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Die Welt · 1897-08-27 · 13 (27.8.1897) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
13 (27.8.1897)
Date
1897-08-27
Page
1 (sequence 3)
Language
German
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Redartion und JAdministrativn Wien II., Rembrandtstraße 11. Telephon Nr. 6805. Erscheint.jeden Frreitns. Zuschriften sind nicht all einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration: Wien, II., Rembrandstraße 11, zu richten. Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Preist der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 10 kr. Einzelne Unmmern 15 Kr. ♦ Oesterreich-Ungarn: halbjährig 3 fl. ---- 6 Kr., ganzjährig 6 fl. 12 Kr.; Für das Ausland: Deutschland ganz- * 70 Pf., halbjähriq 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Rußland ganzjährig 7 R., haloiahrig 3 R. 50 Kop. Schweiz, Frankreich Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig __17 Frcs. halbjährig 8 Frcs. 50. Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. KeMpreise Ur. 13. lien, 27. August 1897. 1. Jahrgang. Die ideale Hilfe. Von Dr. N. Birnbaum. Was der Zionismus an Arbeit zu leisten hat, vertheilt sich auf zwei Gebiete: Palästina-Türkei und Europa. Daran halten sich auch die humanitären Zionisten, indem sie dort mit Infiltration und Bakschisch, hier mit Almosenbüchse und öffentlichem Geheimnisse operiren. Was haben nun w i r politische Zionisten dort, was hier zu thun? Im Allgemeinen ergibt sich die Antwort auf diese Fragen schon aus dem Worte „politisch". Die Specification der zu leistenden Arbeit ist aber noch keineswegs zum Abschlüsse gebracht. Daher wird der Baseler Congreß nach mancher Hinsicht richtunggebend sein müssen, namentlich was das Arbeitsgebiet Palästina-Türkei betrifft. In Bezug auf das andere Arbeitsgebiet treten zwar die Bahnen der Parteipolitik schon deutlicher hervor. — Es ist nämlich klar, daß hier zwei Hauptaufgaben vorhanden sind: Einerseits Agitation im großen Maßstabe unter den Juden, andererseits Gewinnung maßgebender europäischer Factoren für den Zionismus. — Doch gerade um die wesentlichsten Voraussetzungen der zweiten Aufgabe hat man sich bisher nur sehr wenig gekünimert, und deshalb wird auch für sie der Baseler Congreß seine Wegtaseln aufstecken müssen. Wer sind die maßgebenden Factoren Europas? Nun sicher, die Fürsten und Staatsmänner. Aber nienials waren sie die einzig und Urmaßgebenden. Stets gab es etwas, wonach sie sich, zumeist wohl unbewußt, richteten: die öffentliche Meinung, — sie, die zuerst von den Geisteserlauchten der Station aus der Volksseele geschöpft und dann von irgend welchen der Popularisirung dienenden Organen dem Volke mundgerecht gemacht wird. Die öffentliche Meinung, die zu allen Zeiten eine Macht war, ist heute — infolge des internationalen und demokratischen Zuges unserer Epoche — eine Großmacht. Wer stch bei Betrachtung politischer Dinge nicht an das Augenblicksbild hält, sondern sie in ihrem Gewordensein untersucht, dem entgeht es nicht, daß heutzutage mehr denn je di« Potentaten nur das ausführen, was seit Jahrzehnten die Stimme der in den modernen Popularisirungsorganen — Presse, Parlament, Vereine und Versammlungen — niedergelegten Meinung ist. Ihre Kunst besteht nur im Vollbringen, und sie scheitern, wenn sie willkürlich erdachte Ziele, die von der öffentlichen Meinung nicht gewollt sind, verfolgen. So muß denn also der Zionismus — soweit er die Mächte nicht schon durch die jüdische öffentliche Meinung gewinnen kann — darauf bedacht sein, sich die öffentliech Meinung Europas dienstbar zu machen. Gegen diese Forderung wird zweierlei eingewendet: Erstens, daß sie dem Principe der Selbsthilfe, welches dem Zionismus zu Grunde liege, widerspreche; zweitens, daß sie unerfüllbar sei. Der erste Einwand erscheint schon auf den ersten Blick als eine geschmacklose Uebertreibung. Er beruht zudem auf einer bornirten Buchstabenauslegung des Wortes „Selbsthilfe". Wenn sich ein Volk für Selbsthilfe entscheidet, so soll das heißen, daß es den festen Willen gefaßt hat, sich aus seiner Ohnmacht zu einem Zustande der Selbsthilfemöglichkeit, der Selbstständigkeit zu erheben. Dieser Wille bringt es allerdings mit sich, daß die vorhandenen eigenen Kräfte voll angespannt werden, schließt aber, wenn dies geschehen ist und nicht ausreicht, die Annahme fremder Hilfe nicht aus. Wenn sich ein schwaches Volk im Kampfe um die Rettung seines wiedergefundenen Selbst nach Sympathien umsteht, wer wollte so wortklauberisch sein, das schon eine Durchbrechung des Selbsthilfeprincips zu nennen? In der That hat es ja bisher kein Volk, das um seine Freiheit rang, verschmäht, sich von Freundlichgesinnten helfen zu lassen. Warum sollten gerade wir es thnn? Weil wir, antwortet der Zweifel, die Rechnung ohne den Wirth machen. Es komme nicht blos daraus an, daß wir fremde Hilfe gütigst acceptiren, sondern vorzugsweise darauf, daß man sie uns auch anbiete. Das gescheheaber nicht und werde nicht geschehen. Diese Meinung findet zwei Begründungen. Die eine derselben geht von dem Dogma aus, daß heutzutage Niemand mehr etwas thue, wobei nichts für ihn herausschaue. 9hm sind ja in unsereni Falle gar nicht eigentliche Thaten, wie Waffen- und Geldunterstützung — die elfteren brauchen wir nicht, das letztere müssen wir unter uns aufbringen — sondern blos Sympathien nöthig. Aber abgesehen davon und vorausgesetzt, daß es mit dem bedingungslosen Nützlichkeitsstandpunkte der Gegenwart seine Richtigkeit habe, wer wollte behaupten, daß die zionistische Lösung der Judensrage den europäischen Völkern nicht nützen würde? Oder daß man sie etwa von diesem Nutzen nicht überzeugen könnte? Heute, wo in jedem europäischen Volke ein stets wachsender Procentsatz der Bevölkerung die Juden als lästig empfindet, sollte sich nicht eine egoistische öffentliche Meinung zu Gunsten des Zionismus bilden lassen? Und sollten sich nicht auch noch andere egoistische Motive, namentlich diplomatijch -politischer Natur, in Bewegung setzen lassen?

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