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Die Welt · 1897-09-24 · 17 (24.9.1897) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
17 (24.9.1897)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1897-09-24
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12. Nr. 17. hat. Der minien, der stets im Innern unseres Volles glühte, ist jetzt Jtt Hellem Jener entflammt; aus der stillen Sehnsucht, ist jenes bewusste Verlausten geworden, das Ietnwa Halevy in seiner herrlichen Zionide auf den Drummern Jerusalems so schön besttngett hat." Der seifende R'edner, Dr. M i n tz, entwarf das ändere Bild des Eottgresses und schilderte in beredter Weife die tiefen, unvergeßlichen Eindrücke, die jeder Dheilnehmer vom Eonstresse mitstenvmmen hat. Nachdem die beiden Redner unter strotzen Beifall der Berfammlunst steendistt halten, sprach ihnen der Präsident in deren Namen den Dank ans. Es sprachen noch Herr Jy e i w e l und Irl. 8 co n 1 b a n nt, Präsidentin des Mädchen - Vereines „H a d a s s a", die um die geistige Unterstützung ihres Vereines bat. Nachdem die ofsieielle Versammlnnst zu Ende war, blieben die Anwesenden noch lange in geselliger Unterhaltung beisammen. Wi N. Der Eingelverein „Favoriten" des „Zion" halte für Dienstag den 21. d. M., in den Iavoritensälen eine Plenarversammlnnst zur Entstestennahme des Berichtes über den Zionislencoustretz einberufen. Die großen Sälen fassten ein vielhunderttöpfiges Publicum, und im Gegensätze zu den anderen Bezirken Wiens, ha.len sich hier die Borstandsmitstlieder des Dentpetvereines und der übrigen jüdischen Wohllbtigkeits- Vereine eingesunden. Herr Dr. M. R o s e n 1 h a 1 erosfttete die Bersamm ltiust mit einer kurzen Ansprache, ilt der er über die Bedeutung des Eongresses sprach. Zur lveiteren Berichterstattung ertheilte er dem Herrn Dr. Alexander M i n t; das Wort, der lebhaft aeelamirt die Tribüne bestieg. D'r Redtter entwarf zunächst ein Bild von der äußeren Form des Eongresses und schilderte detl Eindruck, den er durch seine Zusammensetzlmg allein schon auf die Zuhörer machte. Und nun ging er auf die Arbeit des Eongresses irnd seine Resultate ein. Was denr Eongresse, meinte der Redner, sein. Bedeutung verlieh, war nicht allein der Um stand, das; die ganze Welt gezwtingeu wurde, endlich den Nothschrei des jüdischen Voltes zu hören, sondern vielutehr die Dhalsache, das; die Juden, einmal wieder sich selbst gesunden. Diese Dhalsache und die Erkenntnis;, das; jede falsche Sentimentalität lei Seite gelassen, dafür aber ernst gearbeitet tverden müsse, sternpettt den Eongretz zu einem historischen Ereignis;, das vielleicht erst von kommenden (Geschlechtern verstandet! tverden tvird. Die geistvollen Ausführungen des Redners wurden stellenweise durch lebhaften Beifall unterbrochen. Als er geschlossen 'hatte, durchtotite stürmischer Applaus den Saal und die Versammlung ehrte den Vvrtragettdeu durch Erheben von den Sitzen. Es entwickelte sich nun eine interessante Debatte, in der Herr Stratzberg über seine Wahrnehmungen iit Deutschland und England berichtete, Dr. S ch a 1 i t das Verhalten der österreichischen Presse und der österreichischen Iudenschaft zuttt Eongres; besprach und Herr W e s s e 1 h in drastischen Worten die Lage des jüdischen .Kleingewerbetreibenden in Wien schilderte. Der Vicepräsident des Vereines, Herr Werth ei wer, brachte atu Schlüsse der Sitzung im Aufträge des Ausschusses den Antrag ein, Herrn Doetor Herz! zum Ehrenmi'tgliede des Vereines zu erttennen. Dieser Antrag wurde mit lebhafter Aeelamation angenommen. Hieraus wurde die Versatnmlunst geschlossen. Teschett. Es ist bekannt, welch' rührige Agitation die akademische Verbindung „Ivria" in Schlesien entfaltet hat. Jede Stadt, ja jeder Flecken, wo nur einige Juden wohnen, hatte seine eigene Iudenversatumlung, wo die Redner der „Ivria" den Zionisttuts entwickelten. Am 