Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 13 (27.8.1897)
- Article
- Eine alte hebräische Handschrift [Nachricht]
- Date
- 1897-08-27
- Page
- 12 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. J?i^Wdtr Nr. 13. Eine alte hebräische Handschrift. Auf die Initiative des Reichsfinanzministers von ftaflm) wird die Publication einer alten hebräischen Handschrift durch den Cnstos des kunsthistorischeu Hosmuseums in Wien, Dr. Julius v. Schlosser und den Universitätsprofessor Dr. D. £>. Müller vorbereitet. Das Manuscript ist eine Haggadah und wurde von dem bosnisch-herzegovinischen Landesmuseum in Serajevo von einer daselbst ansäßigen, alten, spaniolischen Familie im Jahr 1894 erworben. (Line in dem Codex befindliche, handschriftliche Notiz erweist als Heimatsland Spanien, wo ein jüdischer Miniaturist wohl gegen Ende des XIII. Jahrhunderts an dem Manuscript gearbeitet hat. Der Werth der Handschrift besteht in erster Linie in ihrem sehr reichen bildlichen Schmucke, dann in dem hohen Alter des Manuseriptes. Hebräische Codices aus dem Mittelaller gehören bekanntlich zu den größten Seltenheiten. Dem Manuscript wird von fachmännischer Seite besondere Beachtung geschenkt. Das verjudete Bier erregt fortdauernd den gerechten Unwillen der deutschnationalen Antisemiten. In Saaz haben sie einen Aufruf erlassen, in welchem folgende Ergüsse Vorkommen: „Bertschecht lind verjudet ist Eure Brauerei, nicht nur in der Verwaltung, sondern auch im Arbeitsmateriale. Laßt es nicht dahinkommen, bis man offen gegen Euch auf tritt, drum hinaus mit Tschechen und Juden aus der Verwaltung. Oder wollt ihr noch weiter die Verwaltung Euerer Brauerei Tschechen, Juden und Judenliberalen anvertrauen. Das tonnt, das dürft Ihr nicht, wenn noch ein Funke nationalen Gefühles in Eurer Brust vorhanden ist." Ehescheidungen. Die soeben erschienenen Tabellen über die Ehescheidungen am Landesgerichte I zu Berlin vom Jahre 1885 bis 1896 vermerken eine Gesammtzahl von 8476 Ehescheidungen. Darunter sind 275 jüdische Scheidungen. Ans dem gcmiithlichcli Sachscnlandr. Nach dem neuesten Berichte über die Verwaltung der Stadt Chemnitz hatte dieselbe i»> Juli des vorigen Jahres 165.672 Einwohner, uuter ihnen 151.519 Evangelische, 6625 Katholiken und 947 Juden. Die Geringfügigkeit der letzten Ziffer, so schreibt man, enttäuscht einigermaßen, wenn man mit ihr die leidenschaftliche antisemitische Wühlerei vergleicht, welche seit einigen Jahren hier betrieben wird. Ein vogtländisches Amtsblatt schreibt, daß die Stadt Chemnitz nun schon seit Jahren von einer antisemitischen Agitation heimgesucht iverde, die das ganze politische und gesellschaftliche Leben mehr und mehr vergifte Als Grund für diese Agitation ivird die drückende Coucurrenz der — 947 Juden angegeben. Der »»Kikeriki", das hervorragendste Wiener antisemitische „Witzblatt" wurde in Ungarn verboten, weit es seine Angriffe nicht inebr auf die Inden allein beschränkte, sondern auch die Magyaren in den >.treis seiner „witzigen" Betrachtungen mit einbezog. Auch dem »»Deutsches Volksblatte", in dem Vergaui seine bekannten (Gedanken nnd Gefühle deponirl, wurde der Postdebit für Ungarn entzogen. Oesterreich Ungarn. Wien. (Orig.-Corr.) Die ösfeutliche Verhandlung, die über den von uns gegen die Confiscation der Nr. 7 erhobenen Einspruch angeordnet wurde, fand am 27. d. M. unter dem Vorsitze des Hofrathes v. Holzin ger im hiesigen Landesgerichte statt. Für die Staatsanwaltschaft erschien der zweite Staatsanwalt Herr Dr. Bo dies, unser Blatt vertrat Dr. S. R. Landau. Derselbe bekämpfte in einem (eiligeren Plaidoyer, sowohl aus juristischen, als aus politischen Gründen die Confiscation, und wies besonders daraus hin, daß dieselben Mittheilungen im „DzienniOKrakowski" von der Krakauer Staatsanwaltschaft nicht confiscirt wurden. Der Gerichtshof entschied jedoch aus Zurückweisung des Einspruches, da die incriminirten Stellen eine Ehrenbeleidigung der Soldaten des 57. <'-nf.-Regt.in Tarnow, also einer selbständigen Abtheilung des HeereS, enthalten. Dr. Landau meldete dagegen die Beschwerde an das Oberlandesgericht an. Pilsen. {£x\c\. Corr.