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Die Welt · 1897-08-27 · 13 (27.8.1897) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
13 (27.8.1897)
Article
Ein zionistisches Jubiläum
Date
1897-08-27
Page
10 (sequence 1)
Language
German
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Seite 10. Nr. 13. Mn zisnistisches Inbiliium. Bor einigen Tagen hat der Zionismus ein beachtenswerthes Jubiläum gestiert. Bor 15 Jahren, nämlich am 15. Ab des Jahres 5642 (1882), zogen über die von Jaffa nach Jerusalem führende Straße fünf Männer auf Eseln reitend und mit zusammenlegbaren Reifezeiten ausgerüstet dahin. Nach einer halbstündigen Reise machten sie eine Schwenkung nach Norden und ritten ungefähr eine halbe Stunde weiter. Zu ihrer Rechten lag eine ausgedehnte Sandebene, die sich längs des Meeres westwärts erstreckte und in einiger Entfernung erhoben sich vor ihnen die düsteren Spitzen des Judäischen Gebirges, an dessen Fuße sich ein weites, ihnen bisher unbekanntes Thal ausbreitete, wo Araber, Scharen von Felachen, nach ihrer Vorstellung „fürchterliche" Beduinen auf häßlichen Kameelhöckern, kleinen E)elinnen und wilden Pferden aus den arabischen Steppen herumzogen. Auf der felsigen, von allerlei wildem Gestrüppe bedeckten Anhöhe machten die Pionniere Halt; „Hier soll der Grund gelegt werden zu unserem Unternehmen — sagte einer der Männer mit bebender Stimme — dieser Ort heiße von nun an: „Kischo» F Zion. — der (gifte für Zion!" Bescheiden und armselig waren die materiellen Mittel der ersten Pionniere, sie besaßen wenig von den Kenntnissen und Erfahrungen, welche zur Colonisation erforderlich sind; bei einiger Bedachtsamteit hätten sie diesen Ort gewiß aufgegeben. Allein es scheint einer besonderen Vorsehung zugeschrieben werden zu müssen, daß die Pionniere nicht erst mit der zweifelnden Vernunft zu Rathe gingen, sondern, wie wahre Helden, der Stimme ihres Herzens folgten. Diese kündete ihnen laut und überzeugend, daß es ihnen gelingen werde, die gewaltigen Hindernisse zu überwinden, und den Grund zu legen zu einem ewigen, monumentalen Baue im heiligen Lande. Seither sind 15 Jahre verstrichen — int Leben eines Volkes gewiß ein unansehnlicher Zeitabschnitt. Und wie anders sieht es heute aus! Außer dem Boden von „Risclion V Zion-, das jetzt mit Recht die Perle von Judäa genannt wird, befinden sich hundcrttausende Dunams Erde in dem Besitze von Juden. In Judäa, Galiläa und an den Jordanufern liegen reizende jüdische Besitzungen, und ihr Boden versorgt mehrere tausend jüdische Familien mit eigenem Brot und eigenem Wein — eine Erscheinung, die seit der Austreibung Israels aus der alten Heimat nicht ihr Gleiches hat. „Indischer Wein", eine Bezeichnung, die bisher als Schimpf gegolten, da unsere Feinde darunter gefälschten Wein verstehen wo llten — macht den Colo nisten heute allerorts Ehre, und wird von Aerzten als vorzüglicher Medicinalwein anerkannt. Die Sprache unserer Väter feierte ihre Auferstehung und die herrlichen Klänge, in denen die Propheten gesungen, tönen lebendig nach zweitausendjährigem Schweigen in den jüdische» Colonieen. Selbst in Jerusalem, das nach der Ansicht der modernen Zionisten — ebenso wie die anderen Städte — erst in zweiter Linie in Betracht kommt, ist der ivohlthuende Einfluß der neuen Colonisation nicht zu verkennen. Der neue Geist schuf auch dort viel "Neues und Gutes, so besonders die Grundlage zu einer großen j ü d i s ch e n N a t i o u a l - B i b l i o (h e k. Im ganzen Lande machen sich jüdische Gelehrte der verschiedensten Berufszweige bemerkbar. Wer die russische „Reisebeschreibung Palästinas 1.