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Die Welt · 1897-09-03 · 14 (3.9.1897) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
14 (3.9.1897)
Article
Die Studenten
Date
1897-09-03
Page
14 (sequence 1)
Language
German
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„Pie^WdL“ Nr. 14. Seite 14. Die St»-en1en. Die Studenten bilden eine sehr kleine, aber vielbemerkte Gruppe unter den Theilnehmern des Congresses. Wenn man sie beobachtet lind mit ihnen spricht, iveiß man, wie der Congreß der Zukunst aussehen wird Es sind Studenten aus Wien und Atähren da, aus Galizien, Rußland, aus Frankreich und aus Deutschland. Ein jeder von ihnen hat bereits für den Zionismus gewirkt und, und ein großer Ernst erfüllt sie Alle. Sie bethätige» in Basel ihre junge Kraft. Mit großem Feuer gehen sie ins Zeug, insbesondere die österreichischen, denen inan die Vertrautheit mit der Veranstaltung von Zusamiuenkünfteil sofort anmerkt. Sie besorgen schnell und freudig die kleinen Dienste, die nöthig sind, damit alles klappt, lind es klappt recht gut. Die Studenten aus Frankreich bestechen durch ihre weltmännische Liebenswürdigkeit, die alis Rußland durch ihre strenge Geistesschärfe und ein weitblickendes Verständniß, die österreichischen durch ihre Strammheit und die Routine in der Organisation. Auf dem Congrefse sind Alle natürlich nur die bescheidenen Jünger, die aufhorchen zu den Meistern droben auf der Tribüne. Wenn sie aber daheiin sind, dann werden sie die Offenbarungen des Congresses hinaustragen in die Städte und Dörfer ihrer Länder. Für diese zukünstige Verkündigung der Lehre» des Congresses bereiten sich die Studenten vernünftig vor. Sie haben sich bei dem Congresse zusammengethan und einen Bund der zionistischen Studenten aller Länder geschaffen Man ivird bald sehen, wie werthvoll die brüderliche Zusammenkimst unserer Jugend in Basel war. B. F. Der Com m er». l 4l ti t i o n a l 3 o i t u lt fl, Basel.) „Wäre die Sache nicht gar so bitter ernst, man tonnte sich herzlich darüber freuen", so möchte ich, das bekannte Wort variierend, mich ausdrücken und damit die „Oberstimme", die über den Verhandlungen klingt, die „Oberstinnnung", die über dem Congreß schwebt, kennzeichnen. Es ist ein hocherhebendes Gefühl, 511 sehen, wie 200 aus allen vier Enden zusaininengekommene Juden „offen und vor aller Welt", wie Theodor Herzl sagte, einen stammenden Protest gegen die „Schmach unseres Jahrhunderts" erlassen, sich „in die Oefsentlichkeit flüchten", wie neulich ein bekannter deutscher Staatsmann sagte, um vor dieser höchsten Richterin, der öffentlichen Meinung, all ihr Weh" all' ihren Schmerz auszuschütten, um sie um Gerechtigkeit, um Barmherzigkeit anzurufen für sieben Millionen — Menschen! Und dieses Gefühl der Bitterkeit verläßt die Theilnehmer selbst dann nicht, wenn sie zum „wohligen" Thun vereint sind, wenn Fidelitas herrscht. Gestern Abend waren die Theilnehmer von seiten der jüdischen Studentenschaft — die sich schon seit Jahren dem Zionismus mit Herz und Hand gewidmet hat, die inan wohl die Fahnenträgerin der Bewegung zu nennen berechtigt ist — wir sagen, die Studentenschaft hatte zu eiitem Commers in die „Burgvogtei" eingeladen, und der Saal war gefüllt von einer fröhlich gestimmten Menge, von Damen und Herren, die den Verhandlungen mit all der Aufmerksamkeit, die die Sache des Zionismus verdient, gefolgt sind, die sich nach gethaner ernster Arbeit einige Stunden an fröhlicher Arbeit erlaben wollte. Aber, merkwürdig — oder auch nicht merkwürdig — eine rechte Fröhlichkeit wollte nicht aufkommen. Es war, als ob die „Obersiimmung" auf Zephyrs- Flügeln vom Casino-Saal hinübergeflogen war über den alten Vater Rhein, um auch in der Burgvogtei ihr Recht geltend zu machen. Herr Dr. Steiner-Wien, der schöngeistvolle Steiner, hatte den Präsidentenplatz inne und leitete diese ernst-fröhliche Menge zu einer Fidelitas hinüber, er wollte es wenigstens, mit seinem allerbesten