Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 17 (24.9.1897)
- Article
- Die Juden in Holland
- Date
- 1897-09-24
- Page
- 5 (sequence 2)
- Language
- German
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N r 17. MHVüe Seite 5. Bei meiner Rückkehr von Basel nach Amsterdam berührte es mich komisch, daß so wenig Publicität einem Congresse gewährt wurde, der die Utiifmerffantfeit der ganzen Welt auf sich gelenkt hatte. — Trotzdem war das schwache Echo, das hieher gedrungen war, nicht ohne Wirkung gewesen. Ich zweifelte vorerst, ob das nur Neugier, oder wirkliches Interesse sei. Aber vorigen Montag Abends, fand ich einen Beweis dafür, daß in dem abgeschlossenen Lande Keime des Zionismus vorhanden sein müssen, beim in dem bedeutendsten Journal las ich den langen Brief eines „niederländischen Juden" der einen „ernsten" Apell an seine Brüder richtete, ja nicht die Loyalität zu vergessen und doch nicht an einer Bewegung theilzunehmen, welche der Verfasser ein „todtgeborenes Kind" nennt. Ich glaube annehmen zu dürfen, daß dieser Brief von dem Oberrabbiner von Amsterdam stammt, da eines seiner Familien- Mitglieder dem Redactionscomite des Blattes angehört und und überdies der Brief in einem Tone geschrieben war, der deutlich einen in der Gemeinde leitende. Persönlichkeit verrieth. Das Unglück einer solchen Todgeburt demonstriren zu wollen, ist ein lächerliches Beginnen; der Brief zeigt eher eine Kenntniß der Sachlage und eine gewisse Furcht vor der nächsten Zukunft. Man fann nicht mit Sicherheit behaupten, daß eine zionistische Bewegung in Holland schon vorhanden sei, aber ich kann cs zu Nutz tmb Frommen eines jeden Mitarbeiters an unseren: Werke nolificiren, und es sollte dies Beachtyng finden, daß die Möglichkeit einer zionistischen Bewegung unter den zahlreichen jüdischen Anhängern des großen Führers des holländischen Soeialisinus Multatuli vorhanden sei. Ihr jüdisches Gefühl ist bis nun sehr schwach, sie sind unglücklicherweise ganz von der communistischen Bewegung eingenommen, und von jedem auswärtigen jüdischen Einflüsse abgeschlossen. Einer, sogar zwei von ihnen, deren persönlicher^Bekanntschaft ich mich erfreue, gab mir zu, daß die humanitäre Seite der zionistischen Bewegung alle Juden berühre, sie können sich jedoch eine jüdische Bewegung ohne rituelle Polemik nicht vorstellen. I. de Haas.' Girre amerikanische An ficht. Unter Zugrundelegung eines. Interviews, daß der Wiener Korrespondent des „N c w- N o rkc r I ourn a l" mit Dr. Herzl batte, veröffentlicht eine amerikanische Revue einen ausführlichen Artikel über den Zionismus, dem wir folgende bemerkenswerthe Stellen entnehmen. Wir reproduciren diese, weil sie die praktische Art, in welcher sich unsere^ amerikanischen Freunde zur Sache stellen, illnstriren. Wir brauchen unseren Lesern nicht erst sagen zu müssen, daß wir mit diesen Ausführungen der Revue nicht einverstanden sind. Lediglich als ein Beitrag zur Disenssion, die täglich einen immer größeren Umfang gewinnt, seien sie hier vorgebracht. „Die Massenhinrichtnngen der armenischen Christen durch Türken sind noch immer ein Beweis, daß die Türken mit der brutalen Gewalt des Schwertes Pcoselylenmacherei betreiben. Und ]\i einem so fanatischen Volke will Doctor Herzl iit völkerrechtliche Beziehungen treten, indem er nicht nur Inden gegen einen Jahres-Tribut voll 500.000—5,000.000 Dollar dort Wedeln will, sondern sic auch allen Schrecken eines Proselytenchums durch die Macht des Schloertes anssetzt. Bor dieser Katastrophe können die Inden lediglich dadurch geschützt werden, "aß sie die Idee eines „Judeustaates in Palästina" anfgebcn und Palästina nur als eine Wiege, in der Israel seine Kinderzeit erbracht hat, betrachten. Denn jetzt ist die ganze Welt das Palästina der Jllden, dazll bestimmt durch ihre Religion, die llle leitenden Nationen angenoinmen haben — mit Ausnahme er Sühnopfer. Wir hoffen, daß die Zünisten die Idee der Gründung ll'.es Judenstaa'es allsgeben und die Tendenz unseres Jahr- ^l'.deris anerkennen lverden, nämlich das Aufgehen der kleinen Tiaatcu in den größeren Reiche:: oder Republiken, denn nur an:: werden wir zi: einer allgemeinen Republik gelangen, in ^e'en Mitte alle Rationen und Religionen verschwinden