Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 16 (17.9.1897)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1897-09-17
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 16. j?ie$Wdc Seite 3. mehr Abweisungen jene Juden erfahren, welche die Aufnahme in einen arischen Kreis als eine Art von Hoffähigkeit anstreben, je eher werden sie sich auf ihre eigene Nationalität besinnen müssen. Und die Reaction, welche aus die Beschämung über einen vergeblich gesuchten freundlichen Anschluß folgen dürfte, wird uns Anhänger zrlführen. Auch unter Jenen, die heute noch ihr Heil darin zu finden glauben, wenn sie sich geberden wie Gumpel, der sich Gumpelino schrieb. * * -ic Die Mörder des Wolf K o h n stehen mm vor ihren Richtern. Die Antisemitenblätter schreiben über die Verhandlung unter dem Titel „Raubmord an dem Juden Wolf Kohn" und sprechen in ihren Berichten immer über den Mörder des I u d e n Wolf Kohn oder desjüdischen Bankiers. Es ist, als sollte damit ein Unterschied zwischen Raubmord und Raubmord gemacht werden und als sei die Existenz eines jüdischen Bankiers an sich schon eine schwere Provocation für alle Raubmörder und solche, die es werden ' wollen, eine Herausforderung, der nicht widerstehen zu können, gewissermaßen begreiflich sei. Es fehlt nur noch der Vertheidiger, der aus der Confession des Hingemordeten einen mildernden Umstand für seinen Clienten herausschlägt. Wird noch konnnen! * In Oxford hat ein Hosencongreß stattgefunden, welcher über die Frage berieth, ob die Radfahrerinnen Reifröcke oder Pumphosen zu tragen hätten. Die Wiener Blätter widmen dem Congreß ausführliche Berichte. Longr7otzV evfy anMmtcjcn. Nachtrag. Aus der großen Jyitüc des vom Cougresse gelieferten Materiales können wir nur nach und nach das Wichtigste reproduciren. Die Eongreßreferenten sowohl wie unsere Leser müssen diese Langwierigkeit mit dem Raummangel unseres Blattes entschuldigen. Wir hoffen übrigens, in den nächsten Nummern noch einige Referate nachtragen zu können. Endlich wird das vollständige stenographische Protokoll, vonr Congreßbnreau herausgegeben, erscheinen und alle Wünsche befriedigen. _ Die Redactipn. Herr Dr. Bernstein-Cohan machte zum Punkte „Organisation" als Delegirter der Zionisten von Kischinev nach einer ausführlichen Begründung folgende Vorschläge: 1. Das Ziel der ganzen Zionsdewegnng ist die n a t i o n a l e, ethische, ökonomische und p o l i t i s ch e W i e d e r g e b u r t des j ü d i s ch e n Volkes auf dem B o d e n seiner Ahnen. 2. Zu diesem Zwecke ist vor Allem die Hebung des nationalen Bewußtseins unter dem Volke erforderlich, die durch gründliche Erlernung' der hebräischen Sprache und detaillirte Erlernung der jiidischen Geschichte, besonders der alten heroischen Periode zu erlangen ist. 3. In allen Ländern, wo einstweilen Juden wohnhaft sind, besonders aber in Palästina, soll eine geniigende Zahl von nornlaten Volksschulen und auch Gymnasien gegründet werden, wo die Heranwachsende jüdische Jugend int nationalen Sinne erzogen werden soll. 4. Einführung der hebräischen Sprache als obligatorische Muttersprache in allen Schulen Palästinas. 5. Die körperliche Kräftigung der Heranwachsenden Jugend und Hebung des sittlichen Bewußtseins. Tilgung der Golusschäden. 6. Gründung einer jiidischen Universität in Palästina. 7. Die Acquirirung des ganzen jüdischen Territoriums Palästinas für das jüdische Volk für die speciell beim ganzen Volke gesammelten Volksgelder ist unbedingt nöthig. Dieses Territorium soll den Boden der völkerrechtlichen Heimstätte bilden. 8. Es ist die Gründung eines politischen Comitös nöthig, das bevollmächtigt wäre, bei der türkischen Regierung die Erlaubnis; zmn Bodenankauf, zur Gründung jüdischer Eolvnien und anderer Institutionen zu erlangen. Die künftigen Ernigranten müßten vor der Willkür der localen türkischen Administration auf dem völkerrechtlich gesicherten Territorium geschützt sein. 9. Eine größere Menge jüdischer Colouien soll gegründet werden, die möglichst vollständig, aber ohne nnnöthigen Luxus einzurichten sind. 10. Außerdem soll sogleich eine in jeder Hinsicht vollständige Untersuchung Palästinas (klimatische, agronomische, topographische, ethnographische und andere Untersuchungen) eingeleitet werden und die Resultate der dazu gewählten Expedition sollen sogleich eine möglichst starke Verbreitung bei allen in der Welt zerstreuten Judengemeinden finden. 