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Die Welt · 1897-08-20 · 12 (20.8.1897) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
12 (20.8.1897)
Article
[Ohne Titel] / Berliner, Hermann
Date
1897-08-20
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 12 Seite 7. für Palästina, wie um! Palästina überhaupt bisjetzt herzlich' wenig bekümmert hat und daß es daher einfach Unsinn ist, den angegebenen Grund mit dem Erfolg oder Mißerfolg in Verbindung 31t bringen. Ich möchte auch trotz allem guten Willen der verschiedensten Comites vor zu großem Optimismus warnen, es heißt einen Feind besiegen, der trotz seiner Passivität schon recht viel geschadet hat; dieser Feind heißt — I n d i f f e r e n t i s m u s. Wenn Herr Turoff weiter schreibt, daß „der Gemeindepräsident Herr Bär in Ben: derart mit Privatgeschäften iiberhäuft war, daß er während Zweier Tage fiir mich, der doch speciell deswegen nach Bern gekonnnen war, kaum fünf Minuten übrig hatte", so heißt eine solche Aeußerung in die Welt setzen, gelinde gesagt, eine Illoyalität. Ich selbst hatte erst vor vierzehn Tagen — als Herr Turoff am Ende seiner Vergnügungs-, Pardon, Geschäftsreise mn Freitagabend die Schweiz verlassen mußte — die Ehre, seine Bekanntschaft zu machen, und ich gewann den Eindruck, als hätte ich einen in seinen: Fache tüchtigen Commis voyageurDot mir, der aber nicht davor zurückschreckt, einen gefürchteten Concurrenten durch illoyale Mittel bei der Kundschaft schon im Voraus zu schädigen, respective unmöglich zu machen. Nur so wird die eingangs erwähnte Aeußerung verständlich, und ich halte es nicht für ausgeschlossen, daß der Herr Präsident der jüdischen Gemeinde in Ben: den gleichen Eindruck hatte.... Den Wunsch, daß „hoffentlich der in Basel zusammentretende Congreß des Tr. Herzt" — es sollen auch noch andere Persönlichkeiten dahinterstecken — „diesen Erfolg paralysiren" werde, theile auch ich und hoffe, daß Herr Turoff zu einer zweiten Reise in die schöne Schweiz „in geeigneter Jahreszeit" Gelegenheit finde, „falls Zeit und Nickel" die Hauptsachen für jeden Reisenden — „es ermöglichen". Im klebrigen glaube ich, daß das von Herrn Turoff mit Riecht gerühmte „organisatorische Talent" der hiesigen Herren wohl genügen wird, um die Errichtung eines die ganze Schweiz umfassenden Central- Comites auszuführen, so daß Herr Turoff seine Thätigkeit auch auf andere Gegenden verlegen kann. Hochachtungsvoll Z ü r i-ch. Her m a n u B e r l i n e r, Redacteur des „Israelitischen Wochenblattes". Die Frauen und der Zionismus. Bon Rosa Pomeranz. Als der Tempel erbaut und die heilige Bnndeslade ausgeschmückt werden sollte, waren es vor Allen! die Frauen und Töchter Israels, die ihren frommen Eifer, ihre freudige Opferwilligkeit bezeugten. „Alle kunstsinnigen Weiber spannen mit ihren Händen und brachten das Ge spinnst von purpurblauer und purpurrother und earmoisinrother Wolle und Byssus und alle Weiber, deren Herz sich trug in Kunstfertigkeit, spannen die Ziegenhaare" und „Alle ihr Geschmeide, ihre goldei: und silberne Zier in so reicher Fülle darbrachten, daß: „Tos Verfertigten genug war zu aller Arbeit, sie ausznfiihret:, und es war noch übrig." - Das erfahren wir jüdische Frauen von heute, in der Religionsstnnde, aus der Bibel. Welche Rolle unsere Ahnfrauen in den den: Tempel bau vorangehenden Ereignissen gespielt haben. - Darüber schweigt die Bibel. Warum? War auch bei den Juden in jenen alten Feiten, die Stellung der Frau — wie bei den sie umgebenden, heidnischen Völkern eine so untergeordnete und als naturgemäße Folge davon, ihr geistiger Horizont, ihr Verständnis; für