und durch eine allgemeine Brüderschaft ersetzt werden, wo Jedermann nach Maßgabe seiner Fähigkeiten an der Volksregierung theitnehmen wird. Diese schönen Tage herbeizuführen, ist die Pflicht eines jeden Juden, wo immer er leben mag. Die Bildung eines Judenstaates in Palästina würde die Erreichung dieses großen Zieles hindern. Wenn sich der türkischen Regierung in den zwei Millionen Juden und in den jährlichen 5 Millionen Dollar neue Hilfsquellen eröffnen werden, so würden die Türken wiederum in der alten Weise als Eroberer urrd Proselyten-Macher auftreten und würden die Männer morden, die Frauen und ihre Kinder in die Selavcrei schleppen, um sie zu ihrem Glauben z:l bekehren. Die Inden dürfen rricht zu einer solchen Bewegung den Anlaß geben. Man möge die Idee der Ansiedelung Palästinas bei Seite lassen mit allen ihren Täuschungen und Sentimentalitäten. Statt dessen mögen die zwei Millionen Juden dein Ackerbau zllgeführt lverden, das wäre e.ne Gottesgabe für sie, die inmitten der Coneentratioll des Capitats, sich so schwer helfen können. Es ist klar, daß die Coneentration des Capitals und die Zahl der neuen Erfindmlgen nicht ab, sondern vielmehr zunimmt und bei dieser Ziurahme wird es den armen Juden immer schlverer zu leben. Israels Hoffnung ist nicht Palästina, Israels Hoffnung ist der Ackerbau im großen Maßstabe, wo der Erfolg dauernd gesichert wäre mld wo sie niemanden mehr im Wege stehen würden. Die Erde ist, wenn gut bebaut, Mutter des Reichthums, sie sichert jeder Familie ihr eigenes Heim. Sonne und Niederschläge werden nicht zurückgehalten durch Ziegelstein und Mörtel und die. Kinder sind nicht mannigfaltigen Versuchungen ausgesetzt, wie in den gedrängten Zinskasernen der Großstädte. Die Bearqeitnng des Bodens ist die glücklichste und gesündeste Beschädigung des Mannes. Moses, der große Bolksführer und Gesetzgeber, hat es richtig verstanden :md den Berns des Volkes demnach eingerichtet. Die Ansiedelung voll zwei Millionen Jllden als selbstständige Farmer sollte die Aufgabe fein und ihre anerkennungswepthen Bemühungen würden von allen Juden der ganzen Welt unterstützt lverden. Zu diesem Zweck empfehlen wir dem Zionisten Congresse die Wahl eines Executiv-Comites, bestehend aus 4 Mitgliedern, mit dem Sitze in Wien oder Berlin. Dieses Comitv soll vollkommen Actionsfreiheit besitzen; dieses soll ein Comite ernennen zum Landankanf — mindestens 1 Million Aecker soll zusamnlenliegen — in fruchtbaren und in der Nähe schiffbarer Flüsse gelegenen Gegenden. Dieses Land soll auf eine bestimmtef Anzahl von Jahren gepachtet werden, mit den: Rechte zum Ankauf. Vierzig Millionen Acres fruchtbaren Bodens könnten in den verschiedenen Theilen Nordamerikas, Canadas um den Preis von 25 Cents bis 1 Dollar per Acre angeschafft werden. Diese vierzig Millionen Acres würden an dem Tage, da die Colonisten die erste Ernte eillheimsen 10 Dollar per Acre lverth sein :md dadiuch vierhundert Millionen Dollar für 400.000 Familien schaffen, von denen jede einen bestimmlen, immer mehr an Werth zunehmenden Antheil hätte. Jede Familie würde nur 100 Acres zum Feldbau zugewiesen erhalten und ein besonderes Gesetz müßte für den aufmerksamen und intensiven Anbau sorgen. Die Straßen müßten mit Fruchtbänmen beschattet werden n::d die Obsorge über dieselben wäre von Generation zu Generativ:: den Frauen und Kindern anvertraut. Eine Finanz Commission wird die Aufgabe haben, sobald die nothwendigen Ländereiell ausfindig gemacht werden, die entsprechende Basis zu einer Allleihe nuten Denjenigen, die die Bewegung unterstützen zu schaffen, um dadllrch gu den Bavnntteln zu gelangen. Die 400.000 Familien erfordern je 400.000 Pferde, Ochsen, Kühe, 800.000 Schafe und 2,000.000 Hühner und Gänse. Es müssen zu diesem Zwecke an verschiedenen Orten Comites zur Entgegennahme von Geschenken für diesen Zweck eingesetzt werden. Es wäre eine Ehre für einen jeden. Juden einen, seinen Mitteln entsprechelldell Betrag herzugeben. Das so an die Colo Wen ..perschenkte Vieh wäre in der gleichen Zahl und Qualität mJ 7 Jahren von denselben znrückzustellen, um dann an andere Kolonien zu gelangen. 1 Die Comites zur Aufnahme der Kolonisten müssen überall ins Leben gerufen werden. Nur gesunde Männer :n:d ßranen,