-80" von Modarczew oder das bei Leroy-Beaulien in „Die Juden und der Antisemitismus" über die Juden Palüstina's Angeführte gelesen hat, wird mit Stolz aus die zahlreiche» glücklichen Veränderungen des jüdischen Lebens im historischen Vaterlande Hinblicken, die sich in der kurze» Zeitspanne von 15 Jahren vollzogen. Und wie mächtig ist die Idee selbst, der Colonisationsgedanke, in eben dieser kurzen Zeitspanne geworden, und wie gewaltig hat er sich in allen Ländern des Exils verbreitet! Vereinzelt standen sie da vor 15 Jahren, an den Fingern konnte man sie zählen die Hitzköpfe im kalten Norden, man verhöhnte sie als unglückselige Träumer und in den verschiedensten Parteilagern des Judenthums sahen sie nichts als bedauerliches Kopfschütteln, hörten sie nichts, als den entrüsteten Ruf: „Was wollen denn diese unglücklichen Juden mit ihren thörichten Träumen!" Nun ist es ihnen gelungen, diesen einsamen Schwärmern, Massen für ihr Ideal zu begeistern und dem modernen Prophetenthum im Tempel der Assimilation Schweigen zu gebieten. „Heute ist auch im Westen eine mächtige Anzahl begeisterter Zionisten erstanden, — ein enormer Fortschritt, wenn man bedenkt, daß noch im Jahre 1891 die Forderung, man möge auch die Auswanderer unterstützen, die ihre Schritte nach Palästina wenden, daß diese Forderung im Schoße eines Berliner Wohlthätigkeitsvereines einen Sturm der Entrüstung entfachen konnte, der dann in der gesannnten jüdischen Presse des Westens ein getrenliches Echo fand. Heute wagen es bei all ihren geharnischten „Protesten" nicht einmal die ärgsten Feinde Zions, dem Colonisationsgedanken nahezutreten. Die letzte Ausstellung von Palästina-Producten in Berlin und anderen deutschen Städten hat die Herren von der Lächerlichkeit ihrer Ansichten überzeugt. Die Zionsfeinde spüren, daß ihnen der Boden unter den Füßen wankt, sie fühlen, daß sie von jenen 5 P i o n n iere n, die am lö. Ab 5642 hinauszogen, um ..Kischon 1’ Zion" zu gründen, besiegt worden sind. . . Der 15jährige Gedenktag der Gründung von „Risdion F Zion", der Gedenktag an all' das harte und schwere Ringen mit dem Boden, das endlich von solchem Erfolge gekrönt war, ist für die Zionisten von feierlichem Werth und hoher festlicher Bedeutung. Als Jubiläumskundgebung für diesen Tag, muß der Z i o n i st c n - C o n g r e ß i » Basel betrachtet werden, wo die Zionsfreunde aus allen Ländern deS Exils einander kenne» lernen und sich die Hände reichen werden, um so einträchtig und planmäßig das große heilige Werk zu vollführen und die Colonisirung der Juden im Lande der Väter aus eine würdige, gesicherte Höhe emporzubeben. Wir wollen hoffen, daß der 15. A b, der einst ein glänzender Festtag war, als unsere Vorfahren noch in ihrer Heimat waren, daß der Tag an welchem ..Kischon 1' Zionentstanden, einst zu einem Freudenfeste wird, wenn die Verbannten wieder heimgekehrt sind nach Zion. Aminadaw. („Htimcliz"). 01 r tf. Gegen die Einwaudeniiig nach England hat der Lo» dotier Hilssvereiu jüdischer Armen (Board, of Guardia.il> for tlit* relief of Jewisli Poor) eine „Warnung" erlasse» Dieselbe bringt zur .Kenntnis: „daß allen solchen unbemil teilen Frauen und .Kindern, welche unter falsche» Erwar tuugen nutzloser Weise nach London kommen, in der Hoff nung, seitens unseres Vorstandes mit Schiffsfahrkarten versehen zu werden, um ihren Ehemännern nach Amerika oder anderwärts nachzureisen, in keiner Weise Hilf» geleistet werden kann. Es werde» daher alle mit der artigen Absichten Durchreisende ernstlichst und feierlichst ge warnt, sich nicht unnütz in Elend und Leiden zu stürzen, da der Vorstand Ansuchen auf llnterstütznng irgend welchem Art unter keiner Bedingung berücksichtigen kann. Die Mut ter mögen ihrer selbst und ihrer Kinder wegen sich dies Mittheilung zu Herzen nehmen, um sich vor Enttäuschung zu behüten." — Was sollen also die unglücklichen Frauen beginnen, wenn ihre Männer sie verlassen haben, um weck in der Fremde Brod zu suchen? Ercesse in Pilse». Das Sprichwort ..duobus certanti lms tertius ,Landet," erfährt eine gründliche Widerlegung, wenn der Jude der teickins ist, der zwischen zivei feindlichen Lagern eingekeilt ist. Das zeigt sich am besten auf dein deutsch-tschechischen Kampfplätze in Böhmen. Wo die Deut schon einen Vorstoß gegen das Tschechenthum machen, fallen auch einige wohlgezielte Seitenhiebe für die Juden ab, und

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