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Die Welt · 1897-09-24 · 17 (24.9.1897) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
17 (24.9.1897)
Article
Freistadt [Nachricht]
Date
1897-09-24
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 17. Serie 13. Gesinnungsgenosse, Herr Dr. M. Kornblüh, Vorstand der Freistädter Cultusgemeinde eröfsnete die zahlreich besuchte Versammlung mit einer herzlichen Begrüßwlg der Erschienenen. Nachdem die Versammlung die Herren Dr. Korn blüh und Karl Kohn („Jvria") zu Vorsitzenden gewählt Halle, erstattete Dr. Kornblüh das Referat: er schilderte mit bekannter Beredsamkeit das Elend unserer Brüder in: Osten und unser eigenes in dem Staate der papierenen Gleichberechtigung, er wies darauf hin, daß'es schon die höchste Zeit sei, das; die Inden sich selbst zu helfen anfangen und aufhören, einerseits auf fremde Hilfe zu warten und andererseits aufhören, anderer: zu helfen wo sie selbst die Hilfe so nothwendig haben. Er ging sodann auf die Ergebnisse des Congresscs über, auf seine moralische, Bedeutung für alle Juden, um schließlich der Versanunlnng, welche mit athemloser Spannung seinen Auseinandersetzungen tauschte, die praktischen Resultate des Congresscs,. den ganzen Organisationsplan und die Art seiner Verwirklichung mit Schärfe klarznlegen. Ein warmer, aus den: Herzen kommender Appell an die Frauen, ihren Pflichten als Erzieherinnen der Jugend in echt jüdischem Geiste nachzukommen, schloß die mit stürmischen Beifall und Jubel aufgcnommene Rede. Eine kurze feurige Aufforderung zur Gründung einer Ortsgruppe im Sinne des Congresscs seitens des zweiten Vorsitzenden, cand. jur. Karl K o h n wurde mit wahrhaft herzerfreuender Begeisterung und Einnu'ithigkeit anfgenonnnen, jeder der Anwesenden beeilte sich unter den Ersten zu sein, durch seinen Beitritt ein Zeichen der Zusammengehörigkeit zu feinem Volke zu geben. Das vorbereitende Comito zur Ausarbeitung der Statuten wurde gewählt, die erste zionistische Hundertschaft hatte sich constituirt. Mit dieser von einem so erhebenden: Erfolge begleiteten Versanlmlung beschloß die Verbindung „Jvria" ihre heurige Ferialthätigkeit. PrztMysl Nach vielen Monaten gelangen wir endlich dazu. Ihnen erfreuliche Miltheilungen machen zu können. Sie betreffen unseren Zionsverein. Lange gab er kein Lebenszeichen von sich, seine Mitgliederzahl verringerte sich' immer mehr und mehr und er bestand nur mehr dein Namen nach. Die hiesigen Zionisten ließen aber den Muth nicht sinken. Sie wußten, daß dieser Schlaf kein Todesschlaf sei und arbeiteten in alter Stille recht rührig weiter. Der Erfolg blieb auch nicht aus. In dem kurzen Zeiträume von circa 0 Wochen sind dem Vereine über 300 neue Mitglieder beigetreten, ein Local nmrbe ausgenommen, eine Biblothek gegründet, Zeitungen angeschafft und Vorlesungen und Borträge folgen einander. Am 25. Juli a. c. fand die IV. ordentliche Generalversammlung statt, bei welcher ein neuer Ausschuß gewählt und zum Zionisten-Eongres; in Basel Stellung genommen tvurde. ''Nach einen: mit Enthusiasmus aufgenomuwnen Vortrage des Kadimahners Herrn Victor W a s s e r m a n n ans Leinberg beschloß die Versammlung ihrer Sympathie und Solidarität mit den Bestrebungen Ausdruck zu geben. Am 29. August a, c. fand eine außerordentliche Generalversainu:- statt, welche nach einen: gelungenen Vortrage des Vereins Mitgliedes Herr Jakob Lang dank eininunig beschloß den Tag der Eröffnung des Eongresses als Natonalsest zu feiern und den Eongreß telegraphisch zu beglückwünschen. Am 4. September weilte Herr Dr. Lippe ans Jassy bei uns. Dieser ein ehrwürdiger Greis, der mit seinen: Jngendfener und seiner Begeisterung auch die Indolentesten mit sich sortriß. In warmer: Worten erzählte er uns vom stattgefundenen Eongresse und unsere Blicke hingen an seinen Lippen, die uns Worte des Heils verkündten. Bei den: an: Eröffnungstage des Eongresses :vie auch bei den: zu Ehren des Herrn Dr. Lippe abgehaltenen Cvnnnerse lauschten wir "nt Entzücken den rührenden Weisen der hebräischen Zionisteulider, die der kaum 11jährige Bernhard Metzger, Zögling der hier rühmlichst bekannten hebräischen Schule unseres Vice-Präsideuteu des Herrn Victor Mer meist ein mit schöner Altstimme vortrug. Gurahamora. Dienstag den 14. Septeinher sprach hierauf Herr Dr. Leopold Kahn aus Wien in der hierortigen Synagoge über den ftweck und die Bedeutung des Zionismus. Der geistreiche Vortrag fand die lebhafte Zustimmung' des Publikums. Noch am selben Abend wurde en: Verein „Z i o n" gegründet, und ein Eomits beauftragt, die weiteren schritte zu unternehinen. Basel. Der Zionistencougreß hat im Sturm die Baseler Juden ' aast gewonnen. Das konnte inan in den Eongreßtagen selbst schon bemerken. Die lebhafte Theiluahme an den Verhandlungen