> In unserer Stadt fanden Excesse statt. Militär mußte ansriicken, mit die Ordnung wieder berznftellen. Die politischen Blätter schroten diesen Vorfall gegen die Czechen aus. Nach ibren Berichten kanr es zwischen entern dent sch e n und czechi f chen Studenten zu einem Raufbandel, in denn die Menge gegen den Deutschen Partei nalnn. Der Deutsche mußte sich sinchten nnd binterber stürmte die Menge. Sie schlug die Fenster eines deutschen Hotels ein, wurde aber vom Militär, das requirirt werden mußte, vertrieben und konnte nun ^ungehindert zum neuen jüdischen Tempel ziehen, dessen kunstvolle Fenster bald in Trümmer geschlagen waren. Auch jüdische Geschäfte wurden mit Steinen bontbardirt und beschädigt. Nachdenr nitn die Excedenten so ziemlich ausgetobt hatten, kam endlich auch hieher das Militär und säuberte die Straßen. Schließlich erregte ein Pistolenschuß, der in der Nähe des jüdischen Tempels abgefeuert lvurde, eine Panik. Der Thäter konnte noch nicht eruirt werden. — soweit die deutschen Blätter. Für Kenner der Pilsener Verhältnisse war es ziemlich überraschend zu hören, daß die hiesigen Juden Deutsche seien. Pilsen ist so ziemlich eine czechische Stadt und die Jitden der großen Mehrheit nach „Czechen". Die Excesse mußten daher einen anderen Charakter tragen als den deutschfeindlichen. In der Thal gibt das officielle k. k. Correspondenzbureau eine andere Darstellung. Danach hätte ein jüdischer Student, der ein deutsches Coulenrband über der Brust trug, einett czechifchen, der ihn „fixirt" hatte tnit dem Stocke geschlagen. Es kam zu einer Prügelscene, die nun den willkommenen Anlaß zu einer Judenhetze bot. „Die Excesse richteten sich hauptsächlich gegen die Inden." Sehr viele Juden tvurden thätlich in sultirt, Geschäftslüden zertrümmert und der jüdische Tempel mit Steinen bontbardirt. - Die „Demonstration gegen die Dentschen" stellt sich also in Wahrheit als eine rein antisemitische Ausschreitung dar. Lemberg. (Orig.-Corr.) Samstag, am 21. d. M. fand im Sitzungssaale des Cultusrathes eine zahlreich besuchte Versammlung des neu begründeten zionistischen Vereines der Handelsgehilfen „Jvria" statt. Zum ersten Punkte der Tagesordnung: „Zweck des Vereines" sprach Herr S ch o r r, der die verzweifelte Lage des jüdischen .Kaufmannsstandes anschaulich schilderte. Das zionistische Programm und den bevorstehenden Congreß zu Basel besprach hierauf in längerer Rede Herr David Schreiber. Die Versammlung nahm sodann einstimmig und unter lebhafter Acclamation folgende Resolution an: „Die Versammlung begrüßt mit großer Freude den Baseler Congreß wtd spricht den Veranstaltern und Theilnehmern desselben den innigsten Dank ans. Sie erwartet, daß die erste Versammlung jüdischer Vertreter ans der ganzen Welt Schritte einleiten tverde, mit endgillig die Juden itotl) zu beseitigen und die ttationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes ans eigenem Lande durchznsnhren." Nachdem »och Dr. Heinrich Gabel an die Ver sammlung Worte der Aufmunterung und der Hoffnung gerichtet hatte, ging man in gehobener Stinnnuug aus einander. Neu Sanbee. (Orig.-Corr.) Am 21. August fand hier auf Anregung des Herrn B. Margulies eine zahlreich besuchte Versammlung statt mit der Tagesordnung „Stellungnahme zum Zionismus". Herr Margulies erklärte in klaren und populären Worten das Wesen und die Tendenzen des Zionismus und wies auf den bevorstehenden Congreß hin, der allein nur im Stande ist, der erhabenen Idee eine zweckmäßige Organisation zu geben. Seine Worte fanden bei der Versammlung mächtigen Wiederhall. Unter dem Eindrücke der Rede constituirte sich die Versammlung sofort zu einem Zionsvereine. An das vorbereitende Congreß- Comits ging folgende Resolution ab: „Beseelt von dem erhabenen Gedanken, in der immer mehr und mehr um sich greifenden Judenüoth derselben abzuhelfen, begrüßt die am 21. August statt findende Versammlung in Neu Sandec mit Freude dwö Bestreben einer einheitlichen Organisation und bringt daher dem Congreß»' die wärmste Sympathie und das vollste Vertrauen entgegen. Möge da- Werk, das Sie unternommen, mit Hilfe des Allmächtigen dem ganzen jüdischen Volke zum Heile gereichen." Sam. Blumenkorb, Obmann der Versammlung. England. London. (Orig.-Corr.) Das Ereigniß der Woche war die Eröffnung eines neuen Versammlungslocales der B'nci Zion Affociation in Kings Hall, Commercial Road. An: diesem Anlässe fand eine Feier statt, der Dr. Hirsch eile Vertreter des Headguarters-Teut, Mr. Stern Namens der „Dorsche Zion" in Manchester, sowie über 300 Personen beiwohnten. Chief-Rabbi Dr. Gast er entschuldigte seine Abwesenheit und übersandte seine Glückwünsche. Bei dieser Gelegenheit wurden nationale Gedichte und Lieder vorgetragen und mit großer Begeisterung ausgenommen. Einige davon waren speciell für diesen Abend verfaßt. —