Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 12 (20.8.1897)
- Article
- Die christlich-sociale Bewegung in Ungarn [Nachricht]
- Date
- 1897-08-20
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr, 1L Seite 9. teressen der christlichen Handelsangestellten vertreten soll und dann kann utcut auch auf ein kräftiges Gedeihen der Bewegung rechnen, denn nicht allzu schwer wäre es, den s ch l u m m c x it b c n )l ntisemitis nt it s in Ungarn wieder zu entfachen, jedenfalls nicht so schwer, als dies gewöhnlich von der Judenpresse behauptet wird." Bubenstück. Als vorgestern Abends der in der Leopoldstadt, Kleine Schiffgassa Nr. 30, wohnhafte Haus- und Küchengerätheyändter Jakob Weeg nüt seittei Gattin Regina Weeg ütt Speisezimttter der ebenerdigen Wohnung das Nachtessen einnahm, bemerkte er plötzlich im anstoßenden Ca bin et, dessen Verbindmlgsthür offen war, einen Lichtschein und hörte gleich darauf eine schußähnliche Detonation. Int Cabinet, in tvelches das Ehepaar sofort eintrat, verspürte es Rattch und sah zugleich, daß der Fensterpolster glimmte. Die polizeiliche Commission stellte bei der Thatbestandsanfnahnte Folgendes fest: Aus der Fensterbrilsttmg fanden sich noch Spuren einer auf derselben verbrannten Flüssigkeit vor, ferner eine größere Anzahl von Glassplittern, anscheinend von einer Flasche herrührettd. Ans dein Trottoir unterhalb des Fensters tagen ebenfalls Glasspitter, ebenso im Cabinete, mt 1 ungebrannten Papierstreifen vermengt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ein Passant entweder muthtnilliger- oder boshafterweise ein mit einer explodirbaren Flüssigkeit gefülltes Behältnis; auf die Fensterbrüstung gelegt und es zur Explosion gebracht hat. Unmittelbar vor der Explosion ist ein Wagen langsam an dem Fenster vorbeigefahreu, als aber die Explosion erfolgt umr, bog der Kutscher rasch in die Floßgasse ein und fuhr gegen die Obere Donaustraße. Die Polizei hat diesen Kutscher gestern ausgeforscht. Er heißt Joses K l a tz e l und ist bei dein Spediteur P o p p e r im Sstöllerhof bedienstet. Der Kutscher erzählt, daß er im Borbeifahren die auf das Fläschchen gestellte Lunte brennen sah. Er war der Meinung, daß Jemand bei dem offetten Fenster rattche. Einige Seeunden später erfolgte die von einem Knall begleitete Explosion, infolge dessen seine Pferde scheuten und in rasendem Galopp davonfuhren. Nach dem Befunde des Sachverständigeit itt der Sprengtechnik, des Herrn Ingenieurs Hugo M uni k, enthielt das Fläschchen blos Pulver tntd keinen anderen Sprengstoff. Bei der Behörde neigt man der Ansicht zu, daß es sich um ein antisemiti s ch es Bube n st ü ck handelt: auf der Straße soll mau in der Nähe des Weeg'scheu Geschäftes vor der Explosion den Ausruf gehört haben: „Die Inden müssen verbrannt werden!" Eins Wandlung Ein Wiener Hof- und Gerichls-Advoeat hat unlängst nach mehr als zehnjährigeut Abonnement die „Narodny Lisch" mit folgendent Beuterkeu abbestellt: „Wenn ich schon antisemitische Blatter lesen soll, so müssen es lticht gerade ezechische seilt." Int klebrigen ist dieser Herr, der bis zu feinem 40. Lebensjahr ein fanatischer Czeche uw, in letzter Zeit Zionist getvorden. Hebräische Alterthümer in der Krim. Aus Fevdossia berichtet die St. Petersburger Zeitung: Am Fuße des Berges Mithradat iit der Nähe von Fevdossia befindet sich eine bereits 13 Jahrhunderte alte hebräische Synagoge. In den letzten Jahren der