, dessen fromme Religiosität und Ueberzeugungstreue über jeden Zweifel erhaben ist, ersucht, seine Ansicht über den Zionismus aus religiösem und nur aus religiösem Standpunkte rnitzutheileni Herr Dr. Klein, der hierauf die Kanzel betrat, wurde von den vielen Anwesenden mit ehrfurchtsvoller Sympathie begrüßt. Der fromme Gottesmann wandte sich in seinen einleitenden Worten gegen die Gegner der Bewegung, denen er die Ehrlichkeit der Gesinnung nicht absprechen möchte. Aber die Herren irren, sagte er, wenn sie den messianischen Gedanken gegen die Bewegung ins Treffen führe». Nirgends finden wir Anhaltspunkte, welche darauf hindeuten, haß die Religion es uns untersagt, an dem Wiederaufbau des jüdischen Reiches werkthätig mitzuhelfen. Und ■ wenn der fromme Jude auf Zeichen und Wunder wartet, die es ihm verkünden, daß er nun bereit sein muß, für die Wiederlangung des Landes der Väter mit aller Kraft einzutreten, — die Wunder sind erfolgt. Oder ist die zionistische Bewegung an sich etwa nicht wunderbar? Ist eS etwa kein Wunder, daß heute, im Zeitalter materialistischen Denkens und des Abfalls von der Religion Jsrael's Fahne entrollt, von Männer» entrollt und begeistert umhergetragen wird, die allenfalls echte Juden sind, aber der jüdischen Religion ziemlich fernstehen? Wenn fromme Inden meinen, daß Gott und nur Gott allein uns heimführen wird, so antworte ich damit gewiß, ohne Gottes Wille ist gar nichts möglich, aber auch wir müssen thun, auch wir müssen auf das schöne erhabene Ziel hinarberten, dem lieben Gott wird auch dann noch genug zu thun übrig bleiben. Herr Dr. Klein schloß mit einem warmen Appell an die Anwesenden, sich voll und ganz der Bewegung anzuschließen. Nach ihm sprach Herr Michael Singer, der die Bewegung von politisch-socialem Gesichtspunkte beleuchtete und gegen den Vorwurf der Schwärmerei vertheidigte. Die Sitzung hatte einen äußerst würdevollen Verlauf und endete mit einem großen Erfolge für den Zionismus. Nun bleibt freilich abzuwarten, wie die Herren Rabbiner sich gegenüber den offenen Ausführungen des als Autorität anerkannten Dr. Klein benehmen werden. Die „Lovers of Zion“ eine Vereinigung junger Leute, hielt dieser Tage, ebenfalls eine besonders von jungen Damen starkbesuchte Versammlung ab. Die jungen Jüdinnen beschlossen sich mit dem Namen „Töchter von Z i o n" als Verein zu constituiren. Die Brooklyner „Chowewe Zion", die unter Leitung der Herren Rappaport, Roth, Maniloff und W a i z n e r Anerkennenswerthes leistet, veranstaltet am 29. August ein großes Fest, zu welchem mehrere tausend Gäste erwartet werden. Unter dem Namen „Söhne Zions" hat sich in Brooklyn auch ein Jungmänner-Verein gebildet, welchex gestern eine starkbesnchte Massen-Versammlung abgehalten hat. Die Herren Rappaport, Sing er, Rosenthal, E h r e n r e i ch, B l o ch fungirten als Redner und begeisterten die Anwesenden zum Anschlüsse an die Bewegung. Freilich haben wir auch manchen Abfall zu verzeichnen, doch weinen wir solchen Gottesmännern, die den Zionismus als Mittel für ihre eigenen Zwecke betrachtet haben, wahrlich keine Thräne nach. Nllr selbstlose, opferwillige Männer können Begeisterung erwecken und es ist für die Bewegung viel heilsamer, wenn die Scheinapostel die Masken bei Zeiten lüften. X>cvexrtsrta<$zvx<fytcrt. Einzel-Verein „BrÄINt" des Verbandes „Zion". Bei den jüngst vorgenommenen Wahlen wurde Herr Dr. med. et phil. Emil L ö w c nstei n zum ersten Obmann, Herr Ludwig S t r a tz e r zum zweiten Obmann gewählt. Samstag, den II. September veranstaltete unser Verein einen überaus zahlreich besuchten Vereinsabend, bei welchem J. U. C, Berthold Feiwe 1 als Delegirter der Brunner Verbände über den Baseler Congreß Bericht erstattete. Stratznitz Die „Achiwah" hat am 19. September in Straßnitz einen zweiten Commers veranstaltet, um auch in Südmähren den zionistischen Ideen Eingang zu verschaffen. Der Commers fand einen ebenso schönen als erhebenden Verlauf und die ganze Bevölkerung wurde für den Zionismus gewonnen. Nach der herzlichen Begrüßung von Seite des Vorsitzenden med. S ch m i tz hielt med. Weitzmann eine wohlgelungene ° Festrede; in der gehobenen Stimmung, welche er hervorzu- - rufen verstand, erzielte dann stad. jur. Siebenschein mit seiner Tendenzrede reichen Beifall. Alle Anwesenden machten unsere, von dem jugendlichen Redner in überzeugender Art vorgetragenen Tendenzen zu den ihrigen. Lebhafte Zustimmung fand auch die Rede des Herrn Rabbiners Dr. Fried mann, der, seinen religiös-orthodoxen Standpunkt betonend, sich mit der „Achiwah" völlig eiuverstanden erklärte, und die kurzen Ansprachen eines „Severiten" und des Vertreters der „Gamnla". Der Commers war ein voller Erfolg für die jüdisch-nationalen Ideen. Weitztirchen. Am 11. d. M. fand in Weißkirchen der Gründungscommers des jüd.