14. Septetuber fand der Festeommers in Teschett statt. Wenn einer der Redner Teschett „eine Hochburg der Assimilation in ihrer häßlichsten Form" genannt hat, so hat ihn dieser Abend Lügen gestraft. Denn ein mehr als fünfhundertköpfiges Publikum, die gesatntnte jüdische Intelligenz, die jüdischen Kaufleute Teschens, zahlreiche (Vaste ans turnt übrigen Schlesien, hatten sich versammelt, Nur die leitenden Persönlichkeiten der Teschener jüdischen Eulttisgemeinde glänzten durch ihre Abwesenheit. Die Festrede hielt Herr ing. N a ch e r. Er charakterisirte das allgemeine Indenelend und stellte detn gegenüber die Assitttilatioussncht gewisser Großjuden in einigen Bildern ans dem Leben trefflich dar. Mit gewandter Beredsamkeit entwickelte hierauf Herr jur. Karl K o h n die Ziele und die Wege der zionistischen Bewegung, lieber den Eongres; referirte Herr jur. Alfred La tt ze r. Hieraus verlangte Sr. Ehrwürden Herr R'abbiner Dr. L e i ntdörf e r aus Teschen das Wort. Dieser Mann gleicht glücklicherweise nur im Namen dem berüchtigten Protestrabbiuer aus Hamburg. Er steht in einer Reihe mit Rülf, Mohitewer und ntaticheu anderen Seelenhirten Judas, die mtbeeiflutzt durch Selbstsucht, Feistheit und Kriecherei unentwegt zur Jahne Judas, also zutn Zionistnus schörett. acUbcm er dem Bettehtnen einiger seiner Berttfsgenossen, tvelche das Iudenthutu verralheu, entschieden etttgegeugetreteu war, bewies er an der Hand der (beschichte, das; die Zionsidee ebenso alt sei, wie das jüdische Volk und schloß mit einem warmen Apell an alle Antveseuden, der neuen und doch so alten Bewegung sich mit ganzem Herzen anzuschlietzeu. Zu erwähnen tväre noch, das; auch drei ungarische Geistliche dem Evmmerse beiwohnten, die großes Interesse und aufrichtige Sympathie für den Zionismus au den Tag legten. Mähr.-Oftrair. Welche große Fortschritte die jüdisch, nationale Idee und der Zionismus innerhalb eines einzigen Jahres gemacht hat, beweist die Aufnahme, welche der zionistische Eomtuers der Verbindung: österr.-schlesischer Hochschüler „I v r i a" itt Nc'ähr.-Ostrau, der zweitgrößten Eultusgemeiude Mährens, gefunden hat. Während im vorigen Jahre unsere Agitation daselbst auf großen Widerstand stieß, welcher wiederholt zu lumul'tuarischen Seeuen führte, nahm die heurige Veranstaltung einen würdigen, harutouischen Verlauf. Die Ursache hievon liegt nicht, . wie ein Redner meinte, in der Mäßigung unserer Propaganda, sondern in; der Veränderung auf Seite unserer Gegner. Schon lange vor der Eröffnungszeit war der Saal dicht gefüllt. Als der Präsident, Herr cand. jur. Karl K ohu den Connners mit einer kurzen Begrüßungsrede eröffnete, war der große „Lindett-Saat" bis auf das letzte Plätzchen besetzt; viele entferntett sich wieder, da der Saal eine solche Menge etwa COO Menschen, nicht zu fassen vermochte. Mit besonderer Befriedigung sahen wir, daß sich diesmal auch die politischen Führer der Jndenschast eingesunden hatten. Nach Absingungdes „Gaudeamus“ ergriff Herr cand. jur. Alfred La tt zer das Wort zur Tendenzrede. In dieser besprach er in rein wissenschaftlicher Weise die jüdisch-nationale Idee als die Grundlage des Zionismus, um hierauf im speeieilen Theile das Verhältniß des Zionismus zur Religion und zutn Patriotismus zu berühren. Nachdem er die Folgerungegen, die sich aus detn jüdisch-nationalen Programm für das öffentliche und private Leben der Juden ergeben, gezogen hatte, schloß der Redner mit einem eindringlichen Appell an die ältere Generation, den Bestrebungen der Jugend, den Repräsentanten der Zukunft, mit sympathischer Aufmerksamkeit zu folgen. Reicher Beifall lohnte diese Ausführungen. Der zweite Redner, Herr Ingenieur David Na eher, beschäftigte sich mit der wirthschastlichen Seite des Zioniumus. Eine tiefe Bewegung ergriff alle Anwesenden, als das Elend unserer Stammesbrüder in Rußland, flhtutänieit und