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Die Welt · 1897-09-24 · 17 (24.9.1897) · p. 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
17 (24.9.1897)
Article
Judenexcesse in Przemislany [Nachricht]
Date
1897-09-24
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8. Nr. 17. wurden von ihren Kameraden befreit. Der Bürgermeister hat an das Corpscommando eine Beschwerde gerichtet." Der Jude Mchyer. Der „Frank. Kurier." macht folgende Mittheilung über einen Fall in der w ü r t t e m b e r g i s ch e n Armee, welcher gleich dem Fall Bauer, in der nächsten Tagung des Landtags zur Sprache gebracht werden soll. Am 9. Mai 1896 wurde der Käser Ambros Jäger von Hohenmemmingen zu einer zwölstägigen Landwehrübung beim Infanterie-Regiment Nr. 124 in Ulm cingezogen. Am 18. Mai, beim Compagnie-Exereieren auf dem „oberen Eselsberg", wurde er durch eine aus den Schießständen im Lehrerrhal verirrte Kugel am rechten Unterschenkel erheblich verwundet. Die Kugel drang von hinten ein und mußte von vorn herausgeschnitten werden. Die Sicherungen jener Schießstände wurden sofort verstärkt. Jäger mußte noch volle drei Wochen nach der Entlassung im Lazarett) zubringen; am 13. Juni wurde er entlassen. Am 16. Juni machte Jäger beim Bezirksfeldwebel in Heidenheim seine Ersatzansprüche gellend und erhielt die Antwort: „Es gibt nichts." Nun wandte sich Jag er' s Schwager an den Rechtsanwalt Mayer in Ulm. Am 11. Juli 1896 richtete dieser eine Eingabe an das Bezirks-Donrmando Ulm, erhielt aber keine Antwort. Dagegen wurde Jäger vor den Bezirksfeldwebcl in Heidenheim geladen. Hier eroffnete ihm der Bezirksofficier Müller, daß das Bezirks-Cmnmando Ulm Auftrag ertheilt habe, den Jäger darüber zu vernehmen, wie er dazu konune, sich an einen Anwalt zu wenden, da „kein Rechtsanwalt der ganzen Welt in Militärsachen etwas zu schaffen habe". Jäger erklärte, daß sein Schwager die Dienste des Herrn Mayer in Anspruch genommen habe, weil er überall abgewiesen worden sei. Wenige Tage später wurde dem Jäger von seinem Schultheißenamt eröffnet, daß er vom k. Bezirks-Commando Ulm drei Tage Mittelarrest erhalten habe, weil er nicht auf dem vorgeschriebenen Dienstwege vorgegangen sei, auch habe er den Rechtsanwalt Mayer zu veranlassen, daßj dieser sofort seine Klage zurüchnehme, da kein Rechtsanwalt in Militärsachen etwas zu schaffen habe. Jäger theilte diese Bestrafung seinem Anwalt mit, worauf dieser (am 4. August) eine Beschwerde an das Brigade-Cornmando erhob. Schon an: 6. August Abends erhielt Jäger das folgende Telegramm: „Sie haben morgen Bormittag 9 Uhr in Heidenheim auf dem Rathhaus bei der Aushebung zu erscheinen." Im Rathhanssaal traf er den Bezirks-Commandeur Jäckle, Bezirks- Hauptmann Mül l er und den vom Brigade-Commando zur Untersuchung des Falles abgesandten Brigade-Adjutanten K ap ff, sowie einige Unterofficiere und Ofsiciersburschen. Es entspann sich nunmehr das folgende Frag- und Antwortspiel: Kap ff: Sie sind zu einem Rechtsanwalt gegangen? Jäger: Jawohl. K a p f f: Haben Sie eine Bescheinigung über Ihre Dieustbeschädigung bekommen? Jäger: Jawohl, die ist beim Bataillon. Jäckle: Wie weiß der Rechtsanwalt Mayer, daß ich Ihnen Arrest gegeben habe? Jäger: Ich Hab' es ihm gesagt. Jäckle: So, Sie wollen sich an einen