Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 17 (24.9.1897)
- Article
- Aufruf
- Date
- 1897-09-24
- Page
- 7 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 17. „Pk&VWtf Seite 7. CErtbime. Löbliche Nedaction! Die ergebenst gefertigte Leitung der j ü d i s ch e n a k a d e nr ische n Lesehalle bittet um Äufnahtne folgenden Aufrufes in Ihr geschätztes Blatt: In den Tagen der Roth und Erniedrigung, in denen man unsere theuersten Gitter mit Fußen tritt, ist es wohl mehr denn je, zur unabweisbaren Nothwendigkeit geworden, daß wir, jiidische Hochschüler, uns bei dein von unseren Gegnern heraufbeschworenen Kampfe in der Bertheidigung unseres guten Rechtes zufammenfiuden. In diesem Kampfe müssen wir aber auch unserer armen Collegen gedenken. Bei der jetzigen Zeitströmung, der sich bei beit christlichen Familien allerseits das Bestreben geltend macht, nur christliche Hauslehrer aufzunehmen, ist cs doppelte Pflicht eines jeden Juden seine Glaubensgenossen zu unterstützen. In dieser, von den Gefiihlen wahrer Collegialität eingegebenen Erwägung, schritt die jüdische a k a d e m ische Lesehalle zur Gründung einer L e c t i o n e n v e r m i 1 t l u n g, in der sie sich die Vermittlung von gewissenhaften und tiichtigen Hauslehrern, Hofmeistern, Stenographen;c. zur Aufgabe macht, um so den ärmeren Coltegen die Gelegenheit zu geben, in einer eines akademischen Biirgers würdigen Weise sich fortzubringen. Wir erlauben uns, an alle unsere Glaubensgenossen mit der Bitte heranzutreten, sich im Bedarfsfälle unserer Lections-Bermiltlung zu erinnern und dieselbe in weiteren Kreisen giftigst empfehlen zu wollen. Zuschriften sind zu richten an das Bereinslocal: IX., Müllnergasse 5. Daselbst werden auch bereitwilligst Auskünfte ertheilt. Mit vorzüglicher Hochachtung. Für den Ausschuß: S. W e r t h e i m c r, H. R a n d , derz. Leiter. derz. Schriftührer. Geehrte Redactiou! Wie Ihnen bereits bekannt, wollen wir ein Gesammtbild sämmtlicher Mitglieder des Baseler Zionisteneongresses herausgeben. Die Photographien — Visite n - F o r ma t mit deutli ch e r Namensimterschrist und Wohnortversehen — sind möglichst bald, spätestens aber bis Ende dieses Monats an Herrn D. W o l ff s o h n, K a r o l i n g e r - R i n g 34. Sl LU rt a. R h. gefl. einzusenden. Der Erlös wird dem Agitationsfond überwiesen. Freiwillige Beitrüge zu den Herstellungskosten nimmt ebenfalls Herr D. Wolffsvhn entgegen. Mit Zionsgruß! Hochachtungsvoll: Die Geschäfts l eit ung der National- I ü d i s ch e n V e r e i n i g uit g i n K ö l n. Uew-Uorker Krief. Bon Michael Singer. 10. Teplmibcr 1807: „New-Iorker Staatszeitung", nennt sich hier ein deutsches Tageblatt, das, bekannt wegen seiner antiseniitischen Färbung und der groben Unwissenheit seiner Mitarbeiter, sich letzte Woche im Leitartikel mit dem Zionismus befaßen — wollte. Um sich mit einer Bewegung befassen zu können, muß man zumindest die Bewegung kennen. Da dies bei dem Leitartikler der „Staats-Zeitung" nicht der Fall ist, zog er in der gemeinsten Weise gegen die Herren Nord au und Herzl los. Nicht gegen die Zionisten Herzl und Nord au, sondern gegen die Publicisten. Der besagte Artikel hat peinliches Aufsehen erregt. Man ist, besonders bei den deutschen Zeitungen in Amerika, allerdings schon daran gewöhnt worden, Geist und Wissen durch Grobheit ersetzt zu sehen; eine solche Schmähschrift auf jeglichen journalistischen Anstand durfte man aber selbst von jenen arischen Rittern von der traurigen Gestalt nicht voraussetzen. Daher das Entsetzen selbst in solchen intelligenten Deutschenkreisen, die sonst bedingungslos zur Fahne der „Staatszeitnng" schwören. Es bereitet sich in Folge des Artikels auch eine größere Demonstration gegen das benannte Blatt vor, doch wird dieselbe erst nach der Rückkunft des Herausgebers Oswald Ottendorfer aus Europa erfolgen. Anständiger, weit sachlicher begegnen die anglo-ameri< kanischen Blätter unserer Bewegung. Der „New-UoÄHerald" veröffentlichte