Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 13 (27.8.1897)
- Article
- London [Nachricht]
- Date
- 1897-08-27
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Är. 13. „Pk^WciL“ Seite 13. In Essex (South-Benfleet) wurde eine jüdische Ackerbau- Colonie errichtet. Die Landwirthe die sich hier ansiedeln, stammen zumeist aus Rußland. Dort hat Robert Vary zu billigem Preise 12.000 Acres Landes angekaust und in Parcellen zerschnitten. Die einzelne Parcelle ist 20 Fuß breit und 160—170 Fuß lang. 800 Acres sind schon verkauft worden. In manchen Füllen zahlten die Käufer den vollen Preis aus. Die neuen Ansiedler »vollen sich, soiveit ans den Berichten ersichtlich ist, besonders aus die Gemüsegärtnerei iverfen. Während die früheren Farmers in die Großstädte emigrirten, ziehen sich die russischen Juden aus ber Großstadt in die verlassenen Meierhöfe ein. Werden sie auch hier existiren können? Liverpool. (Orig.-Corr.) Auch hier hat behufs Wahl eines Congreßdelegirten am 15. d. M ein Massenmeeting stattgefunden. Dasselbe »vurde vom „Dorsche Zion" einbernfen und war außerordentlich zahlreich besucht. Den Vorsitz führte Mr. R osen ber g. Rach den enthusiastischen Reden Mr. H a l p e r n s, Rev. R u t k o »v s k i s, und I s h- >tishors wurde Mr. Gins bürg zum Delegirten gewählt, stnn Meeting haben auf telegraphischen» Wege Zustimmungen die „Maccabäer und „Bnei Zion" in London gesandt. Amerika. New-Uork. (Orig.-Corr.) Der 9. Ab, der nationale urauertag der Juden, gab natürlich auch den Nerv-Porter Fionisten zu bedeutenden Manifestationen Veranlassung. Die „Iwvers of Zion", eine Vereinigung junger Leute, hatten ebenfalls eine äußerst interessante Versammlung, zu der auch junge Damen in stattlicher Anzahl erschienen wäre»». Der Versammlung präsidirte Herr M i r s k y, während Herr Michael Singer »rls Hauptredner fungirte. Herr Singer wandte sich in seiner Ansprache besonders air die jungen Damen, die er für die Bewegung zu begeistern suchte. Unter dem Eindrücke seiner Worte beschlossen sie denn auch uiiter dein Namen „Bnaus Zion" eine Vereinigung nlnger Mädchen zu gründen. Zu einer gewaltige» ziorristischen Demonstration dürfte ach die Massenversammlung gestalten, welche Itächsten Sonnlag ii» der bedeutendsten Synagoge der Ostseite, in der Kongregation „Ohab Zadok" stattfinden wird. Der in überans großem Ansehen stehende Seelsorger der Gemeinde, Herr Rabbiner Dr. Philipp Klein, der als Führer oer orthodoxen Juden in den Vereinigten Staaten gilt, wird bei diesen» Anlasse die Hauptrede halten, während Herr Singer den Zionismus beleuchten »vird. In ganz Rewyork sieht man dieser Versammlung gespannt entgegen, da Dr. Klein's Verhalten als maßgebend für die orthodoxe uidenheit betrachtet wird. Für das am 29. August, am Eröffnungstage des Baseler Congresses, hier stattftndende zionistische Fest gibt slch allgemeines Interesse kund, und wird jenes Fest dem Zionismus neue Anhänger zuführen. Zum Schlüsse noch die Nachricht, daß sich auf Bell eiben des eifrigen Zionisten Herrn Ehre »reich ein lener Verein gegründet hat, der den schön klingenden Namen 'ährt: „Patriot 8 o f P al e s t in e". Hoffentlich werden 'io Mitglieder dem Rainen ganz entsprechen. Palästina. Jaffa. (Orig.-Corr.) Am Dienstag den t 2. Ab veräeßcn sieben Schüler der jüdischen Ackerbauschule Mikweh- (israel, und zwar sechs Sephardim und ein Aschkanasi den riesigen Port, um sich nach Marseille einzuschiffen. Fünf von diesen Schülern werden die Ackerbauschnle in Paris, pvei dagegen die Gartenbauschule in Versailles beziehen. Vor ihrer Abreise machten sie noch eine letzte Rundwanderung zu Fuß durch die judäischen Colonien, und nahmen sie nochmal an der Vendange in Mikweh theil. — Hier werden Versuche gelnacht, frische Weintrauben aus den Colonien nach Europa zu schicken, bisher freilich leider ohne Erfolg. Herr Dr. Bril in Rischon-l'Zion hat daher in dieser Woche nochmals sieben Kisten mit Trauben an die Hamburger Ausstellung gesandt, und man hofft diesmal zuversichtlich, daß sie gut eintreffen werden. — In der Colonie Ekron, »vo ein Privatunternehiner die Ethrogimernte i» Bausch abgekauft hat, sindet jetzt die Ernte statt. Man wird circa 3000 Ethrogim daselbst herunternehmen. Auch in Rosch-Pinah ist die heurige Ethrogimernte nicht übel ausgefallen. ----- Die letzte Nummer' des ,,Zion" ist als Doppelheft (Nr. 7 uub 8) erschienen. Die hat einen sehr reichhaltigen Inhalt. Angesichts des Congresses ist demselben eine Reihe von Artikeln, Anregungen und Notizen gewidmet. Der