Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 15 (10.9.1897)
- Article
- Französische Blätter [Kommentar]
- Date
- 1897-09-10
- Page
- 16 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 16. MAE Nr. 11 sondern damit, was der Leser liebt" .. . Und nun in Parenthese. Das sind die eigenen Worte eitles dieser Herren, die der Verfasser dieser vorliegenden Zeilen in einem Briefe besitzt. Soll ich Ihnen noch von der Meinung der antisemitischen und clerit'alen Presse schreiben? Diese ist zum Theil unaufrichtig und illteressirt. Paris, den 5. September 1897. A. L Gin orthodoxer Rabbiner. Der Rabbiner von Basel, Herr Dr. Cohn, schreibt an erster Stelle im Mainzer „Israeli t", welcher bekanntlich dem Zionismus gegenüber eine ausgesprochen feindliche Haltung eingenommen hatte, einen begeisterten Artikel über den Congreß, dem wir Folgendes entnehmen: Noch unter dem vollen Eindruck des Zionisten-Congresses, der die imposanteste Kundgebung des jüdischen Volksstammes war, die ich jemals miterlebt habe, ergreife ich die Feder, um Ihrem geschätzten Leserkreise die Gedanken darzulegen, die er in mir angeregt hat. Als ein Gegner stand ich, wie wohl alle meine deutschen Gesinnungsgenossen, dem Zionismus gegenüber. In dem Nationaljudenthum sehen wir eine eigenartige Erscheinung vor uns, für welche der gläubige Jude wenig Verständnis hat. Das Rationaljudenthum ist, um ein berühmtes Wort zu gebrauchen, ein Messer ohne Klinge, dem das Heft fehlt. Der Kern unseres Wesens und unseres Volkes Seele ist die Thora, das Volksthum, die Nation, nur das G ef ä ß, das diesen kostbaren Inhalt birgt. Warum, wenn religiöse Gründe uns nicht davon abhalten, sollen wir uns nicht vermischen mit Ariern und Hamiten, mit Christen, Mohammedanern und Heiden, unter denen wir zerstreut wohnen, warum sollen wir nicht gleich allen Völkern, die ihre Heimat verloren, aufgehen unter den anderen Völkern, und mit ihnen uns amalgamirend die „Juden noth" beseitigen? Der Congreß ist in durchaus würdiger Weise verlaufen. (Folgen einige freundliche Wort für den Vorsitzenden:) sieben ihn« waltete Max 9! ordau seines Amtes als Vieepräsident. Nord au, nebenbei bemerkt, ein Enkel des berühmten Lissaer Rabbiners, ist der beste und jedenfalls der wirkungsreichste Reduer, den ich je gehört habe. Glicht nur die blendenden Geistesblitze, mit denen er bekannte Thatsachen durchleuchtet, die psychologische Feinheit, mit der er das Seelenleben Einzelner und des ganzen Volkes analysirt, sondern auch die geradezu classische Form, in die er seine Gedanken kleidet und die unnachahmliche Kunst des Vortrages erklären die stürmische Begeisterung, zu der seine Rede, ebenso wie die Freunde, so auch die Zuschauer, ja sogar die Gegner der Bewegung hinriß. Und um die Beiden geschaart mehr als 200 für Zion und Jerusalem begeisterte Männer! Wie schwand vor diesem Anblick die allgemein geglaubte Legende, daß nur junge Studenten die Bannerträger des Zionismus seien. Da erblicken wir zahllose gereifte Männer, auch e h rwürdige Greise i»i Silberhaar, darunter etwa 70 akademisch gebildete Männer aller Facultäten, Professoren, Techniker, Ingenieure, Männer, die eine weite, beschwerliche und kostspielige Reise, einige sogar von jenseits des Meeres, nicht gescheut hatten, um am Congreß theilzunehmen; und alle, jung wie alt, von der gleichen Begeisterung für Zion und Jerusalem erfüllt! Welch' ein erhebender Anblick für den gläubigen Juden,! Wie lange ist es her, daß die Zerstörer des Judenthums, die sich euphemistisch „Reformer" nannten, aus unserem Gebetbuch alle Stellen ausmerzen wollten, die auf die Rückkehr nach Jerusalem Bezug haben, wie kurze Zeit ist erst seit jener Predigt des Rabbiner von Mayer verflossen, die den dreisten Titel führte: „Stuttgart ist unser Jerusalem!" Und nun! Tempora mutautur! — Doch nicht nur an Intensität ist die zionistische Bewegung gewaltiger, als man gedacht, je länger der Congreß dauerte, umsomehr wurde es jedem Zuhörer klar — und schon das ist wichtig und bedeutungsvoll — daß wir alle die z i o n i st i s ch e B e w e g u n g ganz bedeutend unterschätzt haben. Wenn wir hörten und durch Augenschein uns zum Theil selbst überzeugten, daß Petitionen in i t circa 50,000 Unterschriften allein aus Rumänien beim Congreß eingegangen' waren, daß viele Tausende von galizischen Faunlien sich bereit erklärt hatten, sobald die Aufforderung an sie ergehe, die W a n d e r u n g nach Palästina anzutreten, daß 550 Telegramme aus allen Theilen der bewohnten Welt, meistens nicht von Einzelnen, sondern von Vereinen, Gemeinde n, Körperschaften ausgehend, eingelaufen waren, so mußten wir uns sagen: Das ist eine ganz gewaltige und starke Volksbewegung, die nicht von Einzelnen in so kurzer Zeit hervorgerufen worden sein kann, sondern die ihre tiefen, mächtig wirkenden Gründe haben muß. Zionisten-Congretz in Kasel. (Wir reprodueiren hier die Eorrespondeuzkarte, die in Basel so großen Beifall fand. Die Bilder sind von der Mitglieds-Karte genommen. Der Entwurf ist von unserem Freunde?) ork-Steiner. Solche Karten sind auch weiterhin beim Secretär des Vereins „Zion" in Wien erhältlich. Der Erlös fließt dem Agitationsfond zu. (Die Red.) Wegen HicrummcrngeLs können wir in der Heutigen Wummer die Iortfetzung des Wornanes nicht bringen. Büch er eil tlcmf. Max Juugmannr Heinrich Heine, ein Natiorraljude. (Berlin Verlag Siegfried Eronbach.) Josua Schauer: Briefe eines polnischen Inden. (Mg, Verlag Jak. E. Brandeis.) A. S. Gold r Lesebuch für rumänisch-israelitische Primarschulen. (Für Ober-, Mittel- und Unterschulen.) Pentateuch mit rumänischer Uebersetzung. -Gebetbuch mit rumänischer Uebersetzung. -Hebräische Bibel mit rumänischer Uebersetzung. --Grundelemente der hebräischen Sprache (rumänisch). (Sämmtliche im Verlage ^ocecu & (So., Bukarest, 1895.) Herausgeber: $lmil itafdfittt??. Verantwortlicher Redacteur: Dr. S. Dt. Druck von Franz Schüler, Wien-Döbling.