letzten Sonntag einen längeren Artikel aus der Feder des Rabbiners Dr. Gustav Gottheit. In dem. citirten Artikel werden die Gründe und Ziele des Zionismus erörtert und die Gegner der Bewegung in nüchterner Art widerlegt. Die „New - Jork Sun", welche erst vor Kurzem ein sensationelles Interview mit Dr. Max Nordau veröffentlicht hat, ließ sich dieser Tage von ihren» Pariser Correspondenten interessante Mittheilungen machen, »velche sich hauptsächlich auf einen Artikel in der „Welt" beziehen, wonach der Judenstaat eine kürzere Verbindung mit Indien ermöglichen wird. Mit Bezug auf diesen Artikel soll dem Correspondenten gemäß ein hoher Beamter im Ministerium des Aeußeren erklärt haben, daß weder Frankreich, noch Rußland es zugeben werden, daß ein Judenstaat mit bewaffneter Kraft den Weg nach Indien kontcollire. Gegen eine Autonomie der Juden in Palästina würde auch Rußland nichts einwenden, wohl aber jede Bestrebung bekänlpfen, deren leichtersichtliches Ziel eine anglo-jüdische Allianz wäre. Das citirte Blatt befaßt sich auch mit der anti-zionistischen Broschüre des französischen Schriftstellers Bahar und zergliedert dieselbe zu Gunsten des Zionismus. Die anglo-amerikanische Presse und die Amerikaner bekunden im Allgenreinen unserer Bewegung gegenüber eine »vohlthuende Sympathie. Die Bewegung selbst wächst hierzulande von Tag zu Tag und haben sich derselben nun auch solche Elemente angeschlossen, die ihr früher feindlich gegenüber standen. Wie verlautet ist in Chicago ein englisches 3 Wochenblatt im Erscheinen begriffen, das den» Zionismus geividmet ist. Die hiesige Zeitschrift „Toleranz" »oird von nächster Woche an unter dem neuen Namen „Der Zionist" erscheinen. TVoltchrrsnik. Jndenexcesse iu Przemislany. Die Wiener Antisemite nbtätter melden: „Im Städtchen Przemyslany entstand in Fotze Provocationen der Trainsoldaten seitens der Inden eine Schlägerei. Die Schlägerei fand in der Nacht vom Samstag auf Sonntag (den 12. d. Mts.) statt. Eine Abtheilnng Volt 200 Trainsvldaten, welche 500 Pferde mitführten, sollte tu Przemyslany übernachten. Die Soldaten hatten außer den Reitgerten keine andere Bewaffnung. Der Anfang der Exeesse war im jüdischen Wirthshause. Einen: Soldaten fehlten zwei Kreuzer zur Begleichung der Zeche, der jüdische Schänker schlug darob großen Lärm, zahlreiche Inden eilten herbei und schlüget: der: Soldaten blutig. Die Kunde von dieser Mißhandlung versetzte die übrigen Soldaten in begreifliche Aufregung. Bald darauf fam es an einem anderen Punkte zu einer Auseinandersetzung. Eilt Jude wollte den in Reih und Glied marschirenden Soldaten nicht ausweichen, worauf sie ihn zur Seite schoben. Als es in: Städtchen schon finster wurde, lauerten die Juden ben Soldaten auf und ohrfeigten zwei derselben. Das war schon den Soldaten zu viel. Mit Reitgerten und Stöcken prügeltet: sie mehrere Inden durch und schlugen einige Fenster ein. Die Juden überfielen mehrere einzeln herumgehende Soldaten, verrenkten einem die Hand, einem anderen beschädigten sie das Auge. Eilten: Offieier, der sich in's Mittel legen wollte, wurde von beit Inden bk Patronentasche vorn Leibe .gerissen und gestohlen. W e g e n Th eil nah me an dieser: Excessen arretirte mar: bis nun drei christliche Stadteinwohner (!) aber keinen einzigen Juden." Dieser Mittheilung stellen wir nichts gegenüber als der: Bericht des officiösen Lernberger Tagblattes „Gazeta Narodowa", das gewiß nicht im Verdachte der Judenfreundlichkeit steht. Dasselbe schreibt: „Sie — die Soldaten — zertrümerten die Scheiben, risser: die Fenster heraus und warfen Steine irr die Wohnungen. Eitler Jüdin wurde die Kinnlade mit einem Stein zerschrnettert nub eilt Jude wurde derart durchgeprügelt, daß er gewiß daran sterben wird. Leider halsen auch einige Christen der: Soldaten, indem sie ihnen die Wohnungen der Juden bezeichneter:, die bornbardirt werden sollten. Die drei christlichen Anführer wirrden arretirt. Zwei Drogoner, die ein Gendarm in den Arrest sperrte.