Artikel Adolf I v s e f s o h n'S, der eine Widerlegung der Angriffe A ch e r's fein soll, tvird von demselben in eineui Anfsahe „Mein Rückzug" in entschiedener Weise bekälnpft. Die „Praktischen" kommen auch diesmal sehr schlecht weg. Auch Dr. Ja rb stein und R. Brainin haben sich mit Artikeln „Zum Congres;", der letztere in hebräischer Dp rache, eingestellt. Dr. Siegmnnd Werner bringt seinen tvirknngsvollen geschichtsphilosophischen und doch populären Bortrag „Zionismus" zum Abdruck und Herr R o k o a ch bespricht wiederum im französischen Dheile unter „8ioni8M6 et 8ioni8t,68" den „Appell" der bulgarischen Zionisten. „Wie soll der Zionismus zur Jrauenfrage Stellung nehmen?" betitelt sich ein Aufsatz von Hulda D o m a s ch e v S k h. Dr. 3. R. Landau veröffentlicht einen Dch ln Partikel „Die Lage der Juden in Westösterreich" (II. WirthschaftlicheS, 111. Cnlrnrelles uitd Ge jellschaftliches). - Eine neue hebräische Monatsschrift „Das Licht des Westens ' hat in dstnvyvrk zu erscheinet: begonnen. — Das ^celvhorker jüdisch deutsche soeialdemokratische Wochenblatt „Die ArbeiterzeitUttg" kündigt seinen Lesern einen Cyelus von Artikeln aus der Jeder des berühmten Jargon Schriftstellers Schot ein Alechem an. Der erste Artikel trägt die Aufschrift „Ein Gruß von der Heimat." 3*} c t ns n a ch r t cb tc n. Wie in anderen schlesischen Städten, tvie vor ''Allem in Bielit; und Deschen, hat auch hierin der Landeshauptstadt ein öffent licher Abend dem Zionismus gehört, lieber eine von studentischer Seite ausgegaugene Anregung bat der hiesige „Jüdisch literarische Verein" am 12. d. M. eine außerordentlich stark besuchte Bersantrnlung abgehalten. Der Obmann des Vereines, Herr Dr. 3. Cibn s ch i ff betonte in seiner Begrüßungsrede, daß ein jüdischer Verein die Pflicht habe, in den >treiS seiner Bestrebungen eine Idee zu ziehen, die heute schon eine Volks betvegting unter den Inden bedeute. Von diesent (Gesichtspunkte aus gehend, habe der Verein ein zionistisches Referat auf die Tagesordnung der Versammlung gesetzt. An dieses Referat sötte sich eine Discussion schließen eine große ernste Debatte über einen großen und ernsten (Gegenstand. Als Referent sprach Herr stnä. jur. Emil Bl a r b n r g. Zunächst besprach Marburg die wirthschaftliche 3eite der Judenfrage. Cr fetzte in ausführlicher Weife auseinander, daß die wirthschaftlichen Verhält nisse unserer StarnmeSgenosseu eilte Abnorinalität erkennen lassen. Cr führte diese Crscheinung mit alten ihren üblen Folgen ans daS zurück, was dem Judenvolke fehlt die eigene Code, das eigene Land, in dettl allein ein freies, gesundes Volksleben sich entfalten kann. Cr zeigte, tvie der Judeustaat der Judennoth ein Code machen wird. Herr 3 ch a l i 1, der von der Wiener Leitung delegirt »var, führte dann in mächtig zündenden Worten den ethischen (Gedanken ans, der im (sionismnS steckt. Wie diese neue starke Belvegung das gilt machen lvird, was daS GoluS am Wesen der Juden gesündigt hat, das konnte man aus seiner Rede lernen. Cs gab auch Opposition. Ihre guten Elemente lvnren vertreten durch die Herren W. M u n k und die Ratiborer Gäste der Versannulnng, H a in b u r g e r imb Dr. B r e s l a u e r. Dieser Herr hob in seiner „Gegenrede" hervor, daß er vollkommen damit einverstanden sei, daß man heimathslos gelvordenen Juden in Palästina ein neues Vaterland gebe. Cr wird noch erkennen, daß er überhaupt mit uns einverstanden ist. Die Bedenken der beiden anderen Herren widerlegte in trefflicher Weise Herr Schalst in seinen: Schlußworte. Und die Versammlung hat seinen Entgegnungen mit stürmischem Beisalle Recht gegeben. Erwähnt muß noch werden, das; es auch eine stürmische Opposition gab. Studenten, die sich jüdisch-national nannten, bekämpften den Zionismus. Ihr Antizionismus wird sich aber hoffentlich bald iitS Gegentheil umkehren, denn junge Leute, welche schon jüdisch denken, müssen mit der Zeit Zionisten werden. Mit der Zeit! Czortkow. Der Zionismus macht bei uns glänzende Fortschritte. In: vorigen Monat wurde ein Verein („Buch Zion") gegründet, der gegen 200 Mitglieder zählt, itnd gerade die Schwachen und Kleinen sind es, die sich am stärksten für Zion begeistern: ein erfreulicher Beweis für die Volksthümlichkeit und Lebensberechtigung unserer Ideen. In einer unlängst abgehaltenen jüdischen Volksversammlung besprach^ Herr B. Hausner die gegenwärtige Lage der Juden und wies auf den Judenstaat als das einzige Rettungsmittel hin. Die Versammlung schloß mit einer Shmpathieknndgebung für den Baseler Congreß. F.