tvichtige, die Gesamnttheil betreffende Fragen so beschränkt, daß sie an den unvergleichlichen Vorgängen keinerlei Äntheil nehmen dursten noch konnten?! Oder war ihre Einflußnahme auf die Entschlüsse der Männer, ihr Wirken nur zu still und unauffällig, um in die Oeffentlichkeit zu dringen, oder gar in der heiligen Schrift besonders hervorgehoben zu werden? Man muß das Letztere anuehmen. Tem: spätere Quellen erkennet: der jüdischen Frau eine hohe Bedeutung zu für das Geschick des ganzen Volkes. ^0 stinnnen Talmud und Midrasch in der Behauptung überein, daß: „der Sittcnreinheit und nationalen Treue des Weibes unser Volk seine erste Erlösung zu verdanken hatte und auch seine letzte Erlösung zu verdanken haben wird." Und hat etwa das jüdische Weib in den wechselvollen Schicksalen des Exils diese vornehnlen Tugenden seiner Müller verlöret: oder verlernt? Ttlrchaus nicht! Auch jetzt noch sind sie der schönste Schmuck unserer Frauen, gai:z besonders der jüdischen Frauen des europäischen Ostens. Diese sind es auch, die in unwandelbarer Treue zu ihren: Gotte, ihrem Volke, ihren: Vaterland:', der jüdisch-nationalen Bewegung seit ihren ersten Anfängen die hellste, aufrichtigste Begeisterung entgegen bringen, welche die Entwicklung und stetig zunehntende Bedeutung derselben mit lebhaftester Theilnahme, mit ihren innigen Gebeten und Segenswünschen begleiten. Und da moderner Brauch auch ihnen eine offene, laute Meinungsäußerung gestattet, säumen sie nicht, ihre volle Zustimmung m:d herzliche Sympathie für die Ziele des Zionismus freinüithig auszudrücken. — Freilich können sie ihre Anschauungen und Gefühle in der Sache nicht mit gelehrten Eitateu, mit Sprüchen ans Thora und Propheten erklären und stützen! All' ihre Waffen bei dieser Stellungnahme holen sie einzig und allein ai:s der „Religionsstnnde" ::nd aus ihren: Herzen. Dieses letztere Arsenal ist aber nicht gering zu schätzen, denn: was der Verständige mit dem Verstände nicht sieht, das findet in Einfalt ein - weiblich Gemüth. Tie jüdischei: Frauen sind also eifrige, unentwegte Anhängerinnen und Förderitlnen der nationalen Partei, erstens weil: sie trotz aller Tenteleien moderner Rabbiner einerseits unb durchaus maßgebender Behauptungen und Wünsche assimilatioussüchtiger Allerweltsbürger jüdischen Glaubens andererseits, fest und unerschütterlich an die in der heiligen Schrift enthaltene Vorhersagung der Wiederanfrichtung Palast:na's unb Rückkehr der Juden ii: ihr von Gott gegebenes Vaterland glauben. „Tenn", fragen die Frauen alte Fweister und Ungläubigen, „welche logische oder moralische Berechtigung habet Ihr, nachdem Alles lvas Moses ::ud die Propheten verkündet, bis auf unsere Tage in Erfüllung, ging, oic letzte große, tröstliche und erhebende Weissagung ans ihrem geheiligten Sehermunde zu bezweifeln oder gar zu verlachen?'. Wer einmal gelogen, dem glaubt inan nicht lvieder", sagt das Sprichivort: tver aber unzähligeinale die Wahrheit gesagt, dem darf, dein soll, dem muß man glauben. Wir Frauen glaube:: fromm, daß der Geist Gottes ans den Pro phezeihungen unserer großen Lehrer zu uns spricht. Wer aber diesen kindlichen, alleinseligmachenden Glauben nicht mehr hat, der muß sich sagen, daß Moses unb alle späteren Propheten, die Seele, den Charakter ihres Volkes im Besonder:: und der ganzen Menschheit überhaupt so genau kanntet:, all' ihre Schwächen, Eigenheiten und geheimsten Regungen so tief ergründet halten, daß sie ans dieser Kenntnis; heraus die Schicksale ihrer Ration unb ihr Verhältnis; zu den Völkern der Erde, auf Jahrtausende hinaus mit unfehlbarer Sicherheit voranszusehen und zu sagen vermochten. Denjenigen