Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 12 (20.8.1897)
- Article
- [Kommentar]
- Date
- 1897-08-20
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Hr. 12. ©eile 13. staates, weil ein solcher etwa gegen die „Mission" des Judenthums verstoße, denn Wern: es eine Mission gibt, so kann sie erst recht und n u r dann verwirklicht werden, wenn wir ein eigenes Land haben. Dies geht zur Genüge aus den prophetischen Schriften hervor, wenn man sie nur wortgetreu übersetzt und wenn man keine erdichtete Phrasen in sie hineinlegt. Ich bin auch nicht deshalb gegen einen Judenstaat, weil ein solcher, nach der Auffassung der „Protestrabbiner" den Mangel an Protest bezeuge, denn ich glaube, Oesterreich habe dem Dr. Herzl und Frankreich dem Dr. Nordau ebensowenig vorzuwerfen, wie Preußen den Doctoren Maybcunn und Werner. Ich bin ferner auch nicht deshalb Gegner des Judenstaates, weil Herzl und Nordau, — also keine rabbinische Juden, ihn propagiren, ohne erst Bibel und Talmud befragt zu haben, wie man ihnen vorwirst. Denn der Judenstaat wäre gewiß ein solcher, in welchem Herzl und Nordau auf die religiöse Führung verzichten'würden und sowohl die Orthodoxen Deutschlands, als auch der Wunderrabbi von Sieniawa (auch ein Gegner) Platz finden könnten. Ich bin kein Gegner des Judenstaates, wünsche ihn vielmehr, glaube aber nicht, daß er in d i e s e m Mo m e n t e entstehen kann. . . Was aber den Congreß betrifft, so halte ich ihn deshalb für so wichtig und bedeutend, weil er schon durch seinen „zionistischen" Charakter manches Gute zu Stande gebracht hat, ehe er überhaupt noch stattgefunden hat, so das Erscheinen der „Welt", des zionistischen Weltorgans, die großartigen Versammlungen und Kundgebungen in allen Ländern u. s. w. Daß er einige Furchtsame zum Rückzuge veranlaßt, ist meines Erachtens, kein so großer Verlust. Wer vor dem Worte „Zion" zurückschrcckt, nimmt es ja auch mit der Colonisation nicht so ernst und wenn der Congreß hier die Colonisation um einige Tausend M a r k gebracht, so kann er ja anderorts zehnfach an R u b e l n , G u l d e n, F r a 11 c s und Doll a r s einbringen. . X>evefox!S>\ta&ividiteYt. Wien. Am 12. d. M. fand im Restaurant Hatschek die constituirede Versammlung des nengegründeten Einzelvereines „Landstraße" - des Verbandes „Zion" statt. Herr Dr. Werner erstattete als Proponent des Vereines im Namen des Griindungs-Comites eilten kurzen Bericht. Derselbe wurde über Antrag eines Mitgliedes mit Dank und unter besonderer Anmerkung der Verdienste des Dr. Werner' um das Zustandekommen des Vereines angenommen. Sodann wurde zur Wahl des Ausschusses geschritten. In denselben wurden einstimmig gewählt: Herr S. M eise! s zum Präses, die Herren Dr. W e r n e r und H a l b erst a mm zu Vice-Präsidenten, die Herren Dr. Alexander Mintz, Leo Freund und Max K alo o (für Hebr.) zu Schriftführern, die Herren Ingenieur Ellmann und Bergt a s zu Cassieren und Dr. S. R. Landau, Wolf Sollender und Heinrich Harzopf zu Ausschußmitgliedern. Herr Meisels dankte in schlichten und herzlichen Worten sijr die auf ihn gefallene Wahl und wies besonders auf sein hohes Alter als aus ein ealmirendes und einigendes Element in der Bewegung junger vorwärts stürmender Geister hin. Herr Meisels, der Sohn des berühmten Krakauer Rabbiners Berisch Meisels und derzeitige Obmann des konservativen, polnisch-jüdischen Tempels bekannte sich in seiner Rede als ein Anhänger des Judenstaates. Als weiterer Punkt stand auf der Tagesordnung die Wahl von Congreßdelegirten. Ueber Antrag des Vice- Präses .Halberstamm wurden die Herren Dr. S. ))l. Landau und Dr. Werner per acclamationem gewählt. Dr. Landau dankte für die ihn besonders ehrende Wahl und wies auf die höhe Wichtigkeit des Cougresses und seiner Aufgaben hin. Redner betonte unter allgenreiner Zustimmung die socialen Aufgaben des Zionismus und erklärte besonders in dieser Richtung auf dem Congrcsse thätig sein zu wollen, .hexr Dr. Werner schloß sich diesen Ausführungen an. Schließlich wurde unter großem Beifalle folgende Resolution angenommen: „Der Einzelverein „Landstraße" des „Zion" begrüßt mit der aufrichtigsten Freude den Zionisten-Congreß, der Ende August a. c. in Basel abgehalten wird und spricht den Veranstaltern desselben seinen herzlichsten Dank aus. Der Verein ist der ileberzeugung, daß der Congreß für die Zionisten aller Länder einen bedeutsamen Schritt nach vorwärts bedeutet. Schon in der Thatsache allein, daß Zionisten der verschiedensten Länder Mitglieder des Congreffes sind, erblickt der Verein die Gewähr dafür, daß von nun ab die Bestrebungen aller Zionisten einheitliche sein und daß sie in Zukunft nach .einem einheitlichen Programme mit ganz unzweideutigen, klaren Namen geleitet werden. In der Verbindung aller Länder zu einer einzige:!, großen, von den gleichen Idealen erfüllten Vereinigung erblickt der Verein die einzige Möglichkeit zur Realisirung der zionistischen Postulate, welche