Juden halten? Jäger: Jawohl. Jäckle: Pfui Teufel, schämen Sie sich, zum Juden Mayer zu gehen! Ein alter Soldat! Ich will Ihnen sagen, wohin Sie zu gehen haben! So oft Sie z u m I u d e n M a y e r gehen, w e r d e i ch S i e j e d e s M a l drei Tage in Arrest stecken. Landjäger! Nehmen Sie den Mann mit auf das Oberamt; der hat drei Tage Arrest! Nach Verbüßung dieser Arreststrafe wurde Jäger alsbald aufs Neue dem Bezirks-Commandeur I ä ck l e vorgeführt, der in Folge der Vorstellung Iäger' s das Bein durch einen anwesenden Stabsarzt untersuchen ließ. Es fand sich, daß es an der Wundstelle zwei Centimeter dicker war, als das andere Bein; auch erklärte der Arzt, es sei deutlich fühlbar, daß der Muskel stark verletzt sei. Nun wandte sich Jäckle an den anwesenden Brigade- Commandenr v. B e l o w und wechselte leise mit ihm einige Worte. Darauf bemerkte v. B.elow zu Jäger: „Sie sind doch instruirt worden, als Soldat, wie Sie sich zu verhalten haben. Das haben Sie jetzt davon. Da kann ein Rechtsanwalt nichts machen. So, jetzt können Sie gehen!" Jäger ging, und sein Anwalt erhielt am 11. August die Mittheilung, daß Jägers's Bestrafung gerechtfertigt sei. Seither hat Jäger nichts mehr gehört. Eine Strafstatistik. In dem eben erschienenen Hefte der statistischen Central-Commission über die Verhältnisse der österreichischen Strafanstalten im Jahre 1893 lesen wir: In den 16 Strafanstalten für männliche Verbrecher gab es 14,102, in den 6 Strafanstalten für Frauen 1811 Zwänglinge. Der Confession nach, gab es unter den männlichen Strästingen 79'9 °/0 Katholiken, ir5°/o Griechisch-Katholische, 2 3 % Griechisch-Orientalische, 2 °/0 Evangelische, 4-l % Juden und 0-2 °/0 Andersgläubige. Unter den weibliche«: 90'5 Katholische, 8 1 °/0 Griechisch-Katholische, 2 0/0 Griechisch-Orientalische, l'4°/0 Evangelische und 1 °/0 Jüdinnen. Weil die Jude« ihre Knechte bester zahlen. Fünf Pferdeknechte hatten sich am 25. August in Graz wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit, begangen durch boshafte Beschädigung fremden Eigenthums, vor dem Strafrichter zu verantworten. Die genannten 5 Herren gingen am 16. Mai im trunkenen Zustande bei den Steinbrüchen der Firma S. und M. Krohn und des Ignaz Wotipka in Anuengraben vorüber uitb da fiel ihnen ein, daß sie mit den jüdischen Steinbruchbesitzern noch verschiedene Differenzen auszutrageu hätten. Weit die Juden ihren Arbeitern bessere Löhne zahlten, hatten sie den Groll der Pferdeknechte, die offenbar von ihren Arbeitgebern schlechter entlohnt winden, erregt. Die 5 Knechte machten sich also über die Stein- und Schotterwägen her, warfen sie in den nahegelegenen Teich und in den < Straßengraben, zertrümmerten sie und verschleppten die Bestandtheile auf die umliegenden Felder. Die Firma erleidet dadurch einen nicht unerheblichen Schaden. Dem Gendarmen gegenüber begründeten die Kechte ihr Vorgehen mit der Motivirung: „Weil die Juden ihre Knechte besser zahlen." Zur Verhandlung waren nur drei Angeklagte erschienen. Das * Urtheil lautete auf je zwei Monate schweren Kerkers mit einmal hartem Lager monatlich. Mission nnter Israel. Wie aus Altona berichtet wird, fand daselbst am 22. August die übliche Kirchencolleete zum besten der Mission unter Israel statt; ebenso in allen Kirchen