11. Zum Zwecke dieser Propaganda und überhaupt zur Erörterung zionistischer Angelegenheiten sollen mehrere Jargonblätter (da dies doch eine stark verbreitete Golussprache ist und bleibt) geschaffen werden, die zugleich auch allgemeine, ethische und sociale Fragen vom zionistischen Standpunkte beleuchten und populnrisiren würden, 12. Es sollen hie und da passende Personen zur Erlernung der türkischen Sprache, der Sitten und Gebräuche, der religiösen Traditionen und Ansichten ausgesucht und dafiir subsidirt werden. Die Resultate ihrer Thätigkeit müßten eine breite Popularisation in zionistischen Kreisen, speciell bei den Enrigranten finden. 13. Endlich wäre zur Sammlung eines reichen Thatsachenmaterials für einen zukünftigen Congreß der europäischen Mächte, der die Zionssache besprechen wird, ein internationales Bureau unbedingt nöthig, welches zur Aufgabe Hütte, eine Untersuchung über die gesetzmäßige und thatsächliche Stellung der Juden unter den Völkern vorzunehmen. Zustande in Palästina. Rede des Rechtsanwalt Adam Rysenherg aus New-dort. (Aus dem Protokoll der VI. Sitzung des Baseler Eongresses.) Die landwirthschaftlichen Natur-Producte Palästinas lassen sich, wie folgt, kurz zusammenfassen. Palästina erzeugt Früchte der mitteleuropäischen, subtropischen und tropischen Klimaten. Die erstgenannten Arten finden sich in den höher gelegenen Landestheilen (Libanon, Ober-Galilea und dem judäischen Hochlande). Im Ghor oder Jordansthale, und in der Bicka, dem alten Conlosyrien, gedeihen die tropischen Arten. Alle anderen Gebiete bringen subtropische Arten hervor. Resumiren wir jetzt die C u l t u r f ä h i g k e i t des altisraelitischen Bodens: 1. für Ackerbau, also Weizen, Gerste, Sesam, Durrha, Kichererbse, Bohne, Wolfsbohne oder Lupine, Wicke rc. der Hau ran in Transjordanien, die ehemalige Kornkammer Kleinasiens, Ober-Galilea, Jezreel- und Scharon-Ebenen und das südliche Judea (zwischen Gaza und Hebron). 2. für Weinbau, Nieder-Galilea, Judäa und der Libanon. 3. für O l i v e n z u ch t, das palästinensische Gesammtgebiet. 4. für Agrumen, (Orangen, Citronen, rc.), die Umgebungen von Jaffa und Saida (das alte Sidon), Beyrouth und Damascus. 5. für M a u l b e e r z u ch t zur Seidefabrication, der Libanon und Ober-Galilea, woselbst in der Colonie Risch Pinah eine Seidensabrik arbeitet. 6. für P a r f n m b l u m e n z u ch t die Ufer der Liberias- und Meronseen, an welch' letzterem die Colonie Uesod Hamaalah gelegen, in welcher diesbezügliche Experimente in großem Maßstabe gemacht werden; auch in Ri schon le Zion werden ähnliche Versuche angestellt. Kurz, Palästina ist noch heute „ein Land von Weizen und Gerste, ein Land von Weinstock, Feigen und Granate», ein Land von Olivenöl und Dattelhonig", „es ist ein Land von Bergen und Thälern, wo Quellen und unterirdische Wasser im Thal und aus dem Berge hervorrieseln." Heilbäder und Thermen sind reichlich vorhanden in der Umgebung des todten Meeres, bei Liberias und im Gilead. Die chemische Industrie ist außerordentlich entwickelungssähig und der Mineralreichthum ein bedeutender. Coloquinthen wachsen in Judäa in Hülle und Fülle. Sie werden zur Herstellung von Farbstoffen verwendet. Die Ufer des Todten Meeres bieten eine unerschöpfliche Fundgrube zur Gewinnung von Asphalt, Jod, Brom, Schwefel und Steinsalz. Wir wollen jetzt eine merkwürdige von Palästinaforschern erwähnte Thatsache bestätigen, in Bezug auf die Ausdehnbarkeit der Bodencultur in Transjordanien. Man hat neuerdings Spuren einer alten Cultur bis weit in die syrische Wüste hineinverfolgt, so auch bei dem vermeintlichen biblischen Bejer oder Bosah in der Wüste, — man fand dort großangelegte Aequaducte und Wafferbassins aus der Römerzeit. Wenn die großen Wassermengen, von denen in der Regenzeit die zahlreichen Flüßchen und kleinen Seen