darin gipfeln, ein physisch, geistig und moralisch gesundes, jüdisches Volk im Lande seiner Väter unter gerechten socialen Bedingungen anzusiedeln. Indem der Verein den Congreß noch speciell auffordert, der s o c i a l e n Seite der zionistischen Bestrebungen seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwendcn, wünscht er den Arbeiten des Congreffes, das beste, vollständige Gelingen." Eihenschitz. Di' Ferialverbindung jüdischer Studenten „Astra" in Kanitz veranstaltete daselbst am 18. August eine Volks-Versammlung, in welcher Cand. med. vet. Josef Frey das jüdischnationale, zionistische Programin unter stürmischen! Beifalle der Anwesendcn entwickelte. Zum Schluffe wurde der Antrag, eine Zustimmungskundgebung an den Zionisten-Congreß in Basel abzuschicken, angenommen. Kirnitz. Die Ferialverbindung jüdischer Studenten „Astra" veranstaltete Samstag, den 14. August einen Connners, zu dein fast sämintliche Mitglieder der nkad. Verbindung „Libanonia" aus Wien und Vertreter der akad Verbindungen „Beritas" und „Zephirah" aus Brunn, der Ferialverbinduugen „Gainala" aus Lundenburg, „Achiwah" aus Ung. Hradisch und des jüdisch-nationalen Finkenverbandes aus Wien erschienen waren. Die Festrede hielt der Präses der „Astra". M. U. C. Julius Wals, die Tendenzrede sind. jur. Siegfried Bogad, den Toast auf die Gönner stad. teclm. S. Redli ch, den Toast auf die Verbindungen stud. med. Otto W e i ch und den Toast auf die Damen Cand. med. vet. Josef Frey. Die gehaltenen Ansprachen wurden von den zahlreich erschienenen Gästen mit lebhaften: Beifalle aufgenommen, insbesondere aber der Hinweis auf den bevorstehenden Zions-Congreß in Basel stürmisch begrüßt. Möhrisch-WetßNrchen. Am 3. August fand hier eine Vollversammlung der jüdischen Bürgerschaft statt, welche einstimmig folgende Resolution beschloß: „Die jüdische Bürgerschaft von Mährisch-Weißkirchen begrüßt den Congreß der Zionisten in Basel mit den lebhaftesten Sym pathieen, durchdrungen von der ileberzeugung, daß.nur durch den Zionismus der tausendjährigen, bisher unabwendbaren Judennoth ein Ende gemacht werden kann". Tlltsie. Am 1. August hielt hier der Delegirte des Czortkolver Zionvereines Herr B. Hausner einen Vortrag über Zionismus, der dem hiesigen Zionvereine einen Zuwachs von 70 Mitgliedern brachte. Am 2. August gründete Herr Hausner unter Mithilfe der Herren E i nh orn und Stern schuß in Jagelniza einen Verein „Zion". Am 8. Ang. d. i. an: 10. Ab fand eine Versammlung des hiesigen Vereines unter Leitung der Herren Dr. B. Kretz, Ehrenpräses, Wolfram, Präses, Wachste in, Vieepräses, Streusand, Controllor, statt. Herr E. B. Schützer hielt eine Rede über die Bedeutung des 9. Ab. In der nahegelegenen Stadt Usciczko wurde vor einigen Tagen auf Anregung des hiesigen Vereines ein Zionverein gegründet um dessen Constituirung sich besonders die Herren Mark, Rothstein und Buckl verdient gemacht haben. Kiiitstlerthum. Von Mathias Acher. Bekanntlich sprechen die Antisemiten den Juden das Künstlerthum ab. Es ist dies eine der Behauptungen mit denen sie die Inferiorität der jüdischen Race beweisen wollen. Und trifft sie zu, dann nchßte man allerdings auch die Folgerung gelten lassen. Aber ist es wirklich wahr, daß die Juden keine Künstler haben, oder genauer ausgedrückt, daß sie keine Künstler Hervorbringen können. Was ist ein Künstler? Ein Künstler ist ein Mensch, der etwas kann. Das sagt uns die Sprache. Aber es wird wohl wenige Menschen geben, die nicht irgend etwas können. Es soll wohl ein Mehrals Andere- oder ein Anderesals Andere-Können gemeint sein. Dann würde allerdings der Kreis der Könnenden schon ein begrenzter sein. Aber ein bestinnntes Künstlermerkmal wäre dieser Definition noch immer nicht zu entnehme». Denn auch der Gelehrte kann mehr und anderes als das Gros; zumindest Anderes kann auch der Goldschmied und e tt x 11 e t o rt. selbst der Schuster. Es muß also etwas ganz Besonderes sein, was der Künstler kann. Diese Besonderheit gilt es aufzuftnden. Ich möchte nun behaupten, ein Künstler sei der, der ahnen kann. Die anderen Menschen können dies nämlich nicht. Es ist selbstverständlich, daß ich nicht von den „Ahnungen" redseliger Kaffeeschwestern und Bierbankbrüder spreche, sondern von der großen Ahnung des Zusammenhanges der Dinge, von der Ahnung des Weltinhalts, von dem ausschöpfenden Durchdringen des Lebens. Dem dieses Können zu Gebote steht, der ist ein Künstler, — mag er als Maler oder Bildner aus einer Landschaft, einer Persönlichkeit, einem Geschichtsvorgang, einem Stillleben das Wesen dieser Erscheinungen herausschauen und auf seine Leinwand pinseln oder in seine Steine meißeln; mag er als Dichter durch die Welt der Handlungen, Gedanken und Gefühle wandern und auf dem Wege seine Dramen, Epen oder Gedichte pflücken; mag er als Componist die Seele der Welt erhorchen und sie wiederklingen lassen; oder mag er endlich das, was er schaut, pflückt und erhorcht, unge-