und das liebevolle Entgegenlvrumeu, daß sie allen Evngreßnütgliedern bewies, :b'ben Zengniß davon. Und doch waren kann: die Arbeiten des Eongresses s^rüber, als die Baseler Juden selbst an die Arbeit gingen. Der unermüdliche Secrelär des Eongresses, Dr. Don re ich, berief für Snnslag den 7. September die jüdische Bürgerschaft zur Gründung einer 'ivuistischen Ortsgruppe zusammen. Seinen: Rufe war. die Mehrzahl der jüdischen Bürger gefolgt. In einem beifällig anfgenounnenen Referate entwickelt er die Grundprincipien des Zionismus und die praktische Art seiner Bethütigung. In der sich daran anschließenden Debatte wurde er von Hrn. So ko low, Herausgeber der „llazefirah" und Hrn. Jako bso hn ans Basel lebhaft unterstützt. Der Erfolg des Abends :var die Gründung eines Vereines Zion in Base!. Ein provisorisches Eomitö unter den: Vorsitz des Hrn. I. W e i l wurde mit den Vorarbeiten betraut. Am nächstfolgenden Tage versammelte sich die Jugend, um ihrer Begeisterung für den Zionismus greifbaren Ausdruck zu geben. Es wurde der Verein „Jung-Zion" gegründet. In den Vorstand wurden wnden gewählt: Eainillo Dreifuß, Präsident, I. Epstein, Vicepräsident, Oscar Meyer, Actnar, Gustav Dreifuß, Eassier, Mar Meyer, Beisitzer. Zürich. Sonntag den 19. September fand eine von Dr. David Farbstein und Lehrer Leon Pasternak einberufene Zionisten-Versammlung statt. Nach einem Referate des Dr. Farbstein wählte die Nersannnlung ein provisorisches Cornitb bestehend aus den beiden Einberrlfern, 2 Mitgliedern der orthodox-, 2 der freisinnig-jüdischen Richtung mrd 2 aus der in Zürich lebenden russisch-polnischen Judenschaft. Das provisorische Cvmito soll einer einzuberufenden jüdischen Volksversammlung einen Statutenentwurf vorlegen. Paris. Die eigenthümliche Erscheinung, daß sich oft gebildete Nichtjuden leichter für die Ziele des Zionismus begeistern, als manche Juden, zeigt sich auch hier. Im Kreise meiner christlichen Bekannten herrscht seit dem herrlichen Verlauf des Congresses ein Enthusiasmus für die Idee der jüdischen Regeneration auf nationaler Grundlage, wie er eben nur in Frankreich denkbar ist. Warum sollen die Franzosen, die die größte Zahl der Philohellenen stellte, nicht auch wanne Zionisten sein? Wer die Freiheit wirklich liebt, der gönnt sie nicht nur dem Andern, sondern er tritt auch für sie mit Rath und That ein. Ich bemerke noch, daß sich unter diesen feurigen Ziunssreunden ernste Männer von wissenschaftlichem Rufe und großen Einfluß befinden. Ob der tragikomische Herr Reitrach auch ihnen den Patriotismus absprechen würde, weiß ich freilich nicht. Es wäre rrach meiner Arrsicht jetzt die richtige Zeit gerade in Paris eine große zionistische Organisation zu schaffen, der sich die christlichen Philozionisten in irgend einer Form anschließen könnerr. Ncw-Nork. Aus Denver, Col. berichtet man, daß der Consul der Ver. Staaten in Jerusalem, Mr. Walree, einem Juden in Denver die Mittheilung gemacht habe, wonach die großen Geldsummen, welche allüberall zur Unterstützung hilsbedürftiger Juden in Palästina gesammelt werden, keine gehörige Verwendung fänden. Nicht die armen Juden, so heißt es in dem citirten Berichte, die man zur Rückkehr in das gelobte Land veranlaßt hat, erhalten den ihnen zugesagten Beistand, sondern die einheimischen Inden bereichern sich aus den eingesandten Fonds und leben in Freuden. An ihrer Spitze steht Samuel Galant, Oberrabbiner der Aschkenasim itnb allmächtiger Führer einer jüdischen Hierarchie in Jerusalem. Er verfügt unumschränkt über die einge? sammelten Gelder, ist gefürchtet von allen feinen Glaubensgenossen und Niemand wagt es, gegen seine Wirthschaft sich aufzulehnen. Die hiesigen Tagesblätter begleiten diesen Bericht nnt allerlei hämischen Bemerkungen und meinen, daß in dein neuen, das heißt, zu erbauenden Reiche Juda etwas faul sei. Diese Bemerkungen kennzeichnen die Oberflächlichkeit der hiesigen Presse, die ausnahmslos Sensationen nachjagt, ohne sich irgendwie um Wahrheit zu kümmern. Beim geringsten Nachdenken hätte unsere oielgelobte Tagespresse herausfinden müssen, daß an der etwaigen leichtsinnigen Verwaltung der Unterstütznngsgelder einzig und allein unsere gedankenlosen „Wohithäter" schuld sind, die es sich zum Principe gemacht zu haben scheinen, die Jndenheit durch Pflege der Schnorerer zu discreditiren. Der Zionismus hat hiermit nicht allem nichts zu thun, er will im Gegentheil dem Schnorrsiistem ein Ende machen und das Land unserer Väter mit ziel bewußten Arbeitern bevölkern. Dieser verkannte Zionismus hatte letzten Samstag einen großen Sieg zu verzeichnen. An jenem Tage fand nämlich die Ihnen sigualisirte Massen-Versauuulung in der Norfölk-Street-Synagoge statt, bei welcher der Führer der

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