Willen ausgerüstet — aber es wollte ihn, nicht gelingen. Gegen 11 Uhr gab er sein Bemühen auf und trat den Platz an Herrn Dr. S ch a l i t - Wien ab. Dieser ries die Redner, die sich nicht gemeldet hatten, in die Arena, mit der einzigen Bedingung, jedes ernste Wort in ihrem innersten Innern einzusperren, bei Strafe eines Ganzen, aber — auch da alles Bemühen umsonst. Weder Herzl noch Nordau, noch die übrigen „Aufgerufenen" konnten fröhliche Worte finden. Freude über das bis dahin Erreichte, das war die Oberstimme in all den Reden, den poetischen wie den prosaischen, aber der Ernst, ein tiefer, religiöser Ernst, das war das Alpha und Omega. Dr. Nordau gab eine einfache, kleine Erzählung zum Besten, aus der „Hagada", wie die ins Exil ziehenden Israeliten am Grabe der Stammutter Rahel klagend vorbeikamen und eine Stimme dem Grabe entsteigt, die Hoffnung aus eine Rückkehr in Aussicht stellend — die Hoffnung, welche sich jetzt zuni dritten Male mit der göttlichen Hilfe verwirklichen werde, und — Junge und Alte weinten bei diesen von einem Nordau gesprochenen Worten, aber es war eben Nordau, der sie sprach . . .! Und die „Jungen" folgten, und immer ernster wurde die Stimmung. Und des Räthsels Lösung? Es war der jüdische Geist, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, welcher alle beseelte. Die Daseler Dresse. Die Schweiz ist das Land der Congresse. Es vergeht kaum eine Woche, wo nicht irgend ein internationaler Rath zusammentritt. Ein Congreß ist nichts Neues in diesem gastlichen Lande. Doch ein Congreß der „Juden"! Davon hat das Land noch nie gehört. Sie mögen sich wohl anfangs die wunderlichsten Vorstellungen gemacht haben über die Art und den Zweck unserer Zusammenkunft, die biederen Schweizer. Doch sie hören bald mehr von der Sache. Die Baseler Presse beschäftigt sich schon einige Tage vor dem Congresse mit unseren Wünschen und den Bestrebungen unserer er Zusammenkunft. Die Blätter sind so gut inforuurt, daß man ganz überrascht ist. Wenn wir die Zeilen lesen,, die sie den Zionisten widmen, hat man ein Gefühl der Freude. Es sind ehrliche Blätter, die wir in der Hand halten. Die Artikel sind ganz sachlich, nicht allzu verschwenderisch mit ihren Sympathien — aber frei von jedem Haß. Mit dem letzten Urtheile warten sie, bis sie den Congreß gesehen haben. Nur wenige Blätter machen eine Ausnahme. Ein Blatt empfängt uns mit einem Spottgedicht, das mit den Worten schließt: „Auf nach Jerusalem, fei's früher oder später — Zion sei Dein! Wir wünschen gute Reise." Werden wir uns darüber wundern? Werden wir darüber klagen, daß uns der böse Geist auch in die Berge verfolgt? Wir wollen lieber den anderen danken, jenen,.die uns ein wenig verstehen und ein wenig mitfühlen mit unseren« Schmerz . . . Was die Blätter von den Zionisten erzählen, steigert nur noch das Interesse für den Congreß. Auch die Buchhandlungen bemächtigen sich der Sache. Exemplare des „Judenstaates" stehen in den Auslagen in langer Reihe neben einander. Das sind die schriftlichen Einladungen an die Baseler, sich mit uns zu beschäftigen. Und die Baseler folgen theils neugierig, theils wißbegierig dem Rufe. B. F. S1iulumilgs1»i1der. Es herrscht eine geradezu leidenschaftliche Begeisterung. Die alten Leute sind die stürmischesten. Sie lauschen andächtig und gespannt den Ausführungen der Vortragenden. Man könnte in ihnen kein solches Meer von Gefühlen vermuthen, Gefühle der concretesten Energie, der stürmischesten Lebensfreudigkeit. Doch sie stehen nicht allein in der Bewunderung. Da in den letzten Reihen, wo sich alle Milden und Sanften zusammenfinden, die ihrem Nächsten gern und ohne jede Mißgunst den Vortritt gönnen, werden manche Augen feucht. Die Wehmuth übermannt sie. Vor ihren Augen steigen wohl Bilder auf, traurige Bilder der Gegenwart, aber goldene Träume der Zukunft. Und das stimmt sie heiter und zugleich traurig. Zwei entgegengesetzte

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