-nat. Ferialverbandes „Massada" statt. Die Studenten, begeistert von dem hehren Zionsideale, haben sich im Sturme die Sympathieen der Weißkirchner Judenschaft erobert. Es ging das Wort in Erfüllung, das auch ein Redner int Laufe des Abends citirte: „Begeisterung siegt immer und nothwendig über den, der nicht begeistert ist." Den Commers besuchte fast die gesammte Judenschaft Weißkirchens. An der Spitze Sr. Ehrwürden der Rabbiner, der Bürgermeister der politischen Gemeinde, die Cultusvorstände re. re. Anwesend waren die Vertreter der jüd.-nat. Ferialverbindungen Mährens, Severitas, Geula, der Troppauer Zionistischen Studenten, der Ferialverbindung E m u n a h aus Bielitz, der akademischen Verbindung Libanonia. Den Commers eröffnete der Präses der Massada sind. jur. Max Riesenfeld, dessen Ansprache in dem Satze gipfelte, die Massada möge der Hort der Eintracht der Weißkirchner Juden tverden. Hierauf folgte ein Vortrag über das Thema: „Die Juden einst und jetzt" gehalten von 8tud. zur. Gustav R i n d l, der in treffender Weise die psychische Seite der Judenfrage beleuchtete und wohlwollenden Beifall fand. 8tud. jur, Richard Wagner hielt die Tendenzrede. Er schilderte die derzeitige materielle und gesellschaftliche Lage und fand allseitige Zustimmung, als er trefflich erläuterte, daß die einzige Errettung aus all' dem Judenelend nur int Zionismus liege. Allgemeine Begeisterung erweckte die glänzenden Ausführungen des folgenden Redners, des Präses der jüdischen-akademischen Lesehalle, ing. Lerner, der über die nationale und über die moralische Seite des Zionismus sprach. Stud. tech, Josef Baar toastete aus die Gaste, die Vertreter der Verbindungen, die der neugegründeten Ferialverbindung die Brüdergrüße überbrachten. Der Commers erbrachte wieder einmal den Beweis, wie wir Zionisten dies ja täglich aufs' Neue erfahren, daß unsere Idee sich Bahn bricht, unaufhaltsam, und selbst dort, wo wir anfangs die größte Gegnerschaft fanden. Eigentlich dort am sichersten. Drphphycz. Montag, den 6. d. M. hatten wir hier einen ehrwürdigen Gast. Herr Dr. Karpel Lippe, der Alterspräsident unseres Congresses, weilte bei seiner Rückkehr aus Basel in unserer Mitte und beehrte uns mit einein Vortrage über den Congreß, zu dem sich eine zahlreiche Zuhörerschaft eingefunden hatte. Von allen Seiten strömte das jüdische Volk dem Locale des Vereines „Zion" zu, um den Worten des Refe reuten zu lauschen. Bald waren die Säle überfüllt. — Kopf an Kopf stand die Menge und lauschte mit Begeisterung den Ausführungen des Redners. Hiefür sprechen wir auf diesem Wege dem Herrn Dr. K. Lippe unseren Dank aus. Hyrpdenka. Samstag, bcn 4. September fand hier eine Versammlung des neu gegründeten Zionvereines statt, die in der großen Synagoge abgehalten und von 700 Theilnehmern besucht ward. Herr H a u s n e r sprach über die Judenfrage und wußte durch seine Citate aus dem Talmud und der Bibel über die Richtigkeit des Zionismus sich den Beifall aller Anwesenden zu sichern. Es ereignete sich auch ein unangenehmer Zwischenfall, indenr einige junge Socialdemokraten in die Sy goge eindrangen, um die Versammlung zu stören. Sie wurden aber bald entfernt. Bemerkeuswerth ist auch der Umstand, daß die Versammelten den Beschluß faßten, zu den Feiertagen Esrogün nur aus Palästina zu benützen und eine diesbezügliche Agitation in ganz Galizien einzuleiten. Tlumaez. Am 7. d. M. fand hier die erste Generalversammlung des zionistischen Vereines „Tikwath Israel" statt. — Aus den 16 Ansschußmitgliedern wurden die Herren I. Lieblich zum Obmann, M. Friedländer, Obmann-Stellvertreter, L. Schlesinger Cassier, M. F r ü h l i n g Controlor und deutscher, M. -Türkei hebräischer Schriftführer gewählt. Der Verein, der jetzt 60 Mitglieder zählt, verdankt sein Entstehen nur der rührigen Agitation der Herren: L. Schlesinger, M. Frühling, L. Jnslicht, M. Turtel, M. Jnslicht und I. Geller, welche hier einen schweren Stand hatten, da die christliche Bevölkerung alle möglichen Hindernisse der Organisation entgegensetzte.