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Die Welt · 1897-09-17 · 16 (17.9.1897) · p. 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
16 (17.9.1897)
Article
Dr. K. Lippe
Date
1897-09-17
Page
8 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Seite 8. MAM: Nr. 16. Drr. Lt. £ippe Als Alterspräsident des ersten Ziomsten-Congresses fungirte Dr. K. Lippe aus Jassy. Ihm wurde diese Würde zutheil, nicht allein aus Achtung vor den vielen Jahren, die ein gütiges Schicksal ihn im Dienste der leidenden Menschheit hat wirken lassen, sondern vielmehr aus Anerkennung für die Verdienste, die er sich in einer fast zwanzigjährigen Thätigkeit um den Zionismus erworben. Dr. Lippe zählt zu den ersten Männern derjungzioniftischen Bewegung. Im Jahre l 880 gründete er schon in Rumänien den ersten Zionsverein. Als vielbeschäftigter Arzt in seiner Heimatstadt Jassy hatte er Gelegenheit, sich von der furchtbaren Lage der armen Juden in der Jassyer Vorstadt zu überzeugen. Was er da gesehen in verfallenen Hütten von Elend und Noth, ließ ihn nicht ruhen, bis er im Vereine mit Freunden mancheWohlfahrt c - anstalten für seine armen Brüder g:grü»de'. Doch ihre Thätigkeit ivar eine so begrenzte, das Elend der Juden, zu denen sich noch russische Flüchtlinge gesellt halten, so groß, daß Lazar R o k e a ch aus Snsed nur nach Rumänien kommen mußte, um schon in Dr. Lippe einen begeisterten Zionisten zu finden. Dr. L i p p e packte die Sache gleich groß an. Er entwickelte eine mächtige Agitation im ganzen Lande. Es entstanden bald 27 Comites in 37 Städten und ein Centralcomitä in Gälatz. Das Resultat dieser Propaganda waren die ersten zwei Eolonien aus Rumänien in Palästina Sichron Jakob und Rosch Pi nah. Seit jener Zeit wirkt Dr. Lippe unablässig in Wort und Schrift für den Zionismus. Seine Reden und Schriften zeichnen sich durch eine gewisse Schärfe des Ausdruckes aus, was ihn zu einem gefährlichen Gegner in literarischen Fehden machte. Wir erinnern nur an eine Stelle seiner Begrüßungsrede: „ . . . Nufere Frommen, welche noch immer den eselreitenden König erwarten, mögen auch fernerhin im Golus bleiben und auf seine Ankunft warten; aber wenn sie Bettlern, Müßiggängern und Greisen gestatten, sich im heiligen Lande anzusiedeln und sie mit einem Bettelpfennig unterstützen, so darf auch uns nicht verboten sein, lebenskräftige, arbeitslustige junge Leute hinzubefördern, welche durch Arbeit und Fleiß das verwüstete Land in ein Eden verwandeln werden. Und sollte endlich der bescheidene König wirklich erscheinen,dann werden ihm unsere Arbeiter einen würdigeren Empfang bereiten, als jene Schnorrer..." Bor zwei Jahren Lippe in Wien, um sich einer sch iv eren Augen operation zu unterziehen. Wir lernten ihn damals Person l ich ken n en. Er fern »t c i.ns durch seinen grünen Schirm nicht sehen. Und so hielt er. uns bei der Hand und wir mußten ihm erzählen, erzählen von der Judengeschichte in Wien. Und wenn mir ihm von dem neuen Ges chlechte sprachen, mit dem steifen Nacken und den starken Gliedern, von dem Muthe der jüdischen Studenten, da drückte er uns kräftig die Hand, er richtete sich auf und seine Stimme wurde stark und hart, wie wenn er mit seinen Worten schon den Feind zerschmettern wollte. Wir haben ihn in Basel wieder gesehen. Er ist der Alte geblieben, mit jener jugendsrischen Lebendigkeit und Wärme des Ausdruckes, die ihm sofort Aller Sympathien zuwendeten. Möge er uns noch lange erhalten bleiben. weilte Dr A-ä. fc Z. Lippi (&owcf%>OYtbcYt$ctt. Oesterreich Ungarn. Wien. (Orig.-Corr.) Die Juden der Josefstadt wollten sich einen Tempel bauen, da im ganzen Bezirke keine Synagoge besteht. Sie schritten beim Magistrate unt die Baubewilligung ein, die ihnen auch ertheilt wurde. Nun hat der Stadtrath gegen diese Entscheidung der Baudeputation den Rekurs an das Ministerium überreicht. So suchen die antisemitischen Stadtväter an gewöhnlichen Juhen wieder gut zri machen, was sie am Antisemitismus durch ihr geschäftliches Pactiren mit den Großjuden gesündigt haben. Lemberg. (Orig.-Corr.) Der jetzt stattsindende Socialistentag in Lemberg hat ein eigenthümliches Gepräge. Den internationalen Herren wird es nachgerade unheimlich zu Muthe und sie klammern sich an die Rockschöße des polnischen und ruthenischen Volkes. Die nationale Frage bildet den Kernpunkt der Auseinandersetzungen. Die galtzische Social-Demokratie gruppirt sich nach nationaler Zugehörigkeit in eine polnische und ruthenische. Und die Juden? Was wäre wohl natürlicher, als die Zusammenfassung der jüdischen Arbeiter in eine besondere jüdische Organisation. Wer jedoch mit logischen Argumenten an die ehrenfesten Slaven mosaischer Confession herantreten wollte, der käme schlecht davon. Der Arbeiterführer Boryslawski hält auf dem Congreß eine allerliebste antisemitische Rede: Die Juden (auch die jüdischen „Genossen") verdienen kein Vertrauen, sie halten seit jeher zu den Stärkeren. „Genosse" Dr. Diamond schluckte die bittere Pille, bekämpft

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