Herrschaft der Chane rvurde sie zerstört und durch Sand und Schutt begraben. Nach der Vereinigung der Krim mit Rußland befahl die Kaiserin Katherina die Synagoge zu restauriren und im Jahre 1788 wurde in derselben nach langer Zeit lvicder ein hebräischer Gottesdienst abgehalten. Das Gewölbe der Synagoge wird durch vier Säulen gestützt, deren zwei aus Marmor ttnd zwei aus Granit bestehen. Früher waren alle vier Säulen aus Marntor, doch in den Vierziger Jahren brachte Abraham Falkowitsch zwei Marmor- Säulen, alte Handschriften der Thora tmd eine Anzahl anderer alter Pergamente nach St. Petersburg wo dieselben der öffentlichen Bibliothek ubergeben wurden. An einer der Säulen der Synagoge ist eine viereckige xasel mit einer auf das Alter der Synagoge hinweisenden Inschrift angebracht. Diese Inschrift lautet: Durch Menschenweisheit ist dieses Haus errichtet worden. Der Messias wird kontmen und Dein Volk samnteltt, Israel im Jahre 673 (d. t. im Jahre 916 der christlichen Zeitrechnung), lieber dem Altar befindet sich eine Inschrift, welche darauf hinweist, daß die Thüre zum Allerheiligsten vor 602 Jahren hergestetlt worden ist. Jttt Hofe der Synagoge ist ein zu Waschungen bestimmter Brunnen vorhanden, auf dem folgende Inschrift zu lesen ist: „Der erleuchtete, allgentein geachtete und weise Rabbi Meir Aschkenas, die Zier und der 3tolz Israels ist im Jahre 389 (d. i. 628) im Herrn verschieden. Die Lhränen der Nachkommen Abraham's, Isaaks und Jakobs benetzen seine Asche. Die Synagoge ist so klein, daß sie kaum für 50 Beter Platz dielet. Die jüdischen Einwohner von Fevdossia wollen sie durch einett A'eubau vergrößern. Anläßlich des Einsturzes der Brücke bei Kolomea uttd des Eisenbahnunglückes, das sich in Folge dessen ereignete, schob das antisemitische Organ „Deutsches Volksblatt" die Schuld an diesem Unglück dem Ritter von Ofenheim zu, der seinerzeit die bezeichnete Bahnstrecke erbaut hat. Auf Grund dieser Publieation hat nun der Sohn des bereits verstorbenen Ritters v. Ofenheim, Advocat Dr. Adolf v. Ofenhenn gegen das „Deutsche Volksblatt" die Ehrenbeleidigungsklage erhoben. Als „jl<denrei«e" Symmerfrischen werden in dent antisemitischen Münchener „D. Volksblatt" bezeichnet: Ettlingerweiler und Bruchhausen, Badischer Schwarzwald, Metlisalp, Berner Oberland, St. Johann bei Heiden in Appenzell, Gaisenstein, Inner Bartholomä und Battdaus in Montavon, (Vorarlberg). Eirr deutsch-nationales Volksfest haben zwei Vereine antifentitischer Tendenz, der Refornwerein und der deutsch-nationale Handlungsgehilfen-Verein vor einiger Zeit in Erfurt abgehalten. Bei den Ankündigungen kam der eigentliche Charakter des Festes nicht znm Vorschein und so ließ sich durch das Aushängeschild „Deutsch-national" bethört gar mancher zutn Besuch des Festes verleiten, der mit dent Antisemitisnms der reformerischen Handlungsgehilfen sottst sicher nichts Gemeinsantes hat. Zur Verherrlichung des Volksfestes wurden, nebenbei betnerkt, von den Urdeutschen zwei jüdische Kaufleute, die ohne K'euntniß des der Versammlung anhasleuden Antisemitismus das Fest besuchten und anstandslos hineingelassen waren, etwas ttnsanst hinanseomplimentirt. Die Veranstalter des Somntcrfestes bezeichueten dieses als der Hebung deutschnationalen Wesens dienlich. Große Anfregnng ruft int Wiener christlich-socialen Lager der Umstand hervor, daß die jüdischen Eltern für die geistige Ausbildung ihrer Kinder