Orthodoxen, die ihre Gleichgiltigkeit tmd Unthätigkeit durch fromme Phrasen zt: beschönigen suchen, die da behaupten, die Befreiung Israels werde und dürfe m:r von: Messias den: „Gesalbten" nnternon:u:en und durchgeführt werden, erwidern uni', daß nirgends, iit keinem unserer heiligen Bücher zu lesen ist, Gott lverde den Gesalbten an der Hand führend, ihn jedem frommen Rabbi und Ehassid, feierlich als solchen präsentiren. Tie Idee, der plötzlich mit elementarer Gewalt erwachte Wunsch und Wille -- das ist der wahre „Gotlgesandte", denn von Ihm, dem Hern: der Hecrschaaren kommen die erhabenen, heilbringenden Gedanken! Nur von Ihm! Ter Mensch ist das Gefäß, in das sie sich ergießen, in den: sie mächtig wirken, ihn als Werkzeug benützend. Tie durch nichts näher begründete Behauptung ans demselben Kreise: die Zeit der Erlösung sei noch nicht gekommen, weisen wir mit den: Bemerken zurück, das; überhaupt der Zeitpunkt für das große Er eigniß nicht näher bestimmt ist. Sobald der gute Wille in: Volke erwacht ist, sobald es mit ganzer Seele der Heimat zustrebt, hat auch die Stunde geschlagen!! .... Diejenigen dagegen, welche daraus Hinweisen, daß nur ein ver schwindend kleiner Bmchtheil der Judenheit fiir die nationale Sache ein steht, erinnern uns unwillkürlich an die Episode ans der heiligen Schrift: „Unb der Ewige sprach zu Gideon: zu viel ist des Volkes, als das; ich Midian gebe in ihre Hand, damit Israel sich nicht rühme wider mich, sprechend: meine Hand hat und) errettet. Und nun rufe doch vor den Ohren des Volkes also: tver furchtsam und zaghaft, kehre, mit. . Bekanntlich blieben nur dreihundert Mann aus den: Platze und: „Ta sprach der Ewige zu Gideon: Mit den dreihundert Mann luill ich 01 tri) erretten, alt' jenes Volk aber n:öge gehen, Jeder nach seinen: Ort." Alt' Jenen, die an Anhängern des Zionismus dies und das ans' znsetzen haben, möchten wir zu Gemüt he führen, daß: „Wir alte Knechte waren im Lande Egypten" was leider die Inden von heilte, oft gerne vergessen möchten unb daß weiters, die meisten unserer ver dienten, bedeutenden, ja großen Vorfahren, Männer ans den: Volte waren, klein und demüthig: aber der Geist Gottes erleuchtete, stärkte r.ub leitetete sie so, daß sie Herrliches vollbringen konnten. Und der Größte und Herrlichste von Allen, war nicht einmal unter seinem Volke erzog:n und ausgewachsen. Fremde Menschen, fremde Sillen, fremder Glaube umgab ihn, aber im tiefsten Innern schlnminerte die Liebe zu seinem Volk, das Mitgefühl für seine Leiden. Schon in dem Augenblicke als er fiir einen seiner bedrückten und verachteten Brüder offen Parld ergriff, hatte er sich gefunden, hatte ihn Gott zum Befreier erwählt, ihn: Weis heit und Macht verleihend. Darum begrüßet! wir bcu Zionismus als einen Hellen, freundlichen Stern, der an den: düstern Himmel unseres nationalen Lebens verheißungsvoll erschien und hegen den innigen Wunsch, er möge, sich den jüdischen Herzen rasch nähernd, zur mächtig strahlenden Sonne werden, die den Weg uns heimlenchtel in's Vaterland. TVelbchr'Oirrk. Jsch Jehlldi. Der anonyme Spender des Preises für die beste Nationalhymne hat an Dr. Herzl fünfhundert Francs und einen Ducaten gesendet. Das Beten in den Eisenbahn -Coupvs und in den Wartesälen wurde, wie die „Nowosti" mittheilen, vorn russischen Eisenbahn-Ministerium den Juden verboten. Die erste hebräische Bibel i» Amerika wurde im Jahre 1814 bei William Fry in Philadelphia gedruckt. Es war das auch das zweite in Amerika erschienene hebräische Buch, das erste waren die im Jahre 1809 gedruckten Psalmen.

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