der Provinz. Antisemitischer Bvycott. Dem „Vorwärts" wird aus München geschrieben: Sechs jüdische Kaufleute hatten gegen den Antisemitenführer Wengg Beleidigungsklage erhoben, weil er Weihnachten seinem „Deutschen Volksblatt" eine "Flugschrift beigelegt hatte, in welcher oas Publikum aufgefordert wird, nichts bei den Inden zu kaufen. Das Schöffengericht sprach jedoch Wengg frei. Die Berufung der Kläger wurde vom Landgericht verworfen. In der Urtheilsbegründung heißt es: „Das Flugblatt ist allgemein gegen die Juden, nicht gegen die Münchener Juden im Besonderen gerichtet, und es ist auch nicht erkennbar, daß es jeden Juden gemeint habe oder gegen bestimmte Personen gerichtet sei. Dilrch das Flugblatt mag der einzelne Jude erregt worden sein, aber diese Erregung vermöge nicht den Thatbestand der Beleidigung für eine Verurtheilung zu ersetzen, wie es vielleicht auf einem anderen Wege wäre". Auch eine Begründung. Antisemitismus in Thüringen. Am 1. Oktober wird in Gotha ciii agrcinsch-nntiscmitisches Blatt in's Leben treten, zu welchem Zwecke die „Gothaer neuesten Nachrichten" angekauft worden sind. Dom Reichstagsabgeordneten Ahlwardt, der fett kurzem in Berlin einen Cigarrenhandel betreibt, ist jetzt eine Broschüre erschienen, tvclchc den Titel trägt: „Ein offenes Wort an meine Freunde und Gesinnungsgenossen im Deutschen Reiche." In dieser Broschüre, die in den beiden Ahlwnrdt'schen Detailgeschäftcn in der Friedrich- und Oranicnstraße umsonst vertheilt wird, unternimmt es der frühere Rector, in ausführlicher Weise die Gründe darzulegen, die ihn zur Etablirung eines ' Cigarrengcschäftes genvthigt haben. Vor allem weist er darauf hin, daß er seinen 99jährigen minorennen Sohn nur deshalb an seiner Stelle in das Handelsregister habe cintragcn lasse», weil er selbst nicht im Stande sei, eine aus seinen großen Processen hcrrührende Gerichtskosteuschuld im Betrage von über 20.000 Mt. zu decken. Wie die „Post" berichtet, will Ahlivardt eine neue Wochenschrift „Das deutsche Vaterland" herausgcbcn, die als Publicationsorgan der von Ahlivardt nach seiner Rückkehr ans Amerika in's Leben gerufenen „Allgemeinen antisemitischen Vereinigung" gelten wird. Ahlivardt will bestimmt bei der nächsten Wahl wieder eandidiren und hofft mit Sicherheit aus eine große Zahl von Stimmen. Personal-Nachricht. Am 19. d. M. fand in Lemberg die Berinählnng des Predigers Dr. Osias Thon aus Krakau mit Fräulein Marie Bach statt. (Zovvefpoixbertsert. Oesterreich Ungarn. Wien. (Orig.-Corr.) Mit Rücksicht darauf, daß der auf den 6. October festgesetzte Termin zur Einrückung der Recruten Heuer auf den Versöhn ungstag fällt, hat, wie wir erfahren, das k. k. Relchskriegsministerium den jüdischen Recruten die Einrückung an: 7. October gestattet. Eine gleiche Verfügung haben auch die beiderseitigen Landesvertheigignngs-Ministerien erlassen. Rtichenberg (Orig.-Corr.) Wenn man den Charakter ines Menschen ergründen will, so darf man ihn nicht bei der Alltags ftigung beobachten, wo Stunde um Stunde gleichmäßig dahinr 0 die eintönige Wiederholung alle Sonderregungen unterdrückt e markanten Züge durch die ebnende Gewohnheit unterdrückt wer der Charakter' der Volker wird sich nicht in Perioden der k

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