sorgen. Ein christlich-sociales Wiener Blatt gibt dieser Aufregung in folgender Reflexion Ausdruck: B e r j u d u n g der W teuer M ite! schulen. Die Wiener Juden bilden eilt Zehntel der Bevölkerung der Hauptstadt, wobei noch ztr berücksichtigen ist, daß hier nur die ungctauften gezählt sind, da wir leider nur eine Religionsstatistik haben. In welch' schreiendem Mißverhältnis; selbst hiezu jedoch die Zahl der jüdischen Schüler steht, beweisen folgende Zahlen: Im Communat-Real- und Obergytnnasium im II, Bezirk sind unter den Schülern 92 Katholiken, 7 Protestanten und 298 Inden: im Staatsgynmnsium int II. Berzirk sind 128 Katholiken, 4 Protestanten und 333 Juden; im Maximilian Gymnasium int IX. Bezirk sind 160 Katholiken, 18 Protestanten und 304 Juden; im Franz Josefs- Gymnasium im I. Bezirk sind 125 Katholiken, 18 Protestanten und 115 Juden. Personolnachrichten. Unser Gesinnungsgenosse Herr Dr. Alex. Mintz, Hof- und Gerichtsadvocat in Wien hat sich mit Frättlein Amelie Schur aus Carlsruhe verlobt. — Arnold R e i ch, a. H. der Kadimah, wird sich den 12. Septentber l. I. uttt Fräulein Clara H o r w t tz in-Wien vermählen. Dr. Israel Ealeb hat sich Sonntag, den 15. August mit Fräulein Hefter in Eottstantinopel vermählt. <Zovvef$>ortbeix$ert. Oe sterreich-Un garn. Wien. (Orig.-Corr.) Am 18. August wurde von den Völkern Oesterreichs das Geburtsfest unseres Kaisers gefeiert. Von ungezwungener Herzlichkeit sind die Kundgebunge», welche diesen österreichischen Festtag alljährlich erfüllen. Im nächsten Jahre iverden sie noch höher aufrauschen, als loyaler Dank für den väterlichen Sinn des Kaisers, der die Sorgen und Hoffnungen, die Schmerzen und Freuden von Millionen versteht und mitempfindet. Darum ist der Kaiser ein Friedenssürst geworden imb geblieben. Er ist heilte der Patriarch des Friedens in Europa. Und so wächst mit der Zahl seiner Lebensjahre auch die Verehrling, die ihm nicht mir von den Völkern seines Reiches, sondern von allen Völkern der Erde dargebracht ivird. Wien. (Orig.-Corr.) lieber den von uns gegen die Confiscation der Nr. 7 erhobenen Einspruch wurde vom k. k. Landesgerichte eine öffentliche Verhandlung auf Freitag den 20. d. M. Uhr Vormittags angeordnet. Wie«. (Crifl-dorv.) („Gay« in England ") Er hockte in einem Äeperkaste» und lauerte tückisch auf einen Schabernack. Es war ein kleiner, häßlicher .ftobold, pednckl saß er da und um seine schmalen Lippen zuckle ein schadenfrohes Lächeln. Plötzlich fuhr der Druckfehlerteufel ans. Mit einem «atze schoß er ans eine niischnldlpe, nichts ahnende mährische Tladt los, hüllte sie - hokns pokus in sein Iauslinänlelchen ein und trujt sic mit Man» »nd Maus und Nind und Negel hoch.durch die Lüfte —- »ach Emftand. Und als die redliche» Bürper von Gnya srüh morgens erwachten und sich den 2chlaf aus de» Pupen rieben und unser Blatt;,m' Hand nahmett, da sahen sie i»i! großunichllpeni Erstaunen — daß sie in England waren. In England, gleich pvel schritte hinter London. DerÄobold aber, der über den „Eorrespondenzen" schwebte, hielt sich den Bauch vor Lachen. Wie«. (Crifl - Govr.) Ei» kostbarer 2chatz in dem Herzen des nichtsüdischcnMrolelnriers ist sein Judenhaß. Diesen schätz hecsi er und pflept er, und will sich ihn nicht rauben lassen. Eine Lrpnnijnlwn, die diesen Judenhaß nicht ans ihr Banner geschrieben Hai, ist ihm ein Greuel. Darin» flieht der unverfälscht „arische" Proletarier die Tvrialdenioiralie