Galizien in seinem vollen Umfange geschildert wurde. Alle athmeten auf, als Herr Na eher dieses düstere Bild verließ, mit sich zu den Gegnern des Zionismus, insbesondere den Prolestrabbinern zu wenden. Dautit schloß er seine wiederholt von lautem Beifall nnterbrochenett Ausführungen. Hierauf folgte ein Bericht über den Eongres; zu Basel, erstattet vom Telegirten der Verbindung „Ivria", Herr Ing. Etuil Fried, der neben schon Bekanntem außerordentlich Vieles brachte, das nur ein feinfühlender und scharfer Beobachter wahrttehnten konnte. Hientit war die Liste der offieiellen Redner erschöpft, uitb nun folgten die Reden der Gaste. Unter diesen ergriff als erster, Herr Dr. Hilf das Wort, der uns seine Sympathie ausdrückte, und auf das Wohl der „Ivria" sein Glas leerte. Darauf erhob sich Herr Dr. Kornblüh, der Delegirte der Freistädier Cultnsgemeinde auf dem Baseler Eongresse, um seine Eindrücke in begeisterten Worten zu schildern; es gelang ihm, bei allen Anwesenden hellen Jubel zu entfesseln. Den Schluß bildete ein Toast des Herrn Dr. Juchs auf die Einigkeit der Juden. Als die Theilnehtner gegen Mitternacht aufbrachen, bildeten sich viele kleine Gruppen, in welchem die Discussion eifrig fortgesetzt wurde. Der Mangel jeder Opposition spricht wohl am besten für den großen Erfolg des Eomtnerses. Mrnasterzyska. Dienstag, den 14. d. M. wurde auf Anregung unserer Delegirten am Baseler Eongresse, Herrn Doetor F c r u h o f f und Herrn Benjamin Safrin eine Volksversammlung in die große Synagoge einberufen. Der Einladung folgte ein großer Theil der Einwohnerschaft. Die Synagoge war bis ans das letzte Plätzchen besetzt und viele mußten stehend, dicht aneinander gedrängt, an dieser Versammlung theilnehmen. Nachdem Herr Benjamin Safrin die Versammlung begrüßt hatte, ergriff Herr I. S. H a l p e r n das Wort. Er tadelte den Jndifserentismus unserer Bürger dieser Bewegung gegenüber und wies den Versammelten nach, daß nur solche Juden, die, wenn auch weniger religiös doch eine hervorragende sociale Stellung in unserer Gesellschaft einnehmen, berufen sind, die Befreiung der Juden aus ihrer bisherigen unterdrückten Lage vorzunehmen. Als Beispiel dafür führte er unseren hervorragendsten Führer und Religionstister Moses selbst an. Sodann nahm Herr Benjamin Safrin das Wort zur Berichterstattung über den Baseler Congreß. In zündenden Worten schilderte er der Versammlung den Verlauf des Cvngreßes und theilte derselben dessen Beschlüsse mit. Nachdem noch Herr L a u t e r b a ch, ein bedeutender Talmutist, die religiöse Frage besprach und der Versammlung die Ueberzeugung beibrachte, daß der Zionismus an sich selbst eine gottgefällige Handlung involvire, wurde sofort an die Organisation geschritten und zu diesem Zwecke ein Cornitü von fünf Herren gewählt, bestehend aus den Herren I. S. Halpern, Moses Dresner, Alter Neu mann, Jonas Hotdner und Benjamin Safrin. 72 hiesige Bürger schlossen sich sofort dieser Organisation an, indem sie gleichzeitig einen jährlichen Beitrag zeichneten. Die Wirkung dieser Versammlung kam auch am fol-' genden Tage zum Ausdruck, wo gelegentlich einer'Hochzeit bei einen; hiesigen Bürger eine Sammlung für den Nationalfond veranstaltet und deren Ertrag dem Comitv abgeführt wurde. Vivat segnen8! Freistadt. (Orig.-Corr.) Nach jahrelanger, mühevoller Arbeit sieht die Verbindung österreichisch-schlesischer Hochschüler „Ivria" die ersten Früchte ihres Slrcbens. Die Saat, die sie rastlos in Schlesien ausgestreut, beginnt zu keimen. Kaum war der Gedanke der Gründungen von Ortsgruppen vom Eongresse als zweckmäßig anerkannt, so sieht man schon die unermüdlichen Jvrier an der Arbeit, diesen Gedanken in die That nmzusetzen.- Für Svnntag den 1'.«. d. M. wurde in Freistadt eine Versammlung der Cultusgemeindemitglieder einberufen. Unser wackerer

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