Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 15 (10.9.1897)
- Date
- 1897-09-10
- Page
- 1 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3315710-3315725--01530-3380690- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WeiflAsien j^eit FrsitirK. Zuschrift«, sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration: Wien, II., Rembrandstraße 11, zu richten. Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Oesterreich-Ungarn: halbjährig 3 fl. 6 Kr., ganzjährig 6 fl. ----- 12 Kr.; Für das Ausland: DeutscMnd ganzem L ' c. Mk. 70 Pf., h lähri^ 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg, Rußland ganzjährig 7 R., halbiähng 3 R. 50 Kop. Schweiz, F u.reich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Frcs. halbjährig 8 Frcs. 50. Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzcile 10 kr. Einzelne Kümmern 15 kr. Kednrtivn und Admillistranon Wien II., Nembrandtstraße 11. Telephon Nr. 8805. Nr. 15 Wien, 10. September 1897. 1. Jahrgang. Der: Aic>rristerr-(Lc>rrgr^e^j trt 23ctfel Ergebnisse des Congresses. Wenn wir uns bemühen wollen, gerecht zu sein, gebührt unser erster, unser bester Donk den ehrlichen Gegnern, die sich dirrch den schönen Cangreß von Bösel von ihren bisherigen Jrrthümern obbringen ließen und unumwunden eingestanden, dnß sie eines Besseren belehrt sind. Wir dürfen nicht unbescheiden triumphiren, weil der Congreß unsere Borhersagungen bestätigte. Freuen wir uns still, ohne dünkelhafte Rechthaberei, bcnn wir stehen erst ain Anfänge eines ungeheuren Werkes, und wer gestern gegen uns war und sich uns heute ergriffen anschließt, beweist damit eine edle Fähigkeit, sich zu begeistern, für die nur nicht genug erkenntlich sein können. Willkommmen also die neuen Freunde in unseren Reihen. Schon haben wir die gestrigen Miseren und Anfeindungen vergessen. Der Congreß ist über die Erwartung gelungen, das ist die Hauptsache; daneben schrumpft alles Andere zusammen. Auch die jetzt noch grollen und schmähen, iverden eines Tages kommen müssen, und wenn vor nichts Anderem, so doch endlich vor der Gewalt der Thatsachen sich beugen. Was ist in Basel geschehen? War das eine Zusammenkunft von Schönrednern und Phantasten? Hat man sich dort an den eigene» Worten und unmöglichen Träumen berauscht? Ist man schließlich mit leeren Illusionen nach einer Versammlungscouiödie auseinnndergelaufen? Wir formuliren die Frage absichtlich so, daß unsere höhnischen Gegner nur zu bejahen brauchen. Mögen sie es thun. Wer in Basel war an diesen drei Tagen erwachender jüdischer Geschichte, wird das Kritteln der Hämischen mit Unmuth abweisen. Es ist ja Mancher hingekommen, der lachen wollte, und dem das Lachen verging, als die jüdische Nation, die arme, gequälte, aus vielen Wunden blutende, die Todtgesagte, Todtgeglanbte, die dennoch nicht sterben kann und will, plötzlich vor ihm aufstand, in der ganzen Majestät ihres Leidens und mit dem Glanze der Hoffnung in ihren Augen. Wir sind ein unglückliches Volk, aber ein Volk, Ein Volk, das wurde in Basel von den Abgesandten vieler Hunderttausende aus der ganzen Welt bezeugt. Wer noch Lust hat, mag darüber spotten. Man kann sich als Abkömmling des jüdischen Stamnies von unserer Bewegung fernhalten; aber wir glauben nicht, daß sich Einer den Beifall oder die Achtung von Nichtjuden erwerben kann, der als Jude die Zionisten mit Koth bewirft. Wer auf diese Art beweisen will, was er für ein echter Marrane ist, dessen schmähliche Liebedienerei ist umsonst. Der eine Satz, welcher als Grundlage unserer Bewegung bisher formlos anerkannt war — die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für diejenigen Juden, die sich nicht anderswo assimiliren können oder wollen — ist nunmehr vom Congreß feierlich sanctionirt worden. Wir haben diesen Grundsatz als den Ausdruck unseres nationalen Willens dein Ürtheile der Welt unterbreitet lind harren gelassen auf den Spruch, den sie fällen wird. Ist es noch fraglich, wie Menschen, die nicht völlig in Lieblosigkeit erstarrt sind, über einen so bescheidenen, so gerechten Wunsch nrtheilen werden? Wir haben ohne Gewinsel die Judennoth vor aller Welt ausgebreitet rmd zugleich den Vorschlag gemacht, im allgemeinen Interesse eine Abhilfe aus unserer eigenen Kraft heraus zu schaffen. Sind mir in unserer Narrethei sehr verbohrt, wenn wir annehmen, daß eine Sprache von solcher Offenheit die Theilnahme aller anständigen Menschen erregen muß? Bisher war unsere Bewegung gleichsam im Ghetto geblieben, da hat sie freilich schon genug Mißverständnisse und Kämpfe erregt. Nun ist sie ins Freie hinausgekommen nnd beschäftigt die öffentliche Meinung auf dem ganzen Erdenrund. Viele Hunderte von Zeitungen haben sie ihren Lesern in der eben vergangenen Woche mitgetheilt. Es gibt noch todte Stellen, wo man rathlos schweigt; auch das wird nicht mehr lange dauern. Wenn einmal die Glocken zu läuten anfangen, müssen alle Glocken läuten. Es ist nun bekannt geworden, was der Zionismus ist und will. „Daß er etwas ist und daß er etwas will" — wie wir vor Monaten in der „vorläufigen Anzeige" sagten, die auf so viel Widerspruch stieß. Die Schilderung der Judenlage, die Fassung des Programmes, die Führung der Organisation und die Darstellung der bisherigen Colonisationsversuche gewähren Jedem, der sehen und hören will, ein deutliches Bild der zionistischen Bewegung. Sagen wir um ein Wort zu viel, wenn wir behaupten, daß es eine gesittete, gesetzliche und menschenfreundliche Bewegung ist? Sie vermag Vielen, Vielen zu nützen und keineswegs den Juden allein — und wem vermöchte sie zu schaden? Etwa denen, die schon assimilirt oder auf dem besten Weg